Schlagwort-Archive: Sparklehorse

Review: Red Kite

Red Kite – „raquet“

Soll ich zum Beginn dieses Texts wirklich noch mal The Cooper Temple Clause hervor kramen? Es ist zehn Jahre her, dass die sich getrennt haben! Dan Fisher hat diese Zeit laaange hinter sich gelassen. Aber hey, was war das für eine absolute Lieblingsband! Und sie sind nun mal mein Einstieg in Red Kite, denn ohne die Coopers hätte ich von der Existenz Red Kites vermutlich nix mitbekommen.

Also, Rückblende: TCTC kamen aus Reading vor den Toren Londons. Sie bestanden aus sechs schrägen Einzelcharakteren. Mindestens vier davon waren am Songwriting beteiligt und sie alle trugen ihren speziellen Teil zu einem massiven Gesamtsound bei. Seit der Trennung gibt es Projekte der einzelnen Mitglieder, die sich entsprechend in die verschiedenen Einzelteile dieser Summe aufschlüsseln. Tom Bellamy zum Beispiel, damals Gitarrist und an Keys und Samplern tätig, ist nach Berlin gezogen und hat dort eine Band namens losers am Laufen, deren Sound ich Goth-Prog-Tronica nennen würde.

Hier gehts aber nicht um die losers, sondern um Red Kite. Um die Band, die Dan Fisher ein paar Jahre nach Team Cooper ins Leben gerufen hat und mit der er nun sein zweites Album veröffentlicht. Dan spielte bei TCTC meistens Gitarre, sang manchmal. Vor allem: Er schrieb viele der Songs.

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Bin There, Done That

Es gab‘ ne Phase im Postgrunge der frühen bis Mitt-90er, da gehörte es zum guten Ton, sich selbst zu beschimpfen. „I’m a Loser, Baby“ sang Beck. „I’m a Creep, I’m a weirdo“ klagten Radiohead. Wheatus moserten „I’m just a Teenage Dirtbag, Baby“.

Es scheint, als nimmt dieser Sound und diese Weltsicht auf die Dinge down under gerade wieder Fahrt auf. Oder ist es Zufall, dass ich alleine in der letzten Woche erst das sehr Weezer-eske Album des Neuseeländers Kane Strang (u.a. mit dem Refrain: „Kill me now, don’t think twice…“), dann das LoFi-Sparklehorse-ige Debüt von Brightness besprach und jetzt Melbournes Tiny Little Houses auf ihrer neuen Single ebenfalls in diese Kerbe schlagen? Ihr Sänger Caleb Carvountzis putzt sich darauf mit den Worten „I’m a Garbage Bin“ runter. Das ist okay, aber die großen Versprechen, die Tiny Little Houses 2015 mit ihrer Single „Easy“ machten, lösen sie damit nicht wirklich ein.

Review: Brightness

Brightness – „Teething“

Die englische Sprache, das muss man sagen, hat ja schon ein paar prima Ausdrücke. „Teething“ kann man 1:1 gar nicht ins Deutsche übersetzen. Klar, auch wir haben „Zahnen“ als Beschreibung für den Zeitraum, in dem ein Kleinkind seine ersten Beißerchen kriegt. Aber wir benutzen’s nicht wie die Briten im übertragenen Sinne, oder doch?

Wenn jemand seine ersten Schritte macht, sagen wir, ähem, „Jemand macht die ersten Schritte.“ Zahnen aber ist ein unangenehmer, durchaus schmerzhafter Prozess, und dieser Beigeschmack fällt bei bloßen „ersten Schritten“ weg. Zahnen bedeutet eine frühe Übergangsphase, durch die man leider durch muss, aus der man aber gestärkt hervorgeht. „Teething problems“ sind entsprechend im Englischen ein feststehender Ausdruck für die nötigen Anlaufschwierigkeiten, die manchen Dingen nun mal innewohnen.

Wenn uns also ein Singer/Songwriter seine erste EP bzw Minialbum (das Teil hat 9 Tracks, davon zwei kurze Instrumentals, insg. ca 29 Minuten Spielzeit) unter dem Namen „Teething“ präsentiert, dann sagt er uns: „Okay, ich weiss, dies sind meine ersten, vielleicht noch ungelenken Gehversuche“. Aber er sagt uns auch, dass er hierauf aufbauen will und künftige Releases vermutlich mehr Spielraum, Bandbreite und Erfahrung aufweisen werden.

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Mr. Brightness

Als im Februar die Debütsingle „Oblivion“ des Australiers Alex Knight aka Brightness erschien, da dachte ich, wir hätten es mit einem Janglepop-Typen im Stile von Day Wave zu tun. Seine zweite Single „Waltz“ zeigt aber mit LoFi-Folk eine ganz andere Seite. Die Nummer klingt wie einer dieser knisternden Momente, die man zwischen den ausgemalten Mellotron- und Noise-Songs auf einem Sparklehorse-Album findet. Intriguing.

Review: Tiny Little Houses

tiny-little-houses-snow-globe-epTiny Little Houses – „Snow Globe EP“

Diesen Text habe ich vor mir her geschoben. Dabei habe ich nägelkauend auf die zweite EP der Melbourner Tiny Little Houses gewartet. Ihre Single „Easy“, die zog mir letztes Jahr den Teppich unter den Füßen weg – so ein wundertrauriges Lied! Über leise, sehnsüchtige und nicht zurück erwiderte Liebe, und das alles verpackt in clever-melodiösen LoFi-Pop!

Die EP „You Tore Out My Heart“, von der „Easy“ stammte, hatte weitere so umwerfende Momente. Alleine, dass sie mit der Zeile „How weird it is to think in 60 years we won’t exist…“ anfing! Ich meine, wer stellt sich auf diese Weise der Welt vor? Da war klar: Dieser junge Australier Caleb Karvountzis, der dieses Quartett anführte, der war ein schwieriges, poetisches Denkerchen. Einer der Typen, die ihre Band nicht gründen, weil sie cool aussehen wollen, sondern weil sie müssen. Weil sie was treibt, ein Zweifel, eine Suche, eine innere Aufgewühltheit.

Es ist nicht so, dass diese Aufgewühltheit auf den sechs Songs der „Snow Globe EP“ fehlen würde. Aber es ist so, dass Caleb sie hier auf etwas andere Weise ausdrückt. Review: Tiny Little Houses weiterlesen

The Missing Linkous

Ja mei, das Internet. Alle paar Jahre juckt es mich und suche ich nach den Dancing Hoods. Die Band, von der ich immer nur las, aber die ich nie zu hören bekam. Sie hätten ein bisschen wie die Replacements geklungen, heißt es. Wichtig sind Dancing Hoods deshalb, weil es die Band war, in der Mark Linkous von Sparklehorse sich seine ersten musikalischen Sporen verdiente.

Zwei Alben haben die Dancing Hoods veröffentlicht: „12 Jealous Roses“ (1986) und „Hallelujah Anyway“ (1988). Heute habe ich das Ganze mal wieder in die Suchmaschinen eingegeben – und sieh an: zum ersten Mal fand ich tatsächlich was. Auf youtube gibt’s eine Liveperformance aus der US-MTV-Sendung „Cutting Edge“ und im Downloadstore gab’s „Hallelujah Anyway“ zu kaufen. Ich weiss nicht, wie lange schon. Als ich das letzte Mal schaute, gab’s das jedenfalls nicht.

Wir lernen: Mark Linkous war nicht der Frontmann, sondern Gitarrist und Co-Sänger der Dancing Hoods.

p.s. Falls ihr euch fragt: Wieso heisst dieser Blog eigentlich „Best Ditches“? Mein erstes Interview mit Mark Linkous fand im Herbst 1996 statt. Sparklehorse supporteten Mazzy Star im Strom. Normal lasse ich mir CDs nicht signieren, aber bei ihm musste es sein. In mein Booklet von „Vivadixiesubmarietransmissionplot“ schrieb er: „Best Ditches, Mark“

Earth Is The Longlist Planet, Pt 5

VRYLL Header

Ich hatte meine eigene Best Ditches – Longlist für 2016 versprochen. Meine Antwort auf die Longlist der BBC. Anstatt nur über deren langweilige Newcomer zu lästern, wollte ich meine eigenen Tipps mit in den Topf werfen und prognostizieren, welche Bands nächste Saison groß rauskommen. Naja, vielleicht nicht unbedingt groß rauskommen – meine Vorhersage soll eher besagen, dass diese genannten Acts 2016 hoffentlich ein gutes bis tolles Debütalbum vorlegen können. Letztes Jahr habe ich das Gleiche gemacht, mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Also okay. Nach dem Break findet ihr meine Tipps für 2016.

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Houses Of Love

Okay, hier bin ich etwas später dran. Das Video steht schon länger online, aber auch wenn der Clip nicht brandneu ist, will ich ihn doch teilen. Weil’s mich packt, das Lied.

Hallo, Tiny Little Houses aus Melbourne. Wir werden viel Freude miteinander haben! Euer Sänger Caleb Karvountzis schreibt, ihr seid beeinflusst von US-90s-Bands wie Neutral Milk Hotel. Ich kann Pavement, Flaming Lips, Sparklehorse in eurem Sound hören – aber auch typisch Melbourner Dolewave-Janglepop. Vor allem aber höre ich markante Gitarren und einen Sänger mit Persönlichkeit. Die EP „You Tore Out My Heart“ beginnt mit den Worten „How weird it is to think in 60 years we won’t exist“. Caleb, was machst du dir denn mit Anfang 20 für Gedanken?
In der Single „Easy“ geht’s um die beste Freundin, die nie mehr sein wird als die beste Freundin. Kennt man. Aber wenn Caleb singt „I can’t keep having you around (…) it’s better lost than found“ stimme ich nicht mit ihm überein. Einig sind wir uns wieder, wenn er singt „It’s not hell, but it’s not easy.“

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