Earth is the Longlist Planet, Pt 4

alessia cara

So. Ich hatte versprochen, die BBC Longlist durchzuhören. Drei Vorläufer-Beiträge dazu findet ihr unten. Jetzt soll’s ohne große Umschweife los gehen.

BBC-Tipp 1: Alessia Cara. (Bild) Eine Kanadierin, deren Single „Here“ sich innerhalb eines halben Jahres bis in die US Top 20 geschlichen hat. Hmmmm. Ganz interessant. Cara gibt in diesem Song das Mädchen, das mit oberflächlichen Parties nichts anfangen kann. Der langsame HipHop-Beat, die dramatische Produktion, sie schreien dabei ein Wort laut, ganz laut, unerträglich laut, und das Wort ist „LORDE!“ Uh. Naja, ich darf nicht schimpfen. Ich habe früher behauptet, dass Lorde den Pop verändern wird, ihm mehr Tiefe geben wird. Dies scheint einzutreten – statt über Bling singt Alessia Cara über Teenager-Gruppenzwang, das ist zweifellos insgesamt ein Schritt zum Besseren. Außerdem: Lorde ist so gut, dass auch ein Lorde-Abklatsch noch was Gutes ist. Andererseits bleibt’s ein Lorde-Abklatsch.

BBC-Tipp 2: Billie Marten. Oh Gott, das ist gleich mal völlig entsetzlich. Die Single „Bird“ geht los mit einschläfernd geschmackvollem Piano, dann kommt Billie ins Bild, sie ist eins dieser säuselnden „ach-ich-bin-so-zerbrechlich“-Mädchen. Oh Gott, alleine diese Flötenstimmen machen mich ja immer so rasend, dass ich mit Sachen um mich werfen könnte. Und dann so vage Kinder-Poesiealbums-Zeilen a la „Hope is a distance unreached“, die nichts, NICHTS bedeuten, aber so tun, als wären sie tiefgründig. Das Schlimme ist: das ist nicht mal Musik für Mädchen, die Pierrot-Poster an ihren Wänden haben. Das ist Musik für deren Single-Onkels. AAARGH. HASS HASS HASS! Aha – ich lese, Billie ist ganze 15 Jahre alt. Tja, wenn alles an Birdie erinnert, warum dann nicht die Single „Bird“ nennen?

BBC-Tipp 3: Blossoms. Die mag ich. Ihre Single „Charlemagne“ ist so richtig knallig-beknackter Britpop. Es gab und gibt bessere Gitarrenbands und bis jetzt erfinden die fünf aus Stockport das Rad nicht neu, aber ihre Songs sind total in Ordnung.

BBC-Tipp 4: Dua Lipa. Nee, da bin ich dagegen. Diese 19jährige, aus dem Kosovo stammende Britin wird auf den Markt als Zwitterwesen geworfen. Einerseits wird da auf Amy Winehouse-Soul gemacht, andererseits auf Hurra-Model-Pop. Das funktioniert meiner Meinung nach nicht, jedenfalls mal auf keinen Fall auf ihrer Single „New Love“. Amy Winehouse war ein Original, auch Adele ist noch ein Original. Sowas kann man nicht mit gefälligem Pop einer Schönheit verwässern und hoffen, dass man dann noch mehr Leute abholt. Ist meine Meinung.

BBC-Tipp 5: Frances. Oha. Ich hasse es nicht so doll, wie ich dachte, dass ich es hassen würde. Das ist zwar eine so todlangweilige Ballade, dass sie klingt wie ein Grand Prix-Beitrag aus Malta, aber mei, es ist wenigstens nur todlangweilig. Aber wer hört „Let It Out“ und bleibt wach?

BBC-Tipp 6: Izzy Bizu. Ach Gottchen, NOCH eine Piano-Tante. Na immerhin kann man da mitschnipsen. Izzy hat äthiopische Wurzeln, entsprechend wird ihr Video „White Tiger“ auf Afrika getrimmt. Nice enough, aber nicht mehr als niedliches Plastikspielzeug.

BBC-Tipp 7: Jack Garatt. Okay, der wird gewinnen. Weil er alles gewinnt gerade auf der Insel. Und warum? Weil’s Musik ist, von der Leute, die Sam Smith hören, denken, sie sei spannend. Außerdem hat der Typ hat nen langen roten Bart, das merkt man sich. Der Sound? Stellt Euch vor, der Buchhalter in eurer Firma hat Flume gehört. Leider hat niemand die Chance genutzt, Jack Garrett beim Videodreh zu „Breathe Life“ mit Blei zu beschweren.

BBC-Tipp 8: J Hus. Noch ein 19-jähriger. Fast alle hier sind 19. Ein Rapper aus East London. Sorry, bei Rap habe ich zu wenig Ahnung. Mir scheint die verspielte Synth-Produktion von „Lean & Bop“ in der Tat innovativ zu sein. Würde ich’s mir selbst anhören? Nö.

BBC-Tipp 9: Loyle Carner. Oh Shit, wie fucken geschmackvoll „Ain’t Nothing Changed“ schon wieder losgeht mit seinem Smooth-Jazz-Saxophon. Der Südlondoner rappt darüber, sein Studentendarlehen nicht zurück zahlen zu können. Ui, ist Emo-Rap damit auch in UK angekommen? Gleichzeitig mit der Jazzkantine? Nix für mich.

BBC-Tipp 10: Mabel. Ui, das ist die Tochter von Neneh Cherry, sieh an. Ein Video zur Single „Know Me Better“ habe ich nicht gefunden. Der Song: Pop Fodder, aber auf nem hohen Level. Okay, wenn das Erfolg hat (und das wird es), stört’s mich nicht.

BBC-Tipp 11: Mura Masa. Ach nee. Totally Dingsbums Dingsbums Dinosaurs mochte ich nicht. Jetzt kreuzt das ein Guernsey-Insulaner mit – Überraschung! – Flume zum Tausendsten und das Ergebnis ist Begleitmusik, für die die Bezeichnung „dahin plätschernd“ noch zu aggressiv wäre.

BBC-Tipp 12: Nao. No. Schon wieder so fader Zeitlupen-Elektronik-Scheiss aus der Flume-Resterampe. Fuck this. Echt jetzt.

BBC-Tipp 13: Rat Boy. Tja, was sagt man dazu? Wenn es Jamie T nicht schon gäbe, wäre das ordentlich. Aber es gibt Jamie T schon. Okay, der hat zuletzt ein Depri-Album gemacht und wird sicher nicht noch mal so peppig klingen wie Rat Boy heute. Nun denn, originell ist das also nicht. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass Rat Boy mit keinen Spaß macht. So viel, dass ich mir Jordan Cardy (so heisst Rat Boy wirklich) für meine eigene Longlist schon vorgemerkt hatte.

BBC-Tipp 14: Section Boyz. Okay, in HipHop kenne ich mich nicht aus. Aber wo J Hus mir das Gefühl gab, Sounds zu bringen, die ich so nicht kannte, tun Section Boyz das… nicht. Diese Synths wirken auf mich nicht minimalistisch, sondern nur billig.  Aber okay, nicht mein Sound, ich halte mich da raus.

BBC-Tipp 15: WSTRN. Aus West-London. „Ein Mix aus HipHop, Electronica und mehr“ Aha. „Mehr“ heisst hier wohl „gefälliger Weischspül-Pop.“ Wie gesagt, in HipHop kenne ich mich nicht aus, aber das hier klingt für meine Ohren ungefähr so bedrohlich wie Billie Marten.

Fazit? Ui – diese Liste ist noch schlimmer als die aus dem letzten Jahr!! Ein hoher Prozentsatz an unorigineller, nervig langweiliger Gülle – und weit und breit kein Charakterkopf.  Okay, ich mag die Blossoms, weil’s halt meine Musik ist. Aber wenn das echt die mit Abstand beste Gitarrenband der Insel sein soll (sonst wurde ja keine genannt hier), dann spricht das nicht für Englands Gitarrenszene.

Noch was: Immer noch ist die BBC krass inselfixiert.  Die Kanadierin Alessia Cara ist die einzige nicht-Britin dieser Liste.  Das ist wenig.

Meine Favoriten? 1. Blossoms / 2. Rat Boy / 3. Mabel

… und mehr fällt mir für heute nicht ein. Ich geh‘ schlafen. Sorry, wenn extra viele Fehler in diesem Post sein sollten, ich stelle ihn jetzt online, ohne ihn noch mal gegen zu lesen. Das mache ich morgen. Gute Nacht.

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