Schlagwort-Archive: The Flaming Lips

Review: Interpol

Interpol – „Marauder“

Oh je. Ich muss was gestehen. Bitte verurteilt mich nicht dafür. Bitte werft mich nicht aus eurem Freundeskreis. Ich weiss, viele werden mich dafür verachten. 

Aber – Achtung: Ich fand Interpol zuletzt ganz schön mies.
Puh, jetzt ist es raus.

Für manche Leute, die ich kenne, hat diese Band den Status von unantastbaren Göttern. Kein schlechtes Wort darf über sie fallen. Mich haben die aber zuletzt so unfassbar kalt gelassen!

Also, natürlich, sie haben stark angefangen, da gibt es von mir keine Widerrede. Ich gehörte auch nie zu denen, die Interpol von Anfang an als Joy Division-Kopisten abtaten. Solche Total-Verweigerer gab’s ja schon seit 2002, als sie mit „Turn On The Bright Lights“ durchstarteten.
Meine Meinung dazu: Sicher gibt’s unzweifelhaft Parallelen zwischen Sheffields Pionieren und den New Yorker Nachfolgern. Die schneidende Stimme, die sich Ian Curtis und Paul Banks teilen und ihr entsprechend weniger auf Melodien als auf Durchdringlichkeit setzender Gesang. Die monoton-zackigen Gitarrenfiguren. Die Basslines, die auffällig den Achteln folgen und dann umso auffälliger nicht. Vor allem natürlich: Die kühle, bedrückende Atmosphäre. Die aufgekratzte, nervöse Spannung, die beide Bands in Gitarrenmusik übersetzen. Man muss schon taub sein, um diese Verwandtschaft nicht zu hören – aber dennoch, für mich sind Interpol ein Update und keine Kopie. Die Unrast, die Ian Curtis 1981 in Sheffield spürte, ist eine ähnliche, die Paul Banks 2002 in New York spürte, und darauf basiert für mich die geistige und musikalische Nähe.

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Review: Mercury Rev

mercury-rev-the-light-in-you22Mercury Rev – „The Light In You“

Es wird niemanden von Euch überraschen zu lesen, dass ich immer schon Nerd war. Ich weiss noch, wie ich kurz nach Weihnachten 1991 zu Hause im Allgäu auf meinem Zimmerboden meine 25 Lieblings-CDs des Jahres 1991 ausbreitete und eine Hitliste aufstellte. „Yerself Is Steam“ von Mercury Rev war Rang 2. (Ich erinnere ich mich nicht mehr, was mein Rang 1 war. Aber „Raise“ war sicher in den Top Ten, „Whirlpool“ sicher auch weit oben, so wie „Leisure“, „Bandwagonesque“, „Loveless“, „The Real Ramona“, „Trompe Le Monde“ und „Just For A Day“. 1991 war ein gutes Jahr. Wow, manche meiner Freunde waren da noch nicht geboren.)
So gerne mochte ich Mercury Rev, diese transzendenten schrägen Vögel, die Symphonien mit dem Staubsauger zu schreiben schienen, dass ich nie zugeben konnte, wie wenig mir eigentlich ihr sperriges zweites Album „Boces“ gefiel, nach dem sie ihren Sänger David Baker rauswarfen (was okay war, denn die besten Songs wie „Car Wash Hair“ oder „Chasing A Bee“ stammten immer schon aus der Feder von Jonathan Donahue und Sean Mackowiak alias „Grasshopper“.) Auch „See You On The Other Side“ konnte ich dann nicht ungekauft im Regal meines CD-Dealers stehen lassen, das war wieder viel besser, aber noch ziemlich verquer und verwirrend.

Aber der große Höhepunkt des Schaffens dieser Band, das war natürlich „Deserter’s Songs“, 1998. Review: Mercury Rev weiterlesen

Vinterview: Elbow 1

Vinterview Header Elbow2010 begann ich mit dem Bloggen, damals unter der Webadresse hennissey.piranha.tv. Doch letzten Sommer wurde mein Blog leider gelöscht.

Ich werde die dabei verlorenen gegangenen Interviews hier nun nach und nach wieder online stellen. Diese “vintage Interviews” (Hüstel!) nenne ich “Vinterviews”.

Neulich schrieb ich hier über die neue EP von Elbow – deren Erscheinen mich überraschte, denn das letzte Album der großen Melancholiker aus Manchester erschien schließlich erst 2014. Zu jener Platte sprach ich Bassist Pete Turner. Nach dem Break also mein Text vom letzten Jahr….

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Review: The Maccabees

The-Maccabees_Marks-To-Prove-It_album-artworkThe Maccabees – „Marks To Prove It“

Die Maccabees sind Überlebenskünstler. Sie tauchten auf in der britischen Szene, als sich gerade der Wind drehte, als für die damalige Schwemme der UK-Gitarrenbands der Ausdruck „Indie Landfill“ geprägt wurde und das Genre quasi geächtet wurde. Aber während Zeitgenossen wie The Rakes oder Good Shoes in der Folge völlig von der Bildfläche verschwunden sind, werden The Maccabees zumindest auf der Insel immer noch extrem geschätzt – nicht zuletzt, weil sie klanglich eine Kehrtwende gemacht haben.

Hätten die fünf Londoner aus gutem Hause mit den flotten Zickzackpop-Zweiminütern ihres Debüts „Colour It In“ weiter gemacht, wären sie sicher genauso abgeschossen worden. Aber sie erweiterten auf ihrem zweiten Album „Wall Of Arms“ ihren Sound, ihre Songs dehnten sich nun aus, entwickelten Atmosphären. Damit hatte keiner gerechnet, entsprechend gab’s Pluspunkte von der Kritik. Auf ihrem dritten Album „Given To The Wild“ reizten sie dieses Verfahren dann aus – fast jeder Song machte eine Reise durch, auf der er langsam und leise anfing, dann Fahrt und Instrumente aufnahm, bis diese sich zum Getöse auftürmten, worauf der Song wieder abebbte, bremste oder in sich zusammenfiel. Auf der Insel wurde die Platte GELIEBT und in die Jahresbestenlisten von 2012 gewählt.

Damit haben Sänger Orlando Weeks und Co sich auch ein Problem geschaffen: Aber auf ihrem vierten Album gilt’s für die Herren, wieder was Neues zu finden. Nicht auf der Stelle zu treten, das sind The Maccabees sich heute schuldig. Das haben sie sich sozusagen eingebrockt mit ihrer bisherigen Entwicklung.  Auch die Stellung, die sie in der UK-Szene deswegen innehaben, verlangt das nun.

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