Schlagwort-Archive: Editors

Review: Red Kite

Red Kite – „raquet“

Soll ich zum Beginn dieses Texts wirklich noch mal The Cooper Temple Clause hervor kramen? Es ist zehn Jahre her, dass die sich getrennt haben! Dan Fisher hat diese Zeit laaange hinter sich gelassen. Aber hey, was war das für eine absolute Lieblingsband! Und sie sind nun mal mein Einstieg in Red Kite, denn ohne die Coopers hätte ich von der Existenz Red Kites vermutlich nix mitbekommen.

Also, Rückblende: TCTC kamen aus Reading vor den Toren Londons. Sie bestanden aus sechs schrägen Einzelcharakteren. Mindestens vier davon waren am Songwriting beteiligt und sie alle trugen ihren speziellen Teil zu einem massiven Gesamtsound bei. Seit der Trennung gibt es Projekte der einzelnen Mitglieder, die sich entsprechend in die verschiedenen Einzelteile dieser Summe aufschlüsseln. Tom Bellamy zum Beispiel, damals Gitarrist und an Keys und Samplern tätig, ist nach Berlin gezogen und hat dort eine Band namens losers am Laufen, deren Sound ich Goth-Prog-Tronica nennen würde.

Hier gehts aber nicht um die losers, sondern um Red Kite. Um die Band, die Dan Fisher ein paar Jahre nach Team Cooper ins Leben gerufen hat und mit der er nun sein zweites Album veröffentlicht. Dan spielte bei TCTC meistens Gitarre, sang manchmal. Vor allem: Er schrieb viele der Songs.

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Let’s call this a calmback

City Calm Down aus Melbourne haben sich mit ihrem 2015er-Album „In A Restless House“ als sowas wie eine australische Variante der Editors etabliert. Jetzt steht ihr zweites Album an und die erste Single daraus liegt vor. Der Titel: „Blood“. Hey, die Editors hatten doch auch schon einen Song, der so hieß! Nicht, dass ich City Calm Down vorwerfen will, sie würden kopieren – ich will nur sagen, dass sie und die Editors offenbar tatsächlich ähnliche musikalische Vorstellungen haben.

Series: The 80s – Classics and Curios, Pt. 1

vinterview-80sDas Frage, mit welchen Themen ich in den praktisch Release-freien Wochen um die Jahreswende Inhalte für meine Seite schaffen soll, die stelle nicht nur ich mir auf meinem kleinen Blog. Das Problem haben auch ganz andere, ungleich größere Musik-Medien. So hat Pitchfork vorgestern – a pro pos of nothing – eine Liste der 10 besten Songs der 80er zusammen gestellt. Aber warum auch nicht? Naturgemäß sind 10 Songs zu wenig, um eine ganze Dekade zusammen zu fassen und klar wird man drüber diskutieren. Sicher hat jeder der Pitchfork-Songs es verdient, auf der Liste zu landen – aber essentielle Namen fehlten trotzdem. Mich jedenfalls hat das Ganze dazu gebracht, 80s-Namen aufzuschreiben, die ich in meine persönlichen Top Ten packen würde. Natürlich ist das sofort ausgeartet und plötzlich hatte ich über 40 Namen auf dem Zettel stehen.

Weswegen ich mir sagte: Okay, da mach ich ne kleine Serie draus. Ich werde in unregelmäßigen Abständen eine kommentierte Selektion von 80s-Bands bzw Songs posten. Die 80s waren schließlich eine im Nachhinein herrlich alberne Dekade, in der viel ausprobiert wurde. Manches ging daneben, manches aber wurde zum Grundstein für spätere Entwicklungen. Manches, was damals noch als Mainstream-Pop galt, wäre heute fürs Indie-Fach zu schräg. Zumal: Seit youtube-Videos in Deutschland nicht mehr gesperrt sind, kann man alte Schätze neu entdecken.

Also gut, gehen wir in unsere erste Runde. Diese erste Rutsche habe ich unter einen Oberbegriff gestellt: Indie-Bands. Genauer: Bands, die als Pioniere das, was später zur eigenen Kategorie Indie werden sollte, vorbereiteten und noch lange prägten. All die nun folgenden Bands sind Gitarrenbands – was in den 80ern ja eher untypisch war.

Anmerkung: Die Liste ist alphabetisch geordnet, nicht nach irgendeiner Wertung. Sonst ginge es nicht ausgerechnet los mit…

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Bring On The Minor Leagues

Minor Victories, das ist die Band um Stuart Braithwaite (Mogwai), Rachel Goswell (Slowdive) sowie die Brüder James und Justin Lockey (Editors). Wie ihr ihr Album gemeinsames finde, das habe ich neulich in dieser Rezension erläutert. Es gibt nun ein neues Video aus dem Album – und zwar zum Song „Cogs“.

Die machen aber ganz schön Druck mit ihren Gitarren. Holla.

Review: Minor Victories

PrintMinor Victories – „Minor Victories“

Es lohnt sich halt doch, Alben öfter anzuhören. Mein erster Eindruck vom Album der Minor Victories war kein guter. Ja, ich war regelrecht enttäuscht. Weil die Platte mir nicht das gab, was ich erwartete. Eine gemeinsame Band mit Stuart Braithwaite (Mogwai) und Rachel Goswell (Slowdive)? Da rechnete ich einfach mit himmlischer, transzendenter Musik, die einen beim Hören in andere Sphären hebt. Slowdive waren schließlich immer ätherische Elfen und auch Mogwai sind große Hypnotiker, auch und gerade in letzter Zeit, in der sie Elektronik mehr und mehr miteinbeziehen.

Aber statt zu schweben, zeigt sich das Album der Minor Victories sehr geerdet. Es schreitet daher wie mit Bleischuhen und die Gitarren rammen mit einer breiten Wucht, als wollten sie Schlosstore durchbrechen.

Ich hätte halt gleich genauer lesen sollen. Minor Victories sind schließlich zu viert, sie haben noch die beiden Mitglieder Justin und James Lockey – und Justin ist es, der im Kern dieses Experiments steht.

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Calm Down Under Dearest

Ob wir Melbournes Editors/Interpol/The National-Popper City Calm Down wohl so langsam mal in Europa sehen? Ihr letztjähriges Album „In A Restless House“ war richtig gut und mit „Your Fix“ befindet sich ein Song drauf, der den Pop der Killers, als sie gut waren (so „Jenny Was A Friend Of Mine“-Zeiten) einfängt.

Ein Video zu „Your Fix“ gibt’s noch nicht, aber City Calm Down haben den Song nun fürs australische Triple-J-Radio live eingespielt und sich dafür sogar einen Bläsersatz engagiert.

Review: City Calm Down

In A Restless HouseCity Calm Down – „In A Restless House“

Na, die haben uns aber lange auf die Folter gespannt.

Fast auf den Tag genau drei Jahre ist es her, als aus Melbourne das Quartett City Calm Down mit einer fast perfekten 6-Track EP namens „Movements“ auftauchte. Es war eine EP, die für Newcomer schon erstaunlich ausgereift war, denn hier war sowohl Persönlichkeit, Abwechslung als auch Tiefe drin. Es gab ein atmosphärisches Instrumental genauso wie einen Cut Copy-esk tanzbaren Track („Sense Of Self“), vor allem aber Melancho-Indierock für Leute, die die frühen Editors gut finden. Es stellte sich dann heraus, dass City Calm Down streng genommen keine totalen Newcomer mehr, sondern daheim in Melbourne schon seit drei, vier Jahren aktiv waren. Was immerhin erklärte, warum diese ersten Songs schon so weit waren.

Seitdem aber haben uns City Calm Down auf ihr erstes Album warten lassen. Was es gab, waren vereinzelte Singles („Speak To No End“, 2013 sowie „Pavement“, 2014), die jeweils eine Facette zum bisherigen Sound der Band hinzufügten und die Ungeduld auf ein Album steigerten. Review: City Calm Down weiterlesen

Review: Editors

EditorsEditors – „In Dream“

Die Editors haben in der Indie-Community viele Sympathien verspielt mit ihrem letzten Album „The Weight Of Love“. Es hätte eine wegweisende Platte für Tom Smith und Co sein sollen, aber nicht deshalb, weil ihr Gitarrist Chris Urbanowicz von Bord gegangen und durch zwei Neue ersetzt worden war. Es war so: Nach drei Alben als erfolgreiche Indierockband standen die Briten an der Schwelle. Wenn sie ihren nächsten Schritt richtig setzten, so war das allgemeine Gefühl in der Musikbranche, dann könnten sie die nächste Stufe nehmen und in die Megaband-Sphären aufsteigen zu U2 und Coldplay. (Ein Status, den sie ausgerechnet in Belgien interessanterweise bereits besitzen.)

Aber dieser versuchte Aufstieg auf den nächsten Level, er misslang. Das lag nicht daran, dass die Editors es nicht versucht hätten. „The Weight Of Your Love“ hatte ein paar schleimtriefende Wimmer-Pathos-Balladen, die bei der breiten Masse theoretisch hätten offene Türen einrennen sollen. Aber irgendwie drangen sie mit „What Is This Thing Called Love“ oder „Nothing“ trotzdem nicht zum Radio NRJ-Publikum durch. Statt dessen vergraulten sie mit diesen Nummern einen ordentlichen Teil ihres Indie-Publikums, das sich durch diese Sülze verraten fühlte.

Dabei hätten selbst Fans der ersten Stunde vorgewarnt sein sollen. Pathos und eine gewisse Aufgeblasenheit gab’s bei dieser Band von Anfang an. Review: Editors weiterlesen

Review: Foals

Foals_What_Went_Down_Album_CoverFoals – What Went Down

Seien wir ehrlich, man kann eigentlich nie neutral an Alben rangehen. Man ist immer irgendwie voreingenommen. Wobei ich sogar glaube, ich war ihnen gegenüber noch offen eingestellt, als ich mir die Foals im April 2008 im Münchner 59:1 anguckte. Der Abend, an dem meine Antipathie gegen diese Band begann.

Foals hatten davor ein paar Singles veröffentlicht, die ziemlich spannend waren. Ihren Hit „Mathletics“ konnte man z.B. im Atomic prima in die florierende New Rave-Phase einbauen, zu Klaxons, Shitdisco & Co. Im April war ihr Debütalbum „Antidotes“ dann taufrisch erschienen, aber die Foals, die in ihren UK-Interviews immer ein bisschen oberlehrerhaft rüberkamen, hatten „Mathletics“ absichtlich nicht mit aufs Album getan. Typisch eigentlich, im Nachhinein.

Was hat mich nun damals so genervt im 59:1? (Abgesehen davon, dass ich nicht verstand, warum die nicht im Atomic spielten – der Laden wäre auseinander gebrochen! Im 59:1 waren im April ’08 geschätzte 80 Leute) Mich nervte die Art, wie die Band sich auf der Bühne aufbaute. Yannis Philippakis sang nicht ins Publikum, sondern drehte sich seitlich. Sang im Profil nach links. Ich fand das so affig!

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Editorial

Ich komme langsam zu dem Schluss, dass es zwei Bands gibt, die Editors heißen. Es gibt die Editors, die lahm dahin wabern und Gefahr laufen, zu den neuen Coldplay zu werden. Und es gibt die Editors, die pushen und die auch nach fünf Alben richtig packende Indie-Nummern hinlegen, zu denen man die Faust in die Luft reckt. Zwei Vorabsingles zum Oktober-Album zeigten uns die schläfrigen Editors – aber Nummer drei, „Fear Of Falling“ hat fast „Papillon“-Format. Sauber.

Editors – Life Is A Fear (Official Video) from PIASGermany on Vimeo.