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Play It Ridicool

Ziemlich aus dem Nichts kam letzte Woche eine neue Editors-Single: „Frankenstein“

Die Editors sind für mich ja eine Band, die durchaus die Tendenz haben, in Pathos und Lächerlichkeit abzugleiten. Das passiert ihnen allerdings deshalb, weil sie sich wenigstens immer mal wieder an etwas heran wagen, das sie überfordert.  Und weil  (das wissen wir von Adam Ant) der Satz „Ridicule is nothing to be scared of“ als eine der ganz großen wichtigen Popwahrheiten für immer gültig bleibt, sind mir Editors, auch wenn sie ab und an ins Klo greifen, lieber als so manch andere Band, die in unantastbarer Coolness nie ihren sicheren Bereich verlässt.

Die neue Single „Frankenstein“ ist so ein Fall. Kindergoth und Eurodance. Absoluter Quatsch. Aber genau deshalb halt schon auch irgendwie geil.

Going Blanck Again

„Violence“, das letzte Album der Editors, entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Elektronik-Producer Blanck Mass. (Hier mein Text dazu aus dem letzten März). Dabei waren die ersten Mixe von Blanck Mass, so las man, noch um einiges elektronischer als die Endversionen, die aufs Album fanden.

Fans interessiert doch sicher, wie die Versionen klangen? Nun, für den 3. Mai haben die Editors angekündigt, dieses Geheimnis zu lüften. An diesem Tag erscheint „The Blanck Mass Recordings“, darauf zu hören: Sieben Songs von „Violence“ im veränderten Mix,  plus das heute bereits voraus geschickte „Barricades“ = eine Nummer, die wir noch nicht kannten.

Das Ganze ist also kein „richtiges“ neues Album. Aber uninteressant ist es auch nicht.

Aller guten Dinge sind acht

Haben City Calm Down vor, jeden einzelnen Song ihres zweiten Albums „Echoes In Blue“ als Single bzw Video zu veröffentlichen? Der neue Clip zu „Distraction/Losing Sleep“ ist, wenn ich keinen übersehen habe, bereits der achte von dieser Platte. Ausgerechnet mein Albumfavorit (der Song „Kingdom“) hat allerdings noch kein Video.

Ich nenne die Band ja immer vereinfachend „Melbournes Variante des frühe Editors/Interpol-Sounds“. Dieser Song widerspricht dieser Beschreibung nicht.

Review: City Calm Down

City Calm Down – „Echoes In Blue“

Ach schade. 

Okay, ich würde über City Calm Downs zweites Album gerne folgendes schreiben: Dass die Jungs aus Melbourne all die Versprechen erfüllen, die sie mit ihren frühen Singles gegeben haben. Die, die sie mit dem ersten Album schon fast, nur knapp noch nicht einhielten. Dass die Band, die man der Einfachheit halber immer als „Australiens Interpol/Editors“ bezeichnete, sich von diesen Einflüssen freigeschwommen hat und jetzt souverän und selbstbewusst ihre Runden auf der ganz eigenen Umlaufbahn dreht. Als mitreissende Gitarrenband, die spielerisch mächtig dräuende Atmosphären herauf beschwört und deren packende Songs dennoch ins Ohr gehen. Ja, die manchmal sogar regelrecht auf den Indie-Dancefloor zerren!

Tja. Würde ich gerne schreiben. Denn so habe ich mir City Calm Down immer ausgemalt. Seit ihrer 2012er-EP „Movements“, da wurde ich erstmals auf sie aufmerksam, allerdings waren sie da schon ein paar Jahre aktiv, noch als Schülerband hatten sie angefangen. Auf der EP fanden sich sechs Songs, denen noch ein bisschen der rote Faden fehlte, die aber in mir als Indie-Nerd trotzdem fast Euphorie auslösten. So muss sich ein Fußball-Scout fühlen, wenn er einen 15jährigen auf dem Platz sieht, der noch erkennbar jugendlich spielt, aber so ein paar magische Ansätze hat, die man nicht lernen kann. Die Art Teenager, bei der der Talent-Scout jubelt: „Der Junge kann Nationalspieler werden!“ 

Tja. Aber nicht jedes Talent spielt wirklich später um die Titel. Manche kommen vom Weg ab. Review: City Calm Down weiterlesen

Instant Calma

Freitag erscheint’s: „Echoes In Blue“, das zweite Album von City Calm Down. Von der Band aus Melbourne also, die ich der Schnelle halber immer als Australiens Editors/Interpol bezeichne, auch wenn ihnen diese grobe Vereinfachung natürlich nicht wirklich gerecht wird. Naja, mehr zu CCD schreibe ich demnächst, wenn ich das Album bespreche. Jetzt gibt’s erst mal ein neues Video für den Titelsong.

 

Review: Editors

Editors – „Violence“

Ach ja, die Editors. Eine Band, die einem viel Material gibt, um sie mächtig albern zu finden. Aber auch eine Band, der man viel zugute halten kann.

Ich habe mich mit mir selbst zuletzt auf folgenden Umgang mit Tom Smith und seinen Jungs geeinigt: Wenn sie wieder auf Pathos machen und sich U2-mäßig auf die Brust schlagen (wie zum Beispiel auf den Balladen vom vorletzten Album „The Weight Of Your Love“), dann sind sie mir ein bisschen peinlich. Wenn sie aber die Popkeule rausholen und so ’nen richtigen Indie-Dancefloor-Burner hinlegen (z.B. „All The Kings“ vom letzten Album oder die frühen Bringer wie „Munich“ oder „All Sparks“), dann erlaube ich mir auch, sie famos zu finden. Zumal: Live langen sie zu. Live sind die der Bringer. Keine Widerrede.

Die Editors sind also die Band, die man sowohl scheiße als auch geil gleichzeitig finden kann. Und wenn jemand als Hörer nur eine der beiden Seiten empfindet, sage ich: I hear you. Ich sehe sowohl ein, wenn jemand als bekennender Indiehead nicht über ihren Popanz und Bombast hinweghören will, als auch, wenn sich jemand von der erschlagenden Wucht, die die Editors immer heraufbeschwören wollen, nur allzu gerne erschlagen lässt. Bei den Editors gehört das nun mal zusammen. Das ist ihre Stärke, das ist ihre Schwäche, das ist ihr Ding, das ist die Haut, aus der sie nicht herauskönnen, das ist ihr USP, das sind die Editors.

Album sechs, „Violence“, nimmt trotzdem ein paar Veränderungen vor. In der Durchführung, nicht in der Wirkung. Review: Editors weiterlesen

Digging Your Ccine

Gab’s personelle Umbesetzungen bei The Vaccines? Oder warum laufen sie zu fünft durch das Video zur aktuellen Single „I Can’t Quit“?

In der Tat, Drummer Pete Robertson ist ausgestiegen. Neu dabei: Yoann Intonti (Drums) und Tim Lanham (Keyboards), bis dato Mitglieder ihrer Liveband. Ist das ein Trend jetzt? Auch die Editors und Franz Ferdinand haben den Ausstieg eines Bandmitglieds durch jeweils zwei Neue aufgefangen.

Anyway. „I Can’t Quit“, das Lied. Meine Meinung: Die besten Vaccines-Songs bestechen durch ihre Einfachheit, die ist hier zweifelsfrei gegeben. Die Produktion aber könnte für meinen Geschmack ein bisschen rauer sein. Frühe Vaccines-Klassiker wie „If You Wanna“ oder „Norgaard“ waren dreckiger, nicht so auf US-College-Rock gebürstet, das taugte mir schon mehr.

Digging Your Zine

Die Editors sind ja schon irgendwie ’ne sonderbare Band. Manchmal geht mir ihre Neigung zum bedeutungsschwangerem Pathos ganz schön auf den Sack. Dann wiederum haben sie auf jedem Album doch 3-5 Songs, die sind einfach griffig, zackig und hittig, ohne platt zu sein. So lässt man sich dann doch wieder breitschlagen, mit aufs Konzert zu kommen. Und bereut es nicht, denn live detonieren Tom Smith & Co dann sicher eine ziemliche Bombe.

Für den 09.03. haben die Editors ihr sechstes Album „Violence“ angekündigt. Vorab gibt’s die Single „Magazine“ – ein Song, den Tom Smith schon länger in der Schublade hatte und der Editors-Superfans daher aus ihrem Liveset bereits bekannt ist.  Bisher war die Band aber mit den Aufnahmen der Nummer nicht zufrieden, erst jetzt, beim neuen Versuch während der „Violence“-Sessions, is es so weit. Meine Meinung? Hmmm. Der extrem poppige Refrain will auf den Indie-Dancefloor, der wuchtige Stop-Start-Rhythmus der Strophen aber spricht dagegen. Ich bin mir nicht sicher, ob der Kontrast funktioniert, was es dafür als Single durchaus gewagt macht. Nicht mein Editors-Lieblingslied, aber auch nicht mein Editors-Hasslied. Sie bleiben irgendwie sonderbar, und das ist nichts Schlechtes.

Keep calm and sound like the church

Ernste junge Männer aus Melbourne. Früher habe ich City Calm Down ganz gern als die Interpol/Editors-Variante von down under bezeichnet. Mehr und mehr aber schwimmen sie sich frei. Klar, völlig frei von Einflüssen und Ähnlichkeiten ist man nie – bei der neuen Single „In This Modern Land“ bilde ich mir zum Beispiel ein, eine Nuance The National und das Erbe von The Church zu hören.

„In This Modern Land“ ist die dritte neue Single von CCD seit ihrem Album „In A Restless House“, das im Herbst 2015 erschien. Da wird’s langsam Zeit für eine neue Platte , oder?

Review: Red Kite

Red Kite – „raquet“

Soll ich zum Beginn dieses Texts wirklich noch mal The Cooper Temple Clause hervor kramen? Es ist zehn Jahre her, dass die sich getrennt haben! Dan Fisher hat diese Zeit laaange hinter sich gelassen. Aber hey, was war das für eine absolute Lieblingsband! Und sie sind nun mal mein Einstieg in Red Kite, denn ohne die Coopers hätte ich von der Existenz Red Kites vermutlich nix mitbekommen.

Also, Rückblende: TCTC kamen aus Reading vor den Toren Londons. Sie bestanden aus sechs schrägen Einzelcharakteren. Mindestens vier davon waren am Songwriting beteiligt und sie alle trugen ihren speziellen Teil zu einem massiven Gesamtsound bei. Seit der Trennung gibt es Projekte der einzelnen Mitglieder, die sich entsprechend in die verschiedenen Einzelteile dieser Summe aufschlüsseln. Tom Bellamy zum Beispiel, damals Gitarrist und an Keys und Samplern tätig, ist nach Berlin gezogen und hat dort eine Band namens losers am Laufen, deren Sound ich Goth-Prog-Tronica nennen würde.

Hier gehts aber nicht um die losers, sondern um Red Kite. Um die Band, die Dan Fisher ein paar Jahre nach Team Cooper ins Leben gerufen hat und mit der er nun sein zweites Album veröffentlicht. Dan spielte bei TCTC meistens Gitarre, sang manchmal. Vor allem: Er schrieb viele der Songs.

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