Review: Morning Harvey

Morning Harvey – „With The Pinstripes“

Gut Ding will Weile haben, jaja. Aber gleich so viel Weile? Morning Harvey, das Trio aus Brisbane, ist nämlich schon ganz schön lange am Machen. Eine erste EP auf bandcamp erschien 2013, eine zweite, quasi ihr offizielles Debüt „Love&Loveand.“ kam 2015. Seitdem tröpfeln alle paar Monate neue Singles ein. Aber auch 2018 gilt, was im Indierock immer galt: Erst mit dem ersten Album ist eine neue Band so richtig da.

Fünf Jahre existieren Morning Harvey also mindestens schon. Das sollte ausgereicht haben, um ihren eigenen Dreh zu entwickeln, oder? Tatsächlich haben sich ein paar Dinge getan seit ihrer 2015er-EP. Da bewegte sich das damals-noch-Quartett ziemlich konkret im frühen Britpop-Sound, da erinnerten sie an The Charlatans  oder die frühen Verve. 

Auf den Singles seitdem haben die Aussies ihren Schwerpunkt von Manchester nach New York verlagert. Der Gesang von Frontmann Spencer White ist schnodderiger geworden, hat heute (auch aufgrund der leicht übersteuerten Aufnahme) mehr was von Julian Casablancas (The Strokes) oder Ric Ocasek (The Cars), als dass er typisch britpop-englisch rüber käme.  Review: Morning Harvey weiterlesen

Showin‘ Off and On

Melbournes The Ocean Party arbeiten schneller als andere Bands. Alle sechs Mitglieder tragen zum Songwriting bei, auf internationale Tournee geht’s selten, so brauchen sie für ein neues Album normal nur zehn bis 13 Monate. Schon steht wieder ein neues in den Startlöchern: „The Oddfellows Hall“ erscheint am 09.11. Als Teaser gibt’s die Single „Off And On“ und ein schräges Video, das aus stock footage zusammen geschnitten wurde.

I like big Botz and I cannot lie

Vielleicht habt ihr Jake LaBotz schon im Kino oder TV gesehen: Steve Buscemi hat den Blues/Americana-Songwriter in den beiden Filmen „Animal Factory“ und „Ghost World“ besetzt, auch hatte der Chicagoer einen Auftritt im vierten Teil von „Rambo“. In der zweiten Staffel von „True Detective“ wiederum verkörperte Jake die Country-Legende Conway Twitty.

An erster Stelle ist LaBotz aber natürlich ein famoser Performer und Liederschreiber. Vor einem Jahr etwa erschien sein jüngstes Album „Sunnyside“ und von dieser Platte gibt es ein neues Video: „Hobo On A Passenger Train“

Jeans Genie

Ist das ein Melbourne thang? Das mit den vielen Videos?

Zu Erklärung: Neulich erst hatten wir’s mit City Calm Down, die schon den achten Clip ihres aktuellen Albums online stellten. Rolling Blackouts Coastal Fever, ebenfalls aus Melbourne (und auch beim gleichen Management) legen wenige Tage später nach und veröffentlichen immerhin Video Nr.  5 aus ihrem (übrigens großartigen) Album „Hope Downs“, nämlich „Sister’s Jeans“.
Na, mir soll’s recht sein Es kann nicht genug Videos dieser Band geben.

Review: Henric de la Cour

Henric de la Cour – „Gimme Daggers“

Ich habe drei Lieblingsgoths. Einer davon ist Robert Smith, eh klar. Der zweite ist Richmond aus The IT Crowd (Noel Fielding, yay!). Der dritte in der Runde ist Henric de la Cour.

Henric macht jetzt auch schon 23 Jahren Platten. Trotzdem nimmt sein jüngstes Album eine Sonderstellung ein. Es ist das erste Album nach der Rettung. Oder: Das erste in der Normalität. 

Aber von Anfang an. 

Henric kennt man in Schweden schon seit 1995. Damals veröffentlichte seine erste Band, sie hieß Yvonne, ihr Debütalbum. Die Platte kriegte in der Heimat viel Aufsehen, obwohl sie komplett gegen alle Trends lief. Denn 1995, da war Grunge noch relativ groß, vor allem aber war der Britpop in vollem Schwung. Kein Mensch setzte auf Synthies, schwarze Klamotten, Kajal und Klänge aus der Mitte der 80er. Goths, Grufties, schienen ein absolutes Nischendasein in der Indieszene zu führen. Aber Henric und seine dunklen Boys aus Eskilstuna (ja, die gleiche Heimatstadt wie Kent) überzeugten ihre Mitschweden, weil sie’s so konsequent durchzogen – und weil sie enorme Songs auf ihrer Seite hatten. Review: Henric de la Cour weiterlesen

Aller guten Dinge sind acht

Haben City Calm Down vor, jeden einzelnen Song ihres zweiten Albums „Echoes In Blue“ als Single bzw Video zu veröffentlichen? Der neue Clip zu „Distraction/Losing Sleep“ ist, wenn ich keinen übersehen habe, bereits der achte von dieser Platte. Ausgerechnet mein Albumfavorit (der Song „Kingdom“) hat allerdings noch kein Video.

Ich nenne die Band ja immer vereinfachend „Melbournes Variante des frühe Editors/Interpol-Sounds“. Dieser Song widerspricht dieser Beschreibung nicht.

O Tempalay, O Mores

In meinem Post über japanischen Indie (eins weiter unten) schrieb ich, dass ich jetzt mehrere Labels aus dem Land (und somit deren Bands) im Auge behalte.

Und schon ist da ein neuer Kandidat: Der Name Tempalay alleine klingt bereits wie Mischung von Tame Impala und Temples  – und in der Tat haben wir es mit einem Mix aus J-Indie und Psychedelia zu tun, komplett mit abgedrehtem Alice-im-Wunderland-Video. Die Pressebio der Band selbst beschreibt Tempalay als “ a new generation rock band that freely moves back and forth between scenes“.

Diese Single trägt den Titel „Doooshiyoooo!!“ und ist ein Vorab-Track des dritten Tempalay-Albums „What A Wonderful World“, das am 26.09. erscheint. Tempalay spielten schon zwei China-Tourneen und zeigten sich auch beim SXSW 2016 in Austin.

Na, da suchen wir nach dem Break doch noch zwei, drei Clips der Band raus und gucken, ob die diesen Level halten.

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This Is J-Indie

Vor wenigen Tagen schrieb ich hier: „Ich sollte echt mehr über japanischen Indie Bescheid wissen.“

Denn erstens ist es schon manchmal frustrierend, mit anzusehen, wie sehr z.B. die britische Szene stagniert oder wie wenig in Schweden passiert, wenn man das mal mit früher vergleicht.
Gleichzeitig sind mir zuletzt vereinzelt mal Bands aus Japan aufgefallen – und quasi jedes Mal haben sie was bei mir ausgelöst. Mal ist es Begeisterung, mal Befremdung, mal liegt es irgendwo dazwischen. Ab und zu ist es beides gleichzeitig. 

Also habe ich mir vorgenommen, mich mal in die Szene rein zu hören. Ich dachte, das würde viel Recherche bedeuten und ich müsste mich durch unleserliche Websiten mit mir fremden Schriftzeichen kämpfen. Aber es ging viel leichter, als ich dachte. Man muss das ja tatsächlich nur googeln und landet schnell auf zahlreichen Sites, die ganze Listen führen, auch auf englisch. Sucht man sich dann Videos einer Band raus, deren Beschreibung vielversprechend war, bietet youtube in seiner Leiste rechts auch schon zahlreiche weitere Kandidaten an. Plötzlich hat man 30, 40 Bands durchgeklickt. Einige sind vernachlässigbar, einige haben mit Indie wenig zu tun. Aber die Quote der Bands, die ich auf irgendeine Weise spannend fand, die war enorm. 

Nach dem Break gibt es eine kommentierte Liste, in der ich Namen zusammen gestellt habe. Bands, die aktuell aktiv sind und die bei mir am meisten Eindruck hinterlassen haben.

Zum Start aber erst mal mein Lieblingslied von The fin. (Bild oben) Wer auf meinem Blog öfter mal landet, kann an diesem Namen nicht vorbei gekommen sein.

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Review: The Goon Sax

The Goon Sax – „We’re not talking“

Schon vor Louis Forster soll es Leute gegeben haben, die einen Vater hatten. Diese These wird sowohl durch Umfragen als auch Messungen bestätigt. Ich habe diese Beobachtung sogar in meinem persönlichen Umfeld schon gemacht.

Manche von diesen Personen mit Vater hatten sogar einen, der sehr prominent war. Menschen können Väter aus den höchsten Kreisen haben, Väter wie John Lennon, Franz Beckenbauer oder den Dalai Lama. (Okay, vielleicht nicht den Dalai Lama.) Jedenfalls, es gibt Väter, die viel prominenter sind als der von Louis.

Es ist auch nicht so, dass The Goon Sax ein großes Aufhebens darum würden. Fast verheimlichen sie’s sogar ein bisschen. Denn wenn jemand selbst Musik macht und sein Innenleben ausdrückt, dann will man ja wohl bestimmt als allerletztes immer den gleichen Vergleich hören: „Ach guck mal, das ist ja eine kleine Version von…“

Also, die Sache ist die: Einerseits will ich sagen: „Hey, es tut doch nichts zur Sache, wessen Gene Louis mit sich rumträgt. Der übrigens eh nur ein Drittel von The Goon Sax ausmacht, von diesen lustigen, schlauen Kids aus Brisbane, die gerade mal 19 geworden sind.“ 

Andererseits: Louis ist der Sohn von Robert Forster! Von den Go-Betweens! Und ich will kreischen und durchs Zimmer tanzen vor Freude deswegen!

Warum?! Ich versuche hier auch, mir das gerade mal in Echtzeit selbst zu erklären. Review: The Goon Sax weiterlesen

Djang at Heart

Oha. Im Januar erfreuten uns Django Django mit ihrem sehr, sehr starken dritten Album „Marble Skies“, da kündigen sie heute schon eine neue EP an. Am 12.10. erscheint „Winter’s Beach“. Sieben neue Songs, also mehr als ein halbes Album. Na, die Jungs haben wohl einen Lauf. Vorher gibt’s schon mal die Single „Swimming At Night“.

An dieser Stelle erlaube ich mir auch noch mal, auf das Interview zu verlinken, dass ich dieses Jahr mit Vincent Neff und Tommie Grace führte. Es ging zwar nur um unseren albernen Fragebogen, aber hey, es wurde wirklich herrlich albern.