This Is J-Indie

Vor wenigen Tagen schrieb ich hier: „Ich sollte echt mehr über japanischen Indie Bescheid wissen.“

Denn erstens ist es schon manchmal frustrierend, mit anzusehen, wie sehr z.B. die britische Szene stagniert oder wie wenig in Schweden passiert, wenn man das mal mit früher vergleicht.
Gleichzeitig sind mir zuletzt vereinzelt mal Bands aus Japan aufgefallen – und quasi jedes Mal haben sie was bei mir ausgelöst. Mal ist es Begeisterung, mal Befremdung, mal liegt es irgendwo dazwischen. Ab und zu ist es beides gleichzeitig. 

Also habe ich mir vorgenommen, mich mal in die Szene rein zu hören. Ich dachte, das würde viel Recherche bedeuten und ich müsste mich durch unleserliche Websiten mit mir fremden Schriftzeichen kämpfen. Aber es ging viel leichter, als ich dachte. Man muss das ja tatsächlich nur googeln und landet schnell auf zahlreichen Sites, die ganze Listen führen, auch auf englisch. Sucht man sich dann Videos einer Band raus, deren Beschreibung vielversprechend war, bietet youtube in seiner Leiste rechts auch schon zahlreiche weitere Kandidaten an. Plötzlich hat man 30, 40 Bands durchgeklickt. Einige sind vernachlässigbar, einige haben mit Indie wenig zu tun. Aber die Quote der Bands, die ich auf irgendeine Weise spannend fand, die war enorm. 

Nach dem Break gibt es eine kommentierte Liste, in der ich Namen zusammen gestellt habe. Bands, die aktuell aktiv sind und die bei mir am meisten Eindruck hinterlassen haben.

Zum Start aber erst mal mein Lieblingslied von The fin. (Bild oben) Wer auf meinem Blog öfter mal landet, kann an diesem Namen nicht vorbei gekommen sein.

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Review: The Goon Sax

The Goon Sax – „We’re not talking“

Schon vor Louis Forster soll es Leute gegeben haben, die einen Vater hatten. Diese These wird sowohl durch Umfragen als auch Messungen bestätigt. Ich habe diese Beobachtung sogar in meinem persönlichen Umfeld schon gemacht.

Manche von diesen Personen mit Vater hatten sogar einen, der sehr prominent war. Menschen können Väter aus den höchsten Kreisen haben, Väter wie John Lennon, Franz Beckenbauer oder den Dalai Lama. (Okay, vielleicht nicht den Dalai Lama.) Jedenfalls, es gibt Väter, die viel prominenter sind als der von Louis.

Es ist auch nicht so, dass The Goon Sax ein großes Aufhebens darum würden. Fast verheimlichen sie’s sogar ein bisschen. Denn wenn jemand selbst Musik macht und sein Innenleben ausdrückt, dann will man ja wohl bestimmt als allerletztes immer den gleichen Vergleich hören: „Ach guck mal, das ist ja eine kleine Version von…“

Also, die Sache ist die: Einerseits will ich sagen: „Hey, es tut doch nichts zur Sache, wessen Gene Louis mit sich rumträgt. Der übrigens eh nur ein Drittel von The Goon Sax ausmacht, von diesen lustigen, schlauen Kids aus Brisbane, die gerade mal 19 geworden sind.“ 

Andererseits: Louis ist der Sohn von Robert Forster! Von den Go-Betweens! Und ich will kreischen und durchs Zimmer tanzen vor Freude deswegen!

Warum?! Ich versuche hier auch, mir das gerade mal in Echtzeit selbst zu erklären. Review: The Goon Sax weiterlesen

Djang at Heart

Oha. Im Januar erfreuten uns Django Django mit ihrem sehr, sehr starken dritten Album „Marble Skies“, da kündigen sie heute schon eine neue EP an. Am 12.10. erscheint „Winter’s Beach“. Sieben neue Songs, also mehr als ein halbes Album. Na, die Jungs haben wohl einen Lauf. Vorher gibt’s schon mal die Single „Swimming At Night“.

An dieser Stelle erlaube ich mir auch noch mal, auf das Interview zu verlinken, dass ich dieses Jahr mit Vincent Neff und Tommie Grace führte. Es ging zwar nur um unseren albernen Fragebogen, aber hey, es wurde wirklich herrlich albern.

Review: The Kooks

The Kooks – „Let’s Go Sunshine“

Ach ja, eine neue von The Kooks gibt’s ja auch. Seit fast zwei Wochen schon. Naja, schreiben wir drüber. Aber ihr merkt: Enthusiasmus kann ich irgendwie nicht aufbringen.

Dabei waren Luke Pritchard und seine Jungs doch eine der ganz großen Indie-Singles-Bands der letzten Jahre! Ihr unbeschwertes Debütalbum „Inside In/Inside Out“ (2006), das war keck, das war sexy, das war spritzig wie eine eine Mineralwasserflasche, die man vorher geschüttelt hatte! Man konnte gar nicht in Deckung gehen – jeder kriegte was ab. Zisch! Psssch! „Sofa Song“, „Eddie’s Gun“, „Naive“, „She Moves In Her Own Way“, „Ooh La“! Alles Songs, die heute noch auf dem Indie-Dancefloor ziehen. Man sollte sie total totgehört haben, aber man ertappt sich immer noch beim Mitsingen. 

Aber ihr wisst schon, warum ich die Mineralwasserflasche ins Spiel gebracht habe. Um zu unterstreichen: Oha, die Luft ging raus. Auf dem zweiten Album („Konk“, 2008) gab’s noch zwei, drei sprudelnde Singles, auf der dritten („Junk Of The Heart“ (2011)) perlte es schon eher sanft als Medium.

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The Showa Must Go On

Ich muss echt mehr über japanischen Indie in Erfahrung bringen. Die wenigen Bands, die ich kenne, klingen alle auf ihre Weise speziell. Verwenden sie andere Tonleitern als ihre westlichen Pendants?

Softtouch ist eine ehemalige Studentenband, die sich an der Showa Universität in Tokio gründete, 2000 ihr erstes Album machte und heute, 18 Jahre später, ihr Reunion-Album  „Rebuild“ veröffentlicht.  Der Titelsong klingt einerseits nach tyischem Indierock – der Gitarren/Drums/Bass/Voc-Sound ist im korrekten Verhältnis abgestimmt. Trotzdem ist was anders – und es sind nicht nur die japanischen Lyrics.  Irgendwie sind die Harmonien ganz leicht… off. Wenn dieser Song von, sagen wir, Ash gespielt werden würde, wären die Gitarre und die Drums genauso und das Feeling trotzdem völlig anders. Ist das nicht spannend?

Review: Spiritualized

Spiritualized – „… And Nothing Hurt“

Ich kann zwar sehen, wie viele (genauer gesagt: wie wenige) Klicks mein kleiner Blog hat, aber eins kann ich natürlich nicht sehen: WAS für Leser(innen) habe ich wohl?

Mal abgesehen von denen, die sich nur zufällig hier her verklickt haben – Werden meine Texte gelesen von Typen wie mir, von Mega-Nerds, die mehrere Jahrzehnte Independent-Gitarren bewusst miterlebt haben (und die hier eigentlich nur checken wollen, wie viel Fehler ich mache)? Oder sind ja doch auch Kids dabei? Teenager, für die diese Sounds was Neues und vielleicht ja auch spannendes sind und die hier ihren ersten Einblick in neue und alte Indie-Welten finden? Zwischen diesen Extremen liegen wohl neuere und langjährige Indie-Sympathisanten, die aber eben nicht so albern in die Sache vertieft sind wie meinereiner.

Man vergisst ja leicht, wie lange es das Zeug schon gibt. Neulich z.B. unterhielt ich mich mit einer Freundin und es zeigte sich: Sie kannte Placebo nicht. Ich wollte erst voll schockiert sein, aber: Hey, sie war 22. Die letzte wichtige Placebo-Platte war „Sleeping With Ghosts“. Oder? Das war 2003. Das ist 15 Jahre her. Da war sie sieben! KLAR muss sie Placebo nicht kennen!

Und warum wieder diese völlig am Thema Spiritualized vorbei gehende Einleitung, Henning?

Weil das Wichtige an diesem Album doch die Tatsache ist, dass Jason Pierce, diese Type, sich überhaupt mal wieder zeigt, sechseinhalb Jahre nach „Sweet Heart Sweet Light“! Der Urzeit-Indie-Heini geht bereits in die Knie vor Ehrfurcht. Der Neuling sagt: „Hä? Wer? Spiritus was?“ 

Ich schreibe also heute mal für den imaginären Leser, der erst mal ins Thema eingeführt werden muss und ziehe diesen Text als Musikgeschichtsstunde auf. Der Langzeit-Experte darf mich in den Kommentaren gerne korrigieren.

Also los. Anfangen muss man da natürlich mit Spacemen 3.  Review: Spiritualized weiterlesen

CHAI something new

Oha. Das UK-Label Heavenly hat schon sehr oft guten Geschmack und eine richtige Trüffelnase für neue Bands gezeigt, also schaut man immer hin, wenn sie eine neues Thema unter Vertrag nehmen. Was präsentieren sie uns heute? Eine japanische Girl-Indie-Band namens CHAI.

Der Clip zu deren Song „N.E.O.“ ist ein echter Hingucker. Der Song selbst? So schräg und aufgekratzt, dass man nicht weiss, ob das jetzt nervt oder vielleicht doch genial ist. Man kann sich vorstellen, dass diese Nummer in einer Indie-Disco erst mal den Dancefloor leeren würde. Aber auch, dass bald alle „YOU! ARE! SO! CUTE!“ mitkreischen und über die Tanzfläche hopsen, wenn man’s durchzieht.

… and NOTHING Hurts

Man merkt schon daran, dass sie auf dem Brutal-Metal-Label Relapse erscheinen, dass die Amerikaner NOTHING keine typische Shoegazer-Band sind.

Die Nachrichten, die ihr drittes Album „Dance On The Blacktop“ mit sich bringt, sind traurig: Es stellte sich inzwischen heraus, dass sich Bandkopf Domenic Palermo bei dem gewalttätigen Raubüberfall, dem er zwischen den ersten beiden Alben zum Opfer fiel, ein bleibendes Hirntrauma zugezogen hat. CTE nennt man das Syndrom, das zuletzt öfter in die Schlagzeilen kam, weil auch viele ehemalige Football-Spieler daran leiden.

Tja, was sagt man dazu. Es muss niederschmetternd sein, zu wissen, dass das eigene Gehirn abbaut. Niederschmetternde Musik ist zwar eine Sache, in der NOTHING echt bockstark sind, aber das soll doch bitte nicht die Inspiration dafür sein. Hoffen wir, dass Domenics Krankheitsverlauf sehr milde abläuft und auf rasante Fortschritte in der Medizin.

Es gibt ein neues Video vom neuen Album: „I Hate The Flowers“.

Mein Interview mit Domenic zum zweiten Album „Tired Of Tomorrow“ (2016): HIER.

Kitchen’s ain’t shit

Okay, mal nichts über Musik – aber was will man machen, wenn mal wieder Flaute herrscht? Dafür kommt jetzt etwas, das macht mich so, so happy!

Henry Phillips! Ein Lieblings-US-Comedian, den man stundenlang zitieren könnte! Wenn es jeden Tag einen neuen Beitrag seiner  herzzerreissend tragikomischen Webserie „Henry’s Kitchen“ gäbe, ich könnte mich trotzdem nicht dran satt sehen.

Mein Wunsch wird wahr! Okay, nicht täglich, aber sehr viel regelmäßiger wird es neue Folgen geben. Henry steigt eine Liga auf und präsentiert künftig „Henry’s Kitchen – Master Class“ auf dem Youtube-Kanal Thrillist.
Thrillist ist nun eigentlich tatsächlich ein Food Channel, auf dem normal genau die Poser-Filmchen laufen, die Henry parodiert. Aber hey, Hauptsache, lauter neue Abonnenten für Henry und häufiger neue Clips! Ich hab‘ mich schon beim Trailer mal wieder weggeschmissen!

„If you’ve got a really good Sauté Pan,
you don’t need somebody to share your life with!“ 

Ach Henry.