Kleine Kollektion 2020/15

Liebe in Zeiten der Corona: Das letzte, was wir von Stu Mackenzie bzw King Gizzard & The Lizard Wizard hörten, war ihr Psych-Black Metal-Album „Infest The Rat’s Nest“. Aber wenn diese Band einen Fahrstil hat, so ist der Zickzack, darum ist die neue Single ein zärtliches – echt jetzt! – gizzy lizzy wizzy Liebeslied. „The world we’re in is broken, and you’re my magic potion“ singt Stu. „Buoyant is your spirit. Gotta keep me near it. Like the wind on a sail I’ll steer you along and the germs outside I’ll keep you from.“

Ex-Jezabels-Sängerin Hayley Mary hat derweil ein, wie ich finde, sehr gelungenes Libertines-Cover geteilt. Ihre Version klingt, als hätten The Pretenders den Song schon in den 80s aufgenommen. Und falls jemand findet „Hey, die Gitarre klingt aber nach DMA’s“, dann liegt das daran, dass Hayleys Boyfriend Johnny Took bei ihren neuen Liedern immer dabei ist.

Zuletzt: The Magic Gang. Die Neo-Britpopper aus Brighton mussten ihr zweites Album „Death Of The Party“, wie so viele Musiker, aufgrund der Corona-Geschichte jetzt schon mehrfach verschieben. Aktueller VÖ-Termin ist der 28.08. Inzwischen wurde auch das Tracklisting der Platte um drei Bonus Tracks erweitert. War man noch wohl mal kreativ in der Isolation? Jedenfalls, diese Bonus Tracks sind kein Ausschuss. „Make Time For Change“ wurde jetzt mit Video geteilt. Mich erinnert das Lied an die „Wake Up Boo!“-Ära der Bo Radleys – und das ist doch mal ein Lied, an das man gerne mal wieder erinnert werden darf.

Kleine Kollektion 2020/14

Ich wollte ja schon fragen: Machen Rey Pila überhaupt noch Alben? Seit ihrem 2015er-Album „The Future Sugar“ haben „Mexikos Strokes“ zahlreiche Singles und ein paar EPs veröffentlicht, aber eben keinen Longplayer. Die neue Single „Drooling“ aber kommt nun doch inklusive Ankündigung eines Albums: „Velox Veritas“ erscheint Ende August!

Von Mexiko ab nach Newcastle, Australien. Hier lebt die 20 Jahre junge Songwriterin Tilly Murphy, die sich FRITZ nennt und mit ihrer Band so richtig klassischen Jangle/Noisepop macht. Vergleiche zu Best Coast, Vivian Girls, Alvvays drängen sich auf.

Man nehme diesen Jangle/Noise-Girlpop-Sound und gebe noch eine Schaufel Country/Americana in den Mix – und man landet bei den Klängen der Holy Motors. Wo mag das Quartett wohl herkommen? Aus Nebraska, Wyoming oder Saskatchewan? Nein, aus Tallinn, Estland, natürlich! Mit dem Song „Country Church“ kündigen die Nordosteuropäer ihr zweites Album „Horse“ an, das Mitte Oktober erscheinen wird. Nice.

 

Eins A.

Dieser Clip ist zwei Wochen alt – wie konnte ich es übersehen, dass A. Swayze & The Ghosts nicht nur eine neue Single veröffentlicht haben, sondern damit auch ihr Debütalbum „Paid Salvation“ für den 18.09. ankündigen?

Okay, der Viewcount des Clips liegt noch nicht so weit oben. Da ist es immer noch ok, ihn weiter zu verbreiten. Kurzer Reminder, wer A. Swayze & The Ghosts sind? Die Band kommt aus Tasmanien und war die große Überraschung des australischen Festivalsommers (also unseres Winters) 2018/2019. Da müssen die Jungs als Unbekannte mit ihrem Hives-verwandten Power-Garagenrock so richtig abgeräumt haben. Ergo kriegten sie einen Vertrag beim AUS-Vorzeigelabel Ivy League Records (wo aktuell z.B. auch unsere Blogfavoriten Hatchie, Cloud Control, Rolling Blackouts Coastal Fever und I Know Leopard unter Vertrag sind). Tja, und nun ist es bald so weit, dass wir das Album-Ergebnis dieses Vertrags hören können.

Criminally Good

Seit Freitag ist es auch offiziell draußen, das dritte Album der DMA’s. Ich finde „The Glow“ mal wieder umwerfend gut, aber das wusstet ihr eh.

Ich bejuble diese drei Typen schließlich, seit sie 2014 mit „Delete“ auftauchten (plus noch und nöcher Oasis-Best Of-Songs, wie Noel Gallagher sie nicht mehr hinkriegt). Seitdem haben sie immer ein paar neue Farben zu ihrer Palette hinzugefügt, aber ihren Malstil beibehalten. Da kann dann auch Killers/Madonna-Producer Stuart Price ankommen und die neue Platte supervisen, aber seine Arbeit sieht man vor allem an der blitzend glänzenden Oberfläche. Im Kern bleiben die DMA’s die DMA’s – und ob sie uns Demoaufnahmen aus Johnnys Schlafzimmer vorlegen wie auf „Hill’s End“ oder neon-elektronische Soundkulisse auffahren, ändert das nichts am Gefühl, das einen durchfährt, wenn man sie hört.

Nach „Silver“, „Life Is A Game Of Changing“, „The Glow“ und „Learning Alive“ gibt’s nun schon das fünfte Video aus dem Album: „Criminals“. Alle sind prima – dabei haben die DMA’s (bzw. ihre Labels) drei meiner Top-Lieblingslieder („Never Before“, „Hello Girlfriend“ und „Cobracaine“) noch nicht mal als Single ausgesucht!

Kleine Kollektion 2020/13

Oha. Heute ist die freitägliche Clip-Ausbeute aber ergiebig! Nicht weniger als neun (!) sehenswerte Videos sind mir aufgefallen!

Fangen wir an mit Nile Marr. Der Junge entwickelt sich so langsam zu meiner ganz großen neuen UK-Classic-Indie-Hoffnung. Drei Singles gibt’s bis jetzt, inkl B-Seiten 5 Songs, und sie alle sind so richtig, richtig gut. (Kein Wunder, bei den Genen.) Das kann ein prima Album werden. Niles jüngste Nummer heisst „Are You Happy Now“ und hat jetzt ein seeehr schmales Video.

Weiter machen wir mit The Beths. Die Neuseeländer haben heute ihr zweites Album „Jump Rope Gazers“ veröffentlicht und es gibt on top ein Video zum Titelsong. Epic. Wundervoll.

… und noch eine Lieblingsband, die heute ihr neues Album vö’t hat: July Talk aus Toronto. Ich hab’s ja auf dem Blog schon gesagt: Bisher hat die Band die Kontraste forciert, die Stimmen von Raubein Peter Dreimanis und Zuckerfee Leah Fay extrem einander entgegen gestellt. Auf Album drei („Pray For It“) machen sie’s anders: Sie gehen aufeinander zu. Man sieht’s im Video: Früher war alles krass schwarzweiss, jetzt geht’s um all die Grautöne dazwischen.

Next! The fin. aus Kobe gehören zu meinen Favoriten aus Japan. Mit dieser Band begann quasi mein Interesse an J-Indie. Die Band hat einen neuen Liveclip geteilt. Der Song „Come Further“ stammt von ihrer letztjährigen „Wash Away“ – EP.

Von Kobe nach Kentucky! Auch kein neuer Song, aber was für ein drolliges Video! Alt.Country-Senkrechtstarter Tyler Childers hat einen Clip zum Titelsong seines letztjährigen Albums „Country Squire“ online gestellt. Wer genau hinschaut, kann ein verstecktes Tribut an die verstorbenen Größen John Prine und Chris Whitley entdecken.

In Manchester haben wir mit Nile Marr angefangen, dorthin führt uns auch die nächste Etappe. Das unerwartete Comeback der Doves nimmt Fahrt auf. Die Schwermut-Indie-Rock-Helden von 2000 legen ihre zweite neue Single nach „Carousels“ nach: „Prisoners“.

Apropos Comeback: Auch Bombay Bicycle Club hatten sich ja ein paar Jahre auf Eis gelegt, bevor sie im Winter mit einem neuen Album („Everything Else Has Gone Wrong“) wieder von sich hören ließen. Ende des Monats gibt’s eine Akustik-EP mit drei Unplugged-Neuaufnahmen von Songs dieses Albums. Dazu gibt’s diese neue Nummer namens „Two Lives“.

… und nun ein Sprung nach Glasgow, wo The Ninth Wave weiterhin spröden 80s-New Wave zelebrieren. Die neue Single heisst „I’m Only Going To Hurt You“. Ziemlicher Hit eigentlich.

So. Jetzt noch die neue Single von Neulich-noch-Wunderkind-jetzt-wohl-auch-zwanzig-werden-die-Hyper-ihn-noch-lieben? Declan McKenna, der demnächst sein zweites Album „Zeros“ vorlegt. (Müsste es nicht „Zeroes“ heißen? Intrigue! Hmm, ein Portmanteau aus „Eros“ und „Zeroes“? ) Na anyway. Der Songtitel „Daniel, You’re Still A Child“ könnte auch von einem Smiths-Album stammen und das ist immer ein guter Anfang. Außerdem haben wir mit der Erwähnung der Smiths eine vage Verbindung zu Song 1 dieser Liste (Nile Marr) geknüpft und damit einen Kreis geschlossen. Das ist doch auch was.

Kleine Kollektion 2020/12

In diesen Tagen gibt’s nur relativ unregelmäßige Updates auf dem Blog, Sorry. Erstens ist Sommerloch, zweitens bin ich immer mal unterwegs, Na anyway. Es haben sich ein paar Clips angesammelt, bei denen sich das Weiterleiten und Kommentieren lohnt.

Los geht’s mit einer Band aus Tokyo, die als Vorbild RIDE nennt. Damit haben kiwi bei mir schon gewonnen. Im August kommt ihre Debüt-EP und vorab gibt’s den Track „Shimmer“.

Silversun Pickups haben derweil eine Version des 90s-Nr.1-Hits „Toy Soldiers“ von Martika als Single aufgenommen. Hat’s das gebraucht? Ach Gottchen. Warum nicht.

Songwriter Peter Bibby ist ein sonderbarer Vogel mit schrägstem Humor. Über seine Songs kann man sich wegschmeißen und gleichzeitig weinen. Auch diesmal wieder. Peter besingt „South Australia’s third most populous city“. Der Ort heisst Whyalla und hat ca 21.000 Einwohner. Ich weiß nicht, ob Pete von hier stammt oder dort hingezogen ist. So oder so, letztlich wird’s zu einer Story über Zurückweisung. Über Zurückweisung durch jemand, bei dem man sagt: „Echt jetzt? Sogar Du?“ So kann man’s deuten und ich deute es so.

Eine ganz sonderbaren Kurs hat die Karriere von Rangleklods genommen. Zuerst war’s das leicht darke Elektropop-Soloprojekt von Esben Andersen, gefeiert daheim in Dänemark. Das Debüt „Beekeeper“ war richtig gut. Dann kam ein zweites Mitglied an Bord: Pernille Smith Sivertsen. Naja, ihr gemeinsamer Style taugte mir weniger. Rangleklods vor Pernille klang individuell, interessant. Auch für mich als Gitarrenheini spannend. Jetzt wurde es so… trendy. Dann gab’s sogar einen neuen Namen: Aus Rangleklods wurde „Blondage“ und die Musik ging mir jetzt echt am Arsch vorbei. Tja und jetzt ist das Duo wieder getrennt, Pernille hat den Namen Blondage behalten und Esben nennt sich wieder Rangleklods. Findet er auch zu seinem alten Sound zurück? Mit der Single „Like That“ kann ich mal auf jeden Fall mehr anfangen als mit dem Blondage-Material.

 

Jetzt noch ein Abstecher nach Kanada. Denn was passt besser zu dänischem Elektropop als akustischer Trad-Country? Corb Lund hat eine neue Platte und spielt uns daraus „Never Not Had Horses“

Kleine Kollektion 2020/11

Heute ist Freitag, und freitags finde ich gerne mal gleich mehrere neue Singles auf einmal in meinem Feed.

Fangen wir an in Fukuoka. Von hier stammt das Quartett Ocelott. Die Plattenfirma sagt, die Band sei inspiriert von „Sophie Pop“ (sofisutu poppu) aus den Achtzigern. Aaaha. Heisst dass, in Japan nannte man das, was man im UK C86 nannte und mit dem Label Sarah Records in Verbindung brachte, so? Wurde aus Sarah = Sophie? Oder ist „Sophie“ es eine Abkürzung von „sophisticated“? Na anyway, nice!

Ungleich rauer geht’s bei den FEWS aus Malmö zu. Die amerikanisch/schwedisch/englische Band hat heute ihre „Dog E.P.“ veröffentlicht. FEWS zeigen hier, dass es auch nach dem Ausstieg von Ex-Co-Frontman David weitergeht.

Nicht weit von Malmö liegt Lund, die Heimat von The Radio Dept. „Video“ kann man zu dem minimalistischen Clip zur neuen Single des Duos, das nun auch schon fast 20 Jahre schummrig-spröden Nugaze-Pop macht, kaum sagen. Aber der Song ist mal wieder echt fein.

Zuletzt ein neuer Clip der Drips aus Leicester. Tja, wenn sie aus Japan kämen, würde man ihre Musik wohl „Sophie Pop“ nennen.

Dais of our Lives

Seit ihr eine Band, die nach 80s klingt? Aber nicht nach 1981, sondern nach 1984? Dais Records ist euer Label! Schickt hier euer Demo hin – wenn ihr gut genug seid! Hier sind Bands wie Private World oder Drab Majesty unter Vertrag. Bands, die auch vor 36 Jahren gut in die Welt von New Order, The Fixx, Siouxsie & The Banshees oder China Crisis geprägte Post-New-Wave-Welt gepasst hätten. So die Sammelmenge aus frühem Goth, New Romantics und wavigem Synthpop.

Auch die ursprünglich aus Sydney stammenden und jetzt in LA ansässigen Death Bells veröffentlichen über Dais Records. Mit der Single „New Signs Of Life“ starten sie die Kampagne für ihr gleichnamiges zweites Album., das am 25.09. erscheinen soll.

Reel around the Fontaines

Dass sich das zweite Album der Fontaines DC anbahnt, hat ja inzwischen jeder mitbekommen. Dass Labels heutzutage vor so einer Release in immer kürzeren Abständen vorab neue Songs und Videos aus der Platte online stellen, während es früher nur eine oder höchstens zwei Singles gegeben hätte, das wissen wie inzwischen auch. Kombiniere, kombiniere, sagt Sherlock Holmes: Zeit für einen dritten Vorgeschmack aus „A Hero’s Death“.

Kleine Kollektion 2020/10

2003 habe ich das Album „The Strangest Things“ von den New Yorkern Longwave viel gehört. Die Platte passte in eine Zeit, als Interpol und The Strokes riesig waren und daher auch Bands, die irgendwo dazwischen lagen (wie z.B. Stellastarr*, The Stills und eben Longwave) viel Beachtung kriegten. Ein Zufalls-Erinnerungs-Flash brachte mich neulich dann drauf, ihr Video von „Wake Me When It’s Over“ zu suchen – und zu meinem Erstaunen fand ich neue Clips. Denn Longwave sind noch bzw wieder aktiv! Zwischen 2008 und 2018 haben sie pausiert, aber 2019 haben sie sich mit einem Album namens „If We Ever Live Forever“ zurück gemeldet. Von dieser Platte haben Sänger Steve Schiltz & Co heute ein neues Video geteilt.

Nach der Comeback-Band nun Newcomer: The Snuts aus einem Provinzörtchen in Schottland sind, so wird erzählt, der neue Hype nördlich des Adrianswalls. Wenn das stimmt, kann ich schon nachvollziehen, warum. Die Jungs klingen sehr Kooks-ig, aber ihre Beats sind mehr auf die heutigen Hörgewohnheiten zugeschnitten. Mich haut’s nicht um, aber ich freue mich immer über junge Indie-Gitarrenbands, die weiter Spaß an der Sache haben und die neue Kids für den Sound begeistern können.

… und wo wir schon beim Thema „junge Bands, die junges Publikum in Sachen Indiegitarren erreichen“ sind, dann poste ich doch auch mal die neue Single von Giant Rooks. Der Band, zu der man „Hammer Band“ sagen kann, alleine weil sie ursprünglich aus Hamm stammt, braucht meine Blog-Unterstützung null nicht. Es ist zur Zeit wohl kaum jemand gefragter in Indie-Deutschland. Man legt ein Lied der Giant Rooks auf und alle Girls rennen kreischend auf die Tanzfläche, alle! Sind Giant Rooks nun echt so viel toller als der Rest aller Bands zur Zeit? Nö, aber sie sind gut. Mich freut’s, dass es eine junge Band gibt, die was kann und die eine solche Wirkung hat. Ihre neue Single „Heat Up“ hat Pep, ist eine wirklich eine geschickt gestrickte, gut gemachte Popnummer, die die Indie-Dancefloors noch über kommende Jahre zum Hopsen bringen kann. Wenn Ende August das Album kommt, geht’s in die deutschen Top Ten. Ich weiss, wir Schlauberger haben diesen Reflex, enorm gefeierte Bands zu beargwöhnen – aber versuchen wir mal, diesen Snobismus abzulegen. Eine echte Hitband, die für neue Kids als Einstiegsdroge funktionieren kann, hilft der gesamten Szene.
Dass man so einen Satz über die Giant Rooks schreibt, noch bevor das Debütalbum draußen ist, das sagt doch schon ein Menge.

 

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.