We Need To Talk About Steven. Pt.1

Seit Freitag ist das neue Morrissey-Album draußen. Trotzdem habe ich hier noch nichts darüber geschrieben. Der Grund liegt auf der Hand: Moz hat in seinem Leben schon eine Menge Bullshit von sich gegeben, aber das Spiegel online – Interview, über das die Welt spricht, das ist schon noch mal ein neuer Level. Das muss sich erst mal setzen.

Man liest den Scheiss, den er verzapft und sitzt nur konsterniert kopfschüttelnd da. Das ist doch nicht der Typ, dessen Werk man immer so begeistert allen Leuten ans Herz legte?!
Okay, damals bei The Smiths, da war er halt viel jünger, geistig frischer. Ist es das? Aber der Idiot aus dem Interview ist ja nicht mal der Typ von „All The Young People Must Fall In Love“, dieser witzig-trotzigen Hymne von „Low In High School“, die so viel abdeckt, was man an Morrissey arg super fand!

Was ich an mir feststellen musste bei all der Enttäuschung: Ich bin noch nicht bereit, meine Smiths-Platten einzuschmelzen und meine Morrissey-CDs zu zerbrechen. Das kann ich nicht. Da hängen zu viele gute Erinnerungen dran. Mann, Morrissey!

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Akira Action

Neues aus der Welt der Americana: Die Ben Miller Band aus Joplin, Missouri hat ein neues Album angekündigt: „Choke Cherry Tree“ erscheint am 26.01. Vorab gibt’s ein Video zum Song „Akira Kurosawa“.

Sehr interessant finde ich hier die Instrumentierung: Ich assoziiere die Ben Miller Band aufgrund ihres letzten Albums „Any Way, Shape Or Form“ zuallererst mit dem Banjo. Denn auch wenn es nicht auf jedem Song vertreten war, hat die Band es auf der Platte sehr in den Vordergrund gestellt. Auf der neuen Single hören wir kein Banjo, dafür E-Gitarre. Die Hauptrolle gehört ab dem ersten Refrain ganz klar der Fiddle (wenn es nicht gleich mehrere sind), die aber nicht alt.Country-typisch eingesetzt wird, sondern auf fast orchestrale Soundtrack-Effekte setzt – was bei einem Song über den japanischen Meister-Regisseur ja Sinn macht. Und ist das in der Middle-Eight eine Theremine?

Review: Blaue Blume

Blaue Blume – „Sobs EP“

Besonders schnell sind sie nicht, die Dänen. Fast zwei Jahre ist „Syzygy“, das Debütalbum der Kopenhagener, inzwischen alt. Es wäre nicht zu viel erwartet, so langsam mit dem Nachfolger zu rechnen. Vorerst gibt’s allerdings nur 4 neue Songs auf einer EP.

Aber hey, wir wollen uns nicht beschweren. Denn „Sobs“ ist eine sehr feine Sache. Es zeigt sich auch mal wieder: Das Format EP ist eins, das Blaue Blume entgegen kommt. (Schon ihre ersten beiden offiziellen Releases waren EPs: „15.1.12“ sowie „Beau & Lorette“, beide 2014)

Kurze Einführung in Blaue Blume: Das Quartett hat sich auf einen himmlisch-sphärisch-psychedelischen Sound spezialisiert. Ihre Songs sind mehr Prog als Pop, leben von ihren Atmosphären, ihren verwunden verwobenen Soundschichten und von der komplexen Dynamik ihrer Rhythm-Section. Erstes Erkennungsmerkmal bleibt aber die Stimme von Sänger Jonas Smith, dessen Gesangsmelodien Wendeltreppen auf- und ab purzelbaumen und dessen volle Intonation immer wieder an Walgesänge erinnert.

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Here we are now, entitle us

Stichwort Avocado Toast.  Im Sommer kam der australische Immobilienmogul Tim Gurner in die News. Auch in Australien geht die Schere auseinander und die Löhne für die normalen Jobs werden geringer und geringer. Die Aussicht für junge Leute, die ins Berufsleben starten, sich mal ihre eigene Wohnung, ihr eigenes Haus zu leisten, sind für alle, die nicht schon privilegiert geboren wurden, extrem schmal. Gurners Spitzen-Rat an die Jugend: Nicht immer im Café so viel Avocado Toast und und so teuren Kaffee bestellen! Lieber sparen!

Genau das, was jemand, der seine Dollars gerade so zusammen hält, um über die Runden zu kommen, in der Situation hören will. Die Sache kam mir wieder in Sinn durch den Song „Entitled Generation“.  Die aktuelle Single von Melbournes Tiny Little Houses – es ist der Vorbote auf ihr im Januar erscheinendes Debütalbum „Idiot Proverbs“ – kann man wohl als Caleb Karvountzis‘ gallige Antwort auf Gurner deuten.  „Got two degrees and am still working on the phones – damn our entitled generation!“ = Ich habe zwei akademische Titel, stecke aber in einem Job im Call-Center fest. Verdammt sein unsere Generation, die denkt, dass ihr alles zusteht.

It’s a Ray* about Shame

Die Engländer Shame stammen aus dem Umfeld solcher Bands wie Fat White Family und Idles – von der Ideologie her sind die Jungs Punks. Vom Sound her erinnern sie mich persönlich aber mal wieder (wie sollte es anders sein?) an Australier. Wenn ich die Gitarren und die Frage-Antwort-Gesänge auf Shames kommendem Album „Songs Of Praise“ (VÖ 12.01.) höre, muss ich an Melbournes Rolling Blackouts Coastal Fever denken. Nur dass Shame halt rougher sind.  Wie auch immer: Shame, die man übrigens in wenigen Wochen hierzulande als Support der Gurr-Tour sehen kann, haben ein neues Video „One Rizla“

* A Ray of Hope, that is. Weil die gut sind. Und ich mich nun mal verpflichtet fühle, hier als Überschriften immer Wortspiel-Kalauer zu schreiben. Weil das den Suchmaschinen so ungemein erleichtert, meine Beiträge zu finden. Oh well.

Merrettocracy

Eine neue Single der Bad Sounds bedeutet auch? Genau, ein Lo- bis No-Budget-Video, das die Jungs „Audio“ nennen. Die neue Nummer von Callum und Ewan Merrett trägt den Titel „Are You High?“

Die Sache ist die: Andere Bands/Labels stellen ein Standbild oder ein „Lyric Video“ online – sowas poste ich nur in Ausnahmefällen. Die „Audios“ der Bad Sounds poste ich schon, denn hier gibt’s wenigstens bewegtes Bild. Irgendwie ist das ein Unterschied, oder? Den Song finde ich auch mal wieder sehr gelungen, nicht zu vergessen.

I’m a Crepe, I’m A Weirdo

Ballarat, Victoria – die Stadt im Landesinneren ca 115 km nordöstlich von Melbourne ist die Heimat der Crepes. Nachdem die Band um Sänger Tim Karmouche im Frühjahr 2015 eine in Australien sehr positiv aufgenommene EP veröffentlichte, steht nun ihr Debütalbum an. Am 8.12. erscheint „Channel Four“. Das vorab veröffentlichte Video „Mild Conversation“ macht große Hoffnung: Ich bilde mir ein, hier sowohl Melbourne’sche Dolewave-Lässigkeit a la Twerps / Dick Diver als auch einen Big Star/Teenage Fanclub-Einfluss raushören zu können.

Review: Shed Seven

Shed Seven – „Instant Pleasures“

Tatsächlich! Ein neues Album von Shed Seven! Eine Band, die mehr Lieblingslieder der 90er auf dem Kerbholz hat, als man denkt.

Nun gab es bekanntlich in den letzten Jahren zahlreiche Wiedervereinigungen, die sehr ermutigend abliefen. Es gab Comeback-Platten, die völlig okay (Pixies, OMD, JAMC) und sogar richtig gut waren (Suede, Ride, Swervedriver). Sogar ein paar begeisternde Highlights gab’s: Die Post-Reunion-Alben von Slowdive und Blur gehören zum Besten ihrer Diskographie.

Der Unterschied bei Shed Seven ist der, dass nach einem neuen Album keiner gefragt zu haben scheint. Pixies, Ride, Suede, Slowdive – alles Kritikerlieblinge. Shed Seven? Schon kichern so einige Medien, nach dem Motto: „Wie, was wollen DIE denn wieder?“

Ich glaube, es ist mal wieder eine Geschichtsstunde angebracht.

Also, tief Luft holen.

Der Stern von Shed Seven ging Mitte 1994 auf, als Britpop gerade so richtig in die Gänge kam. Review: Shed Seven weiterlesen

To Katt A Long Story Short

Schwedisch ist gar nicht so schwer, manchmal. Was der Name Svart Katt bedeutet, versteht man auch als Deutscher gleich. Die neue Single der Stockholmer Punkband (naja – sie selbst nennen es Punk, ist das aber für Punk nicht zu melodisch?) trägt den Titel „Slösa bort dagerna“ (dt: Die Tage verschwenden).  Mir gefällt’s. Es erinnert mich an SWE-Bands der 00’er wie The Plan, Franke oder Bad Cash Quartet – und das kann nichts Verkehrtes sein.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.