Music is my hot, hot Mex

Ich versuche ja, die Augen offen zu halten und nicht immer nur Musik aus Europa, Nordamerika und Australien zu posten. Heute daher mal was aus Mexiko City. Carla Sariñana ist dort als Bassistin und Songwriterin von Ruido Rosa bekannt, ein Girl-Quartett, das seit 2005 aktiv ist. Carla hat auch ein Soloprojekt namens Silver Rose, hier zeigt sie sich melodischer als mit ihrer Band. Ihr Label bezeichnet den Sound als Dreampop bzw. Shoegaze, ganz so weit würde ich nicht gehen, aber die Single „Escapar“ ist ne feine Indiegitarrenpopnummer mit Ohrwurmrefrain, mindestens. Außerdem: Weil man’s nun mal so sehr gewohnt ist, Indie immer auf Englisch zu hören, macht’s auch der spanische Gesang für mich interessant genug, das mal hier zu posten.

Made Of S’tones

Das zweite Album der Seratones („Power“) aus Shreveport, Louisiana, ist definitiv braver geraten als ihr erstes („Get Gone“, 2016) . Aber wer will’s ihnen verdenken? Mit Songs wie „Over You“ können sie jetzt zumindest theoretisch auch die Leute erreichen, die früher Amy Winehouse gehört haben, ohne ihren Sound zu verraten. Auch bleibt Sängerin AJ Haynes schließlich immer noch eine echte Persönlichkeit.

Es gibt ’ne neue Single: „Over You“.   (Meine Wahl wäre allerdings „Heart Attack“ gewesen. Weil’s eine sonderbar asiatische Melodie hat. Hört euch das mal an, will ich sagen)

Good Lies

Inzwischen ist es vier Jahre her, dass die Londoner Real Lies ihr Debütalbum „Real Life“ veröffentlichten. Seitdem haben sie nicht gerade viel von sich hören lassen und sind vom Trio zum Duo geschrumpft.

Jetzt gibt es mal wieder eine neue Single. „You Were In Love“ zeigt Real Lies in eher nachdenklichem Modus und erinnert einmal mehr an die Referenzpunkte des Debüts. Mir jedenfalls fallen dazu ein: New Order, The Streets, the Specials, Pet Shop Boys.

Mon Chie Chie

Eine Plate, die sicher in vielen Bestenlisten des Jahres 2019 auftauchen wird, ist „Keepsake“ von der Dreampop-Australierin Harriette Pilbeam alias Hatchie.

Einer der Song des Albums, zu dem es noch kein Video gab, hat jetzt nachträglich eins bekommen: „Her Own Heart“. Regisseur des Clips: Joe Agius, Mitglied in Harriettes  Band. Joe ist auch ihr Boyfriend und selbst Sänger von The Creases, die allerdings durch den Erfolg von Hatchie in den Hintergrund gerückt sind.

Futureheads or Pastheads?

Eine Wiedervereinigung, die beinahe unbemerkt passierte, das war die von The Futureheads. Schade eigentlich, ich fand diese Band zu ihrer Zeit richtig prima. Es gab eine Zeit, da liefen am Britwoch garantiert einer oder zwei Songs von ihrem Debütalbum. Da waren sie gemeinsam mit Maximo Park die Repräsentanten eines neuen, hektischen Nordostens (Maximo Park aus Newcastle, The Futureheads aus Sunderland). Andererseits, die Band hat dann doch auch nachgelassen. Irgendwann waren ihren Alben irgendwie nicht mehr spannend.

Die Single „Electric Shock“ lädt diese Spannung wieder auf. Die Energie der frühen Tage, man kann sie durchaus knistern hören. Andererseits, diese sonderliche rhythmische Taktung, die einen Tänzer wieder und wieder aus dem Tritt bringt – ob ich das heute auflegen würde? Eher nicht.

This one left a Mark on me

Ich hab‘ neulich schon vorgewarnt: Wenn Shed Seven, die in diesen Tagen ihre frühen Videos auf youtube updaten, ihre Debütsingle „Mark“ (1994) neu online stellen, dann werde ich hier drüber schreiben müssen.

Sie haben noch eine Menge prima Britpop-Hits nachgelegt, aber für mich bleibt „Mark“ die Nummer, die Rick Witter und seine Crew aus York nicht mehr getoppt haben.  Ich weiss noch, wie ich’s das erste mal bei „120 Minutes“ sah und ich sofort hin und weg war. „LOVER! I wanna swap you for another, and another!“ Das finde ich heute noch genial cheeky.

Damals hat’s mir noch viel mehr aus der Seele gesprochen. Ich meine, heute will man sich das nicht mehr vorstellen – aber auch ich war ja mal ein hormongesteuerter Typ Anfang 20. Ein Bündel Nerven, das nicht wusste, wohin mit all diesen Bedürfnissen nach, äh, Nähe, und möglichst viel davon. „LOVER!“ Das klang echt dringlich, das war an die Liebste adressiert. Aber:  „I wanna swap you for another, and another…“ das war unerwartet, keck, und… das, was man TROTZDEM dachte, aber nicht sagte? Heute kann ich das nachbetrachten und sagen: Yup, diese nervöse Unschlüssigkeit, dieses Bedürfnis, zu drücken und gedrückt zu werden, eine regelrechte ungestillte Gier, bei gleichzeitiger Fernsteuerung durch den hyperaktiven Hormonhaushalt, plus ein fröhlicher Schluck Selbstüberschätzung, aber confidence is sexy – all das bringen diese Zeilen schon echt auf den Punkt, vielleicht sogar bewusst.

Damals habe ich diese Außenperspektive noch nicht eingenommen, da merkte ich einfach nur, dass dieser Refrain, diese Johnny Marr-Gitarre und ich im gleichen Team waren.

Sonic Youth waren in der Woche drauf im Melody Maker als Gastrezensenten der „Singles of the Week“ dran und haben voll hochnäsig und am Thema vorbei über den Song abgelästert. Ich hab‘ sie danach nie mehr gemocht.

Cardiffnology

Eine wirklich tolle Sache an der jungen Band Boy Azooga aus Cardiff ist, dass sie wirklich nicht vorhersehbar sind. Ihre erste Single „The Face Behind Her Cigarette“ war ein Tribut an den nigerianischen Sänger William Onyeabor, klang entsprechend nach Indie mit Afrobeat-Einfluss. Seitdem gab es als Singles schmirgelfetzigen Hispeed-Pop („Loner Boogie“), Melodie-Britpop („Jerry“) und die Coverversion einer obskuren walisischen Punkband  („Do The Standing Still“).

Heute legen Boy Azooga eine neue Single vor und „O Silly Me“ zeigt wieder eine neu Seite. So lieblich folky-harmonisch haben wir Boy Azooga noch nicht gehört.

M.O.A. Than Ever

Oha. Auch die zweite Single von The M.O.A. gefällt mir auf Anhieb. The M.O.A., das sind zwei „Brummies“, also Typen aus Birmingham/UK, die es auf die Südhalbkugel verschlagen hat und die jetzt in Melbourne Musik mit zwei Australiern machen.

Ich bilde mir ein, hier sowohl australischen Neo-Britpop a la DMA’s, Deep Sea Arcade oder Jagwar Ma heraus zu hören, aber auch Birmingham-Bands wie The Twang, Swim Deep und vielleicht sogar The Streets zu erkennen – naja, zumindest im Sinne vom Nebenprojekt The D.O.T., das Mike Skinner ja vor ein paar Jahren mal mit Rob Harvey von The Music  hatte.

Gib mir ein Buzzard, Baby

Dinge, die mich amüsieren: Als Kind hatte ich einen Holzhund. Auf Rädern. Das Ding gibt’s immer noch. Wenn meine kleine Nichte und mein kleiner Neffe meine Eltern besuchen, rollen sie wieder damit über die Terrasse.

Das ist meine Assoziation zum Songtitel „Wooden Dog“, den Patrick Harrowsmith alias Green Buzzard für eine Youtube-Session live eingespielt hat. Das Album, auf dem sich die Studio-Version von „Wooden Dog“ findet, heisst „Amidst The Clutter And The Mess“, ist am Freitag erschienen und liefert feinsten australischen Neo-Britpop.

All Might Long

Noch so eine Band, die in diesen Tagen ihr Youtube-Profil auffrischt, das sind They Might Be Giants. John Linnell und John Flansburgh haben erstens ihr 1986’er Debüt-Album frisch auf Vinyl neu aufgelegt. Zweitens standen viele der frühen Clips der Quatschmacher unter den 90s-US-Indie-Poppern bislang nur in grob verpixelten Versionen online, da war ein Update geboten.

Also freuen wir uns über alte neue Clips vom Debüt…

… aber auch von anderen frühen Alben (nach dem Break).

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Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.