Wilkommen Da, Haim!

Ach ja. Nicht zu vergessen. HAIM haben sich heute nach langer Pause zurück gemeldet. Das muss ich hier nicht posten, dieser Clip ist eh der Hype des Tages. Trotzdem eben mein Senf dazu. Schließlich sind die Ladies Ein-Kasten-Augustiner-Empfängerinnen!

Also. Neulich hat mein itunes Shuffle mal wieder eine HAIM-Nummer in die Playlist geschwurlt – und zu meinem Erstaunen hatte ich mich dran satt gehört. Ich dachte mir darauf: Sieh an, dieses ganze „Klar, Popmusik, aber halt schon perfekt und knallig auf den Punkt“-Ding hätte sich abgenutzt in den vier Jahren, in denen Este, Danielle und Alana sich rar gemacht hatten. Erstens, weil vier Jahre nun mal ne lange Zeit sind. Zweitens haben derweil viele andere  erkennbar ihren Sound kopiert. Naja, irgendwie, dachte ich, ist damit vielleicht auch die Luft raus.

Aber daran erkennt man dann eben Größe: Wenn jemand zurück kommt und den Kopisten zeigt, wo der Hammer hängt. Ich bin vom Klangbild, der Struktur, den Ideen und vor allem der unantastbaren Souveränität von „Right Now“ schwer beeindruckt. Es ist Pop, klar. Aber auf höherem Level kann ich mir Pop nicht vorstellen. Welcome back, ihr drei Chefinnen!

Do you want to know a secret?

Einen hab‘ ich noch heute – und nicht mal aus Melbourne! Muscle Shoals, Alabama, ist ein Kleinstädtchen mit 13.000 Einwohnern – und doch musikhistorisch berühmt. Hier liegen zwei berühmte Aufnahmestudios (FAME und Muscle Shoals Sound), in denen schon Bob Dylan, Percy Sledge, Wilson Pickett, The Rolling Stones und und und aufgenommen haben.
Klar, wenn man hier aufwächst, nimmt man US-Musiktradition quasi mit der Muttermilch auf.  Das hört man auch an den inenander schmelzenden Stimmen von Laura und Lyda Rogers, den aus Muscle Shoals stammenden Secret Sisters. Wer Americana im Stile von First Aid Kit mag, der freut sich aufs kommende Secret Sisters-Album „You Don’t Own Me Anymore“, das am 9.6. erscheint. Vorab gibt’s das Video zur schönen Herzschmerz-Harmonie-Nummer „He’s Fine“.

Review: WHITE

WHITE – One Night Stand Forever

Es läuft was grundfalsch in dieser Welt. Also klar, Klimawandel, Trump, Brexit, neue Nazis… aber mal abgesehen davon – wir haben ja wenigstens unsere Indie-Bubble. Aber selbst hier hakt’s wohl! Wie kann es sonst angehen, dass kein weltweiter Hype um WHITE herrscht?

Ich meine, man stelle sich das mal vor! Rumms-Bazong-schneidiger Tanz-Stampf-Indie a la Bloc Party/Franz Ferdinand/The Rapture ideal auf 2017 upgedatet! Ein dirty Glamfaktor von Suede/Roxy Music’schen Ausmaßen! Songs, die dermaßen reinknallen, dass ich gestern abend wieder GEZWUNGEN war, das Licht auszumachen und in meiner Küche zu tanzen! On top, wie könnte es anders sein: Texte, die das Ganze mit einem zynischen Grinsen zuspitzen!

All das machen WHITE aus Glasgow – und wer meinem Blog folgt, weiss das, denn die Schotten haben in den letzten zwei Jahren alle paar Monate mit einer neuen Single begeistert, die ich hier dann euphorisch weiter postete. Wir warten und warten und warten seitdem aufs Album. Endlich, endlich, endlich ist es da. Sind nun alle Städte voll plakatiert? Hört man nichts anderes als WHITE in den Indiediscos? Nix da – die Welt kriegt’s kaum mit! Aaargh! Was ist los mit euch?

Aber regen wir uns nicht auf über das, was mit WHITE nicht passiert. Freuen wir uns über das, WAS passiert.

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Different Days, same bands!

Slowdive, JAMC, Ride, The Stone Roses, Swervedriver, Blur … überall wiedervereinigte Lieblingsbands von 1990/91!  Nur The Charlatans nicht – weil die sich nie getrennt haben!

Am 26. Mai kommt ihr neues Album „Different Days“, es ist Nummer Dreizehn, und es wartet mit lauter Gästen auf: Paul Weller zum Beispiel, Gilian und Stephen von New Order und sogar Johnny Marr, der gleich auf mehreren Songs seine unverkennbare Gitarre jubeln lässt – nicht zuletzt auf der Vorabsingle „Plastic Machinery“.

Ach ja, und Tim Burgess ist immer noch blondiert. Ich dachte, das ist eine Geschmacksverirrung, die man ihm mal zugestehen darf, zum zweiten Soloalbum. Aber „Oh No I Love You“ erschien 2012! Und seitdem ist der Gute an keinem Spiegel vorbei gekommen? Oh well.

Review: Maxïmo Park

Maxïmo Park – „Risk To Exist“

Die UK-Plattenfirma Cooking Vinyl hat sich in den letzten Jahren eine interessante Taktik zugelegt. Besonders gerne nimmt man dort Bands unter Vertrag, die schon vier, fünf Alben auf dem Buckel und sich mit diesen eine treue Fanbase erarbeitet haben. Zu Beginn ihrer Karriere waren diese Bands vielleicht mal richtige Hype-Themen mit UK-Nummer Eins. Aber wie’s so kommt – und es kommt eigentlich immer so – nach acht bis zehn Jahren ist eine Band für ihr Major- oder Hipster-Label nicht mehr interessant. Die Zahlen gingen abwärts, man glaubt nicht mehr an die Trendwende und will nicht mehr investieren. Dabei ist die Band lange noch nicht durch – sie wird mit ihren frühen Fans weiter mittelgroße Hallen füllen, die man sich als Newcomer erst mal erarbeiten muss. Die treuesten Anhänger kaufen sich weiter die neuen Platten. Die Band wird weiter auf einem angemessenen Niveau operieren können.

Man kann also sagen, dass Cooking Vinyl einen wichtigen, lobenswerten Dienst leistet, indem man die Karrieren von verdienten Bands aufrecht erhält. Embrace, Turin Brakes, The View, The Subways, The Frateillis, The Rifles, Carl Barât, Ocean Colour Scene – sie alle sind aktuell bei Cooking Vinyl und können ihre Laufbahn auf einem sinnvollen Level weiter führen. Es werden keine unvernünftigen Geldsummen mehr reingesteckt, aber dafür werden auch keine Top Ten Hits erwartet. Super Sache für alle Beteiligten, oder?

Wenn man aber gemein ist, wenn man das Negative unterstreichen will – dann sieht man’s so: Cooking Vinyl ist der Gnadenhof für die abgehalfterten Mähren des Indiepop/Rock. Die Herbstweide, auf der sie alle noch mal in Ruhe im Sonnenuntergang grasen dürfen, bevor’s in die Kleberfabrik geht. Und wenn eine Band erst mal bei Cooking Vinyl gelandet ist, dann ist es der traurige Beweis, dass ihr Zenit endgültig überschritten ist.

So sieht man es immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wenn auf dem neuen Album einer einstigen Raketenband das Logo von Cooking Vinyl prangt. Einerseits: „Vernünftiger Move, beiden Seiten alles Gute!“ Andererseits: „Wie – jetzt auch Maxïmo Park?!“ Review: Maxïmo Park weiterlesen

Review: Joseph Huber

Joseph Huber – „The Suffering Stage“

Joseph Huber. Der Name klingt, als stünde er auf dem Firmenschild eines oberbayrischen Handwerksmeisters. „Spenglerei Joseph Huber“.

Der Joseph Huber, von dem wir hier sprechen, ist jedoch kein Bayer. Unser Joseph Huber stammt aus Milwaukee/USA. Handwerker ist er allerdings trotzdem. Um seine Ausbildung zum Schreiner abzuschließen und die Musik in die zweite Reihe zu stellen, stieg er 2011 bei der .357 String Band aus.

Der Name dieser Band verrät’s schon: Es war eine String Band. Also eine dieser traditionellen Bluegrass-Combos mit der Besetzung Gitarre/Mandoline/Banjo/Stehbass/Fiddle. 357SB, wie man sie auch abkürzte, nannten ihren Sound „Streetgrass“, weil sie Bluegrass mit punkiger Energie auf die Indiebühnen brachten, siehe Old Crow Medicine Show, Hackensaw Boys, Whiskey Shivers. Man darf der .357 String Band durchaus Kultbandstatus zugestehen

2010 schon, damals noch Mitglied, veröffentlichte Joe Huber sein erstes Soloalbum. „Bury Me When I Fall“ versammelte traurige, niedergeschlagene Balladen, die nicht so ins Konzept der Band passten. Dann stieg er aus, aber auch als fertiger Schreiner hörte Huber nicht auf, Soloplatten zu machen. Die zwei Alben „Tongues Of Fire“ (2012) und „The Hanging Road“ (2014) gehören zu meinen absoluten Americana/alt.Country-Favoriten. Review: Joseph Huber weiterlesen

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.