When Courtney met Marlon

Scheint ja ganz gut gelaufen zu sein, die „MTV Unplugged in Melbourne“ Serie, die MTV Australia 2018 ins Leben gerufen hat. Jahrzehntelang gab es down under keine solche Show, dann spielten DMA’s, Gang of Youths und Amy Shark jeweils ihr Konzert. Dieses Jahr hat MTV Australia den Faden wieder aufgenommen und niemand anderen als Melbournes fuzzy alt.Rock-Storytellerin Courtney Barnett eingeladen.

Courtneys Label hat heute das 8-Track-Minialbum des Gigs veröffentlicht und die Songs auf Youtube gestellt. Ich picke mal zwei Videos: Erstens Courtneys Duett mit einem Lieblingskünstler dieses Blogs, dem neuseeländischen Weirdfolk-Crooner Marlon Williams

… und zweitens einen neuen Song: Untitled

 

Keep Music weird

Diese Band ist einfach weird. Und das ist gut so. Das Debütalbum von HMLTD steht im Januar in den Läden. Ein paar frühe Singles wie „To The Door“ oder „Satan, Luella and I“ sind drauf, aber keiner der Songs ihrer „Hate Music Last Time Delete“ EP. Ansonsten hören wir ein paar ihrer poppigsten Lieder überhaupt, allerdings auch so kauziges Zeug wie „Why?“. Ein Stück, das man im Albumzusammenhang als interessantes Zwischenspiel zwischen zwei grellen Neonpop-Hits wahrnimmt. Und dann gehen HMLTD halt hin und stellen kein Video zu einem der Neonpop-Hits, sondern zu dem sonderbaren Übergang online. Der damit jetzt kein Übergang mehr ist, sondern… ein ambientes Kernstück der Platte? Die. sind. so. weird! Und das ist gut so!

I Taw The Light

TAWINGS verwirren mich. Neulich hat das Girl-Trio aus Tokio mit „Suisen“ eine ganz wunderbare melancholische New Wave-Pop-Single hingelegt. „Suisen“ ist bestimmt eins meiner Lieblingslieder von 2019, eine Nummer, die einen unorthodoxen Weg findet, sich zwischen The Cure, Krautrock und Shoegazing hindurch zu schlängeln.

TAWINGS neue Single „Poodles“ (feat. fLuffY anGeLs <3, wer auch immer das sein mag) ist zwar auch New Wave, aber auf ne komplett gegenteilige Weise. Minimalistisch-schräg, mehr DEVO oder Trio als The Cure. Dazu ein Text über fluffige Pudel (meistens braun) inklusive Gekläffe. Hä? Also, auch das ist auf seine Weise cool – aber so anders als „Suisen“!

Also gut. Noch vor Weihnachten soll das Debütalbum der TAWINGS kommen. Dann werden wir uns hoffentlich ein klareres Bild dieser Band machen können.

Frost on the Beater

Die Sticky Fungers sind in diesen Tagen eine sehr flüchtige Band. Mal zusammen, dann wieder getrennt oder eine Auszeit nehmend. Naja, jedenfalls hat Sticky Fingers-Sänger Dylan Frost eine Solo-SIngle geteilt, die sich durch alle Attribute der Sticky Fingers auszeichnet. Australischer Britpop-Crossover, der irgendwie Reggae,  Arctic Monkeys und Drum’n’Bass-Beats unter einen Reni-Hut bringt.

Houses of the Hayley

Es ist sieben, acht Jahre her, da waren The Jezabels DIE aufsteigende australische Gitarrenband. Ihre ersten EPs kamen großartig an, ihr Debütalbum  war down under ein Megahit und international herrschte auch schon ein sehr großer Buzz. Als The Jezabels damals im Atomic spielten, war ihre Show sofort ausverkauft.

Mit den folgenden beiden Album konnte sie den Aufstieg nicht fortsetzen, aber den Level ganz okay halten. In Australien war das Quartett weiter super gefragt, doch 2016 musste Keyboarderin Heather Gail Shannon wegen einer akuten  Krebsdiagnose bzw Behandlung aussetzen. Seitdem lagen The Jezabels auf Eis.

Nun hat sich Sängerin Hayley Mary zurück gemeldet. Ihr Soloalbum wird kommen – und ich als Mega-DMA’s-Fan bin extrem gespannt darauf. Was die DMA’s damit zu tun haben? Nun, Hayley ist zusammen mit DMA’s-Gitarrist Johnny Took. Am Album hat Johnny mit geschrieben und mit produziert, er war ingesamt sehr involviert.

Vor ein paar Wochen erschien die erste Single, man hört unverkennbar eine DMA’s Gitarre, oder? „The Piss, The Perfume“ ist eine ganz große Nummer. Klingt wie ein Song. der nie auf der „Best of“ der Pretenders gelandet ist, aber eigentlich dort hin gehört.

 

Schon ist die zweite Single da. Eine schöne Ballade mit melodisch hoch interessanten Richtungswechseln: „Ordinary Me“. Nach diesen Vorboten deutet sich ein sehr, sehr starkes Album an.

p.s. Ich weiss, wir Jungs sind Deppen. Wir haben leider die Tendenz,  Musikerinnen zu unterschätzen und immer zu viel Betonung auf die Kerle zu legen, die mitspielen oder produzieren. Als wären, überzogen gesagt, die Ladies ja nur gelenkt und als wäre es die Arbeit der Typen, die es wirklich zu beachten gilt. Tue ich nicht genau das, wenn ich hier Johnny Took so sehr hervorhebe? Sorry – so soll das bitte nicht verstanden werden! Ich will Hayley nix nehmen. Voller Credit an die Lady! Ich bin halt wirklich nur so ein DMA’s-Fanatiker, dass Johnnys Beteiligung mich nun mal aufhorchen lässt und ich seine Spuren suche. PLANET, die Band von Johnnys Bruder Matty, poste ich hier ja auch immer – und das sind alles Jungs.

Ein Stückchen Yogeerette

Ich habe hier schon wiederholt über die Sonderlichkeiten des japanischen Indie geschrieben und vom Genre namens City Pop erzählt. Es ist dies eine typisch fernöstliche Spielart dessen, was man hier vielleicht Yachtpop nennen würde: Pop, spiegelglatt, sophisticated und über-stilisiert, aber trotzdem bzw. genau deswegen sehr neugierig machend.

Yogee New Waves sind eine Band, die sich zwischen City Pop und Indie Pop platziert. Dieses Jahr haben die jungen Herren aus Tokio schon ein sehr gelungenes Album namens „Blueharlem“ veröffentlicht, aber im Dezember legen sich noch mal mit einer EP namens „To The Moon“ nach. Von dieser stammt der Song „あしたてんきになれ“ („Ashita tenki ni nare“)

Stockholm is where the heart is

Jetzt auch mit Video: Johnossi haben den Clip zu ihrer neuen Single „The Longer The Wait, The Harder The Fall“ onlin gestellt. Er wurde in ihrem Original-Proberaum gedreht, in dem die zwei Stockholmer seit ihrer Jugendzeit üben und „in dem wir Stunden, Tage, Jahre verbracht haben.“ Sieht aus wie jeder andere Proberaum, aber trotzdem gibt’s uns einen willkommenen Einblick hinter die Kulissen, oder?

Ihr neues Album haben John  und Ossi noch nicht offiziell angekündigt, aber man kann wohl Ende Februar 2020 damit rechnen.

Deportamento

Auch die Deportees haben heute einen neuen Clip geteilt. Das aktuelle Album der Kritikerlieblinge aus Umeå heisst „All Future“, es ist ihr sechstes, es liefert mal wieder durchgehend feinsten Niveau-Gitarrenpop und es ist wieder mal zu subtil, um außerhalb Schwedens richtig wahrgenommen zu werden. Das zieht sich als roter Faden durch die Karriere der Deportees. Tja, was will man machen.

Anyway. Peder Stenberg, Anders Stenberg und Thomas Hedlund haben eine Akustikversion ihres Songs „Lost Future/All Future“ geteilt. Hört ins Album rein, ihr werdet es nicht bereuen.

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.