Schlagwort-Archive: Weezer

Yeah Cars Go

Ich weiss offen gestanden nicht, was ihr Anlass war – aber das Kataloglabel Rhino hat heute ein altes Video von The Cars online gestellt. Und zwar „Shake It Up“, den Titelsong des zweiten Albums der Bostoner Band, welches 1981 erschien. Der Song ist ein knackiges Post-New Wave-Pop-Dings – und da ich hier The Cars erstens immer mal wieder als Vorläufer heutiger Bands wie, sagen wir mal Public Access TV, Strange Names und irgendwie auch The Strokes nenne und ich mir zweitens vorstellen kann, dass der Song auch auf heutigen Indiediscos durchaus kicken könnte, teile ich ihn doch mal mit. Info am Rande: Cars-Sänger Ric Ocasek kennt man natürlich auch als Producer. Als sein Meisterwerk in dieser Funktion gilt das erste Weezer-Album, das blaue.

Bin There, Done That

Es gab‘ ne Phase im Postgrunge der frühen bis Mitt-90er, da gehörte es zum guten Ton, sich selbst zu beschimpfen. „I’m a Loser, Baby“ sang Beck. „I’m a Creep, I’m a weirdo“ klagten Radiohead. Wheatus moserten „I’m just a Teenage Dirtbag, Baby“.

Es scheint, als nimmt dieser Sound und diese Weltsicht auf die Dinge down under gerade wieder Fahrt auf. Oder ist es Zufall, dass ich alleine in der letzten Woche erst das sehr Weezer-eske Album des Neuseeländers Kane Strang (u.a. mit dem Refrain: „Kill me now, don’t think twice…“), dann das LoFi-Sparklehorse-ige Debüt von Brightness besprach und jetzt Melbournes Tiny Little Houses auf ihrer neuen Single ebenfalls in diese Kerbe schlagen? Ihr Sänger Caleb Carvountzis putzt sich darauf mit den Worten „I’m a Garbage Bin“ runter. Das ist okay, aber die großen Versprechen, die Tiny Little Houses 2015 mit ihrer Single „Easy“ machten, lösen sie damit nicht wirklich ein.

Review: Kane Strang

Kane Strang – „Two Hearts And No Brain“

Es ist natürlich blöd, einen Text über ein Album damit zu beginnen, wie’s nicht klingt. Aber neulich stieß ich auf einen Artikel, in dem bestimmt drei, vier Mal der Vergleich Elliott Smith fiel. Was meiner Meinung nach Quatsch ist. Elliott Smith, das bedeutet: Extrem komplexe Songs, verzwickte Tunings der Gitarre, flatterige Leichtigkeit und ungewöhnliche Rhythmen (immer mal wieder Walzer) – und im Text sehr empfindsame, regelrecht poetische Formulierungen.

Für den jungen Neuseeländer Kane Strang, dessen zweite Platte prima ist (dieser „er ist nicht Elliott Smith“-Start ist nicht gegen ihn gerichtet, nur gegen die Laus, die mir beim Lesen jenes Artikels über die Leber gelaufen ist), gilt all das nicht.

Im Gegenteil. Die Songs: Meistens im Midtempo in extra straighten 4/4 Skischuh-Beats durchgezogen, an denen sich auch die Instrumente orientieren. Die Texte: Smart, gewitzt, aber halt nicht poetisch gedichtet. Die Single „My Smile is Extinct“ mag da ein Beispiel sein. Es ist die Story eines Typen, der von seiner Freundin betrogen wurde: „Yes you were the best I’ve ever had, I’ll say it to your face and I’ll say it to your dad“ singt Kane, um im Refrain, als die Lady ihm gestanden hat, „Kill me now, don’t think twice, I’ve heard that there’s a chance of an afterlife“ zu klagen. Das ist ja definitiv drollig formuliert, aber komplett unverklausuliert, hundertpro direkt. Elliott Smith hätte in der gleichen Situation nur Andeutungen gesungen.

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Review: Wavves

Wavves – „You’re Welcome“

Alben haben ja immer irgendwie eine Geschichte und die Geschichte, die am letzten Wavves-Album „V“ (2015) dran hing, das war der Streit zwischen Nathan Williams (dem Kopf, Frontfigur, Macher, Denker der Kalifornier, die zwar nominell ein Quartett sind, aber faktisch letztlich Williams +3) und seinem Majorlabel Warner Music. Da gab’s ein großes Hin und Her: Nathan stellte Songs auf Soundcloud, Warner sperrte sie wieder, drohte gar mit einer Klage. Nathan wollte ein Albumcover, die Warner wollte ein anderes, Nathan stellte seins ins Netz, um vollendete Tatsachen zu schaffen und schrieb wütende Tiraden nach dem Motto: „Die Sesselfurzer, die in mir nur ein Dollarzeichen sehen, peilen eh nicht, was ich mache!“ Das sechste Album „You’re Welcome“ erscheint konsequenterweise auf Nathans Eigenlabel und er schickt sinngemäß voraus: „So wie die Warner mein letztes Album in den Sand gesetzt hat, kriege ich das ja sogar komplett alleine besser hin.“

Jetzt könnte man sich fragen, warum überhaupt je ein Majorlabel glauben konnte, für eine so gerne Streit suchende Band die richtige Heimat zu sein. Schon die frühen Alben der Wavves lebten schließlich davon, dass sie ihre Songs mit einer gewissen Wurschtigkeit und spürbarer Verachtung hinrotzten. Das war von Anfang an erklärt ihr Ding: Extraknackige Noisepop-Songs einerseits – aber mit latent aggressiver Slacker-Attitude andererseits. Zerzaust, um elf Uhr früh schon betrunken, geht-mir-nicht-auf-die-Eier, Stinkefinger-Musik. Review: Wavves weiterlesen

Review: The Jensens

The Jensens – „Sexless EP“

Vor genau einem Jahr haben The Jensens aus Brisbane ihre EP „Everybody Talks“ vorgelegt. Die war sehr in Ordnung, vor allem für ein Debüt. Eine erste EP beschreibt nun mal einen Punkt früh in der Karriere einer Band, wenn sie gerade dabei ist, ihre Identität zu finden. 12 Monate danach gibt’s nun neues Material. So weit, dass The Jensens jetzt ein Album machen würden, sind sie also noch nicht. Immerhin aber zeigen sie uns schon mal sechs neue Songs..

Tja. Es hat sich bemerkenswert wenig getan. Aber diesmal müssen wir ein bisschen kritischer sein, denn es ist kein Debüt mehr.

The Jensens sind eine Gitarrenband zwischen Garage und Britpop. Grob bewegen sie sich mit ihren Songs zwischen schnodderiger Coolness a la Strokes („Bones“), schuggernd-pushenden Midtempo-Stomps a la Weezer („Stadium Rock“) und grinsendem Energie-Melodie-Gitarrenpop a la Supergrass („Don’t Disagree“). Natürlich nicht ganz auf all deren Level, aber das erwartet ja keiner.

Eigentlich ist das ein Sound, mit dem man mich in der Tasche haben sollte. Review: The Jensens weiterlesen

Review: Jonas Nicholls

jonas-nicholls-time-no-longerJonas Nicholls – „Time No Longer“ EP

Wo wäre ich auf diesem Blog nur ohne die Australier? Schon wieder geht’s nach Sydney. Von hier kamen die Sures. Eine meiner echten Lieblingsbands der letzten Jahre. Dabei hat das Quartett nur zwei EPs gemacht. Okay, zwei mal fünf Songs, das ergibt ja eigentlich ein Album. Aber trotzdem, in der Karriere einer Band gilt die EP als erster Schritt. Mit einer EP klopft man an, mit einem Album tritt man ein. Mein Gott, was haben die Sures angeklopft. Aber sie sind nicht eingetreten, im bildlichen und im tatsächlichen Sinne.

Die erste EP kam 2012. Fünf knusprige Gitarrenpop-Songs die sich durch meine Lieblings-Indie-Styles schlängelten wie ein Zauber-Glitzeraal. „Stars“ hatte den schmissig-netten Shoegaze-Jangle wie Pains Of Being Pure At Heart. „Poseidon“ beschwor Lo-Fi-Phil Spector und Indie-Beach Boys herauf, so dass es eigentlich auf Elephant Six hätte erscheinen müssen. „The Sun“ erinnerte mich immer an Tame Impala, ohne was spezifisch Tame Impala-mäßiges zu haben. Es muss der Vibe gewesen sein. Der Vibe, dieser abstrakte Hund! Das ist doch irgendwie lässig, oder?

EP 2 (2013) war sogar noch besser! Review: Jonas Nicholls weiterlesen

Review: Public Access TV

public-access-tv-never-enoughPublic Access TV – „Never Enough“

Sie sind rar geworden, die New Yorker Bands. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Mieten auch in lange noch als Zentren der Boheme geltenden Gegenden wie Brooklyn heute so horrend sind, dass viele Musiker den Big Apple verlassen müssen und in ein Städtchen außerhalb ziehen oder sich gleich ganz in einem anderen US-Szene-Ort niederlassen.

Was natürlich extrem schade ist, denn die New York-Band hat eine ganz eigene Tradition im Rock’n’Roll. Die typische New York-Band, die schreibt peppige, schnodderige Songs, sie erfüllt dabei auch einen gewissen Art-Anspruch und sie trägt knallenge Jeans. Späte 60s: The Velvet Underground. Mitte der 70s: The New York Dolls, The Ramones, Television. Späte 70s/frühe 80s: Blondie, The Knack, Talking Heads. In den 2000ern: The Strokes, The Walkmen, Interpol, Yeah Yeah Yeahs, The Virgins, The Drums.

Public Access TV sind vermutlich nicht „die letzte New York-Band“. Aber hey, als Schlagzeile, um PATV interessanter zu machen, würde sich das doch gut anhören. Fakt ist, das Quartett um Sänger John Eatherley ist die Gruppe, die momentan die New Yorker Flagge am höchsten hält.

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