Archiv der Kategorie: Vintage Clips

Holding Out For A Perro

Es ist da, das Sommerloch.
Erstens gibt’s weniger Veröffentlichungen als noch zwischen März und Mitte Mai und damit auch weniger Material für Blogposts. Nicht nur, was Review und Interviews betrifft. Auch aktuelle Videos, die ich weiter leiten kann, um darauf hinzuweisen oder meinen Senf dazu abzugeben, sind rarer gesät.
Zweitens: Naja, wenn’s draußen angenehm ist, verbringe ich natürlich auch weniger Freizeit vorm Rechner. So habe ich noch das eine oder andere Interview auf der Festplatte, das darauf wartet, hier verwertet zu werden. Aber die Motivation, mich dafür auch Stunden hinter den Bildschirm zu klemmen? Begrenzt.

Aber gut, wenn ich gerade keinen Post fertig habe, kann ich mich auf meinen trusty old itunes-shuffle verlassen. Er wird ein Lied picken, das mich flasht und schon werde ich was mitteilen wollen.

Was finde ich in diesem Moment so toll an „God Knows“ von El Perro del Mar (2006)?

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Wake Up, Boo (and go back to bed)

Es ist 4:40 in der Früh. Kennt ihr das?`Oder ist das was, das nur ich habe? Statt eines Traumes läuft, während ihr schlaft, in eurem Kopf nagend und insistierend ein Lied, so deutlich, dass ihr wach werdet und denkt: „Das muss doch irgendwas zu bedeuten haben? Dass dieses Lied sich jetzt so intensiv bemerkbar machte?“

In den frühen 90s LIEBTE ich die Shoegaze-Popper The Boo Radleys aus Liverpool. „Everything’s Alright Forever“ war mein Album des Jahres 1992. Mein Gehirn spielte dieses 26 Jahre alte Lied davon gerade in meinem Schlaf, als steckte mein kleiner 90s-Stereowürfel mit CD-Player unter meiner Schädeldecke. Jetzt bin ich wach.

Ein mal passierte mir das mit einem Song von Phoenix. Am Morgen stellte ich fest, dass ich in der Nacht ans Laptop gekommen sein musste und das Lied in der Tat von meinem itunes abgespielt wurde. Das war eben aber gerade nicht so. Mein Unterbewusstsein spielte mir gerade „Does This Hurt?“ vor und es fühlt sich signifikant an. Weird. Naja. Jetzt versuche ich mal wieder, weiter zu schlafen.

To Maybe or not to be

Was tu ich, wenn ich nicht dazu kam, ein Interview fertig abzutippen oder eine Rezension zu schreiben, aber trotzdem hier ein Textchen für den Tag hinterlassen will? Dann lasse ich den Shuffle-Modus sein Werk tun und schaue, ob er einen interessanten Song pickt und schreibe dann hier was dazu.

Shuffle pickt: No and The Maybes. Menschenskind! An die habe ich lange nicht mehr gedacht! Vor genau 10 Jahren habe ich das Trio mal in Aarhus gesehen, beim Showcase-Festival SPOT. Ich kannte die nicht, fand nur den Namen ganz drollig, guckte sie mir in der „Voxhall“ an und war hin und weg. Diese drei Dänen machten gewitztes Indie/Sixties-Songwriting, voll mit unerwarteten Momenten, unorthodoxer Instrumentierung und smarten Wendungen. Mich erinnerte es an The Shins und an die Gruppen vom Elephant Six-Label wie The Olivia Tremor Control oder The Apples In Stereo.

Showcase-Festivals sind so eine Sache für sich. Normal zieht man von Gig zu Gig, guckt sich überall ein paar Songs an, ist nicht überzeugt und zieht weiter. To Maybe or not to be weiterlesen

Simply Divine

Schon mehrere Tage kein neuer Beitrag auf dem Blog… da kriege ich ja fast ein schlechtes Gewissen! Aber ich kam zeitlich noch nicht dazu, das neue L.A. Salami-Album zu besprechen und neue Clips, die ich weitergeben will, sind irgendwie nicht aufgetaucht (oder ich habe sie übersehen).

Wie wär’s also mal wieder mit einem Video aus dem Archiv? Werfen wir mal wieder den Zufallsgenerator an: Oha, er pickt The Divine Comedy. Neil Hannon, den Kammerpop-Literaten aus Nordirland, immer smart, immer gewitzt, manchmal so richtig berührend. Natürlich muss ich aus seiner Diskographie „Tonight We Fly“ aussuchen. Nicht zu fassen, dass dies nie eine Single war! Was für ein herrliches Lied, was für eine wunderbar versöhnliche Botschaft!

Darf ich anmerken: Vielleicht sollte man eine Liste der Lieder vorbereiten, die bitte eines Tages auf dem eigenen Begräbnis gespielt sollen. Nicht dass die Hinterbliebenen sagen: „Hmm… er mochte doch diese ‚Alternative Musik'“. Dann gucken sie auf Spotify, was das denn ist – und sie picken Imagine fucken Dragons, mein Sarg geht zu „Thunder“ unter die Erde und sie meinten es sogar gut!

So eine Liste würde ich trotzdem nicht machen, bevor ich 80 bin. Aus Aberglauben, dass man sie dann früher braucht als geahnt. Trotzdem: „Tonight We Fly“, den Song merke ich mir vor, neben „Hopeful“ von Teitur, für irgendwann nach 2050, wenn es so weit ist, dass ich die Liste dann doch mal zusammenstelle.

Tonight we fly
over the houses, the streets and the trees  
over the dogs down below,
they’ll bark at our shadows as we float by on the breeze.

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Getting to know you Swell

Es gibt Zeiten, da entdecke ich wenige neue Clips auf youtube, die ich gleich begeistert teilen und kommentieren möchte. Ab und zu pickt mein itunes-Shuffle in diesen Phasen eine alte Lieblingsband und stupst mich damit an, doch mal diese Favoriten von früher zu featuren.

Heute daher: Swell. Eine Band aus San Francisco, die ich in den 90s sehr sehr liebte. So richtig groß wurden sie nie, weil sie in keine der damaligen Indie-Schubladen passten: Grunge, Shoegazing, Britpop, das alles waren sie nicht. Am ehesten kann man sich vielleicht  eine gewisse Verwandtschaft zu Americana und Pavement’schem LoFi-Pop  einbilden, aber dazu war ihr Sound eigentlich zu kristallklar und zu wenig melodiös-folky.

Anyway. Die Lieder von Swell zeichnen sich eigentlich immer durch folgende Elemente aus: 1. Eine Akustikgitarre, die einen stoisch-lässigen Rhythmus vorgibt. 2. Drums, die klingen, als seien sie aus Pappe. 3. Eine E-Gitarre, gerne mit Bottleneck gespielt, die für ein bisschen Verzerrung und Noise, aber auch die Melodie sorgt. 4. Der gelassene (Sprech)-Gesang von David Freel. (Klar, Bass ist auch immer dabei. Außerdem: Keyboards übernehmen manchmal die Rolle von (3)).

Auch wenn sie sich immer auf diese Elemente verlassen, haben Swell doch seit 1989 eine nie langweilige Discographie akkumuliert. Alle paar Jahre gibt’s ein neues Album, aber dass Bandkopf David Freel weiterhin aktiv Swell-Platten macht (die letzte ist von 2014), ist sogar an mir als langjährigem Follower vorbei gegangen – denn zuletzt erschienen sie auf Freels eigenem Label, ohne dass die Welt viel davon mitbekommen hätte. Na, da habe auch ich etwas nachzuholen.

Na, jedenfalls. Swell haben das gefunden, was man sich als Band wünscht: Einen wirklich eigenen, unverwechselbaren, steincoolen Sound. Drei Songs noch nach dem Break.

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Octopus och Kram

Gestern erschien das Debütalbum von The Magic Gang – klar, dass ich mir vorgenommen habe, am Wochenende darüber zu schreiben. Die Jungs aus Brighton sind schließlich wie geschaffen für diesen Blog, führen sie doch letztlich die Britpop-Tradition fort, die bis heute nicht totzukriegen ist (auch wenn sie zwischendurch immer mal komplett ins Aus geschrieben wird). Dafür stehen zahllose Bands von, sagen wir, The Kinks über die Housemartins, Supergrass, Blur und die Kaiser Chiefs.

Doch das heisst nicht, dass The Magic Gang garantiert durchstarten werden. Denn längst nicht alle Vertreter des Sounds hatten auch Erfolg. Auch einige wirklich prima Gruppen fielen durchs Raster, selbst als der Sound angesagt war. Wie ich The Magic Gang so höre, fallen mir gleich mehrere Bands von früher ein, die ich liebte, die aber vergessen wurden, sogar von mir selbst. Octopus zum Beispiel.

Als Octopus 1996/97 auftauchten, da dachte ich: „Boah! Das werden ja die nächsten Blur!“ Die Schotten aus dem Örtchen Shotts nahe Glasgow unterschrieben sogar beim gleichen Label wie Blur: Food. Eine Firma, die zwar von der EMI bezahlt wurde, aber als gute Indie-Adresse galt, weil hier z.B. auch Jesus Jones und Strangelove veröffentlichten.

Anyway, damals sammelte ich alles, was ich von Octopus unter die Finger kriegte. Sogar Vinyl-7″es stehen irgendwo in meiner Sammlung. Die Band machte vier originelle Singles und ein Album, aber es war halt doch die Zeit, als der Britpop-Hype auf der Insel abflaute und der Markt langsam übersättigt war. Das Album „From A to B“ erreichte gerade mal Platz 82 der UK-Charts und die Band löste sich bald danach auf. Live habe ich Octopus nie gesehen. Ich habe nicht mal ein Video gesehen, damals, wir reden schließlich von 1996! Steinzeit! Kein Internet, kein Youtube!

Deswegen: Hey! Mal auf youtube geschaut und sieh an, da stehen zwei Clips, sogar in guter Qualität. Das muss ich teilen. Ein schottisches Kapitel aus The Lost History of Britpop, aktuell ausgelöst durch The Magic Gang.

Across The Ununiverse

Es ging durch die Medien – der preisgekrönte isländische Filmkomponist Johann Johansson ist im Alter von nur 48 Jahren gestorben.

Nun muss ich so ehrlich sein: Auch wenn mir Johannssons Name geläufig war, bin ich doch kein Kenner von Filmmusik. Ich habe trotzdem den einen oder anderen Nachruf gelesen – und lernte zu meiner Überraschung, dass Johansson in den 90ern auch Mitglied von Unun war. Jetzt hatte auch ich meinen Bezugspunkt, denn irgendwo in meiner CD-Sammlung im Keller liegen auch ein, zwei Singles dieser Band vergraben. Mitte der 90s galten Unun nämlich mal kurz als Islands neue Indie-Hoffnung.  Ich mochte ihre Songs „You Do Not Exist“ und „I See Red“.

Damals kannte man noch kein Googlen. Das habe ich jetzt getan. Ich wusste all die Jahre nicht: Auch wenn meine paar CDs auf Englisch sind, haben Unun zuerst auf Isländisch aufgenommen. Auf youtube stehen ein paar isländische Videos der Band. Ebenfalls Mitglied bei Unun: Þór Eldon Jónsson, der vorher bei den Sugarcubes (und mal mit Björk verheiratet) war. Die Sängerin der Band hieß Hei∂a Eíriksdottír.

Okay, wenn Johann Johannsson es sich aussuchen könnte, möchte er sicher, dass man sich an ihn für seine Hauptwerke als klassischer bzw als Filmkomponist erinnert. Nicht unbedingt dafür, dass er Mitte 20 mal in einer Indieband mitspielte. Trotzdem werde ich jetzt hier einen Clip von Unun teilen. Weil ein Leben aus vielen Phasen und Facetten besteht. Weil an Johann Johannsson, den begabten E-Musik-Komponisten, schon die Anderen erinnern. Ich finde, es ist Wert, zu zeigen: Auf Johanssons Weg zu dem Künstler, der er letztlich wurde, lagen diverse Stationen. Und ist es nicht auch irre, zu wissen: Eins von den Kids in diesem Video gewinnt später mal den Golden Globe in Hollywood! (…und stirbt viel, viel zu jung, verdammt. R.i.P. JJ)

Yeah Cars Go

Ich weiss offen gestanden nicht, was ihr Anlass war – aber das Kataloglabel Rhino hat heute ein altes Video von The Cars online gestellt. Und zwar „Shake It Up“, den Titelsong des zweiten Albums der Bostoner Band, welches 1981 erschien. Der Song ist ein knackiges Post-New Wave-Pop-Dings – und da ich hier The Cars erstens immer mal wieder als Vorläufer heutiger Bands wie, sagen wir mal Public Access TV, Strange Names und irgendwie auch The Strokes nenne und ich mir zweitens vorstellen kann, dass der Song auch auf heutigen Indiediscos durchaus kicken könnte, teile ich ihn doch mal mit. Info am Rande: Cars-Sänger Ric Ocasek kennt man natürlich auch als Producer. Als sein Meisterwerk in dieser Funktion gilt das erste Weezer-Album, das blaue.

Buzzards and Boosards

Neues von Green Buzzard! Die Neo-Britpop-Band aus Sydney um Sänger Patrick Harrowsmith legt ein neues Video vor, und zwar zum Song „Dream In/Out“, der von ihrer aktuellen EP „Spaceman Rodeo“ stammt.

Eine Sache, die ich an Green Buzzard wirklich, wirklich mag, ist dass ich bei ihrer Melodieführung oft an eine meiner absoluten Lieblingsbands der frühen 90s denken muss: The Boo Radleys aus Liverpool kennt man für ihren Hit „Wake Up Boo!“ (1995), aber in der Zeit ihrer frühen EPs bzw ihres Debütalbums „Everything’s Alright Forever“ vergruben sie ihre feinen Melodien unter rauschendem Guitar Noise.

mehr frühe Boo Radleys nach dem Break Buzzards and Boosards weiterlesen

Cause I’m A Mansun

Nix Neues, aber klassisch: Das Mansun-Debütalbum „Attack Of The Gray Lantern“ feiert in diesem Jahr sein 20stes Jubiläum. Aus diesem Anlass hat ihr Sänger Paul Draper (seit kurzem wieder solo aktiv) ein paar frühe Videos der Band auf youtube gestellt. Selten gesehen: „Flourella“, denn der Song war nie eine offizielle Single. Die Nummer erschien ursprünglich als Promo, als die Band noch auf Labelsuche war, sowie später noch mal als B-Seite der Single „She Makes My Nose Bleed“. Wie sehen Mansun, die im Verlauf ihrer Karriere ja sehr schrullig und proggy wurden, noch im frühen „Wir sind Oasis-Fans“-Modus.