Archiv der Kategorie: Vintage Clips

Simply Divine

Schon mehrere Tage kein neuer Beitrag auf dem Blog… da kriege ich ja fast ein schlechtes Gewissen! Aber ich kam zeitlich noch nicht dazu, das neue L.A. Salami-Album zu besprechen und neue Clips, die ich weitergeben will, sind irgendwie nicht aufgetaucht (oder ich habe sie übersehen).

Wie wär’s also mal wieder mit einem Video aus dem Archiv? Werfen wir mal wieder den Zufallsgenerator an: Oha, er pickt The Divine Comedy. Neil Hannon, den Kammerpop-Literaten aus Nordirland, immer smart, immer gewitzt, manchmal so richtig berührend. Natürlich muss ich aus seiner Diskographie „Tonight We Fly“ aussuchen. Nicht zu fassen, dass dies nie eine Single war! Was für ein herrliches Lied, was für eine wunderbar versöhnliche Botschaft!

Darf ich anmerken: Vielleicht sollte man eine Liste der Lieder vorbereiten, die bitte eines Tages auf dem eigenen Begräbnis gespielt sollen. Nicht dass die Hinterbliebenen sagen: „Hmm… er mochte doch diese ‚Alternative Musik'“. Dann gucken sie auf Spotify, was das denn ist – und sie picken Imagine fucken Dragons, mein Sarg geht zu „Thunder“ unter die Erde und sie meinten es sogar gut!

So eine Liste würde ich trotzdem nicht machen, bevor ich 80 bin. Aus Aberglauben, dass man sie dann früher braucht als geahnt. Trotzdem: „Tonight We Fly“, den Song merke ich mir vor, neben „Hopeful“ von Teitur, für irgendwann nach 2050, wenn es so weit ist, dass ich die Liste dann doch mal zusammenstelle.

Tonight we fly
over the houses, the streets and the trees  
over the dogs down below,
they’ll bark at our shadows as we float by on the breeze.

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Getting to know you Swell

Es gibt Zeiten, da entdecke ich wenige neue Clips auf youtube, die ich gleich begeistert teilen und kommentieren möchte. Ab und zu pickt mein itunes-Shuffle in diesen Phasen eine alte Lieblingsband und stupst mich damit an, doch mal diese Favoriten von früher zu featuren.

Heute daher: Swell. Eine Band aus San Francisco, die ich in den 90s sehr sehr liebte. So richtig groß wurden sie nie, weil sie in keine der damaligen Indie-Schubladen passten: Grunge, Shoegazing, Britpop, das alles waren sie nicht. Am ehesten kann man sich vielleicht  eine gewisse Verwandtschaft zu Americana und Pavement’schem LoFi-Pop  einbilden, aber dazu war ihr Sound eigentlich zu kristallklar und zu wenig melodiös-folky.

Anyway. Die Lieder von Swell zeichnen sich eigentlich immer durch folgende Elemente aus: 1. Eine Akustikgitarre, die einen stoisch-lässigen Rhythmus vorgibt. 2. Drums, die klingen, als seien sie aus Pappe. 3. Eine E-Gitarre, gerne mit Bottleneck gespielt, die für ein bisschen Verzerrung und Noise, aber auch die Melodie sorgt. 4. Der gelassene (Sprech)-Gesang von David Freel. (Klar, Bass ist auch immer dabei. Außerdem: Keyboards übernehmen manchmal die Rolle von (3)).

Auch wenn sie sich immer auf diese Elemente verlassen, haben Swell doch seit 1989 eine nie langweilige Discographie akkumuliert. Alle paar Jahre gibt’s ein neues Album, aber dass Bandkopf David Freel weiterhin aktiv Swell-Platten macht (die letzte ist von 2014), ist sogar an mir als langjährigem Follower vorbei gegangen – denn zuletzt erschienen sie auf Freels eigenem Label, ohne dass die Welt viel davon mitbekommen hätte. Na, da habe auch ich etwas nachzuholen.

Na, jedenfalls. Swell haben das gefunden, was man sich als Band wünscht: Einen wirklich eigenen, unverwechselbaren, steincoolen Sound. Drei Songs noch nach dem Break.

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Octopus och Kram

Gestern erschien das Debütalbum von The Magic Gang – klar, dass ich mir vorgenommen habe, am Wochenende darüber zu schreiben. Die Jungs aus Brighton sind schließlich wie geschaffen für diesen Blog, führen sie doch letztlich die Britpop-Tradition fort, die bis heute nicht totzukriegen ist (auch wenn sie zwischendurch immer mal komplett ins Aus geschrieben wird). Dafür stehen zahllose Bands von, sagen wir, The Kinks über die Housemartins, Supergrass, Blur und die Kaiser Chiefs.

Doch das heisst nicht, dass The Magic Gang garantiert durchstarten werden. Denn längst nicht alle Vertreter des Sounds hatten auch Erfolg. Auch einige wirklich prima Gruppen fielen durchs Raster, selbst als der Sound angesagt war. Wie ich The Magic Gang so höre, fallen mir gleich mehrere Bands von früher ein, die ich liebte, die aber vergessen wurden, sogar von mir selbst. Octopus zum Beispiel.

Als Octopus 1996/97 auftauchten, da dachte ich: „Boah! Das werden ja die nächsten Blur!“ Die Schotten aus dem Örtchen Shotts nahe Glasgow unterschrieben sogar beim gleichen Label wie Blur: Food. Eine Firma, die zwar von der EMI bezahlt wurde, aber als gute Indie-Adresse galt, weil hier z.B. auch Jesus Jones und Strangelove veröffentlichten.

Anyway, damals sammelte ich alles, was ich von Octopus unter die Finger kriegte. Sogar Vinyl-7″es stehen irgendwo in meiner Sammlung. Die Band machte vier originelle Singles und ein Album, aber es war halt doch die Zeit, als der Britpop-Hype auf der Insel abflaute und der Markt langsam übersättigt war. Das Album „From A to B“ erreichte gerade mal Platz 82 der UK-Charts und die Band löste sich bald danach auf. Live habe ich Octopus nie gesehen. Ich habe nicht mal ein Video gesehen, damals, wir reden schließlich von 1996! Steinzeit! Kein Internet, kein Youtube!

Deswegen: Hey! Mal auf youtube geschaut und sieh an, da stehen zwei Clips, sogar in guter Qualität. Das muss ich teilen. Ein schottisches Kapitel aus The Lost History of Britpop, aktuell ausgelöst durch The Magic Gang.

Across The Ununiverse

Es ging durch die Medien – der preisgekrönte isländische Filmkomponist Johann Johansson ist im Alter von nur 48 Jahren gestorben.

Nun muss ich so ehrlich sein: Auch wenn mir Johannssons Name geläufig war, bin ich doch kein Kenner von Filmmusik. Ich habe trotzdem den einen oder anderen Nachruf gelesen – und lernte zu meiner Überraschung, dass Johansson in den 90ern auch Mitglied von Unun war. Jetzt hatte auch ich meinen Bezugspunkt, denn irgendwo in meiner CD-Sammlung im Keller liegen auch ein, zwei Singles dieser Band vergraben. Mitte der 90s galten Unun nämlich mal kurz als Islands neue Indie-Hoffnung.  Ich mochte ihre Songs „You Do Not Exist“ und „I See Red“.

Damals kannte man noch kein Googlen. Das habe ich jetzt getan. Ich wusste all die Jahre nicht: Auch wenn meine paar CDs auf Englisch sind, haben Unun zuerst auf Isländisch aufgenommen. Auf youtube stehen ein paar isländische Videos der Band. Ebenfalls Mitglied bei Unun: Þór Eldon Jónsson, der vorher bei den Sugarcubes (und mal mit Björk verheiratet) war. Die Sängerin der Band hieß Hei∂a Eíriksdottír.

Okay, wenn Johann Johannsson es sich aussuchen könnte, möchte er sicher, dass man sich an ihn für seine Hauptwerke als klassischer bzw als Filmkomponist erinnert. Nicht unbedingt dafür, dass er Mitte 20 mal in einer Indieband mitspielte. Trotzdem werde ich jetzt hier einen Clip von Unun teilen. Weil ein Leben aus vielen Phasen und Facetten besteht. Weil an Johann Johannsson, den begabten E-Musik-Komponisten, schon die Anderen erinnern. Ich finde, es ist Wert, zu zeigen: Auf Johanssons Weg zu dem Künstler, der er letztlich wurde, lagen diverse Stationen. Und ist es nicht auch irre, zu wissen: Eins von den Kids in diesem Video gewinnt später mal den Golden Globe in Hollywood! (…und stirbt viel, viel zu jung, verdammt. R.i.P. JJ)

Yeah Cars Go

Ich weiss offen gestanden nicht, was ihr Anlass war – aber das Kataloglabel Rhino hat heute ein altes Video von The Cars online gestellt. Und zwar „Shake It Up“, den Titelsong des zweiten Albums der Bostoner Band, welches 1981 erschien. Der Song ist ein knackiges Post-New Wave-Pop-Dings – und da ich hier The Cars erstens immer mal wieder als Vorläufer heutiger Bands wie, sagen wir mal Public Access TV, Strange Names und irgendwie auch The Strokes nenne und ich mir zweitens vorstellen kann, dass der Song auch auf heutigen Indiediscos durchaus kicken könnte, teile ich ihn doch mal mit. Info am Rande: Cars-Sänger Ric Ocasek kennt man natürlich auch als Producer. Als sein Meisterwerk in dieser Funktion gilt das erste Weezer-Album, das blaue.

Buzzards and Boosards

Neues von Green Buzzard! Die Neo-Britpop-Band aus Sydney um Sänger Patrick Harrowsmith legt ein neues Video vor, und zwar zum Song „Dream In/Out“, der von ihrer aktuellen EP „Spaceman Rodeo“ stammt.

Eine Sache, die ich an Green Buzzard wirklich, wirklich mag, ist dass ich bei ihrer Melodieführung oft an eine meiner absoluten Lieblingsbands der frühen 90s denken muss: The Boo Radleys aus Liverpool kennt man für ihren Hit „Wake Up Boo!“ (1995), aber in der Zeit ihrer frühen EPs bzw ihres Debütalbums „Everything’s Alright Forever“ vergruben sie ihre feinen Melodien unter rauschendem Guitar Noise.

mehr frühe Boo Radleys nach dem Break Buzzards and Boosards weiterlesen

Cause I’m A Mansun

Nix Neues, aber klassisch: Das Mansun-Debütalbum „Attack Of The Gray Lantern“ feiert in diesem Jahr sein 20stes Jubiläum. Aus diesem Anlass hat ihr Sänger Paul Draper (seit kurzem wieder solo aktiv) ein paar frühe Videos der Band auf youtube gestellt. Selten gesehen: „Flourella“, denn der Song war nie eine offizielle Single. Die Nummer erschien ursprünglich als Promo, als die Band noch auf Labelsuche war, sowie später noch mal als B-Seite der Single „She Makes My Nose Bleed“. Wie sehen Mansun, die im Verlauf ihrer Karriere ja sehr schrullig und proggy wurden, noch im frühen „Wir sind Oasis-Fans“-Modus.

Oh Delays

Mann, was habe ich die Delays geliebt! Lange schon hat das Quartett aus Southampton nichts mehr von sich hören lassen, aber speziell ihr Debüt „Faded Seaside Glamour“ (2004) und das folgende Album „You See Colours“ (2006) habe ich auf und ab gehört. Ihre Stimmen kombinierten  die zwei Brüder Greg und Aaron Gilbert im besten Falle wie zwei liebestrunkene Kanarienvögel. Sie haben einfach Schönheit und Pracht in die Welt getragen, die Delays.

Umso trauriger die News, dass Greg akut an Darmkrebs erkrankt ist. Der britische NHS kann die neuen Therapien, auf die Greg und seine Familie nun ihre Hoffnung legen, nicht bieten. Jetzt hofft Gregs Ehefrau, für diese Therapie per gofundme 100.000 Pfund zu sammeln zu können. Ich werde was beitragen und drücke Greg alle Daumen, denn ich will die Hoffnung auf ein fünfte Delays-Album nicht aufgeben. Spenden kann man HIER.

mehr wunderbare Delays nach dem Break… Oh Delays weiterlesen

I Feel Finn

crowded-house-rereleasesHeute mal wieder ein Text über nix Neues, sondern eine alte Band. Die guten Crowded House. Ich LIEBE Crowded House. Neil Finn is THE MAN. Wer Crowded House nicht liebt, hat’s nicht verstanden.

Es ist ziemlich genau 19 Jahre her.
Früher Winter 1997. November wird zu Dezember. Ich sitze auf einer Matratze in Augsburg bei dem Mädchen, das bald meine Ex-Freundin sein wird. Wir beide wissen’s. Es ist diese Situation, in der man so fürchterlich hilflos ist. Sie ist einfach nicht mehr in mich verliebt. Was kann man da machen? Ihr ginge es besser, wenn ich einfach verschwände. Nur: Ich möchte doch mit ihr zusammen bleiben. Ich würde es ja retten wollen. Aber wir sind an dem Punkt, wo nichts mehr zu machen ist. Wenn ich mich jetzt total reinhängen und alle Bäume ausreissen würde, sie wäre nur genervt. Das käme an, als würde ich betteln. Wenn ich aber alles an mir abprallen lasse, die kalte Schulter zeige, so nach dem Motto: „Auch DU musst was für diese Beziehung tun“ – auch das könnte längst nicht mehr ziehen, das würde ihr nur erst recht die Tür aufmachen.

Das Radio ist an. Ich weiss nicht wieso, wir hören normal doch nie Radio. „Distant Sun“ wird gespielt, die vier Jahre alte Single vom 1993er Crowded House-Album „Together Alone“. Und fucken hell, hat mal jemals ein Song einen Moment in mein Leben so mörderisch auf den Punkt gebracht?!?!?!!  I Feel Finn weiterlesen

My Sad Captain

Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht jede Band so erfolgreich sein kann, wie sie es verdient hätte. Das Londoner Quintett Captain zum Beispiel. Die Band um Sänger Rik Flynn veröffentlichte 2006 ihr einziges Album „Hazelville“. Eine Platte, die ich damals auf- und ab hörte, denn ich fand, das war ziemlich ideale Popmusik. So zwischen Phoenix’schem sophisticated Indie und smarten 80ern a la Prefab Sprout – nicht ohne Grund hatte die Band für ihr Album 80s-Producer Trevor Horn reaktiviert. Ihre Single „Broke“ bleibt eins meiner ewigen Lieblingslieder, aber mehr als Platz 23 in den UK-Albumcharts war nicht drin für Captain, die zwar noch ein zweites Album aufnehmen durften, aber dann noch vor dessen VÖ vom Label gedroppt wurden, als die Vorab-Single („Keep An Open Mind“, 2008) wieder hinter den Erwartungen zurück blieb.

Captain haben sich nie offiziell getrennt und ab und zu in London weiter Konzerte gegeben. Heute erst hat die Band auf facebook nach langer Inaktivität wieder eine Show angekündigt. Jedoch aus traurigem Anlass: Es wird ein Benefiz-Konzert für die Krebshilfe, Gitarrist Mario Athanasiou ist im Sommer gestorben, so der Eintrag.

Captain sind nicht zur großen Nummer geworden. Als ihr Gitarrist Mario starb, stand kein Nachruf in den großen Zeitungen. Aber hey, sie haben immerhin eine prima Platte gemacht. Ein Album, das wenigstens ein paar Leuten echt was bedeutete. Ich war einer davon. Möge dieser Post also eine kleine Würdigung für Mario Athanasiou und seine Gitarre sein.

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