Archiv der Kategorie: Vintage Clips

Buzzards and Boosards

Neues von Green Buzzard! Die Neo-Britpop-Band aus Sydney um Sänger Patrick Harrowsmith legt ein neues Video vor, und zwar zum Song „Dream In/Out“, der von ihrer aktuellen EP „Spaceman Rodeo“ stammt.

Eine Sache, die ich an Green Buzzard wirklich, wirklich mag, ist dass ich bei ihrer Melodieführung oft an eine meiner absoluten Lieblingsbands der frühen 90s denken muss: The Boo Radleys aus Liverpool kennt man für ihren Hit „Wake Up Boo!“ (1995), aber in der Zeit ihrer frühen EPs bzw ihres Debütalbums „Everything’s Alright Forever“ vergruben sie ihre feinen Melodien unter rauschendem Guitar Noise.

mehr frühe Boo Radleys nach dem Break Buzzards and Boosards weiterlesen

Cause I’m A Mansun

Nix Neues, aber klassisch: Das Mansun-Debütalbum „Attack Of The Gray Lantern“ feiert in diesem Jahr sein 20stes Jubiläum. Aus diesem Anlass hat ihr Sänger Paul Draper (seit kurzem wieder solo aktiv) ein paar frühe Videos der Band auf youtube gestellt. Selten gesehen: „Flourella“, denn der Song war nie eine offizielle Single. Die Nummer erschien ursprünglich als Promo, als die Band noch auf Labelsuche war, sowie später noch mal als B-Seite der Single „She Makes My Nose Bleed“. Wie sehen Mansun, die im Verlauf ihrer Karriere ja sehr schrullig und proggy wurden, noch im frühen „Wir sind Oasis-Fans“-Modus.

Oh Delays

Mann, was habe ich die Delays geliebt! Lange schon hat das Quartett aus Southampton nichts mehr von sich hören lassen, aber speziell ihr Debüt „Faded Seaside Glamour“ (2004) und das folgende Album „You See Colours“ (2006) habe ich auf und ab gehört. Ihre Stimmen kombinierten  die zwei Brüder Greg und Aaron Gilbert im besten Falle wie zwei liebestrunkene Kanarienvögel. Sie haben einfach Schönheit und Pracht in die Welt getragen, die Delays.

Umso trauriger die News, dass Greg akut an Darmkrebs erkrankt ist. Der britische NHS kann die neuen Therapien, auf die Greg und seine Familie nun ihre Hoffnung legen, nicht bieten. Jetzt hofft Gregs Ehefrau, für diese Therapie per gofundme 100.000 Pfund zu sammeln zu können. Ich werde was beitragen und drücke Greg alle Daumen, denn ich will die Hoffnung auf ein fünfte Delays-Album nicht aufgeben. Spenden kann man HIER.

mehr wunderbare Delays nach dem Break… Oh Delays weiterlesen

I Feel Finn

crowded-house-rereleasesHeute mal wieder ein Text über nix Neues, sondern eine alte Band. Die guten Crowded House. Ich LIEBE Crowded House. Neil Finn is THE MAN. Wer Crowded House nicht liebt, hat’s nicht verstanden.

Es ist ziemlich genau 19 Jahre her.
Früher Winter 1997. November wird zu Dezember. Ich sitze auf einer Matratze in Augsburg bei dem Mädchen, das bald meine Ex-Freundin sein wird. Wir beide wissen’s. Es ist diese Situation, in der man so fürchterlich hilflos ist. Sie ist einfach nicht mehr in mich verliebt. Was kann man da machen? Ihr ginge es besser, wenn ich einfach verschwände. Nur: Ich möchte doch mit ihr zusammen bleiben. Ich würde es ja retten wollen. Aber wir sind an dem Punkt, wo nichts mehr zu machen ist. Wenn ich mich jetzt total reinhängen und alle Bäume ausreissen würde, sie wäre nur genervt. Das käme an, als würde ich betteln. Wenn ich aber alles an mir abprallen lasse, die kalte Schulter zeige, so nach dem Motto: „Auch DU musst was für diese Beziehung tun“ – auch das könnte längst nicht mehr ziehen, das würde ihr nur erst recht die Tür aufmachen.

Das Radio ist an. Ich weiss nicht wieso, wir hören normal doch nie Radio. „Distant Sun“ wird gespielt, die vier Jahre alte Single vom 1993er Crowded House-Album „Together Alone“. Und fucken hell, hat mal jemals ein Song einen Moment in mein Leben so mörderisch auf den Punkt gebracht?!?!?!!  I Feel Finn weiterlesen

My Sad Captain

Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht jede Band so erfolgreich sein kann, wie sie es verdient hätte. Das Londoner Quintett Captain zum Beispiel. Die Band um Sänger Rik Flynn veröffentlichte 2006 ihr einziges Album „Hazelville“. Eine Platte, die ich damals auf- und ab hörte, denn ich fand, das war ziemlich ideale Popmusik. So zwischen Phoenix’schem sophisticated Indie und smarten 80ern a la Prefab Sprout – nicht ohne Grund hatte die Band für ihr Album 80s-Producer Trevor Horn reaktiviert. Ihre Single „Broke“ bleibt eins meiner ewigen Lieblingslieder, aber mehr als Platz 23 in den UK-Albumcharts war nicht drin für Captain, die zwar noch ein zweites Album aufnehmen durften, aber dann noch vor dessen VÖ vom Label gedroppt wurden, als die Vorab-Single („Keep An Open Mind“, 2008) wieder hinter den Erwartungen zurück blieb.

Captain haben sich nie offiziell getrennt und ab und zu in London weiter Konzerte gegeben. Heute erst hat die Band auf facebook nach langer Inaktivität wieder eine Show angekündigt. Jedoch aus traurigem Anlass: Es wird ein Benefiz-Konzert für die Krebshilfe, Gitarrist Mario Athanasiou ist im Sommer gestorben, so der Eintrag.

Captain sind nicht zur großen Nummer geworden. Als ihr Gitarrist Mario starb, stand kein Nachruf in den großen Zeitungen. Aber hey, sie haben immerhin eine prima Platte gemacht. Ein Album, das wenigstens ein paar Leuten echt was bedeutete. Ich war einer davon. Möge dieser Post also eine kleine Würdigung für Mario Athanasiou und seine Gitarre sein.

My Sad Captain weiterlesen

Feels, Pyke, Heaven

Heute: Nicht immer nur Neues teilen – auch Älteres würdigen!

Kennt Ihr das – ihr hört einen Song, der euch noch nie so aufgefallen ist und auf einmal ZIEHT er euch die Schuhe aus?

Dass ich den australischen Songwriter Josh Pyke, auch wenn er in Europa und den USA praktisch nicht stattfindet, für einen der ganz Großen seiner Zunft halte, das habe ich auf diesem Blog schon wiederholt kundgetan. Der Mann ist ein unaufdringlicher Poet und manchmal schleichen sich seine Songs heimlich an und packen dich sanft… und dann ziehen sie dir den Hals zu.

Heute zum Beispiel hat mich sein Lied „Fill You In“ (erstmals erschienen 2005) ohne Scheiß total mitgenommen und fast zum Heulen gebracht.

Bisher fand ich die Bildsprache in dem Song nett, aber whimsical. Ich meine, Regen und Kaninchen und Vögel und Malbücher kommen im Text vor. Aber hey, was ist heute los? Heute scheint mir der Schluss des Lieds auf einmal aus den traurigsten und liebevollsten Worten zu bestehen, die je geschrieben wurden.

I’m a man, I’m a man like I used to be
and I wanna fill you in
There was a hole in my heart where animals lived
and I wanna fill you in
You know I do a very fine impression of myself
and I wanna fill you in
And there’s a colouring pad in the back of my head
and I wanna fill you in

Fuckin’ell.
Musik. Ich liebe Musik so sehr. Nichts sonst macht sowas aus mir.

Farewell, Pete Burns

R.I.P. Pete Burns.

Mei, das war ein irrer Vogel und ein echtes Original. In den 80ern ist er zwischen Boy George, Marilyn, Adam Ant und allen möglichen anderen androgynen Explosionen aus Schminke und Haarspray gar nicht mal als besonders krass aufgefallen. Aber stellt Euch mal vor, Dead Or Alive würden heute neu auftauchen – selbst Lady Gaga war in ihren wildesten Schinkenkleid-Tagen nicht annähernd so schrill. Schon geil, dass es mal ne Dekade gab, in der sowas problemlos ging.

Die Welt wird „You Spin Me Round (Like A Record)“ mal wieder im Radio spielen. Ich picke „Brand New Lover“, denn davon habe ich die 7Inch daheim in meiner Plattensammlung. Seien wir ehrlich, in Würde ist der Song nicht unbedingt gealtert. Aber hey. Pete Burns, we salute you. Farewell.

Dead or Alive – Brand New Lover – 16×9 HD from Micky Dodds on Vimeo.

The Missing Linkous

Ja mei, das Internet. Alle paar Jahre juckt es mich und suche ich nach den Dancing Hoods. Die Band, von der ich immer nur las, aber die ich nie zu hören bekam. Sie hätten ein bisschen wie die Replacements geklungen, heißt es. Wichtig sind Dancing Hoods deshalb, weil es die Band war, in der Mark Linkous von Sparklehorse sich seine ersten musikalischen Sporen verdiente.

Zwei Alben haben die Dancing Hoods veröffentlicht: „12 Jealous Roses“ (1986) und „Hallelujah Anyway“ (1988). Heute habe ich das Ganze mal wieder in die Suchmaschinen eingegeben – und sieh an: zum ersten Mal fand ich tatsächlich was. Auf youtube gibt’s eine Liveperformance aus der US-MTV-Sendung „Cutting Edge“ und im Downloadstore gab’s „Hallelujah Anyway“ zu kaufen. Ich weiss nicht, wie lange schon. Als ich das letzte Mal schaute, gab’s das jedenfalls nicht.

Wir lernen: Mark Linkous war nicht der Frontmann, sondern Gitarrist und Co-Sänger der Dancing Hoods.

p.s. Falls ihr euch fragt: Wieso heisst dieser Blog eigentlich „Best Ditches“? Mein erstes Interview mit Mark Linkous fand im Herbst 1996 statt. Sparklehorse supporteten Mazzy Star im Strom. Normal lasse ich mir CDs nicht signieren, aber bei ihm musste es sein. In mein Booklet von „Vivadixiesubmarietransmissionplot“ schrieb er: „Best Ditches, Mark“

Merle & Sturgill

Gestern ist Merle Haggard gestorben, eine Legende der Country Music.

Ich muss gestehen, ich habe ja erst später zum Country gefunden – klar weiss ich, das Haggard eine Ikone auf dem Level von Johnny Cash, Willie Nelson und Waylon Jennings ist – aber es ist nicht so, dass ich ein Kenner seines Werks wäre. Sturgill Simpson ist halt mehr meine Generation.

Interessant fand ich daher neulich einen sehr lesenswerten Artikel des US-Magazins „Garden & Gun“ (??!!), in dem Sturgill und „The Hag“ sich gegenseitig interviewen. Wie sich hier zeigt, war die Legende ein Fan des Aufsteigers. Sturgill war praktisch der einzige zeitgenössische Country-Künstler, den Haggard respektierte. Auf dieses Interview möchte ich hier gerne verlinken.
Nicht weil ich Merles Tod als Anlass für Sturgill-Promo nehmen will, sondern weil ich glaube: Mit Sturgill findet auch der jüngere Country-Hörer einen Bezugspunkt zu Merle Haggard. Trotzdem der Hinweis: Nächste Woche erscheint Sturgills drittes Album „A Sailor’s Guide To Earth“ und es wird umwerfend, einmal mehr.

Alme-chtiger!

Nicht immer nur Neues, Neues, Neues! Manchmal sitzt man in der Küche beim Arbeiten und der Shuffle-Mode pickt genau den perfekten Song, an den man schon lange nicht mehr gedacht hat. Joel Almes „The Queen’s Corner“ von 2008 ist ein Klassiker für die Ewigkeit – auch wenn die Welt und die Ewigkeit davon wenig zu wissen scheinen.

Have you ever met a girl like that?
Have you ever met a girl like that?

Wenigstens die Schweden, sie wissen Bescheid. Für sein jüngstes Album „Flycktligan“ (sein erstes auf Schwedisch und sein viertes insgesamt) war der Göteborger letzte Woche für zwei „Grammis“ nominiert, als „Texter des Jahres“ sowie in der Kategorie „Rockalbum des Jahres“. Letzteren Award gewannen zwar die Deportees für „The Big Sleep“, aber von denen darf man schon mal geschlagen werden. Übrigens, das Album des Jahres ging verdientermaßen an das herrliche „Sky City“ von Amason. Diese Platte war auch mein persönlicher SWE-Favorit 2015.