Archiv der Kategorie: Vintage Clips

This one left a Mark on me

Ich hab‘ neulich schon vorgewarnt: Wenn Shed Seven, die in diesen Tagen ihre frühen Videos auf youtube updaten, ihre Debütsingle „Mark“ (1994) neu online stellen, dann werde ich hier drüber schreiben müssen.

Sie haben noch eine Menge prima Britpop-Hits nachgelegt, aber für mich bleibt „Mark“ die Nummer, die Rick Witter und seine Crew aus York nicht mehr getoppt haben.  Ich weiss noch, wie ich’s das erste mal bei „120 Minutes“ sah und ich sofort hin und weg war. „LOVER! I wanna swap you for another, and another!“ Das finde ich heute noch genial cheeky.

Damals hat’s mir noch viel mehr aus der Seele gesprochen. Ich meine, heute will man sich das nicht mehr vorstellen – aber auch ich war ja mal ein hormongesteuerter Typ Anfang 20. Ein Bündel Nerven, das nicht wusste, wohin mit all diesen Bedürfnissen nach, äh, Nähe, und möglichst viel davon. „LOVER!“ Das klang echt dringlich, das war an die Liebste adressiert. Aber:  „I wanna swap you for another, and another…“ das war unerwartet, keck, und… das, was man TROTZDEM dachte, aber nicht sagte? Heute kann ich das nachbetrachten und sagen: Yup, diese nervöse Unschlüssigkeit, dieses Bedürfnis, zu drücken und gedrückt zu werden, eine regelrechte ungestillte Gier, bei gleichzeitiger Fernsteuerung durch den hyperaktiven Hormonhaushalt, plus ein fröhlicher Schluck Selbstüberschätzung, aber confidence is sexy – all das bringen diese Zeilen schon echt auf den Punkt, vielleicht sogar bewusst.

Damals habe ich diese Außenperspektive noch nicht eingenommen, da merkte ich einfach nur, dass dieser Refrain, diese Johnny Marr-Gitarre und ich im gleichen Team waren.

Sonic Youth waren in der Woche drauf im Melody Maker als Gastrezensenten der „Singles of the Week“ dran und haben voll hochnäsig und am Thema vorbei über den Song abgelästert. Ich hab‘ sie danach nie mehr gemocht.

All Might Long

Noch so eine Band, die in diesen Tagen ihr Youtube-Profil auffrischt, das sind They Might Be Giants. John Linnell und John Flansburgh haben erstens ihr 1986’er Debüt-Album frisch auf Vinyl neu aufgelegt. Zweitens standen viele der frühen Clips der Quatschmacher unter den 90s-US-Indie-Poppern bislang nur in grob verpixelten Versionen online, da war ein Update geboten.

Also freuen wir uns über alte neue Clips vom Debüt…

… aber auch von anderen frühen Alben (nach dem Break).

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Back In Your Shed

Aktivitäten auf dem Youtube-Kanal der Britpop-Außenseiter Shed Seven. Ich sage Außenseiter, weil Rick Witter und seine Band aus York zwar zur Britpop-Ära einen UK-Hit nach dem anderen landeten, aber von NME, Melody Maker & Co (die damals noch was zu sagen hatten) immer zerrissen wurden. Konkreter habe ich in meinem Text zum Shed Seven-Comeback-Album von 2017 drüber geschrieben.

Jedenfalls, auf dem Kanal werden peu a peu die alten Videos der Band hoch geladen, in besserer Auflösung und offiziell. Inoffizielle, körnige Versionen, die wohl mal von Fans hoch gestellt wurden, verschwinden derweil.

Mir soll’s recht sein. Ich guck doch lieber den schicken Clip als die grisslige, grob klingende Version. Seit heute aufgefrischt: Shed Sevens zweite Single. „Dolphin“ von 1994 war damals ein Lieblingslied von mir. (Den Vorgänger „Mark“ mochte ich sogar noch lieber. Na, der wird wohl auch bald folgen?)

Sound and Furry

Darf man vorsichtig optimistisch sein? Zuletzt gab es wieder Aktivitäten auf dem Youtube-Kanal der walisischen Psychedelia-Hurra-Britpopper Super Furry Animals. Ein Lieblingsband für die Ewigkeit mit famosem Backkatalog, die aber in den letzten Jahren lange auf Eis lag. Sänger Gruff Rhys war zuletzt vor allem als Solist aktiv, auch als Autor und Filmemacher.

Vorerst sind es nur Clips aus dem Archiv, mit denen der Kanal aufgefrischt wird. Vielleicht eine rein administrative Maßnahme, um bisher nur grisselig verfügbare Videos online zu stellen und in paar Streaming-Microcent abzugreifen. Aber vielleicht doch auch ein Anzeichen, dass sich bei der Band wieder was tut? Hoffen darf man ja.

… nach ein bisschen Rumklicken zeigt sich: Vor allem geht’s erst mal ums 20jährige Jubiläum ihres 1999er-Albums „Guerilla“ und um eine in diesem Zusammenhang erscheinende Neuauflage. Nun gut. War ja auch ein Spitzenalbum. Ideal für Nostalgiker und Neuentdecker.

Re-remembering the Cars

Seit sechs Tagen kein neuer Post auf dem Blog. Sorry, ich bin einfach zuletzt auf kein Video gestoßen, das mir sagte: Ich MUSS geteilt werden!

Aber wir wissen auch: Immer wenn ich einen Beitrag schreibe, in dem ich mich über eine Flaute beschwere, passiert folgendes: In den nächsten Stunden prasseln drei bis fünf neue Videos auf einmal ein. Als ob die Welt mich widerlegen wollte.
Na gut, dann probieren wir doch mal aus, ob das heute auch klappt.

Posten wir also etwas aus dem Archiv. Es ist inzwischen fast einen Monat her, dass die The Cars-Frontmann Ric Ocasek gestorben ist. Damals wollte ich eigentlich schon was schreiben. Aber dann hatte ich viel um die Ohren und es war eh genug im Netz zu lesen, da habe ich’s nie fertig gestellt.

Jetzt denke ich mir: Eigentlich ist es sogar besser, so spät dran zu sein mit der eigenen kleinen Würdigung. Die erste Nachruf-Blase ist verpufft – aber The Cars waren schließlich eine Band, die in Sachen Postpunk, Synth- und Powerpop langfristig prägend war. Darauf darf man auch und erst recht nachträglich noch mal hinweisen.

Klar, am bekanntesten war Ric Ocaseks Band für Synthpop-Hits aus den Mitt-Achtzigern wie „You Might Think“, „Drive“ oder „Hello Again“ sowie für ihr ’77er Powerpop-Debüt mit Hits wie „Just What I Needed“ oder „My Best Friend’s Girl“.

Im Nachhinein finde ich aber die Platten dazwischen fast am interessantesten. Alben wie „Candy-O“ oder „Panorama“ hatten nicht die großen Profil gebenden Hits, aber sie waren musikalisch spannend. Hier waren The Cars in erster Linie new wavey, man konnte Verwandtschaft zu Talking Heads oder The Cure entdecken. Als Beweis poste ich hier den Titelsong von „Panorama“.

The Cars sind eine Band, die wir nicht vergessen wollen – und ihr Echo in Bands wie Public Access TV, Strange Names, Weezer oder The Strokes wird auch noch länger dafür sorgen, dass wir’s nicht tun.

Koze Fan Tutte

Ich beschwerte mich im letzten Post übers Sommerloch und darüber, wie wenige neue Videos erscheinen. Na da lobe ich mir die Leute vom Label 4AD, die ihren Speicher durchforsten und alte Klassiker abstauben.

„24“ war der Song, mit dem sie der Welt 1992 den jungen Mark Kozelek vorstellten. Damals war er der Kopf der Red House Painters. So quasi die erste Zeitlupenband, in die meine Ohren sich verliebten. Ihre ersten drei Alben sollten der Soundtrack zu den ersten großen Liebeskummer-Phasen meines Lebens werden, eh klar. Mann, die waren aber auch makellos! Ihre kristallklare, würdevolle, aber manchmal auch mit Augenzwinkern versehene Melancholie war bewegend und schaffte es doch immer, den Grad zum Pathos noch nicht zu überschreiten.

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All Pale Rock’n’Roll

Ich sagte doch bereits: ich werde eisern jeden Clip der Pale Saints, die von ihrem Label 4AD gerade wieder für youtube aus dem Archiv gekramt werden, hier auch weiterposten. Denn ich liebte diese Band aus Leeds. Ihre ersten zwei Alben sind makellose Beispiele für abseitigen Indiepop, wie er so pendelt zwischen Dissonanz und Schönheit, wie er knistert in der Spannung zwischen Noise und Melodie.

Ich glaube, ich habe das Video zu „Half Life, Remembered“ noch nie gesehen. Ich hätte mich ja sicher dran erinnert, an die eigentlich eher begrenzt ästhetischen Baked-Beans-und-Krümel-Kau-Szenen. So ist mir der Song immer in sehr guterErinnerung geblieben.

Naja. Artists, eh?

This, Masters‘ Voice!

Wie gestern erhofft: 4AD macht damit weiter, alte Pale Saints-Videos wieder aus dem Archiv zu kramen. Juhu! Ich werde sie alle weiter posten, jedes einzelne. Denn ich liebte diese Band.

Heute: „Throwing Back The Apple“ vom zweiten Album „In Ribbons“ (1992), noch mit Ian Masters als Sänger.

Ich hab‘ mich all die Jahre nie gefragt, was „Throwing Back The Apple“ eigentlich heissen soll. Aber jetzt, wo ich das Video sehe, das der Regisseur das Video ideenreich voller Äpfel packte, denke ich drüber nach.

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Sainted Love

Das Label 4AD ist offenbar gerade dabei, seinen Video-Backkatalog komplett auf youtube zu stellen. In den letzten Tagen haben sie einige neue/alte Videos von Lush hier platziert, u.a. die US-Version für „De-Luxe“…

… und jetzt kommen offenbar auch die Pale Saints an die Reihe. Mann, das war eine absolute Top5-Lieblingsband von mir damals! Ihre ersten zwei Alben „The Comforts Of Madness“ (1990) und „In Ribbons“ (1992) begeistern mich heute noch!

Auf dem dritten Album („Slow Buildings“, 1994) allerdings war ihr Mitglied Ian Masters nicht mehr an Bord. Ian, der auf der ersten Platte noch alleine sang (und ab der „Half-Life“ EP dann quasi abwechselnd mit Neu-Mitglied Meriel Barham, die wiederum früher mal die erste Sängerin von Lush war) muss wohl schon sowas wie ihr Ideengeber gewesen sein. Das dritte Album war ohne ihn einfach viel weniger interessant. Ians folgendes Soloalbum als Spoonfed Hybrid allerdings war prima.

Das Video, das 4AD jetzt aus dem Archiv gekramt hat, ist natürlich ausgerechnet vom dritten Album. Na, ich hoffe, es ist nur der Startschuss und dass weitere von der Plattenfirma neu digitalisierte Vintage-Videos der Pale Saints noch folgen.

Ach ja: Obwohl sich ja so viele Shoegazer und Dreampopper wieder vereinigt haben, steht eine Pale Saints-Reunion wohl nicht zur Debatte. Ian Masters lebt inzwischen offenbar happy in Japan und möchte nicht nach England zurück.

Without A Lush

Lustig. Als ich diese Tage meinen Text übers Album von Hatchie schrieb und naturgemäß der Name Lush als Beispiel für alte-Schule-Dreampop fiel, da wollte ich eigentlich den Clip zu ihrer 1992’er-Single „For Love“ als Klangbeispiel posten. Aber: Ich fand das Video auf youtube nicht. Also wurde es mal wieder „Nothing Natural“.

Offenbar hat auch Plattenfirma 4AD genau jetzt das Fehlen bemerkt. Heute ist das Video nachträglich hoch geladen worden.

p.s. Lush haben in der Zwischenzeit eine Wiedervereinigung hinter sich und sich auch wieder getrennt, Miki Berenyi (die mit den roten Haaren) hat eine neue der Band: Piroshka.