Review: Marius Ziska

Marius Ziska – Portur

Tja. Wäre natürlich cool, färöisch zu sprechen. Das tun nur etwa 48.000 Menschen. Die Leute, die auf den Färöer Inseln leben. Auf diesen grasgrünen Steilhängen, die zwischen Island und Norwegen aus dem Nordatlantiknebel ragen, auf denen es keine Bäume gibt und mehr Schafe als Menschen. Einer davon ist Hans Marius Ziska aus Søldarfjørður.

Hans Marius hat sein neues Album komplett in seiner Muttersprache eingesungen. Was man als eine durchaus befremdliche und möglicherweise folgenreiche Entscheidung sehen kann. Denn vor fünf Jahren, da schrieb der Songwriter und Sänger auf Englisch und bekam für sein Album „Recreation“ gleich internationale Aufmerksamkeit. Nicht, dass er durch die Decke gegangen wäre, aber als Basis für eine internationale Karriere wäre dieser erste Achtungserfolg mehr als solide gewesen.

„Recreation“ war ein pfiffiges Album. Zu hören gab’s verspielte Indiegitarrensongs und ein paar himmlisch schöne Harmonieballaden. Dass Hans Marius ein echtes Talent für Melodien hatte, fiel sofort auf. Auch die spielerische Leichtigkeit der Songs ließ aufhorchen. Denn nicht viele können das, was der Färöer Insulaner hier tat: Einfaches auch mal einfach lassen. Songs wie „While You Were Sleeping“ oder „One In The Masses“, das waren unkomplizierte feine Liedchen, schlicht und angenehm unverquast umgesetzt. Hans Marius kriegte zu Recht einen internationalen Plattenvertrag, er tourte durch Europa und die Staaten. Darauf konnte man aufbauen.

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Was Gibbts Neues?

Ach, drollig. Das neue Video der Blossoms ist eine Hommage an Back To The Future. Allerdings reisen die Buben in die 80er und kommen nicht von dort. Das passt zu neuen Single „How Long Will This Last“, die mich in ihrer Hochglanz-Poppigkeit ans Solowerk von Robin Gibb (von den Bee Gees) erinnert. Ernsthaft jetzt. Und ich finde das sogar nett.

Ja, früher hätte man eine Band mit diesem Referenzpunkt gesteinigt. Aber in Zeiten, in denen sogar fucken Toto wieder als cool gelten … da ist Robin Gibb ja plötzlich so cool wie The Jesus and Mary Chain, gemalt von Andy Warhol, während George Best ein Tor schießt.

Das erinnert mich: Ich habe noch ein Blossoms-Interview zum zweiten Album „Cool Like You“ auf dem Rechner, das ich noch nicht transkribiert habe. Ich nehme mir mal vor, das vor der Tour im Herbst noch hinzukriegen.

Review: Miles Kane

Miles Kane – „Coup de Grace“

Ihr kennt das als wiederkehrendes Motto in Kinderfilmen: „Es kann nur wahr werden, wenn du fest genug dran glaubst!“ So einen Satz ruft die Fee dem kleinen Jungen zu, der auf der Schlossmauer steht. Also fasst er sich ein Herz und springt in die Tiefe – und sieh’ an, er kann tatsächlich fliegen! Er musste sich nur selbst vertrauen, und der Zauber wurde wahr! 

Lustigerweise ist dies genau das Prinzip, nach dem auch Miles Kane funktioniert. 

Miles Kane glaubt an sich. In seinem Selbstverständnis ist er die Fleischwerdung des klassisch lässigen Briten. Er ist James Bond, nur mit Gitarre. Immer stylish, immer smooth. Die coolsten Typen der Welt wollen seine Kumpels sein – Alex Turner hat schließlich mit ihm die Last Shadow Puppets gegründet! Die Ladys? Die schmachten ihn an. Er braucht er nur einen smarten Spruch und eine hoch gezogene Augenbraue und schon wird gemeinsam über die Matratze gerobbt.

Wer diese Wahrnehmung teilt, der darf sich über das dritte Soloalbum des Ex-Gitarristen von The Little Flames bzw Ex-Frontmanns von The Rascals freuen. Für den ist „Coup de Grace“ das, was (der Vergleich fiel oben schon) für einen Blockbuster-Fan ein neuer James Bond-Film ist. Eine knallige Bestätigung, dass früher alles besser war. Mit herrlich bescheuerten Explosionen. Klar, der neue Film wird mit ein paar Zugeständnissen an die Gegenwart aufgefrischt. James schießt Raketen jetzt von seinem Smartphone, nicht aus dem Aston Martin. Aber im Kern geht’s doch actionreich, sexy und schick gekleidet um den gleichen Plot wie damals bei Sean Connery. Immer noch wird geschüttelt, nicht gerührt.

Wehe aber, wenn man nicht an Miles Kane glaubt. Review: Miles Kane weiterlesen

Corners-Tones

Der Amerikaner Greg Hughes, großer Fan von britischer Musik und europäischem Film, ging 2005 etwa nach England. An einem Bahnhof in London lernte er die Britin Tessa Murray kennen.  Yada, yada, yada – 13 Jahre später stehen die beiden als Still Corners vor der VÖ ihres vierten Albums.  Sie begannen als Shoegazer, wandten sich von dort aus dann mehr und mehr dem Synthpop zu. Auf „Slow Air“ nun geht’s von dort aus wieder einen Schritt zurück in die ursprüngliche Richtung. Man kann wohl Dreampop dazu sagen.

Review: Polish Club

Polish Club – „Alright Already“

Endlich. 

Zeit war’s. Zu Hause in Australien geht’s für Novak und J-H (John-Henry) seit mehr als zwei Jahren in Steilkurve immer noch weiter nach oben. Ausverkaufte Shows, tobendes Publikum überall. Zuletzt erlaubten sie sich eine Tournee mit Bläsersatz. Auverkauft, klar.

Aber im Rest der Welt? Ist ihr zu Hause im letzten Mai erschienenes Erfolgsalbum „Alright Already“ einfach ignoriert worden. Keine Universal-Zweigstelle der Welt wollte die die Band, die ihre Kollegen down under da unter Vertrag genommen haben, auf den heimischen Markt platzieren.

Irgendwo ist das vielleicht verständlich. Das Genre Garagenrock gilt jetzt schon länger nicht mehr als der ultimative Heisenscheisen. Die Besetzung Nur-Gitarre-und-Schlagzeug ist auch nicht mehr revolutionär. The White Stripes, The Black Keys, Johnossi und Co haben große Erfolge gefeiert, okay, aber in den letzten Jahren auch keine echten Schlagzeilen mehr geschrieben. Dass dann ein Plattenfirmen-Fritze, der ja auch auf Zahlen gucken muss, sagt: „Die australischen Black Keys? Nee Danke, I’ll give it a miss“ – das ist auf gewisse Weise nachvollziehbar. Wenn man Musik so betrachtet, dass sie nun mal nach Trendkurven abläuft.

Es ist aber fucken unverzeihlich, wenn man die Platte gehört hat.

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Review: The Vryll Society

The Vryll Society – „Course Of The Satellite“

Geduld. Wenn The Vryll Society eine Kerneigenschaft haben, so ist es Geduld. Das zieht sich durch ihre bisherige Karriere, aber es zieht sich auch durch ihre Musik.

Geduld, das war auch das erste, was ihr Entdecker und Mentor Alan Wills von ihnen eingefordert hat. Alan, eine Kultfigur in Liverpool als Ex-Drummer der 90s-Bands Top und Shack, war bekannt als der, der The Coral entdeckt hat, damals, um die Jahrtausendwende etwa. Extra um diese Band zu fördern, startete er sein eigenes Label Deltasonic. Der frühe Erfolg von The Coral (ich sage nur „Dreaming Of You“) gab ihm Recht.  Auch The Zutons, The Dead 60s und die ersten Bands von Miles Kane, The LIttle Flames und The Rascals, fanden auf Alans Label ihre Heimat. Ja, ein paar Jahre war Deltasonic eine große Nummer in Englands Welt der Gitarren. Aber die Implosion der Indie-Szene lief natürlich auch an ihnen nicht spurlos vorbei.

Alans letzte Entdeckung waren dann fünf langhaarige dürre Jungs, die verträumten, trippigen Gitarrensound machten. Und weil Alan eine Old School-Type war, sagte er zu den fünf Buben (natürlich reden wir hier von The Vryll Society) etwas, das man Bands heute normal nicht mehr sagt: „Geht erst mal ein Jahr in den Proberaum, schreibt Songs und noch mehr Songs, probt, probt und probt und spielt euch so richtig aufeinander ein.“ 

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Better Get „Get Better“!

Nächsten Freitag, am 17.08. ist es so weit: Lange haben wir drauf gewartet, dass die Bad Sounds endlich ihr Debütalbum an den Start bringen. Wie oft habe ich hier schon über die Brüder Merrett geschrieben? Acht Tage noch, dann erscheint „Get Better“.

Hoffen wir, dass der Single-Titel „Couldn’t Give It Away“ kein Omen ist. Denn das würde ja bedeuten, dass niemand das Album auch nur geschenkt nimmt. Ah von wegen!

Ende September sind die Bad Sounds dann auf ihrer ersten kleinen Deutschlandtour. In München spielen sie leider ausgerechnet in der Woche, in der ich nicht in der Stadt bin. Aaargh! Verdammt!

17.09. Köln – YUCA
20.09. München – Kranhalle
22.09. Hamburg – Reeperbahn Festival

Review: The Ocean Party

The Ocean Party – „I.B.O.“

Na, man hatte sich ja schon fast Sorgen gemacht! Die letzte EP von The Ocean Party („Gullt“) erschien im Dezember – also schon vor acht Monaten! Ja was war da los? Normal haben die Schnellschreiber in so einem Zeitraum doch längst was Neues vorgelegt?

Aber jetzt kann ja Entwarnung gegeben werden. Puh! Die sechs aus Wagga Wagga stammenden Wahl-Melbourner finden in ihren gewohnten Rhythmus zurück. Ein neues Album ist quasi fertig und als sonderlichen Begleiter schicken die Australier diese Mini-LP voraus: „I.B.O.“ (kurz für: „It’s Back On!“) enthält 12 Songs in 12 Minuten. Jedes Stück endet nach 60 Sekunden. 

„Die Idee war, gleichzeitig zur neuen Platte auch eine Miniatur-Version von ihr aufzunehmen“ – so hat Bandmitglied „Snowy“ die Sache Noisey Australia erklärt.
Und weil jedes der sechs Mitglieder auch als Songwriter fungiert, hatte also jeder zwei Songs beizutragen.

Drollige Idee. Aber kann man sich das auch anhören?

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The New New New New New Wave

Ich find’s ja faszinierend: Leicht verstimmte Synthies und Drum Machines der ersten Generation wirken auf mich immer noch herrlich kratzbürstig, aufmüpfig und fresh. Obwohl’s ja ein Sound ist, der fast 40 Jahre alt ist – es schmirgelt und es beisst, jedes Mal wieder, wenn man’s richtig macht. Das Duo Sextile aus L.A. macht Musik, die auch im Jahr 1981 entstanden sein könnte, aber ich höre ihre aktuelle Single „Paradox“ und fühle mich, als hätte man mir gerade mit einer Vitaminspritze in der Schuhspitze in den Hintern getreten. Ich glaube, ich tobe jetzt erst mal einen Moment durch die Küche!

Und jetzt muss ich eine der ersten 7″-Singles dran anhängen, die ich mir in meinem Leben kaufte:

I Want To Break Three

Das Red Rocks Amphitheater beim Örtchen Morrison, Colorado, in einer Sandsteinformation wenige Meilen außerhalb Denvers gelegen, ist eine geradezu ikonische Konzertstätte. Die Beatles haben hier gespielt. U2 und Depeche Mode haben hier Konzert-DVDs aufgenommen, über 9.500 Leute passen rein. Dass The Devil Makes Three hier Ende Mai die Arena voll kriegten, ist ein bezeichnender Beweis dafür, wie erstaunlich weit das Trio gekommen ist, seit es vor 15 Jahren im US-Bundesstaat Maine als räudige Alternative-Bluegrass-Combo begann. Klar, dass sie den Abend per Kamera einfingen. Man sieht das Material im Video zur neuen Single „Bad Idea“.

„Bad Idea“ stammt vom kommenden Album „Chains Are Broken“, das am 24.08. erscheint. Weil die Band nun mal inzwischen eine richtig große Nummer ist, war diesmal ein renommierter Producer dabei. Ted Hutt ist bekannt für seine Arbeit mit Dropkick Murphys und The Gaslight Anthem – und er hat DM3s Sound erkennbar in eine Richtung gebürstet, die sie für Fans solcher Bands leichter verdaulich machen soll. Das bedeutet zum Beispiel, dass jetzt ein „richtiger“ Drummer an Bord ist – bisher kamen Pete Bernhard, Lucia Turino und Fiddler Cooper MacBean auch ohne aus.

Die Fragen sind jetzt natürlich: War das nötig? Ist es das Richtige für die Band? Ist es das Element, was fehlte, oder wird der Band damit ein Stück Individualität genommen?
Naja, das Urteil muss man wohl fällen, wenn die ganze Platte da ist.

Ach ja – noch ein Link: Ich sprach The Devil Makes Three vor zwei Jahren zur VÖ ihres Vorgängeralbums. Wenn das wer lesen mag: HIER geht’s lang.