Schlagwort-Archive: Pixies

The Soundtrack Of Our Wives

Es gab ja eine Menge mieser Pixies-Kopisten über die Jahre.

New Yorks WIVES gehören NICHT dazu. Denn dieser Band hört man an, dass das Abkupfern nullnicht ihr Ziel ist. Dafür sind sie nörgelig und aufgekratzt, sperrig, arty und sie wollen nicht gefallen – und das führt dann dazu, dass sie unabsichtlich das schaffen, was all den Pixies-Kopisten nicht gelingt: Nämlich, dass sie mir tatsächlich fast die Gänsehaut geben, die ich bei den frühen Pixies kriegte. Ein größeres Lob kann’s eigentlich kaum geben.

Am 04.10. erscheint das WIVES-Album „So Removed“

Tricot Treat

Oha! Neues von tricot!
Wer waren noch mal tricot? Sagen wir’s so: Die Band um Sängerin Ikumi Nakajima macht vermutlich den besten Math Rock/Pixies/J-Indie – Soundclash von ganz Kyoto. Mit ihren drei Alben haben tricot auch außerhalb Japans schon Wellen gemacht und einige West-Festivals gespielt.

Also, ich find‘ tricot echt spannend. Es ist halt hochkomplex, was die vier machen. Zickzackige Breaks noch und nöcher, kurze Noise-Passagen, kurze Popmelodie-Momente. Die Refrains mitsingen? Scheidet aus. Aber gut, japanisch kann ich eh nicht.

Den Titel den neuen Single „あふれる“ habe ich gegoogelt, damit ihr das nicht müsst.  Der Song heisst „Afureru“, was „Überlauf“ bedeutet.

Come Pixies Me Up

So ist das immer, oder? An Tagen, an denen ich mich erst entschuldige, weil so lange nix auf dem Blog passierte, kann ich eigentlich garantieren, dass der Tag mit drei oder mehr neuen Beiträgen endet. Als warten die alle nur darauf, dass ich jammere, um mich dann zu widerlegen.

Jetzt haben auch die Pixies einen neuen Taster ihres kommenden Albums „Beneath The Eyrie“ geteilt: „Catfish Kate“. Nette Melodie, aber für Pixies-Verhältnisse schon auch ein bisschen zahm.

Review: Middle Kids

Middle Kids – „New Songs For Old Problems EP“

Die EP ist ein seltsam ungeliebtes Format. irgendwie gilt sie immer noch als nix Halbes und nix Ganzes.

Naja. Ich folgte lange der Theorie, dass seit der Erfindung der Langspielplatte die technische Machbarkeit vorgab, wie lang die Werke wurden. Auf LPs passten 35-45 Minuten Musik, folglich sind klassische Alben der 60s bis in die 80er Jahre ähnlich lang und ähnlich aufgebaut: Die besten der meistens 8 bis 10 Songs eines Albums finden sich meistens zum Anfang und zum Ende von Seite 1, zu Beginn von Seite 2 und dann wieder am Schluss.

Als die CD aufkam, ermöglichte das 78 Minuten lange Alben. So einige Bands der 90er erlaubten sich fortan überbordende Werke mit 20 oder mehr Songs („Mellon Collie and the Infinite Sadness“ wäre ein Beispiel). Klar, nicht alle wurden so extrem. Dennoch war das 35-Minuten-Album nun fast ausgestorben. Wenn Bands Platten mit weniger als 14 Songs oder unter 50 Minuten ablieferten, galt es schon als fast geizig.

Heute hören wir unsere Musik im Stream oder als Download. Der Länge der Alben sind keine Grenzen mehr gesetzt. Überhaupt bevorzugt der Hörer heute Tracks, keine Alben. Das sollte den Künstlern ziemliche Freiheiten geben, oder? Theoretisch könnte man sich mit einem 4-Stunden-Opus zurück melden. Oder man könnte jeden einzelnen neuen Track als Single direkt aus dem Studio posten, sobald er fertig ist. 

Oder man veröffentlicht eben eine EP, wenn man eine neue Handvoll Songs fertig gestellt hat. So haben’s jetzt die Middle Kids gemacht, ein Jahr nach ihrem famosen Album „Lost Friends“.

Falls jemand es noch nicht mitgekriegt hat: Ich LIEBE de Middle Kids. Review: Middle Kids weiterlesen

Who? Where? Wives?

Thema: Labels, die man immer im Auge hat. Über City Slang muss man da wenige Worte verlieren, oder? Seit ich ihr Logo ca ’91 auf meiner „No Pocky For Kitty“ CD entdeckte, haben mich die Berliner quasi nie enttäuscht.

City Slang schickt heute eine überschwänglich begeisterte Pressemeldung raus: Man hat in NYC demnach eine Wahnsinnsband namens WIVES aufgetan, angeführt von einem Superman-gleichen Sänger namens Jay Beach. Enthusiastisch feiern sie ihre neue Band, namedroppen die Pixies, Sonic Youth und Dinosaur Jr als Vergleich, erwähnen, das ein paar Bandmitglieder schon bei DIIV mitspielten.

Bei so viel Jubel ist man gerne erst mal skeptisch. Aber die Single „Waving Past Nirvana“ ist tatsächlich eine Walze aus Glitzer. Toll.

I Predict A Record – 2019, Pt. 2

Das neue Jahr hat begonnen und mit dem neuen Jahr kommen auch die vagen Prognosen und die fundierten Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Hier gibt’s das Ganze für den Bereich Indie: Welche Alben stehen 2019 in den Startlöchern bzw. bei welchen Bands darf man mit einem aktiven Jahr rechnen?
Die ist der zweite Teil zu meinem Beitrag von gestern. Die Aufteilung wollte es, dass im gestrigen Post „kleinere“ Bands in der klaren Überzahl waren. Heute sind auch richtig große Namen dabei.

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Meine Alben 2018, Pt.6: 5-1

Fanfare! Langwierig habe ich mich bis hier vorgearbeitet. Nun sind wir angekommen. Ladies and Gentlemen, es ist so weit. Hier sind die meiner Meinung nach besten Alben des Jahres 2018 – Platz 5 bis Platz 1

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Review: Morning Harvey

Morning Harvey – „With The Pinstripes“

Gut Ding will Weile haben, jaja. Aber gleich so viel Weile? Morning Harvey, das Trio aus Brisbane, ist nämlich schon ganz schön lange am Machen. Eine erste EP auf bandcamp erschien 2013, eine zweite, quasi ihr offizielles Debüt „Love&Loveand.“ kam 2015. Seitdem tröpfeln alle paar Monate neue Singles ein. Aber auch 2018 gilt, was im Indierock immer galt: Erst mit dem ersten Album ist eine neue Band so richtig da.

Fünf Jahre existieren Morning Harvey also mindestens schon. Das sollte ausgereicht haben, um ihren eigenen Dreh zu entwickeln, oder? Tatsächlich haben sich ein paar Dinge getan seit ihrer 2015er-EP. Da bewegte sich das damals-noch-Quartett ziemlich konkret im frühen Britpop-Sound, da erinnerten sie an The Charlatans  oder die frühen Verve. 

Auf den Singles seitdem haben die Aussies ihren Schwerpunkt von Manchester nach New York verlagert. Der Gesang von Frontmann Spencer White ist schnodderiger geworden, hat heute (auch aufgrund der leicht übersteuerten Aufnahme) mehr was von Julian Casablancas (The Strokes) oder Ric Ocasek (The Cars), als dass er typisch britpop-englisch rüber käme.  Review: Morning Harvey weiterlesen

Review: Middle Kids

Middle Kids – Lost Friends

Vorschusslorbeeren wurden verteilt. Nicht zuletzt von mir. Als ich Anfang des Jahres meine persönlichen Newcomer-Tipps für 2018 postete, da platzierte ich die Middle Kids auf Platz eins. Es gibt einen Grund, warum ich das hier dazu schreibe: Um anzugeben. Um zu protzen: „Seht ihr? Ich hab’s doch vorher schon gesagt!“ Denn haben Hannah Joy, Tim Fitz und Harry Day die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllt? Ach was! Sie haben sie übertroffen! Ich sag’s gleich: „Lost Friends“ ist sensationell. SEN-SA-TIO-NELL!

Also, schwer war die Prognose natürlich nicht. Letztes Jahr haben die drei Sydneysider (dass das mal wieder Australier sind, war eh klar, oder?) ihre erste EP veröffentlicht. Sechs Lieder, die erstens einfach makellos waren und zweitens: Sogar noch besser als einfach makellos! 

Denn makellos, das heisst ja nur, dass alles sitzt und nichts falsch gemacht wurde. Makellos, das sind sie eh, die Middle Kids, denn zielsicher und stilsicher picken sie genau die richtigen Sounds und mit so lockerer wie präziser Hand schichten sie sie in der idealen Dichte. Ja, makellos. Aber sogar noch besser als makellos ist es, weil es auch berührt und packt. 

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