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Frohes Neues Yaw

Gestern war ich mal wieder auf nem Konzert. The Yawpers, im Sunny Red, hier in München. Ich mag ihr aktuelles Album „Human Question“. Das ist ein satter Powerriegel Mississippi-Rock. Trotzdem, aufs Konzert bin ich mit gar keinen so großen Erwartungen gegangen.

Die drei aus Denver haben mir dann aber mal so richtig die Schuhe ausgezogen. Sie explodierten in ungehobelter, gleißender Rock’n’Roll-Urgewalt. Das ging durch den Magen ins Kleinhirn, alles kochte, alle Nervenenden platzten. Das war so richtig WOW und RAAARGGH!!!!

Ich dachte mir: Hey, stell die am Nachmittag auf eine Festivalbühne und die lassen aber alle anderen Bands des Abends mal so richtig alt aussehen! Andererseits, vielleicht war das Sunny Red, dieser niedrige, kahle Keller, genau die richtige Location, damit alles wie in einem Pressure Cooker garen konnte. Vielleicht wären die Jungs über eine Festivalbühne verteilt eher verloren. Na, das käme wohl auf nen Versuch an.

Anyway. Heute, wie passend, veröffentlichen The Yawpers ein neues Live-Video. Die pure Schmirgelwucht ihrer gestrigen Livepräsenz vermag dieses Video nicht ganz rüber zu bringen, aber es ist immer noch: Ziemlich geil.

Lone-Zom Cowboys

Oha. Unsere Lieblings-Alternative-Country-Sänger werden von Hollywood entdeckt. Erst sang Chris Stapleton ein Lied für den Soundtrack von „Toy Story 4“, jetzt wird Sturgill Simpson im kommenden Jim Jarmusch-Zombie-Film „The Dead Don’t Die“ nicht nur genamedroppt, er hat auch den Titelsong eingespielt.

Und weil Sturgill ein contrary bugger ist, (bzw. ein countryry bugger?), macht er natürlich das Gegenteil dessen, was er zuletzt verlautbart hat. Nach „Sailor’s Guide To Earth“ sagte er noch, er werde dem Country wohl den Rücken zukehren. „The Dead Don’t Die“ klingt aber – eh klar – so krass nach traditioneller Country-Schnulze, dass alle Kojoten des wilden Westens zur Steelguitar mitjaulen.  Okay, der Text geht über Zombies, das ist dann doch eher un-traditionell.

Die Brüder werden müder

… was sagen wir eigentlich zu den aktuellen Werken der Gallagher-Brüder? In kurzem Abstand haben Liam und Noel ihre neuen Singles veröffentlicht. Was einerseits zeitlich schon in die Release-Zyklen passt, zwischen ihren letzten Alben lagen ja auch nur wenige Wochen. Andererseits, der Medienpräsenz schadet’s sicher nicht, wenn die beiden (bzw. ihre Teams) die Aufrechterhaltung des Konflikts künstlich befeuern.

Meine Meinung zu „Shockwave“: Nur Liam Gallaghers Starpower trägt den Song, und auch das nur gerade so. Ansonsten ist die Nummer aus Klischees zusammen gekittet, die beim imaginären Oasis-Fan möglichst viele Treffer landen sollen. Siehe das ähnlich beknackte Video: Hier ein im Güterzug mitfahrender Tramp, dort Girls in Hotpants in Öllachen. Keine Zusammenhänge, Hauptsache, viele bekannte, Rock’n’Roll-zertifizierte Versatzstücke.

Daran, fand ich, krankte schon sein erstes Soloalbum. Die Profi-Autoren, die mit Liam arbeiten, wollen ihm zu verkrampft etwas auf den Leib schneidern, das die Fanbase happy machen soll. Dadurch kommt das zu kurz, was inspiriert oder originell wäre. Naja, ein paar solche durchaus inspirierten und unerwarteten Momente gab’s ja auf dem Debüt dann doch – meistens ausgerechnet in Liams eigenen Songs, nicht denen der bezahlten Schreiber. Auf diese Momente hoffe ich auch auf dem kommenden zweiten Soloalbum.

Trotzdem ist „Shockwave“ mir lieber als das, was Noel Gallagher zuletzt vorlegte. Weil Noel echt glaubt, er würde krass experimentieren. Boah, ein Beat! Boah, eine One-Note-Bassline! Na, da wird die Fanbase aber überfordert sein, weil’s nicht nach Beatles klingt! Tatsächlich klingen Noels hemdsärmelige Disco-Versuche nicht mal annähernd so experimentell wie das, was die Chemical Brothers mit seiner Stimme machten – und das war vor über 20 Jahren! „Black Star Dancing“ gehört für mich einfach zu Noels bisher drögsten und lahmsten Nummern ever.

Liam setzt auf eher billige Effekte, Noel hat gar nicht erst welche und glaubt trotzdem, hier einen futuristischen Mindfuck abgeliefert zu haben. Ach Jungs, das könnt ihr beide besser.

Stuck In My Tees

Immer, wenn ich über die Deportees schreibe, schreibe ich in abgewandelter Form etwas in der Art: „Wie kann eine so gute Band, die in Schweden schon so lange zu den Kritikerlieblingen gehört, im Rest der Welt so kontinuierlich ignoriert werden?“

Jetzt haben die drei aus Nordschweden (Vindeln und Umeå heißen die Heimatorte der Mitglieder) es vor wenigen Wochen endlich „geschafft“ und ihre aktuelle EP „Re-Dreaming“ nicht nur auf dem schwedischen Markt, sondern gleichzeitig auch offiziell international veröffentlicht. Es wäre aber gelogen, wenn man jetzt schreiben würde, dass das Echo enorm wäre.

En Problem ist natürlich, dass EPs einfach nicht so wahrgenommen werden wie Alben. Die EP soll auch nur den Boden bereiten für einen im Herbst kommenden Longplayer.

Die zweite Sache ist die: Deportees sind nicht spektakulär. Ihr Songwriting ist brilliant, aber subtil. Es ist eine Kunst, die sich anschleicht. Die Popwelt wiederum ist aber naturgemäß eine Welt der Marktschreier. Die Deportees liegen folglich als schlicht verpacktes Qualitätsprodukt in einem Regal, in dem es um sie herum blinkt, neonbunt pulsiert, piept und pfeift, während aufploppende Popup-Fenster Reisen nach Florida versprechen. Bis man da bemerkt wird, dauert’s.

Bleibt dran, Deportees! Sie bleiben dran. Es gibt nun einen dritten Clip aus der EP, diesmal eine Live-Aufnahme vom Track „A Love Design“.

Vielleicht erkennt ihr den Drummer? Thomas Hedlund ist gefragt, international. Er trommelt live u.a. auch für Phoenix und für Boy, er ist Mitglied der Post-Metaller Cult of Luna und sprang unlängst auch bei den Hives ein.

Der Rice ist Heiss

Das sind so die schönen Überraschungen: Wenn man noch gar nicht wieder damit gerechnet hat, aber – Zackpeng! – plötzlich ist da eine neue Single vom Sports Team.

Für „Here It Comes Again“ gilt, was auch schon für „Margate“, „Kutcher“, „M5“ etc galt:
1. Wow, hat diese Band eine Energie und was ist ihr Sänger Alex Rice für ne Type!
2. … und trotzdem fehlt er noch, der allerletzte Schritt. Die letzten Prozente zwischen 96-100, die das Ganze unwiderstehlich und übers Genre hinaus wirksam machen würden.
Ich traue Sports Team zu, die neuen Blur zu werden, das habe ich hier schon geschrieben.  Aber auch „Here It Comes Again“ fehlt bei allem spritzigen Zickzack und kribbeligen Wumms noch das killer tune, das man auch unter der Dusche pfeift.

Having said that: Insgesamt schon spitze, Song und Video.

Man hat halt nur das Gefühl, da geht noch mehr. Wenn Sports Team das eines Tages abrufen, geht’s durch die Decke.

Sneak Peak

2013 war’s, da zeigte Joel Carey, der Allrouder aus Adelaide (er war Drummer von Wolf & Cub und Summer Flake und rappte auch unter dem Pseudonym Silly Joel), das erste Album der Band Peak Twins. Dies war die Band, bei der er selbst der Frontmann war und sie bewegte sich zwischen Sixties-Gitarren und Madchester-Groove.

Ganz schön lange hat’s gedauert, bis Joel bzw. die Peak Twins nachlegten. Jetzt aber ist es bald so weit: Ein neues Album namens  „Beloved“ steht an (VÖ 28.6.), voraus geschickt wird nun das gleichnamige Video.

Reach The Peach

Und wieder James Skelly. Sein Name fällt hier öfter. Erstens, weil er weiterhin bei den immer noch richtig guten The Coral singt. Zweitens, weil er das coole Liverpooler Label Skeleton Key gegründet hat, dessen Bands hier regelmäßig auftauchen. Drittens ist James, nicht zu vergessen, auch Mentor und Producer der UK-Hitband Blossoms.

Alles Dinge, die für The Peach Fuzz relevant sind.  Denn James hat a) die junge Band auf Skeleton Key unter Vertrag genommen und b)  ihre zweite Single „Outside Looking In“ ist erkennbar beeinflusst von den Blossoms. Ob das Absicht war oder ob’s eben die Art von James Skelly ist, bestimmte Synthies vorzuschlagen? So oder so, der Song ist eine wurlige-wuppige 80s-Popnummer. Sehr eingängig. Mir gefällt’s.

Wo wir schon dabei sind: So klang die erste Single von The Peach Fuzz:

Satrianic Rituals

Ernsthaft jetzt – habt ihr gedacht, dass ihr auf diesem Blog mal was von Metal-Mucker-Ikone Joe Satriani finden würdet?

Doch es ist wahr! Joe hat die nie zuvor veröffentlichten Demos seiner aller-allerersten Band aus den späten 70ern wieder aus dem Archiv hervor gekramt. Und dieses Trio namens Squares machte, ganz dem damaligen Zeitgeist entsprechend, kernigen New Wave Pop. Ich muss an Bands wie The Cars, Blondie oder The Knack denken, wenn ich die Single „Give It Up“ höre – auch wenn Satriani selbst findet: „Wir klangen wie eine Mischung aus Van Halen und Everly Brothers“.

Das Ganze kann man in der Tat richtig gut anhören. Ich als Indie-Heini sage jetzt natürlich: Das ist das Beste, was Satriani je gemacht hat. Nur ein gnädigerweise kurzes Gniedel-Gitarrensolo (ab 1:59) droht an, wo seine spätere Reise hinführen sollte.

Listen To The Cour

Er hat’s wieder getan. Ich sagte letztes Jahr, als ich über Henric de la Cours letztes Album „Gimme Daggers“ schrieb: „Ihm ist bewusst, dass der dauerleidende Weltschmerzmensch auch eine durchaus groteske Figur ist, über die man auch lachen darf.“

Aus diesem Grund ist Henric mein Lieblingsgoth. Auch auf seiner neuen, todernsten Single „A Texas Dream“ bleibt er sich treu. Er stattet den Song mit einem schwer selbstironischen Video aus: Henric als Sockpuppet, erkennbar am schwarzen Iro – super! Großes Kino!

Übrigens: Wenn ich Sockenpuppen sehe, muss ich zwangsweise an diese Routine des unfassbar brillianten Standup-Comedian Hans Teeuwen denken.

My Never Changing Dudes

Was ist es, das mich an Indie-Gitarrenpop so bezaubert? Ich sollte doch eigentlich sagen: „Grummel… diese Dude York aus Seattle machen ja auch nichts Neues. Sowas hat man schon x-mal gehört. Diese Jangle-Gitarren, diese Melodieführung…“

Das sollte ich sagen. Statt dessen trage ich ein breites Grinsen auf dem Gesicht, wenn ihre Single „Box“ läuft und ich lasse mich von dem Pep, den die Nummer hat, nur allzu leicht anstecken. Weil’s halt einfach mein Sound ist, sowas.

„Box“ ist ein Vorbote von Dude Yorks am 26. Juli kommenden Albums „Falling“.