Alle Beiträge von hankfurbisher

Give em Enough Hope

Heute ist rundes Jubiläum. Vor genau 20 Jahren erschien „Hope Is Important“, das Debütalbum von Idlewild. Mann, habe ich diese Platte damals rotieren lassen! Ich habe mir meine Gehörgänge von innen tapeziert mit diesen Songs!

Roddy Woomble und seine Crew, damals noch jung und wild, machten noch fetzigen, uungewaschenen Struwwelpop. Aber „When I Argue I See Shapes“ oder „I’m Happy To Be Here Tonight“ deuteten schon an, dass diese Kids echt Substanz hatten. Dass sie mal zu sowas wie Schottlands REM werden sollten, das konnte man hier schon schemenhaft erkennen unter all dem wilden Gekritzel. Eine Band fürs Leben. Wird’s mal wieder Zeit für ein neues Album? Das letzte ist von 2015.

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Review: The KVB

The KVB – „Only Now Forever“

Ich frage mich, was Langzeitfans wohl zum neuen Album von The KVB sagen. Ob da wohl welche „Sellout“ schreien? Auf ihrem inzwischen sechsten Longplayer sind Nicholas Wood und Kat Day nämlich so zugänglich wie noch auf keiner Platte zuvor. Man könnte es beinahe poppig nennen. Ein Schlauberger würde ihnen folglich möglicherweise unterstellen, dass die zwei Londoner es nach acht Jahren, in denen sie in der Schublade „respektierte, aber letztlich halt auch nicht vorwärts kommende Art-Indie-Band“ rumkrebsten, es jetzt endlich mal wissen wollen. Diesen Schritt könnte der Schlauberger dann verwerflich finden und verächtlich die Nase rümpfen. 

Ich altes Popkid stehe natürlich mal wieder auf der anderen Seite. Ich finde die neuen The KVB prima. Let me explain.

Also: The KVB machen hier eigentlich ja immer noch das, was sie vorher auch gemacht haben. Sie bewegen sich im statisch aufgeladenen Feld zwischen Synthpop der 80er, Krautrock-Motorik und Shoegaze-Schummrigkeit. Es hat immer schon aus den Boxen geknistert und geblitzt bei dieser Band. 

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A mitsume Night’s Dream

Whoah! Hey, ich bin echt happy, dass ich neulich diesen „Ich sollte was über japanische Indiebands lernen“-Flash hatte. Schon wieder ein famoses neues Video, das geteilt werden muss! Diesmal sind es ミツメ (aka mitsume), die uns in einer Livesession den neuen (?) Song „ジンクス“ („Jinx“) präsentieren. Mir gefällt die Nummer prima!

Mitsume kommen aus Tokio und gründeten sich 2009 an der Elite-Privatuniversität Keio. Viele hohe Vertreter der Politik waren auf der Keio-Uni, mitsume aber machen lieber supersmarten, komplexen Gitarrenpop und bringen das alles auf ihrem eigenen Indielabel raus. Gute Entscheidung.

Review: Les Big Byrd

Les Big Byrd – „IRAN IRAQ IKEA“

Man nimmt immer automatisch an, dass der Sänger einer Band auch die Songs und die Texte schreibt. Ist ja meistens auch so. Bei den Caesars aber war’s anders. Die Caesars kennt ihr ja noch? Ab den späten 90s zimmerte das Quartett in Stockholm fröhlich-dreckigen 60s-Garagenrock, ursprünglich unter dem Namen Caesar’s Palace. Mitte der Nullerjahre konnten sie ein paar Jahre weltweit im Indie-Boom mitsurfen. Ihr internationaler Hit war „Jerk It Out“, ein Lied, das zeitweise so allgegenwärtig war, dass es fast nervte. Aber die Caesars hatten weit mehr auf der Pfanne als nur diesen einen Erfolg. Jedes ihrer fünf Alben ist prima. 

Jedenfalls: Sänger Cesar Vidal war nicht der Hauptautor der vier. Fast alle Songs kamen von Gitarrist Joakim „Jocke“ Åhlund. Der überhaupt ein interessanter Typ war/ist. Parallel zu den Caesars war er immer auch Mitglied der Elektro-Schmirgler Teddybears STHLM. In dieser Kapazität arbeitete er wiederum länger schon eng mit Robyn zusammen, was ihn wiederum zu einem gefragten Pop-Producer und Songwriter machte (bei Cheryl Coles UK-Nr 1 „I Don’t Care“ hat er u.a. mitgeschrieben, für Giorgio Moroder, Charlie XCX und zahlreiche andere hat er produziert). Auch als Video-Regisseur war Jocke aktiv – den Clip-Klassiker „New Noise“ von Refused hat er u.a. gedreht. Da kann er sich mal echt was drauf einbilden.

All das sagt uns: Was immer Jocke macht, das sollt man im Auge haben. Review: Les Big Byrd weiterlesen

Vamos Manos!

Bands, die nur aus Gitarre und Drums bestehen, gab es schon lange vor den White Stripes. Rebecca Gates und Scott Piouf alias The Spinanes zum Beispiel machten eine meiner Lieblingsplatten des Jahres 1993: „Manos“ hieß das Debütalbum des Duos aus Kurt Cobains Heimatort Olympia, Washinton. Menschenskind, 25 Jahre ist das her? Gerade hat das Label Merge Records bekannt gegeben, dass es die damals auf Sub Pop erschienene Platte zum Jubiläum auf eine Neues veröffentlichen wird. Ich höre „Noel, Jonah and Me“, schließe die Augen und bin zurück in meiner beengten Studentenbude. Immer noch echt cool, das Lied. Aber froh, dass ich aus dem Loch raus bin, bin ich doch.

Polish Encounters

Als ich die neue Polish Club-Single „Gravity“ hörte, da dachte ich erst: Haben Novak und John-Henry etwa ihr striktes Gitarre + Drums – Prinzip beiseite gelegt? Sie klingt ja durchaus mehrstimmig, diese Nummer. Aber so kann man sich irren: Im Video sehen wir die beiden Sydneysider in der gewohnten Konstellation und stellen fest: Novak jagt seine Gitarre zwar durch Effekte, die sie wie einen Synthesizer klingen lassen, aber das ist auch schon alles.

Nicht vergessen: Ende des Monats kommen Polish Club auf Deutschlandtour – sie bestreiten das Vorprogramm der gemeinsamen Konzertreise von ABAY und Razz.

Lasst uns Frawley und munter sein

Ich fragte mich neulich erst wieder: „Hmm, jetzt, da Rolling Blackouts Coastal Fever ja doch den Melbourne Sound international ziemlich nach vorne bringen – werden die Twerps wohl davon profitieren können, wenn sie zurück kommen? Zeit wird’s ja.“

Statt dessen heute im Feed: Ein Solo-Video von Twerps-Kopf Martin Frawley als Vorbote zu einem Soloalbum. Was hat das zu bedeuten? Sein Label Merge Records bezeichnet die Twerps als „beloved but now-defunct“ und Martin sagt über den Song „You Want Me?“, er sei “the prequel to the record, explaining why I am where I am, writing what I am.”

Ach je. Das klingt traurig. Haben sich Martin und seine Partnerin und Mit-Twerperin Jules MacFarlane wohl getrennt? Tja, das Soloalbum wird uns mehr verraten.

Japanik

Ich habe mir also vorgenommen, mich ein bisschen in die japanische Indie-Szene rein zu fuchsen. Aber ich hätte nicht gedacht, dass sie deswegen gleich künftig viel Raum auf dem Blog einnehmen würde. Alle paar Wochen vielleicht mal ein neuer Track, habe ich gedacht.

Aber hier ist schon wieder ein neuer sehr hörenswerter Song, diesmal von den Indie-Elektronikern Avengers in Sci-Fi aus dem Tokioter Außenbezirk Kanagawa. Ihre neue EP „Pixels“ kommt am 07.11. und voraus schicken sie das Video zum Track „True Color“

… und wo wir schon dabei sind: Was halten wir von Wasure Ranneyo? Der Junge macht zuerst den Eindruck, eine überdrehte, japanische Variante vom Indie-Rap-Typ a la Jamie T/Rat Boy zu sein. Dann biegt er komplett links ab, dann noch mal – und dann kommt er noch mal zurück. Das ist WEIRD. Seine neue Single heisst, äh,..:. „踊れ引きこもり“ (Ich hoffe, ich habe das jetzt richtig ausgesprochen.)

Tja, und ein bisschen Googlen ergibt: Das ist kein Solist, sondern ein Trio, sie heißen richtig Wasureranneyo (ein Wort), sie gründeten sich 2011, haben 2016 schon ein Best Of veröffentlicht und die Musik für einen Honda-Werbespot haben sie auch schon gemacht.

Also ich weiss ja nicht, wie’s euch geht, aber ich habe voll Spaß daran, diese Szene für mich zu entdecken. Viel außergewöhnliche Musik und abgefahrene Videos!

Good Lucie Charm

Utsonomiya, die Hauptstadt der Präfektur Tochigi, hat ca 500.000 Einwohner und drei davon sind die Indie-Girlband Lucie, Too. Sängerin Chisa und ihre zwei Mitstreiterinnen erinnern mich an Surf Pop a la Best Coast und 90s Girl Grunge a la Belly, nur halt eben mit japanischen Texten. Die Vocals auf der neuen Single „EGOIST“ sind vielleicht ein bisschen saccharinsüß ausgefallen, aber grundsätzlich macht mir der Energieboost-Pop der drei  richtig gute Laune.