The Ballad Of John and Ossi

Das sechste Johnossi-Album, es steht noch nicht vor der Tür, aber es lungert bereits im Vorgarten rum.  Mit „Echoes“ haben die zwei Schweden nun eine weitere Vorab-Single online gestellt.

Das Video, Cineasten erkennn’s sofort, ist aus Szenen des Horror-Klassikers „Night Of The Living Dead“ zusammen geschnitten. „The estate of the late director George A. Romero in America have given their approval of the film clips usage.“

Whole Lott Love

Ein Grund, warum ich mich oft freue, wenn ich auf japanischen Indie stoße: Die West-Bands sind gerne mal ein bisschen gleichgeschaltet. Das muss ja keine Absicht sein, aber ein Produktions-Stil oder ein bestimmter Einfluss dominieren oft. So nach dem Motto: Eine Saison lang gibt’s lauter Talking Heads-mäßige Bands. Oder: Nach Vampire Weekend trugen plötzlich alle ihre Gitarren auf Brusthöhe und spielen Afro-poppige Melodien auf den hohen Bünden. Oder: Es ist ja super, dass King Gizzard & The Lizard Wizard so nen Erfolg haben – aber ich brauche deswegen nicht jede Woche eine neue halbgare Semi-Gizzard-Band im Posteingang. (In Holland gibt’s jetzt Iguana Death Cult – die kopieren sogar Stu & Cos Bandnamen! Also Echse + Mystik. Hey, wollen wir die Chameleon Sorcerers gründen? Die Gekko Templars? Oder Dragon Religion?)

Ich schweife ab. Also, Japan. Klar, auch diese Bands sind beeinflusst, von was auch immer. Aber sie sind eben nicht so von den Trends abhängig, die anderswo die Runde machen. Siehe Ocelott: Ein Quartett aus Fukuoka, das im Januar seine ersten zwei Singles veröffentlicht hat. Klar ist es nicht so, dass ihr netter Postcard-Pop revolutionär neu ist. Aber das Ganze ist angenehm out-of-step im Vergleich zur üblichen Indie-Trendigkeit. Das macht mir Spaß.

I Plead The Ninth

The Ninth Wave, das Neo-Goth-Pop-Duo aus Glasgow, hat letztes Jahr mit dem Album „Infancy“ ein ziemlich prima Debüt abgeliefert.

Die Sache ist natürlich aber auch die: Wer sich so düster-bierernst zeigt, wie The Ninth Wave es in ihrer Musik gerne mal tun, der läuft auch irgendwie Gefahr, eine Schwelle zu Pathos zu übertreten, bei der man das Ganze als Hörer auch etwas albern finden darf. Da ist es dann gut, wenn eine Band schlau genug ist, sich dessen bewusst zu sein, sogar mit an Bord zu sein bei denen, die sich erlauben, darüber auch mal zu kichern. The Ninth Wave beweisen diese Fähigkeit zur Selbstironie in ihrem neuen Video „Flower Into Wounds“: In einer spooky Vorstadtsiedlung beschließen Haydn Park-Patterson und Millie Kidd einen Selbstmordpakt… so weit, so düster. Dass sie als Todesart die Kettcar-Kollision wählen, gibt der Sache eine unbestreitbare Slapstick-Note.

(Übrigens: Einer, der das mit dem Goth-Humor auch sehr gut kann, ist Henric de la Cour)

Hart Aber Färöer*

Neues von Marius Ziska, unserem Favoriten von den Färöer-Inseln.

Marius geht den Weg, den er von seinem Debüt „Recreation“ (2013) bis „Portur“ (2018) ging, konsequent weiter. Seine neue Single „Falli Til Jarðar“ ist einmal mehr nicht Englisch – das hat der Songwriter aus Søldarfjørður wohl hinter sich gelassen. Auch verschiebt sich das Verhältnis zwischen analogen und elektronischen Instrumenten auf dieser behutsamen Popnummer einmal mehr in Richtung Elektronik.

Zu Fans von Marius wurden wir damals durch seine pfiffigen Gitarrenpopsongs auf Englisch. Dies hier jetzt ist was Anderes, aber immer noch feine Musik. (Auch wenn ich das Video nicht noch mal sehen muss. Den affektierten Tänzer und sein Schleierding finde ich affig. Oh well.)

‚* Okay, nicht hart. Aber ich konnte diese Überschrift nicht lassen.

Catholics Canonymous

Nach ihren ersten Singles dachte man: „Hey, diese Catholic Action – die können zu den neuen Franz Ferdinand werden – und das nicht nur, weil sie ebenfalls aus Glasgow stammen!“

Das hat, fast vier Jahre nach der ersten Single „L.U.V.“ aber noch nicht ganz hingehauen.

Dabei wäre das Songmaterial dafür ja durchaus da. Der Message ihrer neuen Single „People Don’t Protest Enough“ kann man nicht widersprechen – alleine der Songtitel ist super!
Aber um die nächste Stufe zu nehmen, müssten diese Schotten wohl noch ein bisschen… knackiger, snazzier, klarer sein. Wir drücken die Daumen, dass sie den Knopf dafür noch finden. „People Don’t Protest Enough“ ist schon mal prima, aber man hat halt das Gefühl, da geht noch mehr.

tricot in schwarz

… und schon der zweite Post heute aus Japan! Prog bzw Math Rock ist ja normal nicht so unbedingt mein Sound, aber tricot machen mich schon baff mit der Komplexität ihrer Musik.

Zehn Jahre nach ihrer Gründung hat die Band um Sängerin/Gitarristin Ikumi Nakajima aus Kyoto nun erstmals einen Vertrag bei einem Major Label unterschrieben. Auf dem asiatischen Markt ist die Firma Avex Entertainment ein großer Player, man hat sich mit J-Pop und K-Pop-Bands oben etabliert. Es wird interessant, wie tricot in dieses Schema passen bzw was Avex für tricot erreichen kann. tricot sind immerhin eine der wenigen JPN-Bands, die schon international Tourneen auf die Beine gestellt hat – und das noch als Indie.

tricots neue Single heisst, wie auch das Album: „Makkuro“ (真っ黒) – zu deutsch: Reines Schwarz. Entsprechend ist das neue Albumcover offenbar einfach nur pechschwarz – jedenfalls im Downloadstore. Das heisst auch: Ich kann jetzt gar nicht anders, als auf diese Szene zu verlinken.

New Björk, New Björk

Ach guck – Es ist so, gestern hatte ich tatsächlich mal wieder einen Sugarcubes-Flash. Ich habe meine Lieblingssongs der Isländer endlich mal von CD auf meinen Rechner gezogen. Eigentlich eine Schande, dass ich das nicht viel früher gemacht habe, denn die Band war superwichtig für mich, als ich Indie für mich entdeckte. Mein erstes Band-T-Shirt war von der „Here Today, Tomorrow, Next Week“ Tour.

Und heute? Stellen meine japanischen Shoegaze/Dreampop-Favoriten Luby Sparks eine neue Single online und es ist eine Coverversion von The Sugarcubes‘ „Birthday“.

Diese neue Version ist fast lieblich. Das Original war natürlich schräger – und die junge Björk wird unvergleichlich bleiben, ein außerirdisches Elfenwesen, deren Vokalakrobatik Luby Sparks-Sängerin Erika Murphy vernünftigerweise gar nicht erst versucht, nachzuahmen. Aber man macht Coverversionen ja nicht, um einen Song zu kopieren, sondern um eine andere Nuance freizulegen.

Ein Song für Australien

Seit Tagen raufe ich mir die Haare, ich kann schon gar nicht mehr zuschauen, wenn ein weiterer Beitrag über die Buschbrände in Australien läuft.

Heute sind elf Grad in München – which is nice, aber das ist nicht nur eben zwei Grad wärmer als normal im Januar. Das ist ca 20 Grad wärmer, als es Mitte Januar sein sollte! Ich kriege Horror vorm Sommer!

Dass es immer noch Climate Change Denier da draußen gibt, die glauben, die Welt der Wissenschaft bilde sich das alles nur ein (oder die es einfach nicht wahrhaben wollen und hoffen, sich es glaubwürdiger einreden zu können, wenn sie es laut tun), das erfüllt mich mit Konsternation.

Ich habe jetzt immerhin ein paar Euro gespendet, über den Umweg der Blogfavoriten Polish Club aus Sydney.

Novak und J-H haben bekannt gegeben: „We wrote a protest song for a Eurovision entry but it didn’t get selected. So we’re releasing it w all $ from it going to Australian Red Cross for bushfire relief.“

Listen & donate: https://bestpolishclub.bandcamp.com/track/shout

Noch mal: Es gibt also einen neuen Polish-Club-Song, nur auf bandcamp, geschrieben als Beitrag für Eurovision, aber abgelehnt. Alles Geld geht an das australische rote Kreuz. Man kriegt „Shout“ für 1 AUS $, kann (soll!) aber gerne mehr bezahlen. Geht ja alles an den guten Zweck.

Ich teile hier keinen Clip von „Shout“, denn um den Song zu hören, sollt ihr bitte auf Bandcamp gehen und was für die Buschfeuer spenden.

All These Things That Ivory Done

Als ich hier das letzte Mal einen Song von Ivory Wave postete, da zeigten sich die Brummies (= Typen aus Birmingham) als Lads im Happy Mondays-Oasis-Kasabian-Stil: Trainingsanzüge, Dosenbier, Attitüde. Aber wie es mit Lads oft so ist: Raue Schale, herzensguter Kern.

Na, das jedenfalls entnehme ich ihrem Video zum Song „Young Blood“. Dies nämlich ist eine fast schon sentimentale Britpop-Ballade, die gegen Ende hin so richtig die Soundschichten auftürmt, inklusive Gospelchor.