Schlagwort-Archive: Jacco Gardner

Review: Pauw

PAUW-Macrocosm-Microcosm-CDPauw – „Macrocosm Microcosm“

Manchmal muss man ja nur das Plattencover betrachten oder den Albumtitel hören und man weiss, worum es geht. Auf dem Sleeve des Debüts der Holländer Pauw sehen wir ein spaciges Gemälde, Weltraumnebel in allen Farben, übergroße Monde und Planeten. Schemenhaft erkennen wir vier Gestalten, die uns den Rücken zugewandt haben und in die Weiten blicken, von der Macht der Unendlichkeit so beeindruckt wie Caspar David Friedrichs Mönch am Meer. Dieses Bild ist also einerseits ein Stupser in Richtung Romantik, zuerst aber ein Holzhammerschlag in Richtung Psychedelia. Dazu passt der Albumtitel: Makrokosmos, Mikrokosmos. Das große Ganze, das winzige Detail, alles eins, alles: kosmisch.

Und was soll ich sagen? So, wie das Cover aussieht, so wie der Name des Albums andeutet, so klingt „Macrocosm Microcosm“ auch.

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Earth Is The Longlist Planet, Pt 5

VRYLL Header

Ich hatte meine eigene Best Ditches – Longlist für 2016 versprochen. Meine Antwort auf die Longlist der BBC. Anstatt nur über deren langweilige Newcomer zu lästern, wollte ich meine eigenen Tipps mit in den Topf werfen und prognostizieren, welche Bands nächste Saison groß rauskommen. Naja, vielleicht nicht unbedingt groß rauskommen – meine Vorhersage soll eher besagen, dass diese genannten Acts 2016 hoffentlich ein gutes bis tolles Debütalbum vorlegen können. Letztes Jahr habe ich das Gleiche gemacht, mal mehr, mal weniger erfolgreich.

Also okay. Nach dem Break findet ihr meine Tipps für 2016.

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O tempora, o Moses

Psychedelic Pop. Ein Genre, in dem momentan alles andere als Flaute herrscht. Ein ganzer Haufen Bands und Künstler sind zur Zeit in dem Sound unterwegs und sie alle spielen sich ins 60s-Alice-im-Wunderland.

Dabei gibt’s zwei Varianten, wenn man so will. Einerseits sind da die verspulten Verschwurbler wie King Gizzard & The Lizard Wizard, Connan Mockasin, Brian Jonestown Massacre oder Pond – Bands, die auf freaky Verspulung und Mantrapop-Transzendenz setzen.

Andererseits gibt’s die Popper wie Temples, Tame Impala, The Vryll Society oder Jacco Gardner, die kristallklare Songs schreiben, aber diese quasi im Paisley-Kaftan ankleiden.

Aus Brisbane stammt die Moses Gunn Collective – und sie schwanken zwischen den beiden Polen. Auf ihrem Album „Magic Mountain“ gibt’s sowohl Flippigeres als auch Poppigeres, in letztere Kategorie fällt ihre aktuelle Single „Hole In The Wall“, zu der es jetzt ein Video gibt.

Review: Binoculers

binoculers_adapted-to-both_cover_2400x2400-e1432481139320Binoculers –
„Adapted To Both Shade And Sun“

Ich habe Post ins Büro gekriegt. Okay, in meinem Dayjob kriege ich Glückspilz nun mal CDs und Downloads zuhauf, aber diese war quasi was Besonderes. Die Binoculers wollten gar nicht im piranha-Heft besprochen werden. Sie wollten HIER besprochen werden. Auf dem Blog. Hui, jetzt bin ich aber verlegen.

Tja. Und nun? Was, wenn ich das Album gar nicht mag? Briten wie Everything Everything kann ich hier guten Gewissens verreissen – die werden das nicht mitkriegen bzw sie sind sowas gewohnt, vermutlich. Aber die Binoculers lesen am Ende sogar, was ich hier sage? Aber gut, ich werde drüber schreiben.

Noch weiss ich nix über die Band. Ich gehe nachher mal auf ihre Website. Aber vielleicht ist es gut, wenn ich dies erst mal nur höre und kein Bild von den Musikern habe? (Wenn es überhaupt mehrere sind…?)

So. Song 1 heisst „Repeller Boat“. Erst mal googlen, was das ist: Aha – ein Repeller auf einem Boot ist ein Dingens, das Seevögel davon abhält, sich dort aufzuhalten. Sonst würden die Viecher ja das Deck zukacken, i guess. Hmm. Ein unromantischer Gedanke, der gar nicht zum stilvollen Albumcover passt. Besser, wir streichen den wieder aus dem Kopf. Nun gut. Drücke Start.

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Review: Jacco Gardner

jacco hypnoJacco Gardner – „Hypnophobia“

Und wieder das Problemchen mit dem Prinzip Retro: Kann es überhaupt jemals originell sein, den Stil einer vergangenen Ära zu imitieren? Was für den einen eine liebevolle Hommage ist, ist für den anderen ein ideenloser Abklatsch – und wer entscheidet, wer Recht hat?

Zum Glück gibt es da eine Instanz: Die bist Du, die bin ich, die ist immer der individuelle Hörer selbst, der seinen Geschmack entscheiden lassen darf: Gefällt mir das – oder gefällt mir das nicht?

Jacco Gardner bewegt sich auf dünnem Eis. Wer sich so explizit einem Teilgenre der Musikhistorie widmet wie der junge Holländer – in seinem Falle ist das barocker Sixties-Psychedelia-Pop – der kann auch als Abziehbild rüberkommen. Wie ein Ensemblemitglied eines Austin Powers-Films, der sich mit Klamotten aus der Kiste von Omas Speicher verkleidet hat und der sich jetzt amüsiert, wie putzig die Sechziger Jahre doch waren. Okay, ein solcher Umgang mit den Sixties könnte ja sogar Spaß machen und man kann da mitspielen – ich verlange ja kein bierernstes Klammern an Authentizität (auch das ist nur einschränkend). Aber was ich verlange, das sind gute Sounds und gute Songs, hinter denen mehr steckt als nur eine Psychedelia-Maskerade. Review: Jacco Gardner weiterlesen