Review: Kane Strang

Kane Strang – „Two Hearts And No Brain“

Es ist natürlich blöd, einen Text über ein Album damit zu beginnen, wie’s nicht klingt. Aber neulich stieß ich auf einen Artikel, in dem bestimmt drei, vier Mal der Vergleich Elliott Smith fiel. Was meiner Meinung nach Quatsch ist. Elliott Smith, das bedeutet: Extrem komplexe Songs, verzwickte Tunings der Gitarre, flatterige Leichtigkeit und ungewöhnliche Rhythmen (immer mal wieder Walzer) – und im Text sehr empfindsame, regelrecht poetische Formulierungen.

Für den jungen Neuseeländer Kane Strang, dessen zweite Platte prima ist (dieser „er ist nicht Elliott Smith“-Start ist nicht gegen ihn gerichtet, nur gegen die Laus, die mir beim Lesen jenes Artikels über die Leber gelaufen ist), gilt all das nicht.

Im Gegenteil. Die Songs: Meistens im Midtempo in extra straighten 4/4 Skischuh-Beats durchgezogen, an denen sich auch die Instrumente orientieren. Die Texte: Smart, gewitzt, aber halt nicht poetisch gedichtet. Die Single „My Smile is Extinct“ mag da ein Beispiel sein. Es ist die Story eines Typen, der von seiner Freundin betrogen wurde: „Yes you were the best I’ve ever had, I’ll say it to your face and I’ll say it to your dad“ singt Kane, um im Refrain, als die Lady ihm gestanden hat, „Kill me now, don’t think twice, I’ve heard that there’s a chance of an afterlife“ zu klagen. Das ist ja definitiv drollig formuliert, aber komplett unverklausuliert, hundertpro direkt. Elliott Smith hätte in der gleichen Situation nur Andeutungen gesungen.

Wir sehen aber an der Thematik des Songs: Ein Sänger, der sich als Loser stilisiert, der sogar quasi um sein Ableben bittet… wir haben hier definitive 90s-Vibes. Insofern bewegen wir uns immerhin in Elliott Smiths Dekade. Mein Vergleich für Kane Strang ist aber ein anderer: Rivers Cuomo, als Weezer richtig gut waren.

Schon der Start „Lagoons“ legt quasi als Tribut an den „Sweater Song“ los – das Echo auf dessen schleppenden linearen Rhythmus hören wir über’s Album dann noch mehrere Male („See Through“, „Summertime In Your Lounge“). Wenn man so will, sind die Popnummern „Not Quite“ und „My Smile Is Extinct“ zwei Zwischenstufen zwischen „Buddy Holly“ und „The World Has Turned And Left Me Here“. Überhaupt, immer wieder erlaubt die Platte Reminiszenzen an Ric Ocaseks staubtrockene Produktion des blauen Albums – Ich meine, hört euch den Titelsong „Two Hearts And No Brain“ an, ohne an den Leise/Laut-Kontrast von „Only In Dreams“ zu denken!

Tja. Jetzt habe ich mich also beschwert, dass jemand Kane Strang mit Elliott Smith verglich, aber selbst permanent Parallelen zu Weezers blauem Album gezogen. So 1:1 klingt’s natürlich nicht danach. Ihr dürft mir hier eine ähnliche Oberflächlichkeit vorwerfen.

Andererseits: Hey, das blaue Album ist ein absoluter Klassiker der Indie-Historie. Wenn also ein junger Typ auftaucht, der diese Vibes so gekonnt aufgreift und ein wenig updatet, diesen selbstironischen und auch etwas selbstdestruktiven Humor mal wieder in Spiel bringt – dann ist das im Jahr 2017 auf jeden Fall einen Hinhörer wert.

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