Suchmos Great Heights

Hier wieder was Interessantes aus Japan. Suchmos aus der Präfektur Kanagawa (also letztlich aus dem Ballungsraum um Tokio, Richtung Yokohoma) nennen nicht nur Rock, sondern auch Jazz und HipHop als wichtige Einflüsse – ihr Bandname bezieht sich entsprechend auch auf Louis „Satchmo“ Armstrong.

Diese Einflüsse wenden sie aber nicht so an, dass daraus Black Music entstünde. Suchmos‘ Sound wird durch das Jazz-Element vielmehr sehr komplex und geht klar – das deutet schon die Tatsache an, dass ihre neue Single „In the Zoo“ achteinhalb Minuten lang ist – in Richtung Progrock. Ich muss bei dem Song z.B. an Radiohead denken. In der Phase zwischen „OK Computer“ und „Kid A“ hätten Thom Yorke & Co sowas schreiben können, der Song liegt so in etwa zwischen „Lucky“ und „Pyramid Song“. (Jedenfalls sind das meine ersten Assoziationen. Vielleicht hört ihr ja was ganz Andere heraus?)

Anyway. Zuhause sind Suchmos nach nur zwei Alben schon richtig groß, sie haben bereits ein Stadion in Yokohama mit 25.000 Fans gefüllt. Am 27.3. kommt nun ihr drittes Album „The Anymal“

Los Amigos del Deportee

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: WARUM sind eigentlich die Deportees außerhalb Schwedens bisher nie so richtig in die Gänge gekommen? Zuhause ist die inzwischen zum Trio geschrumpfte Band aus Umeå  ein absoluter Kritikerliebling und Fanfavorit – und normal ist es ja durchaus so, dass schwedische Bands im Rest von Europa sehr wohl wahrgenommen werden. Warum nicht die Deportees?

Zudem: Ihr Drummer Thomas Hedlund ist Live-Drummer von Phoenix (ja, DEN Phoenix).  Das sollte doch ein bisschen Aufmerksamkeit bringen? Aber damit z.B. Pitchfork die Band in all den Jahren überhaupt mal nebenbei erwähnte, mussten sie ein Duett mit Lykke Li aufnehmen.

Nun gut. Nach fünf zum Teil ganz großartigen Platten (HIER mein Text zu ihrem letzten Album von 2015) soll im neuen Jahr eine neue EP und ein neues Album kommen. Vorab gibt’s als Single wie immer ein sehr feines Lied, das man auf Englisch am besten mit sophisticated beschreiben würde: „Bright Eyes“

Creative Differences

Kneift mich mal. Das kann’s doch nicht ganz sein, oder?

Alan McGee hat ein neues Label gegründet. Jubel, Freu! Der Creation-Man! Ride, Primal Scream, My Bloody Valentine, Slowdive, Swervedriver und irgendwann auch Oasis, sie alle waren auf Creation! Alan selbst ist natürlich eine Kultfigur, ein Typ, der auch gern mal aneckt, weil er so kompromisslos seinen Punk-Ethos vertritt.

Alans neues Label heisst Creation23 – und neu erscheint dort… dies hier? Sorry, aber Rubber Jaw sind ja wohl so… so… beige, dass sogar Coldplay daneben wie Extreme Noise Terror klingen. Eigentlich will ich hier ja nur Favoriten posten und mich mit Lästereien zurück halten, aber das hat ja schon einen Kuriositäts-Faktor in seiner Langweiligkeit. Der Song heisst „Freaking Out“. Mir klingt das mehr nach „Wearing My Comfy Slippers, Surfing Channels On A Thursday Afternoon, Waiting For Daddy’s Allowance“

Aber vielleicht findet’s ja jemand super.

King Fishers Krönung

Was geht denn bitte jetzt wieder mit King Gizzard & The Lizard Wizard ab? Als vor ein paar Wochen „Cyboogie“ erschien, da dachte ich, dies würde ein Moog-Progpop-Album einläuten.

Statt dessen erscheint jetzt „Fishing For Fishies“ und ist eine herrlich fröhlich-bescheuerte Akustik-Blubber-Hula-Nummer.

Fucken hell. Ich meine, wir WISSEN doch längst, dass wir bei King Gizzard mit dem Unerwarteten und Verspulten rechnen müssen! Aber Stu & Co überraschen uns TROTZDEM jedes Mal wieder!!

Ich bin hingerissen.

Review: Sports Team

Sports Team – „Keep Walking! EP“

Als das Sextett Sports Team im letzten Jahr vom englischen Webportal Noisey porträtiert wurde, da schlug Frontmann Alex Rice dem Autoren folgende Kurzfassung vor: „Sexy Sänger, gebremst von Trittbrettfahrern“. Das sagt uns schon eine Menge über diesen Typen bzw. über seine Art Humor. Alex ist cheeky. Frech. Alex stellt diese selbstironische gespielte Arroganz zur Schau, die man nur zeigen kann, wenn dieses Selbstbewusstsein eben nicht nur vorgespielt ist. Sagen wir’s so: Auch ein Pfau, der auf dem Rasen ungelenke Purzelbäume hinlegt und der „Schaut, ich bin’s, der blöde selbstverliebte Pfau!“ kräht, bevor er mit seinen Federn ein Rad schlägt, bliebt ein Pfau. Die Hühner und Gänse neben ihm werden nie so interessant sein.

Wem das obige Zitat nicht reicht als Beispiel für Alex‘ Keckheit, der kann sich anschauen, wie er im Video zur Single „Margate“ exaltiert durchs Zentrum des gleichnamigen Küstenstädtchens tanzt. Sehr schön: Die Reaktion der verwirrten Fussgänger. 

Drittes Beispiel für Alex’ Witz: Die Tatsache, dass sein Aussehen wiederholt mit dem von US-Schauspieler Ashton Kutcher verglichen wurde, nutzt er zur Single. Refrain: „Ashton Kutcher’s got nothing on you!“ 

Kurz und gut. Wir haben hier einen Typen vor uns, der auffällt. Eine Charakterfigur, die man sich merkt und die auch mal aneckt: Ein Buddy von mir hat Sports Team z.B. unlängst live gesehen und er meinte: „Der Sänger war mir zu viel.“

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Review: Man of Moon

Man Of Moon – „Chemicals EP“

Der Hype ist schon wieder ein bisschen abgeflaut. Denn bereits 2015 kriegten Chris Bainbridge und Mikey Reid ihre ersten Berichte in der UK-Presse. Die beiden damals 19jährigen Schotten seien „ones to watch“, las man, es fielen Vergleiche mit Mogwai auf der einen und Royal Blood auf der anderen Seite. Ein dichtes Rockbrett würden die Jungs aus Edinburgh auf die Bühne bringen, umso beeindruckender, weil sie eben nur zu zweit sind. 

Seitdem haben uns Man of Moon nicht eben mit Veröffentlichungen überhäuft. 2016 gab’s eine Single und eine EP, 2017 gar nichts, 2018 sollte ein Album kommen, das dann nicht kam. Immerhin, das Duo war auf Europatour mit Django Django. Na, jedenfalls: Der frühe Aufmerksamkeit, sie lief ins Leere – letztlich kam sie wohl zu früh. Zu einem Zeitpunkt, als die Jungs halt doch noch nicht genug Substanz und genug Material hatten, um den Vorschusslorbeeren gerecht zu werden. 

Aber schon letztes Jahr sagten die zwei in einem Interview für tenementtv.com, dass sie sich Zeit lassen würden. Es sei ihnen wichtig, wirklich ihren eigenen Sound zu finden und sich klar zu werden, was sie im Speziellen hervorheben, anstrahlen wollten. 

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The Darling Buds of Mae

Ich hatte am Montag Besuch im piranha Büro. Denn Ida Mae, die eigentlich als Vorband von Greta van Fleet unterwegs sein sollten, hatten nach deren Tourabsage Zeit. Diese haben sie genutzt, um ein paar Promotermine mitzunehmen.

Wer sind Ida Mae? Das sind Christopher Turpin and Stephanie Jean Ward, die vorher eine Hälfte der britischen Grungerockband Kill It Kid darstellten. Aber sie waren immer unzufriedener mit der Heavy-Richtung, in die ihre alte Plattenfirma die Band drängen wollte. Eigentlich stehen die zwei nämlich viel mehr auf Blues und Americana.

Irgendwann war’s genug, die zwei (die übrigens auch verheiratet sind) lösten die Band auf und machen als Duo weiter. Im Juni kommt ihr Debütalbum, produziert von Ethan Johns. In den USA haben die zwei jetzt schon viele Fans – eben, weil sie mehrfach schon als Vorband von Greta van Fleet spielten, aber auch im Vorprogramm der Marcus King Band. In Kürze werden sie Blackberry Smoke durch die Staaten begleiten.

Und wie klingt das Ganze? Bluesig und rough, schön ungestellt. Ida Mae verdienen sich in ihren raueren Momenten den Vergleich mit The Kills, aber ca. zur Hälfte sind ihre Songs auch filigrane Balladen. Die neue Single „Reaching“ fällt in Kategorie 1.

mehr Ida Mae nach dem Break…

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All you good Two People

Mit Bandnamen haben es Phoebe Cockburn und Joe Clough nicht so. Ihre Tenagerband war prima, der Name Snakadaktal jedoch schon ein bisschen albern. Vielleicht haben sie sich beim Nachfolgeprojekt deshalb gedacht: „Diesmal ein straighter Name“? Two People klingt so… bescheiden. Als wolle man nur nicht auffallen.

Nun gut, die Musik von Two People gehört ja auch zur leiseren Sorte. Ihr Album „First Body“ ist größtenteils sehr gelungen, hat aber auch die Momente, in denen die xx-igen Stimmungen ins Seichte abdriften. Beim Song „Phone Call“ finde ich persönlich zum Beispiel, dass er aus diesem Grund mit der schwächsten Track der Platte ist. Aber Geschmäcker sind verschieden und Two People haben ihn zur neuen Single/Video auserkoren.

A Rey of Sunshine

Ich habe mal irgendwo gelesen, Rey Pila seien „die Strokes von Mexiko“ – und seitdem fällt mir nie was Neues ein, eine andere Formulierung, mit der ich die Band beschreiben könnte. Immerhin, es gibt ja tatsächlich eine Verbindung: Rey Pila veröffentlichen auf Cult Records, also dem Label, das Strokes-Sänger Julan Casablancas gegründet hat.

Anyway. Diego Solórzano und seine Band haben mal wieder eine neue Single an den Start gebracht, die trägt den Titel „Flames“. Ist sie der Vorbote für ein neues Album? An der Zeit wär’s, der Vorgänger „The Future Sugar“ ist schließlich von 2015.

The Weh You Make Me Feel

Ende November erst erschien das Debütalbum der Liverpooler Retro-Gitarren-Combo The Fernweh. Da macht es Sinn, dass sie knapp drei Monate danach mal wieder eine Single dieses Longplayers veröffentlichen und damit die Platte noch mal anschieben, richtig?

Aber die Briten haben sich anders entschieden: Heute teilen sie einen Track namens „Sunrise“. Der aber ist auf dem Album gar nicht zu finden. Es handelt sich also um eine brandneue Single. Das kommt unerwartet – aber wie beim Sports Team eins weiter unten gilt: Beschweren werde ich mich darüber nicht.