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Review: Red Kite

Red Kite – „raquet“

Soll ich zum Beginn dieses Texts wirklich noch mal The Cooper Temple Clause hervor kramen? Es ist zehn Jahre her, dass die sich getrennt haben! Dan Fisher hat diese Zeit laaange hinter sich gelassen. Aber hey, was war das für eine absolute Lieblingsband! Und sie sind nun mal mein Einstieg in Red Kite, denn ohne die Coopers hätte ich von der Existenz Red Kites vermutlich nix mitbekommen.

Also, Rückblende: TCTC kamen aus Reading vor den Toren Londons. Sie bestanden aus sechs schrägen Einzelcharakteren. Mindestens vier davon waren am Songwriting beteiligt und sie alle trugen ihren speziellen Teil zu einem massiven Gesamtsound bei. Seit der Trennung gibt es Projekte der einzelnen Mitglieder, die sich entsprechend in die verschiedenen Einzelteile dieser Summe aufschlüsseln. Tom Bellamy zum Beispiel, damals Gitarrist und an Keys und Samplern tätig, ist nach Berlin gezogen und hat dort eine Band namens losers am Laufen, deren Sound ich Goth-Prog-Tronica nennen würde.

Hier gehts aber nicht um die losers, sondern um Red Kite. Um die Band, die Dan Fisher ein paar Jahre nach Team Cooper ins Leben gerufen hat und mit der er nun sein zweites Album veröffentlicht. Dan spielte bei TCTC meistens Gitarre, sang manchmal. Vor allem: Er schrieb viele der Songs.

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How Spoon is Now

Zu viel Spoon posten geht gar nicht. Jedes Mal wieder, wenn ich Britt Daniel & Co sehe, bin ich total geflasht, wie umwerfend gut die sind, jedes Mal wieder. Heute hat der US-Sender KEXP aus Seattle (den man überhaupt für seine immer wieder tollen Live-Sessions nicht genug loben kann) ein Studiokonzert mit den Meistern geteilt. Und einmal mehr kann nur der Kiefer runter gehen angesichts dieser unfassbaren Unfassbarkeit.
Zu hören: Fünf Songs vom aktuellen Album „Hot Thoughts“. Ich picke als erstes „Pink Up“, weil’s dazu bisher kein offizielles Video gab und die Nummer mich sowohl an The Notwist und dEUS erinnert.

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Review: Glass Animals

Glass Animals How To Be A Human BeingGlass Animals – „How To Be A Human Being“

Diese Platte wird im nächsten piranha, meinem Dayjob also, das „Album des Monats“.

Aber was die Meinung von unserem Magazin ist, muss ja nicht automatisch meine persönliche Meinung sein. Ich bin jedenfalls nicht unbedingt Fan von den Glass Animals. Naja, aber ich glaube auch nicht, dass sie den Titel „Album des Monats“ unverdient erhalten haben – es macht schon Sinn, diese Platte hervor zu heben, weil es eine Platte ist, die einschlagen kann.

Aber gut. Bevor ich zu der Platte was sage, hole ich noch mal kurz aus.
Ich glaube, das Riesenproblem des Insel-Indie immer noch ist, dass man sich dort immer noch nicht von der „Indie Landfill“-Phase erholt hat. Muss ich das noch mal erklären? 2005-2007 waren goldene Jahre des UK-Indie: Franz Ferdinand, Bloc Party, Maximo Park, The Kooks, später Arctic Monkeys, sie landeten Hit um Hit. Was wie immer bedeutete, dass zig Nachahmer-Bands auf den Plan traten und der Markt so mit minderwertigen Kopien überschwemmt wurde, dass man diese Schwemme „Landfill“ nannte und der Sound an sich in Verruf geriet. Gitarren waren über Jahre verpönt. Und wer heute auf der Insel eine Band gründet, fühlt sich verpflichtet, zu beweisen, dass man mit „Indie Landfill“ nichts zu tun hat.

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Review: The Maccabees

The-Maccabees_Marks-To-Prove-It_album-artworkThe Maccabees – „Marks To Prove It“

Die Maccabees sind Überlebenskünstler. Sie tauchten auf in der britischen Szene, als sich gerade der Wind drehte, als für die damalige Schwemme der UK-Gitarrenbands der Ausdruck „Indie Landfill“ geprägt wurde und das Genre quasi geächtet wurde. Aber während Zeitgenossen wie The Rakes oder Good Shoes in der Folge völlig von der Bildfläche verschwunden sind, werden The Maccabees zumindest auf der Insel immer noch extrem geschätzt – nicht zuletzt, weil sie klanglich eine Kehrtwende gemacht haben.

Hätten die fünf Londoner aus gutem Hause mit den flotten Zickzackpop-Zweiminütern ihres Debüts „Colour It In“ weiter gemacht, wären sie sicher genauso abgeschossen worden. Aber sie erweiterten auf ihrem zweiten Album „Wall Of Arms“ ihren Sound, ihre Songs dehnten sich nun aus, entwickelten Atmosphären. Damit hatte keiner gerechnet, entsprechend gab’s Pluspunkte von der Kritik. Auf ihrem dritten Album „Given To The Wild“ reizten sie dieses Verfahren dann aus – fast jeder Song machte eine Reise durch, auf der er langsam und leise anfing, dann Fahrt und Instrumente aufnahm, bis diese sich zum Getöse auftürmten, worauf der Song wieder abebbte, bremste oder in sich zusammenfiel. Auf der Insel wurde die Platte GELIEBT und in die Jahresbestenlisten von 2012 gewählt.

Damit haben Sänger Orlando Weeks und Co sich auch ein Problem geschaffen: Aber auf ihrem vierten Album gilt’s für die Herren, wieder was Neues zu finden. Nicht auf der Stelle zu treten, das sind The Maccabees sich heute schuldig. Das haben sie sich sozusagen eingebrockt mit ihrer bisherigen Entwicklung.  Auch die Stellung, die sie in der UK-Szene deswegen innehaben, verlangt das nun.

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