Review: Kyle Craft

KyleCraftLP_Jacket_CoverKyle Craft – „Dolls Of Highland“

Zu den herrlichen Momenten für einen Musikfan gehört es, wenn aus dem Nichts ein Album auftaucht, eine Band, ein Sänger, eine Sängerin, die man vorher noch überhaupt niemals auf dem Schirm hatte – und wenn dieser Typ (in diesem ist es ein Typ) einen vom Fleck weg mit einem ganz eigenen, durchgeformten Sound erstaunt.

Den Namen Kyle Craft hatte ich noch nie gehört, als sein Album auf meinem Schreibtisch landete. Aber schon, was in der beiliegenden Bio zu seinem Debütalbums stand, war spannend: Kyle stammt aus einem Kaff am Mississippi im tiefen Süden der Staaten (Shreveport, Louisiana) und spielte als Kind am liebsten in den Sümpfen, wo er bevorzugt – ich zitiere hier sein Label Sub Pop – Alligatoren und Klapperschlangen fing. Weil er in einer streng gläubigen Familie aufwuchs, kam Kyle bis ins Teenageralter mit Rockmusik quasi nicht in Berührung, nur die Orgel in der Kirche hatte es ihm angetan. Mehr aus Zufall stieß er als Teenager im K-Mart auf eine Best Of von David Bowie und kriegte den Glamrock-Flash.

Alleine schon diese Vorstellung! Ein Teenager, der sich als Bowie der Sümpfe stilisiert!

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Men in Blackouts

Neulich schrieb ich hier ziemlich begeistert über die EP der Melbourner Dolewave/Jangle-Punkpopper Rolling Blackouts Coastal Fever. Nicht zuletzt die Texte der Band hob ich hervor, die fand ich extra clever.

Nun haben die Jungs ein neues „Lyric Video“ zum Song „Carreer“ gepostet – der Text bei diesem Song ist aber eher Standard. Dass Musiker sich vom Lebensentwurf des typischen Karrieristen distanzieren, der seinen beruflichen Erfolg über persönliche Beziehungen und alte Ideale stellt, ist nicht eben etwas Neues. Trotzdem ist „Carreer“ natürlich immer noch ein feiner Song.

Mansun Structures

Mann, was habe ich Mansun geliebt, damals in den späten 90ern/frühen 00ern! Weil ihre ersten Singles definitiv einen Oasis-Drive hatten, wurden sie sogleich dem Britpop zugerechnet. Allerdings wurde das Quartett aus Chester schnell immer unberechenbarer, verquaster, durchgeknallter und genialer – die zwei Alben „Attack Of The Grey Lantern“ (1997) und „Six“ (1998) hatten beide einige satte Hits, aber steckten auch voller WTF?-Momente. „Little Kix“ (2000) war leider eher zu brav im Vergleich – aber die beiden ersten Mansun-Alben sind heute  Kultplatten. Beweise? Heute noch gibt’s eine von Fans durchgeführte jährliche Mansun-Convention, bei der dann immer eine Mansun-Coverband spielt.

13 Jahre nach ihrer Trennung und 20 Jahre nach Mansuns Debüt „One EP“ taucht ihr Frontmann Paul Draper nun wieder aus der Versenkung auf. Offenbar war es nicht zuletzt eine fiese Fingerverletzung, aufgrund der er jahrelang nicht Gitarre spielen konnte, die seine lange Abwesenheit verschuldete. Wie auch immer, Draper veröffentlicht am 10. Juni eine EP, die in Anlehnung an Mansuns Debüt „EP ONE“ heißen und auf dem Label KScope erscheinen wird, das man normal als Heimat solcher Progrock-Größen wie Steven Wilson, Porcupine Tree oder Gazpacho kennt.  Die Plattenfirma passt aber zu Paul Draper, denn schon in den 90ern wurde Mansuns Musik oft das Bindeglied zwischen Britpop und Progrock bezeichnet. Als ersten Track von Drapers EP kann man nun den Titel „Feeling My Heart Run Slow“ hören.

Review: Laakso

Laakso Grateful DeadLaakso – „Grateful Dead“

Dieses Comeback ist schon eine kleine Überraschung. Okay, sie hatte sich durch drei Singles in den letzten Monaten angekündigt. Trotzdem hatte man bis zu deren Auftauchen nicht mehr mit einem vierten Album von Laakso gerechnet. Nicht mal ich glaubte daran – dabei habe ich mal ihren Drummer Lars Skoglund getroffen, als er bei den Shout Out Louds aushalf. Lars, der auch für Lykke Li trommelt, war sich vor drei Jahren schon sicher: „Eines Tages machen wir noch ein Laakso-Album! Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen, versprochen!“ Er klang aber eher wie ich, wenn ich sage: „Eines Tages fliege ich noch mal nach Australien, dabei mache ich ein Foto von mir in Geelong und schreibe drunter: ‚I’ve been everywhere, man!‘“ Man spricht von einem Wunschtraum, an den man nicht echt glaubt. Was man an Lars Versicherung aber erkannte, war: Diese Band war für ihre Mitglieder weiter eine Herzensangelegenheit.

Trotzdem, das letzte Album des Quartetts („Mother, Am I Good Looking?“) ist nun mal inzwischen neun Jahre alt und auch wenn der Song „Västerbron“ ein SWE-Hit wurde, wäre es ja geflunkert, wenn man erzählen würde, dass die Band zwischen 2003 und 2007 so supererfolgreich gewesen wäre. Die Kritiker in Schweden, die mochten Laakso – und man darf sagen, dass die Band Achtungserfolge landete. Aber eine große Nummer waren sie nicht.

Markus Krunegård dagegen, der ist eine große Nummer in Schweden. Review: Laakso weiterlesen

Magic and Blossoms

Bloggerprobleme. Youtube wird in D immer gesperrt. Aber das letzte Mal, als ich was von Dailymotion postete, wurde es auch gleich aus dem Netz genommen. Einige Plattformen lassen sich gar nicht erst einbetten. Am liebsten verbreite ich die Clips von vimeo, aber die Plattform wird von Bands und Labels vernachlässigt.

Anyway. Blossoms. Die aktuelle Single „Getaway“. Wieder sehr fein. Aufs erste Hören nicht so spektakulär wie „Charlemagne“ und „At Most A Kiss“, aber ein Grower mit feinem Refrain, der sich bald im Ohr festsetzt.  Hoffen wir, dass der Clip nicht gleich wieder gelöscht wird wie neulich bei den FEWS.

Update – da ist es schon passiert. Oh Well. Hier ein Link.
https://www.clipvids.de/4306728/Blossoms-Getaway

Hey, Good Luke’in

Trad./alt.Country ist in den USA rasant auf dem Vormarsch. Chris Stapleton wird bald 1,5 Millionen Exemplare seines Albums „Traveller“ verkauft haben und Sturgill Simpson ist mit „A Sailor’s Guide To Earth“ auf dem Weg zur Billboard-Nummer-Eins. Vor zwei Jahren war das noch undenkbar.

Schon suchen die Labels nach weiterem Futter fürs Stapleton-Publikum.  Das führt dazu, dass auch ein Sänger wie Luke Bell, dessen Debüt „Don’t Mind If I Do“ 2014 nur von einer sehr kleinen Indie-Country-Clique wahrgenommen wurde, nun vom wichtigen alt.Country-Management Thirty Tigers unter Vertrag genommen wurde und darauf hoffen darf, dass sein kommendes Album („Luke Bell“, VÖ 17.06) auf ein sehr viel größeres Echo stößt. Zum Song „Sometimes“ gibt es schon mal ein Video.

Paisley Park is in your heart

Ach Schitt.

Prince war halt schon ein Genie, das kann auch ich als Indie-Heini anerkennen. In den 80ern hatte er einen Lauf, da wurde alle Gold, was er anfasste. Heute, wo so viel Musik gleichgeschaltet klingt, fällt im Nachhinein erst auf, was für eine krasse Bandbreite er abdeckte und wie weit er immer wieder die Grenzsteine verschob.

57 ist kein Alter, um zu sterben.

Ich wollte das Video von einem meiner drei Prince-Lieblingslieder posten, aber sein Label scheint sehr gründlich gewesen zu sein, alles zu sperren. Deswegen nur meine Hitliste:
1. Paisley Park
2. If I Was Your Girlfriend
3. Alphabet Street

Ich bin keiner von denen, die Muster erkennen wollen, wo keine sind. Ich glaube ich nicht daran, dass 2016 irgendwie verhext wäre oder so. Menschen sterben nun mal. Ich werde sterben. Du wirst sterben. Zwischendrin lasst uns versuchen, Glück zu erkennen und nach Jim Jefferies Lebensphilosophie zu handeln: „Please try not being a dick!“

Lighting a Fews

Bandgeschichten in Zeiten des Internet: Ein schwedischer Teenager lädt einen Song hoch, ein Kalifornier antwortet begeistert. Es entwickelt sich eine email-Freundschaft zwischen David aus Malmö und Fred aus San Francisco, die so eng wird, dass letzterer nach Europa zieht. Mit zwei schwedische Buddies von David entsteht das Quartett FEWS, das rasanten Indierock mit Interpol-Basslines feiert und auf ihrem Debütalbum einen Song dem größten Malmöer widmet: Zlatan Ibrahimovic.

Das Album erscheint am 20.5., die Vorab-Single nennt sich „100 Goosebumps“ und das Video befindet sich endlich auf einem Portal, das ich hier einbetten kann…

Update: Grrr. Schon wieder gesperrt. Ich verlinke ungern auf Vevo, weil man da die mistige Werbung nicht wegklicken kann. Aber gut, HIER der Clip über Vevo.