Keep calm and sound like the church

Ernste junge Männer aus Melbourne. Früher habe ich City Calm Down ganz gern als die Interpol/Editors-Variante von down under bezeichnet. Mehr und mehr aber schwimmen sie sich frei. Klar, völlig frei von Einflüssen und Ähnlichkeiten ist man nie – bei der neuen Single „In This Modern Land“ bilde ich mir zum Beispiel ein, eine Nuance The National und das Erbe von The Church zu hören.

„In This Modern Land“ ist die dritte neue Single von CCD seit ihrem Album „In A Restless House“, das im Herbst 2015 erschien. Da wird’s langsam Zeit für eine neue Platte , oder?

O Temples, O Mores

Das Ende des Jahres kommt auf uns zu. Das heisst auch: Wir stellen so langsam unsere Bestenlisten zusammen. Eine Band, die das Frühjahr prägte, waren die Temples. Ihr zweites Album „Volcano“ begeisterte viele Fans zwar nicht so wie ihr Debüt, aber zweifellos waren eine Menge starke Tracks drauf. Ein Kandidat für die Top 20 ist „Volcano“ allemal.

Heute haben die Briten aus Kettering ein ganz drolliges Doku-Filmchen geteilt: Es verfolgt die Temples bei einer Aufnahmesession in den Toe Rag Studios. Toe Rag bzw sein Studiobesitzer Liam Watson ist bekannt dafür, dass hier streng ohne Computer, Overdubs und sonstige Tricks und Sperenzchen, sondern statt dessen ganz traditionell analog mit Vintage Technologie gearbeitet wird. Das berühmteste Album, das hier entstand, ist „Elephant“ von den White Stripes. Wir hören Schnipsel von drei „Volcano“-Songs, die in der Toe Rag-Version anders klingen. Dadurch, finde ich, wird die Stärke ihrer Komposition noch mal hervor gehoben.

Bully’s Eye

Tja. Ich will mich nicht wiederholen, aber zu Bully fällt mir ein: Die mag ich, weil sie so schön original nach early 90s-Girlgrunge klingen (Babes In Toyland, The Breeders, Veruca Salt, Belly). Schwach wäre, würden sie das Ganze nur nachäffen, aber Sängerin Alicia Bognanno nhme ich total ab, dass sie auch die Inhalte der frühen 90s mitnimmt: Artikulierte Wut, emanzipierte Attitüde. Es gibt ein neues Video aus dem Album „Losing“, nämlich „Running“.

Review: QTY

QTY – „QTY“

Immer mal wieder kommt’s vor, dass eine US-Band ihren Hype zuerst in Großbritannien kriegt, lange bevor die USA selbst bemerken, was sich zuhause tut. Manchmal dauert’s Jahre, bis sich der Erfolg der Band auch in den Staaten einstellt, oft erreicht er nicht annähernd den Level wie auf der Insel. Dafür zeigen die Briten oft eine echte Trüffelnase: Namen wie REM, Pixies, The Strokes, Black Rebel Motorcycle Club und Kings of Leon sind Beispiele für Karrieren, die über den Umweg London in die Gänge kamen.

Insofern sind QTY natürlich in bester Gesellschaft. Zuhause in New York sind Gitarristin Alex Niemitz und Sänger Dan Lardner lange nicht in die Gänge gekommen. Mehrere Jahre waren sie Mitglieder eines Quartetts namens Grand Rapids, das ein paar EPs machte und mehrere gefragte Bands als Vorband begleiten durfte. Weil die Grand Rapids aber irgendwie nie den nächsten Schritt schafften, trennten sie sich und Dan und Alex fingen als Duo neu an. Ihre Demos landeten in England, dort jubelte man auf. Sofort konnten die zwei einen Vertrag beim Label Dirty Hit (der Heimat u.a. von Wolf Alice und The 1975) unterschreiben, man flog sie nach London und hier durften die New Yorker ihr erstes Album mit Ex-Suede-Gitarrist und Libertines-Producer Bernard Butler aufnehmen. Review: QTY weiterlesen

Alpha Bravo Charlatans

Dieses Video haben The Charlatans schon vor zwei Tagen geteilt, aber hey, vorgestern hatte ich keine Zeit, dazu was zu sagen und gestern war ich, ähem, zu gerädert.
Ich habe Freitag Abend nach längerer Zeit mal wieder den DJ gespielt und im Strom aufgelegt. Dem Laden, wo ich in München einst angefangen habe. Aus nostalgischen Gründen musste natürlich auch der ewige Charlatans-Hit ins Set, denn die Band begleitet uns nun mal schon seit unglaublichen 27 Jahren.

Was uns wiederum zum aktuellen Video „Over Again“ vom Album „Different Days“ bringt. Die Charlatans sind, wie ich, älter geworden. Aber sie machen sich weiter überzeugend, finde ich. Weil sie sich nicht jünger stellen, als sie sind (okay, über Tim Burgess‘ blonde Matte und seinen Tanzstil kann man sich streiten, aber er ist absolut der lebensbejahende Heini, der sowas durchzieht), erkennbar das tun, was sie lieben und unanfechtbare Qualität abliefern. Und klar stelle ich mir beim Weggehen oder beim selteneren Auflegen auch die Frage, ob ich nicht zu alt bin für den Quatsch und ab wann die Kids sich denken,  dass der peinliche Lustgreis da das Weite suchen soll. Damit sind die Charlatans für mich auch ein bisschen ein Barometer: Die können’s in meinen Augen noch lässig durchbringen. Also kann ich das auch hinkriegen, oder? Klar, ein paar Kiddies werden das Video sehen und die Herren altbacken finden – aber wer so denkt, liegt (ha!) falsch und erkennt nicht, was gut ist. Um so jemand müssen wir uns nicht kümmern.
Tja. Halbausgereifte Sonntagvormittagsphilosophie über Indiekram und den existentiellen Quatsch drumrum. Willkommen auf meinem Blog.

I’ve Been Ex-Spectoring you

We broke down on the M1
You said „Call the AA“
but I didn’t know which one.

Mann, es ist gut, Spector zurück zu haben. Im neuen Jahr soll eine EP namens „Ex-Directory“ erscheinen, die erste Single daraus hat nun auch ein Video: „Untitled in D“

Mehr über Spector? DIES war meine Meinung zu ihrem 2015er-Album „Moth Boys“. Ich sprach damals auch Sänger Fred McPherson und drei Jahre zuvor zum Debütalbum traf ich die ganze Band.

Past and Presets

5 Jahre sind ins Land gezogen seit „Pacifica“, dem letzten Album von Sydneys Neo-Synth-Meistern The Presets. Zwar war „Pacifica“ ein vielschichtiges Album, das sich u.a. kritisch mit der australischen Besiedlungshistorie auseinander setzte (und politisch durchdachte Texte sind ja nicht unbedingt typisch für hauptsächlich auf Tanzbarkeit ausgelegte Musik), aber „Pacifica“ konnte den Erfolg des Vorgängers „Apocalypso“ (2008) nicht wiederholen. Jene Platte hatte noch voll ins Schwarze getroffen: Noch Jahre danach verging kein Atomic-Britwoch, ohne dass entweder „My People“, „Talk Like That“, „This Boy’s In Love“ oder „If I Know You“ im Set gespielt wurde. Auf dem Indie-Dancefloor knallten diese Songs immer. Down under kriegte „Apocalypso“ drei mal Platin.

Aber das ist nun auch schon beinahe zehn Jahre her (Kinder, die Zeit vergeht…) und anders als andere Britwoch-Klassiker, die einem zu den Ohren rauskommen, hört man The Presets-Songs an einem heutigen Indie-Abend praktisch nicht mehr. Weswegen man die Frage stellen darf: Sollen wir anhand des Comebacks des Duos  noch Aufregung empfinden?

Die Antwort gibt die erste neue Single „Do What You Want“. Ein Song, bestimmt nicht zufällig erschienen inmitten in von Australiens Abstimmung  über die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe und wohl als klares „JA!“ der Presets zu diesem Thema zu werten. Ich finde: „Do What You Want“ ist ein echter Banger. Da ist dann wurscht, dass „My People“ zehn Jahre her ist – dieser Song sollte die Leute doch mühelos wieder auf den Dancefloor ziehen. Oder?

Zur Erinnerung: Früheres von The Presets nach dem Break.

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Feels Like Inheaven

Wie so viele der UK-Indie-Bands unserer Zeit haben INHEAVEN schon zahllose Singles veröffentlicht und auf einen zählbaren Hit gewartet,  der den richtigen Boden fürs erste Album bereiten sollte.  (Siehe auch: Rat Boy, WHITE, Catholic Action oder The Vryll Society. Letztere veröffentlichen sogar schon seit drei Jahren Singles und lassen immer noch aufs Album warten!)

So kam’s, dass es bereits nicht weniger als acht Videos gab, als im September endlich INHEAVENs Longplayer (ebenfalls „INHEAVEN“, mein Text dazu HIER)  raus kam. Ein neunter Clip wurde bald nachgeliefert.  Wir sind also schon bei Video 10 angekommen, mindestens, und damit an dem Punkt, wo INHEAVEN (die Großschreibung ist Absicht, die schreiben sich so) auf frühere Singles zurückgreifen müssen. Hier also ein neues Filmchen zur länger schon bekannten Single „Regeneration“. Ist ja auch immer sehr noch in Ordnung, das Lied.

Art & Craft

Vorfreude auf den Februar: Kyle Craft hat sein zweites Album am Start! „Dolls Of Highland“, das 2015er-Debüt des in Portland lebenden, aber aus Louisiana stammende Songwriters, fand ich ganz große Klasse – und auch der späteren Single „Before The Wall“ widmete ich hier schon einen kompletten Artikel.
Freitag habe ich mit dem Herrn telefoniert – wenn am 2.2. die Neue namens „Full Circle Nightmare“ erscheint, wird es hier also mal wieder ein Interview-Transkript zu lesen geben.  Jetzt erst mal das Video zur Vorab-Single „The Rager“.