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Interview: Dhani Harrison

Dhani Harrison. Ein Brite, der viel in LA lebt. Er leitete die ideenreiche Band thenewno2 und veröffentlicht inzwischen vor allem Soundtracks.  Nun hat er sein erstes Soloalbum fertig gestellt: „In/Parallel“ ist eine sehr spannende Platte: Electronica, Indie-Songwriting, düstere Soundscapes, durchdachte Texte. Zu diesem Werk hat der überaus sympathische Musiker mir email-Fragen beantwortet.

War sonst noch was? Okay, ja. Die Gene. Dhani hat einen berühmten Vater: George.
George Harrison. Genau, der Beatle. Menschenskind!
Klar aber, dass Dhani darauf nicht reduziert werden will.
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Bin There, Done That

Es gab‘ ne Phase im Postgrunge der frühen bis Mitt-90er, da gehörte es zum guten Ton, sich selbst zu beschimpfen. „I’m a Loser, Baby“ sang Beck. „I’m a Creep, I’m a weirdo“ klagten Radiohead. Wheatus moserten „I’m just a Teenage Dirtbag, Baby“.

Es scheint, als nimmt dieser Sound und diese Weltsicht auf die Dinge down under gerade wieder Fahrt auf. Oder ist es Zufall, dass ich alleine in der letzten Woche erst das sehr Weezer-eske Album des Neuseeländers Kane Strang (u.a. mit dem Refrain: „Kill me now, don’t think twice…“), dann das LoFi-Sparklehorse-ige Debüt von Brightness besprach und jetzt Melbournes Tiny Little Houses auf ihrer neuen Single ebenfalls in diese Kerbe schlagen? Ihr Sänger Caleb Carvountzis putzt sich darauf mit den Worten „I’m a Garbage Bin“ runter. Das ist okay, aber die großen Versprechen, die Tiny Little Houses 2015 mit ihrer Single „Easy“ machten, lösen sie damit nicht wirklich ein.

Interview: Run River North

run-river-north-opener

Ganz ehrlich – ich war sehr skeptisch, als ich die erste Single vom zweiten Run River North-Album „Drinking From A Salt Pond“ hörte. Denn auf dem Debüt „Monsters Coming Home“ vor zwei Jahren, da zeigte sich das Sextett aus Los Angeles noch als feinsinnige Americana/Folk-Band. Jetzt aber haben sich die Kalifornier einem grundlegenden Stilwandel unterzogen und sind ins Indierock-Lager übergewechselt.

Das wirft natürlich Fragen auf – weswegen ich ein Interview mit Frontmann Alex Hwang geführt habe. Interessant sind Run River North auch deswegen, weil sie komplett aus Amerikanern mit koreanischen Wurzeln bestehen. Die asiatische Minderheit in den USA tritt vergleichsweise wenig in Erscheinung und auch darüber haben wir uns ausgetauscht. Interview: Run River North weiterlesen

Review: Kings Of Leon

wallsKings Of Leon – „Walls“

Das nennt man wohl Luxusproblem. Viele Bands würden sich die Finger danach ablecken, so viele Alben zu verkaufen, wie es den Kings Of Leon mit „Come Around Sundown“ und „Mechanical Bull“ gelang. Aber offenbar gilt, wenn man an dem Punkt ist, dass man als Band Stadien füllt,  immer nur der größte bisherige Erfolg als Maßstab.

Familie Followill ist also gewissermaßen verflucht durch „Only By The Night“ (2008). Durch das Album, das mit „Sex On Fire“ und „Use Somebody“ ihre zwei Mega-Hits beinhaltete. Das sie in die Stratosphäre katapultierte – in eine Position, in der man sich als räudige Indie-Südstaatenrock-Band eigentlich nicht wieder findet. Was die Aufgabe, diesen Erfolg zu wiederholen, eigentlich unlösbar macht. Deswegen gelten die zwei weltweit mehrfach mit Platin und Gold ausgezeichneten Nachfolger, das in der Tat recht schläfrige (aber reizvolle) „Come Around Sundown“ (2010) und auch „Mechanical Bull“ (2013) als Misserfolge. Gleichzeitig haben viele Fans ihrer ersten Alben sich von der Band abgewendet – obwohl letztere Platte meiner Meinung nach eigentlich ein gelungener Rundumschlag war, der auch die knurrig-rauen Ur-Kings Of Leon ziemlich gut wieder einfing.

Also hat man dem Krisengerede Glauben geschenkt und alles ein mal kräftig durchgeschüttelt. Review: Kings Of Leon weiterlesen

Review: Paul Draper

Paul-Draper-PRPaul Draper – „EP One“

Und noch ein Comeback. Von jemandem, der wirklich mal richtig lange in der Versenkung verschwunden war. Paul Draper war der Kopf von Mansun. Mann, was habe ich Mansun geliebt!
Von dieser Band habe ich sogar sämtliche B-Seiten gesammelt! In einer Zeit, in der die UK-Musikindustrie Fans wie mich gnadenlos molk, mit immer neuen Songs, Remixen und Akustikversionen verteilt auf CD1 und CD2 und 7“! Ich wusste, ich werde ausgenutzt, aber ich machte mit, denn ein neuer Mansun-Song, der war es immer wert!

Wir müssen dafür zurück in die zweite Hälfte der 90er. Die ersten Singles des Quartetts aus Chester hatten damals einen ziemlich Oasis-mäßigen Drive, deswegen standen sie schnell im Blickpunkt. Noch war Britpop superduper angesagt.

Mansun entpuppten sich dann aber sehr schnell als weit mehr als nur die nächsten Oasis-Klone. Schon ihre dritte Single war ein karg-windiges Stück über Entfremdung und Isolation („Wide Open Space“), ihre vierte („„Stripper Vicar“) ein frecher Stampfer über einen Pfarrer mit schrägen sexuellen Neigungen (dazu man muss sagen, das dies in der Zeit, als Dinge wie der katholische Mißbrauchskandal in der Öffentlichkeit noch nicht thematisiert wurden, noch ein echter Tabubruch war).

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Review: Kent

Kent – „Då som nu för alltid“

Für jetzt und für immer. Da ist es, das finale Album von Kent.

Puh. This is a big one.

Kent sind eine Band, die vor den großen Gesten und den großen Themen und dem großen Popanz nicht zurückschreckt. „Sveriges största Rockband“ – Schwedens größte Band – das ist ein Titel, dem sie sich stellen, seit sie ihn innehaben. Ein Titel, den sie irgendwann bewusst mit inszenierten – beispielsweise damals, als sie bei ihren Stadionshows zum Album „Du Och Jag Döden“ den Fans einen Dresscode ganz in weiss auferlegten (Ja, in Schweden bespielt die Band Stadien).

Nachdem sie Anfang der 90er als schwermütige Indierocker im Städtchen Eskilstuna loslegten, worauf sie schnell ihr Heimatland im Sturm erobern sollten, sind Sänger Joakim Berg und seine Mitstreiter zu mehr geworden als nur Musikern. Als Band entspricht Kents Rolle in Schweden quasi Depeche Mode, U2, Radiohead, Oasis und Suede gleichzeitig. Aber ihr Sänger Joakim Berg war, auch wenn er die Öffentlichkeit meidet, in den letzten Jahren auch der Off-Kommentator der schwedischen Gesellschaft. Denn wenn er in seinen Songs nicht poetisch und bildkräftig über die Liebe und den Tod reflektierte, dann war er zielsicher moralistisch, politisch und sozialkritisch. So kommentierte er Schwedens internationale Scheinheiligkeit und den Aufstieg der Rechten („La Belle Epoque“) genauso wie den nicht nur in Schweden, aber auch dort sichtbaren Trend der Spaltung der Gesellschaft in Ich-AGs (in der jüngsten Single „Egoist“).

Vor wenigen Wochen aber haben Kent ihre Trennung angekündigt. Ihr zwölftes Album wird ihr letztes. Dann noch eine Sommer/Herbsttour durch Skandinavien, und das war’s.

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Interview: Paper Beat Scissors

Paperbeatscissors OpenerGanz ehrlich – ich hatte noch nichts von Paper Beat Scissors mitbekommen, als das Album „Go On“ auf meinem Schreibtisch landete. Aber was ich hörte, das gefiel mir: Filigrane, sachte Popmusik, in der man das Laptop genauso hört wie die Klarinette. Also habe ich das Interview mit Tim Crabtree übernommen, dem Mann hinter dem Projekt. Tim ist Brite, lebt aber in Kanada und schreibt auch gerne fürs Orchester. „Go On“ ist sein zweites Album. Mehr erzählt er uns nach dem Break. Interview: Paper Beat Scissors weiterlesen

Vinterview: Albert Hammond

Vinterview Header Hammond2010 begann ich mit dem Bloggen, damals unter der Webadresse hennissey.piranha.tv. Doch letzten Sommer wurde mein Blog leider gelöscht.

Ich werde die dabei verlorenen gegangenen Interviews hier nun nach und nach wieder online stellen. Diese “vintage Interviews” (Hüstel!) nenne ich “Vinterviews”.

Das neue Album von Albert Hammond Jr ist sehr gelungen – siehe Review etwas weiter unten. Und sein Erscheinen erinnert mich daran, dass ich den „Old Man“ des Strokes-Gitarristen 2012 fürs Classic Rock treffen konnte.  Albert Hammond, die Hitmaschine, die so viele Welterfolge geschrieben hat, vor allem für andere Künstler. Das Interview hatte ein Motto namens „Lifelines“- was das bedeutet, erkläre ich im Text. Jedenfalls, Albert Hammond ist ein wunderbar freundlicher Gentleman, und dieses Interview gehört zu meinen allerliebsten, die ich je geführt habe.

Damals veröffentlichten auch die Strokes gerade ihr letztes Album „Comedown Machine“, sie gaben aber keine Interviews dazu. Darüber redeten Hammond und ich gerade, als ich das Mikrophon anschaltete. Und damit geht’s los.

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Review: FFS

FFS CoverFFS – „FFS“

Also rein strategisch – aber ich denke nicht, dass es eine strategische Entscheidung war – hätten Franz Ferdinand in dieser Phase ihrer Karriere kaum was Schlaueres machen können, als diese Abweichung von ihrem Weg zu nehmen.

Ihr echt flottes, peppiges viertes Album „Right Thoughts, Right Words, Right Action“ ist positiv aufgenommen worden, keine Frage. Trotzdem: Eine Band, die vorm fünften Album steht, befindet sich ja irgendwie im Niemandsland ihrer Karriere. Neu und fresh und hot ist man üblicherweise nur von Album 1 bis (wenn es gut läuft) 3. Ein unbestrittener Klassiker, dem Referenz erwiesen wird, ist man wiederum erst ab Album 7 oder 8. (Klar, es gibt Ausnahmen, aber ich meine: in der Regel)

Franz Ferdinands Debüt erschien 2004, das heisst, sie sind heute elf Jahre bekannt und damit fest etabliert – und das im einem Genre, in dem man doch zumindest offiziell gegen alles Etablierte aufmüpfig ist. Nur wer sich konstant neu erfindet, so dass die Fans nicht wissen, was beim nächsten Album wohl passiert (wie z.B. Radiohead in ihrem ersten Jahrzehnt), hat bei Longplayer Nr 5 noch ungeteilte Aufmerksamkeit. Franz Ferdinand aber haben das nicht getan – ja, ein Unterschied zwischen „Right Thoughts“ und ihrem Debüt ist da, aber der ist erheblich kleiner als der Unterschied zwischen „Pablo Honey“ und „OK Computer“.

Franz Ferdinand müssten es jetzt irgendwie schaffen, per Fast Forward den Klassiker-Status zu bekommen. Und da treten die Sparks auf den Plan – das Duo, das sich 1971 gründete, ein Jahr vor Alex Kapranos Geburt!

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Interview: Sturgill Simpson

Header SturgillDieser Typ ist ’ne Sensation. Sturgill Simpson hat meine Lieblingsplatte des Jahres 2014 gemacht und mir eine neue Welt erschlossen: Seit ich seine Musik kenne, habe ich mich wieder neu ins Thema Country (die traditionelle bzw. alternative Variante) reingebissen. Im September war ich dann in Stockholm, um den Mann, der Country mit seinen zwei Alben gerade einen Adrenalin-Schuss ins Herz verpasst hat, vor seiner Show im Bryggarsalen fürs Classic Rock Magazine zu treffen.

Das folgende Gespräch dreht sich erst um Sturgills Musik, artet aber bald ins Politische aus. (Sorry, dass ich auf dem Gebiet immer nur so Halbwissen rauspusten kann.) Jedenfalls, was für’n Typ!
Als ich mein Aufnahmegerät anschalte, bedauert Sturgill gerade, noch nicht in Deutschland gespielt zu haben. Interview: Sturgill Simpson weiterlesen