Bell’vue

Sonderbare Band, diese The Bellingerents aus Brisbane. Man hat bei ihnen den Eindruck, dass sie ihre Einflüsse (ich höre heraus: elektronischen Hispeed-Indiepop a la TDCC in ihrer „I Can Talk“-Zeit, Psychedelia a la Tame Impala/King Gizzard und Britpopmelodien) mit viel Wucht in einen großen Gulasch-Topf werfen. Dann rühren sie, aber nicht besonders gründlich. Wenn sie eine Kelle aus dem Topf holen, sind die Elemente sind noch nicht richtig miteinander verkocht. Auf dem Suppenteller hat man dann Klümpchen von allem und man ist sich nicht ganz sicher, ob das jetzt ideal zusammenpasst. Andererseits ist der Enthusiasmus der Köche unbestreitbar – und vielleicht sind es gerade die gefühlten Brüche und Unstimmigkeiten, die die Songs interessant machen.

Habe ich das jetzt so erklärt, dass man versteht, was ich meine? Als Hörbeispiel habe ich hier das Video zu ihrer jüngsten Single „Caroline“, in deren Zusammenhang das Quintett auch ein Debütalbum verspricht.

Review: CRX

crx-new-skinCRX – „New Skin“

„Update zum neuen Strokes-Album“ wird in der NME-Newsmeldung trompetet, „vielleicht kommt es schon nächstes Jahr!“ Wenn man dann auf den Link klickt, stellt sich raus, dass Bassist Nikolai Fraiture und Gitarrist Nick Valensi sich unabhängig voneinander geäußert haben, dass sie das Thema extrem vage und vorsichtig umkurven und sich null festlegen. „Die Band hat sich nicht getrennt“, so der Tenor, „wann was Neues kommt, können wir nicht sagen, aber vielleicht gibt’s ja ne Überraschung“. Beide gaben ihre Aussagen in Interviews, in denen es eigentlich um ihre neuen Bands ging. Fraiture hat eine Gruppe namens Summer Moon gegründet („Angesichts der Geschwindigkeit, in der die Strokes arbeiten, kann man das parallel laufen lassen“) und Nick Valensi hat neuerdings das Quintett CRX am Start.

Das ist mal wieder echt witzig, wie der NME es schafft, diesen Sätzen einen komplett verfälschenden Dreh mitzugeben. Ich meine, fassen wir doch mal zusammen:
1. Zwei Strokes-Mitglieder sind offenbar so unterbeschäftigt, dass sie neue Bands ins Leben rufen.
2. Sie geben ihre Interviews NICHT zu den Strokes, sondern ihren neuen Bands, werden aber unweigerlich nach den Strokes gefragt, worauf sie ausweichend antworten.
3. „Hoffentlich im nächsten Jahr“ heißt auf deutsch in diesem Zusammenhang also „Wahrscheinlich nicht im nächsten Jahr“ und „Naja, aber vielleicht gibt’s ja ne Überraschung“ heißt „Wir wären selbst überrascht, wenn im nächsten Jahr was passieren würde.“
Aber der NME strickt daraus mit „The Strokes deuten Überraschungen an!“ und nennt Gespräche, die zu den neuen Bands(!) geführt wurden, „Updates zum neuen Strokes-Album“! Mann, der Schreiber sollte als Spin-Doctor in die Politik gehen, so wie er es schafft, eine Aussage so darzustellen, dass sie glaubwürdig das Gegenteil dessen vermittelt, was tatsächlich gesagt wurde. Wow. Ha!

Nun soll’s hier ja nicht um die Strokes gehen, sondern um CRX. Aber es ist ja so: Der Grund, warum wir auf CRX überhaupt aufmerksam wurden, der ist nun mal, dass es die neue Band eines Strokes-Gitarristen ist. Das ist der Aufhänger, mit dem die Plattenfirma arbeitet – und es ist auch nicht zu überhören auf dem Album „New Skin“.

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Ja Cult!

Schöne neue Welt, in der man einer Band auf facebook schreiben kann: „Hey, postet euer neues Video doch bitte für die deutschen Fans auch auf vimeo“ – und es passiert prompt!

Zuerst mal: Wenn man aus einem Ort kommt, der Sunshine heisst, ist das doch kein schlechtes Omen, oder? Das Trio Pop Cult ist mit seinen ersten beiden Singles schon sehr positiv aufgefallen, denn die Band bringt einen herrlichen early 90s-Vibe aufs Parkett. „Gotta Keep Lovin'“ hatte was Dandy Warhols-mäßiges und „Feels Right“ klang prima nach „Movin‘ On Up“-Ära-Primal Scream. Auch die dritte Single „Sunday Mourning“ hat wieder den typischen Baggy Beat, die vocals wiederum haben in diesem Song definitiv was von Smashing Pumpkins. Als nächstes hat die Band eine EP versprochen. Ich freu‘ mich drauf!

POP CULT – SUNDAY MOURNING (OFFICIAL MUSIC VIDEO) from Pop Cult on Vimeo.

Review: Dorsal Fins

dorsal-fins-digital-zodiacDorsal Fins – „Digital Zodiac“

Bezüglich des Themas Nebenprojekte kann man ja geteilter Meinung sein. Ich habe mich auch schon richtig aufgeregt über die Angewohnheit mancher Musiker, sich neben der Hauptband auch noch ein Techno- ein Country- und ein Funpunk-Projekt zu erlauben. „Macht’s g’scheit oder lasst es!“ will man da manchmal schreien. „Erwartet doch nicht, dass wir eurem Hobby Aufmerksamkeit schenken, wenn ihr selbst es nur als Spielerei nebenbei betrachtet!“

Aber natürlich gibt es die Gegenargumente. Dass sie beim Nebenprojekt mal alle Fünfe grade sein lassen und nicht jeden Ton auf die Goldwaage legen, steht manchen Musikern sehr gut. Sie zeigen sich experimenteller und lockerer. Das Fehlen gewisser Vorgaben, Zwänge oder Empfindlichkeiten der Hauptband eröffnet die Möglichkeit zu einer Freigeistigkeit und einer Kreativität, die  möglicherweise sonst gehemmt wird.

Liam McGorry aus Melbourne ist Trompeter und Songwriter der Soulpop-Band Saskwatch. Die Dorsal Fins gründete er ursprünglich als Nebenprojekt. Er scharte befreundete Musiker aus anderen Bands, die Namen wie Eagle & The Worm, The Bamboos oder New Gods tragen, um sich, um mal mit neuen Sounds rum zu spielen (als Einflüsse nennt die Band speziell DEVO, David Byrne, The Avalanches und Primal Scream). Irgendwann war man zu neunt, neben Liam war Ella Thompson (sonst als Solistin unterwegs) als zweite Sängerin an Bord gekommen – und aus den Spielereien kristallisierten sich ein paar wiederkehrende Sounds heraus: Rumpelnde Rhythmen aus der Baggy-Ära, verzerrte Bassläufe, Echo-Gitarren, gerne mal Bläsersätze, diese Elemente ergaben tanzbare und ins Ohr gehende Indie-Songs.

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Farewell, Pete Burns

R.I.P. Pete Burns.

Mei, das war ein irrer Vogel und ein echtes Original. In den 80ern ist er zwischen Boy George, Marilyn, Adam Ant und allen möglichen anderen androgynen Explosionen aus Schminke und Haarspray gar nicht mal als besonders krass aufgefallen. Aber stellt Euch mal vor, Dead Or Alive würden heute neu auftauchen – selbst Lady Gaga war in ihren wildesten Schinkenkleid-Tagen nicht annähernd so schrill. Schon geil, dass es mal ne Dekade gab, in der sowas problemlos ging.

Die Welt wird „You Spin Me Round (Like A Record)“ mal wieder im Radio spielen. Ich picke „Brand New Lover“, denn davon habe ich die 7Inch daheim in meiner Plattensammlung. Seien wir ehrlich, in Würde ist der Song nicht unbedingt gealtert. Aber hey. Pete Burns, we salute you. Farewell.

Dead or Alive – Brand New Lover – 16×9 HD from Micky Dodds on Vimeo.

Vinterview: Deep Sea Arcade

vinterview-deep-sea-arcadeHeute mal wieder ein Blick ins Archiv: Nach langer, langer Wartezeit sind die Australier Deep Sea Arcade wieder aktiv – ihre Single „Learning To Fly“ macht sogar richtig Wellen in der Blogosphäre. Ein Rückkehr, die ich sehnsüchtig erwartet habe, denn ihr Debütalbum „Outlands“ (2012) war eine Mega-Lieblingsplatte von mir. Damals waren die Sydneysider auch noch ein Quintett – inzwischen sind Nic McKenzie (im alten Bandfoto oben in der Mitte) und Nick Weaver (1.v.l.) als Duo übrig geblieben. Die zwei waren’s auch, mit denen ich damals zur VÖ des Erstlings einen Skype-Termin hatte.

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Puttin‘ On The Rituals

Neulich erst spielte mein Shuffle-Modus mal wieder The Merrylees und ich fragte mich: Was ist eigentlich mit dieser Band passiert? Eine brillante Debüt-Single („Forever More“, 2014), Unterstützung durch James Skelly von The Coral (der ja nicht zuletzt die Blossoms nach vorne pushte)… alles sah so vielversprechend aus! Aber obwohl das Quintett 2015 viele wichtige Showcase-Festivals spielte und man davon ausging, dass es steil nach oben mit ihnen gehen würde, hörte man keine neuen Songs mehr von der jungen Band aus Edinburgh.

Inzwischen ist das Geheimnis gelüftet: Vier der fünf Mitglieder von The Merrylees nennen sich heute Rituals. Unter diesem neuen Namen haben sie ihre erste Single „Black River“ veröffentlicht, auf James Skellys Label „Skeleton Key“. Ein definitiver Coral-Vibe ist nicht zu überhören, ich erkenne auch ein bisschen Echo & The Bunnymen. Sehr ordentlich, oder?

Review: The Radio Dept.

Radio Dept - Running Out Of LoveThe Radio Dept. – „Running Out Of Love“

„Smrt fašizmu, sloboda narodu!“ So lautete der Leitspruch im jugoslawischen Widerstand im zweiten Weltkrieg gegen die Nazis. Auf deutsch: „Tod dem Faschismus, Freiheit dem Volk!“

Ich hätte nicht gedacht, dass diejenigen, von denen ich diesen wichtigen historischen Satz mal lernen würde, The Radio Dept. sein könnten.

Die zwei Schweden, sie galten schließlich immer als Shoegazer. Shoegazer wiederum gelten als weltabgewandte, introspektive Träumer. Weil sie mit ihren Sounds bekanntlich fuzzige, verschwommene Atmosphären schaffen, in denen man so versinkt, so dass man die Außenwelt vergisst.

Die originalen Shoegazer taten das in den frühen 90ern mit Gitarrenwänden aus meterdickem Feedback. Johan Duncanson und Martin Larsson aus Lund gingen 10 Jahre danach, Anfang/Mitte der ’00er Jahre, völlig anders vor. Sie spielten ihre Instrumente mit den billigsten Standard-Programmen auf ihrem Heim-PC ein. Sphärisch klang’s trotzdem. Review: The Radio Dept. weiterlesen

Da waren’s mehr als zwei!

Johnossi, das sagt schon der Name, waren bisher John + Ossi – und zwar NUR John (Engelbert) und Ossi (Bonde). NUR Gitarre und Drums. Das White Stripes-Setup also – sich in diesem eng gesteckten Rahmen auszutoben, das war das erklärte Ding der beiden Schweden.

Okay, auf dem letzten Album haben sie erstmals ein drittes Instrument bzw Mitglied mit ins Team gelassen. Auf dem kommenden Album wiederum geht’s so richtig los: Bläser! Chöre! Klavier! Mehr als nur eine Gitarrenspur! Johnossi als Band!

Die erste Single „Air Is Free“ zeigt, dass die Stockholmer auch mit erweiterten Arrangements ihren Wiedererkennungswert behalten – und ein Video dazu gibt’s jetzt auch.