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Review: Red Kite

Red Kite – „raquet“

Soll ich zum Beginn dieses Texts wirklich noch mal The Cooper Temple Clause hervor kramen? Es ist zehn Jahre her, dass die sich getrennt haben! Dan Fisher hat diese Zeit laaange hinter sich gelassen. Aber hey, was war das für eine absolute Lieblingsband! Und sie sind nun mal mein Einstieg in Red Kite, denn ohne die Coopers hätte ich von der Existenz Red Kites vermutlich nix mitbekommen.

Also, Rückblende: TCTC kamen aus Reading vor den Toren Londons. Sie bestanden aus sechs schrägen Einzelcharakteren. Mindestens vier davon waren am Songwriting beteiligt und sie alle trugen ihren speziellen Teil zu einem massiven Gesamtsound bei. Seit der Trennung gibt es Projekte der einzelnen Mitglieder, die sich entsprechend in die verschiedenen Einzelteile dieser Summe aufschlüsseln. Tom Bellamy zum Beispiel, damals Gitarrist und an Keys und Samplern tätig, ist nach Berlin gezogen und hat dort eine Band namens losers am Laufen, deren Sound ich Goth-Prog-Tronica nennen würde.

Hier gehts aber nicht um die losers, sondern um Red Kite. Um die Band, die Dan Fisher ein paar Jahre nach Team Cooper ins Leben gerufen hat und mit der er nun sein zweites Album veröffentlicht. Dan spielte bei TCTC meistens Gitarre, sang manchmal. Vor allem: Er schrieb viele der Songs.

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Ros-Ability

Hmm. Dies hier stelle ich mal zur Diskussion.

Erstmal: Indiebands singen ja gerne von unerwiderter Liebe. Anteros ist nun der griechische Gott der „Gegenliebe“, der verschmähte Liebe rächt. Eros‘ Bruder, übrigens. Eigentlich ein super Bandname – Rächer der verschmähten Liebe, hey wow!

Im Zentrum der jungen Band Anteros steht Sängerin Laura Hayden, eine Britin, die in Barcelona aufwuchs. Sie moderierte schon für MTV Spain, dann ging sie zum Studieren nach London und traf ihre Band. Mit der geht’s gerade aufwärts: Im Clip der aktuellen Single „Cherry Drop“ sehr ihr riesige Hallen und lange Schlangen vorm Eingang. Des Rätsels Lösung: Anteros haben vor ein paar Wochen den Support der UK-Tour von Two Door Cinema Club gespielt (die man auch kurz in Backstage-Szenen sehen kann).

Damit man so einen gefragten Support-Slot kriegt, muss allerdings schon eine Menge stimmen. Da muss man das richtige Management haben und generell schon ein Buzz herrschen. Will sagen: In England glauben offenbar einflussreiche Leute fest an den Durchbruch von Anteros. Denkt ihr, das wird was? Für meinen Geschmack ist das zu teeniemäßig und nicht besonders originell. Was allerdings ja kein Hinderungsgrund für Erfolg sein muss, ganz im Gegenteil.


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Bell’vue

Sonderbare Band, diese The Bellingerents aus Brisbane. Man hat bei ihnen den Eindruck, dass sie ihre Einflüsse (ich höre heraus: elektronischen Hispeed-Indiepop a la TDCC in ihrer „I Can Talk“-Zeit, Psychedelia a la Tame Impala/King Gizzard und Britpopmelodien) mit viel Wucht in einen großen Gulasch-Topf werfen. Dann rühren sie, aber nicht besonders gründlich. Wenn sie eine Kelle aus dem Topf holen, sind die Elemente sind noch nicht richtig miteinander verkocht. Auf dem Suppenteller hat man dann Klümpchen von allem und man ist sich nicht ganz sicher, ob das jetzt ideal zusammenpasst. Andererseits ist der Enthusiasmus der Köche unbestreitbar – und vielleicht sind es gerade die gefühlten Brüche und Unstimmigkeiten, die die Songs interessant machen.

Habe ich das jetzt so erklärt, dass man versteht, was ich meine? Als Hörbeispiel habe ich hier das Video zu ihrer jüngsten Single „Caroline“, in deren Zusammenhang das Quintett auch ein Debütalbum verspricht.

Interview: Two Door Cinema Club

tdcc-header-2Two Door Cinema Club. Ihr erstes Album „Tourist History“ (2009) hatte auf die Indie-Bands der Welt einen erstaunlichen Effekt: 12 Monate später klangen (fast) alle so. Schnelle Beats, peppige Synths, heller Gesang und auf den hohen Bünden gespielten Gitarrenmelodien wurden zum Standard für viele Newcomer. Auf ihrem dritten Album „Gameshow“, das morgen (14.10.) erscheint, haben die Nordiren selbst sich aber mit Nachdruck von diesem Sound verabschiedet.

Vier Jahre hat das Trio für die Platte gebraucht – Warum so lange? Nun, kurz vor meinem Interview erschien ein großer Artikel Interview im britischen „DIY Magazine“TDCC erzählen dort freimütig, dass sie sich nach dem zweiten Album beinahe trennten, weil die Band von Alkoholproblemen, zerbrochenen Freundschaften und Depressionen zerfressen war. Dass sich Sänger Alex Trimble nach einem Kollaps erst mal ein halbes Jahr aufs Land zurück ziehen musste, bevor man sich langsam wieder annäherte.

Uff. Okay. Befragen wir also jemanden, den wir am Telefon frisch kennen lernen, mal eben zu seinen Depressionen, ja? Schon ein komischer Job, den ich da habe. Am anderen Ende der Leitung: Alex Trimble.

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Reading, Writhing and Rhythmetics

Dieses Wochenende ist noch mal ein großes Festival-Wochenende. In Paris steigt Rock-en-Seine und auf der Insel natürlich Reading bzw Leeds.

Wenn diese großen UK-Festivals stattfinden, ist immer auch die BBC dabei und stellt Clips der Shows ins Netz. Spannend sind oft insbesondere die Bands der BBC Introducing Stage. Da lernt man neue Namen kennen und so manchen wird man sich merken.

Gehören The Tin Pigeons dazu? Hmmm. Der Song „What Would You Say“ präsentiert die Band aus den East Midlands als Bumm-Tschack-Indieband mit Banjo. Wenn man’s gut meint, ist dies eine Kombi aus TDCC und Mumfords und sehr hittig. Man kann’s aber auch so sehen, dass hier jemand echt den kleinsten gemeinsamen Nenner sucht.

… drei weitere Clips vom Wochenende nach dem Break… Reading, Writhing and Rhythmetics weiterlesen

Review: Viola Beach

violabeachalbumViola Beach – „Viola Beach“

Diese Platte ist Rang 1 der UK-Charts. Na gut, dann schreibe ich also doch mal drüber. Aber ich warne euch schon mal: Ich kann nicht das schreiben, was alle hören wollen.

Die Geschichte von Viola Beach sollte inzwischen jedem, der sich ein wenig mit Indiepop befasst, bekannt sein. Die Band lebt nicht mehr. Kris Leonard, River Reeves, Tomas Lowe, Jack Dakin und ihr Manager Chris Tally starben am 13. Februar bei einem fürchterlichen Autounfall in Schweden.

In Södertälje, südwestlich von Stockholm, steht eine ungewöhnliche Brücke über einen Kanal – wenn ein Schiff durch die Wasserstraße fährt, wird der sich überm Kanal befindliche Teil der Fahrbahn hydraulisch um mehrere Meter in die Höhe gehoben. Die beiden Enden der Brücke an Land nördlich und südlich des Kanals ragen also so lange ins Nichts. Viola Beach, nachts unterwegs von einem schwedischen Festival, kannten diese Konstruktion nicht. Warum sie aber auch die zahlreichen Warnlichter ignorierten, eine ganze Schlange wartender Autos überholten und sogar Absperrungen durchbrachen, wird immer ein Rätsel bleiben. Ihr Kleinwagen fuhr über den Brückenrand und stürzte in die Tiefe.

Zu dem Zeitpunkt war das Quartett aus Warrington das, was man eine aufstrebende Band nennt. Review: Viola Beach weiterlesen

Review: Blossoms

Blossoms - CMS SourceBlossoms – „Blossoms“

Okay, ich versuche mich kurz zu fassen. Ich habe schließlich schon eine Menge geschrieben auf dieser Website über die Blossoms. Über zwei ihrer EPs habe ich mich bereits ausgelassen (hier und hier) und vorgestern erst habe ich mein Interview mit Sänger Tom Ogden geteilt.

Aber hält es denn nun, was es verspricht, das Album?

Zuerst mal: Es sind ja eh nur sechs neue Songs auf der Platte. Die sechs anderen kennen aufmerksame Indiepop-Hörer, die die Band schon länger im Auge haben, längst. Was für diejenigen vielleicht ein bisschen schade ist. Was aber für die Neuankömmlinge bedeutet: Wahnsinn, ein Album, das schon mal auf sechs(!) Singles basiert! Die Hitquote ist ja schon übererfüllt, bevor es losgeht!

Stichwort Britpop. Man nennt die Blossoms gerne im Zusammenhang mit Oasis und den Stone Roses, weil sie eben aus Manchester sind. (Okay, aus Stockport. Das gilt noch. Elbow aus Bury gelten ja auch als Manchester-Band.) Aber bei Blossoms dominieren die Gitarren nicht, und auch der Aufmupf, der in Oasis und den Stone Roses immer wichtig war, ist nicht da.
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Review: Drowners

On DesireDrowners – „On Desire“

Wenn man zum Bäcker geht, dann kann man heute die Dinkel-Vollkorn-Fitness-Seele kriegen, den Kirsch-Kokos-Muffin oder das glutenfreie Chia-Ciabatta. Was alles schön und gut ist. Aber an der reschen Breze, bissfest im Knoten, fluffig im Körper, mit Laugenknusper drum rum, führt trotzdem einfach meistens kein Weg vorbei. Die Breze ist das, weswegen Bäckereien erst so populär wurden, dass huete an jeder Ecke eine steht. Und wenn in fünf Jahren kein Mensch mehr Chiasamen mehr will und statt dessen der Mispelkerncreme-Zwinkel in der Hipster-Auslage liegt, wird die Breze immer noch der Renner sein, der die Leute in die Läden holt.

Natürlich könnt ihr euch denken, was das mit New Yorks Drowners zu tun hat.

Wenn ihr auf diesem Blog gelandet seid, weil ihr Indie-Fans seid und nicht weil euch Google auf eine falsche Fährte schickte, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ihr zum Fan dieser Musik wurdet, weil drei bis fünf dürre schlaue Menschen mit engen Hosen, asymmetrischen Frisuren und trotzigem Auftreten euch dereinst den Weg gewiesen haben. Es gab eine Band, die Euch geprägt hat, und sie hatte die Besetzung Gitarre (ggf zwei davon), Bass, Drums und Stimme. Vielleicht waren’s die Strokes. Vielleicht waren’s The Smiths. Vielleicht Oasis, vielleicht die Kooks, die Arctic Monkeys, die Libertines, vielleicht die Beatles. Oder The Cure. Vielleicht die Stone Roses. Vielleicht ja Two Door Cinema Club, wenn ihr jünger seid. Oder gar die Blossoms, für die noch jüngeren.

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Time’s Tyde

Ich bin bis auf ein paar Ausnahmen (The Vryll Society, Blossoms, April Towers z.B.) zur Zeit ja eher weniger überzeugt von den meisten Bands, die auf der Insel als mögliches neues Ding gelten. High Tyde aus Brighton zum Beispiel habe ich bisher wenig abgewinnen können. Weil sie ziemlich genau das machen, was ich „Bumm-Tschack-Indie“ nenne. Diesen Sound also, der auf der Vorarbeit vom Two Door Cinema Club und den Wombats aufbaut, das Ganze mit viel Hurra beschleunigt, gefühlt alles in Dur und Trallala.

Auf ihrer aktuellen Single „Dark Love“ aber tut sich was – da werden High Tyde ein Stück rauer. Es klingt immer noch nach Wombats, aber nach Wombats, die auch mal zubeissen.

Review: Last Dinosaurs

Last Dinosaurs WellnessLast Dinosaurs – Wellness

Ich fang mal so an: Bevor ich das Album starte (das ich in diesem Moment bis auf die Singles nicht kenne), eben ein Wasserstandsbericht. Wo stehen die Last Dinosaurs, und wo müssen sie hin? 2012 ist die Studentenband aus Brisbane nämlich ziemlich rasant durchgestartet – nicht nur in ihrer australischen Heimat, wo gleich mehrere Songs ihres Debütalbums „In A Million Years“ in die Charts kletterten. Es gab durchaus internationales Aufsehen um das Quartett, denn sein Sound (bunte Indiepopsongs zwischen Phoenix und TDCC) war der Sound der Stunde, und Last Dinosaurs machten ihn richtig gut. „Andy“, „Honolulu“, „Time & Place“ und natürlich „Zoom“ – das waren schon Kaliber in diesem Jahr. Last Dinosaurs durften entsprechend als einer der australischen Vertreter auf dem Reeperbahn Festival spielen.

Höher hinauf ging es allerdings danach nicht. Zurück in Brisbane gab’s ein paar personelle Rochaden, man hielt den Ball flach und meldet sich nun, drei Jahre danach, mit dem zweiten Album zurück. Allerdings: In der Zwischenzeit hat die Welt sich an Phoenix/TDCC-Sound durchaus satt gehört (woran nicht zuletzt ein Überangebot an dem, was ich „Bumm-Tschack-Indie“ nenne, schuld ist). Will heißen: Sollten die Last Dinosaurs einfach da weiter machen, wo sie aufgehört haben, könnten sie von der Entwicklung überholt worden sein.

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