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Right Hair, Right Now

Das Debütalbum der Melbourner Tiny Little Houses hat nicht all das gehalten, was ich mir von ihm gewünscht habe. „Idiot Proverbs“ ist ne gute Platte, aber ich hatte nach ihren frühen Singles halt erhofft, sie würde sogar genial werden. Aber okay. Ein Song hat sich schnell als Favorit der Fans heraus kristallisiert: „Short Hair“.

Untypisch ist die Entstehungsgeschichte: Ein Onkel von Sänger Caleb Karvountzis‘ Freundin erzählte ihm von einem spießigen, zugeknöpften Typ aus seinem Freundeskreis. Den zogen sie immer mit den Worten „he likes to let his short hair down“ auf. („To let one’s hair down“ bedeutet in etwa „sich mal so richtig gehen lassen“, wisst ihr ja.)  „Mach da doch mal nen Song drüber!“ forderte der Onkel, nicht ganz ernst. Naja, Tiny Little Houses machten den Spaß mit und sieh an, „Short Hair“ rotiert im australischen Radio. Jetzt gibt’s auch ein Video.

Review: Tiny Little Houses

Tiny Little Houses – „Idiot Proverbs“

Auf diese Platte habe ich gespannt gewartet. Im Oktober 2015 erschien „You Tore Out My Heart“, die erste EP der Melbourner Band Tiny Little Houses, und haute mich ziemlich aus den Socken. Wer so gut anfängt, gibt ein Versprechen auf die Zukunft. Lösen die Houses das Versprechen ein, nicht ganz zweieinhalb Jahre später? Nicht auf ganzer Linie, so viel kann ich schon mal sagen.

„Idiot Proverbs“. Sprichwörter von Idioten. Damit meint Caleb Carvountzis solche treudoofen Ansagen wie „Folge deinen Träumen!“ An sowas glaubt der Australier nicht mehr. Der Kopf der Tiny Little Houses ist heute vor allem eins: Desillusioniert.

Das war nicht immer so. „Loved my days in kindergarten, I was happy in first grade, okay in High School, then it began to change.“ erinnert sich Caleb gleich im ersten Song „Garbage Bin“. Heute ist er 26, Studienabbrecher und seine Zukunft ist nicht eben rosig. Auch davon erzählt er in dem Lied. Es ist nicht genug Geld da („The student loans are starting to bite me in the ass“), ärger aber ist die Trostlosigkeit der Gesamtsituation: „Do a dance and turn around, If you’ve got yourself some pockets you can fill them so you drown. […] And it don’t get much better than this.“ 

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What Did You Expect From 2018, Pt.3

Heute: Der dritte und letzte Teil meiner Liste „Ausgesuchte kommende Alben 2018“.  Es geht um meine persönliche Vorschau auf das anstehende Indie- Jahr. Um Platten, auf die ich gespannt warte. Alben, die entweder schon feststehen, die sicher erwartet werden oder auf die man zumindest spekulieren darf.

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Here we are now, entitle us

Stichwort Avocado Toast.  Im Sommer kam der australische Immobilienmogul Tim Gurner in die News. Auch in Australien geht die Schere auseinander und die Löhne für die normalen Jobs werden geringer und geringer. Die Aussicht für junge Leute, die ins Berufsleben starten, sich mal ihre eigene Wohnung, ihr eigenes Haus zu leisten, sind für alle, die nicht schon privilegiert geboren wurden, extrem schmal. Gurners Spitzen-Rat an die Jugend: Nicht immer im Café so viel Avocado Toast und und so teuren Kaffee bestellen! Lieber sparen!

Genau das, was jemand, der seine Dollars gerade so zusammen hält, um über die Runden zu kommen, in der Situation hören will. Die Sache kam mir wieder in Sinn durch den Song „Entitled Generation“.  Die aktuelle Single von Melbournes Tiny Little Houses – es ist der Vorbote auf ihr im Januar erscheinendes Debütalbum „Idiot Proverbs“ – kann man wohl als Caleb Karvountzis‘ gallige Antwort auf Gurner deuten.  „Got two degrees and am still working on the phones – damn our entitled generation!“ = Ich habe zwei akademische Titel, stecke aber in einem Job im Call-Center fest. Verdammt sein unsere Generation, die denkt, dass ihr alles zusteht.

Bin There, Done That

Es gab‘ ne Phase im Postgrunge der frühen bis Mitt-90er, da gehörte es zum guten Ton, sich selbst zu beschimpfen. „I’m a Loser, Baby“ sang Beck. „I’m a Creep, I’m a weirdo“ klagten Radiohead. Wheatus moserten „I’m just a Teenage Dirtbag, Baby“.

Es scheint, als nimmt dieser Sound und diese Weltsicht auf die Dinge down under gerade wieder Fahrt auf. Oder ist es Zufall, dass ich alleine in der letzten Woche erst das sehr Weezer-eske Album des Neuseeländers Kane Strang (u.a. mit dem Refrain: „Kill me now, don’t think twice…“), dann das LoFi-Sparklehorse-ige Debüt von Brightness besprach und jetzt Melbournes Tiny Little Houses auf ihrer neuen Single ebenfalls in diese Kerbe schlagen? Ihr Sänger Caleb Carvountzis putzt sich darauf mit den Worten „I’m a Garbage Bin“ runter. Das ist okay, aber die großen Versprechen, die Tiny Little Houses 2015 mit ihrer Single „Easy“ machten, lösen sie damit nicht wirklich ein.

Baby you can drive my Carvountzis

Ah ja. Der gute alte „wir-ersetzen-die-Band-mit-Models“-Move. Ist ja nicht so, dass sich Caleb Carvountzis und seine Bandmitglieder von den Tiny Little Houses verstecken müssten. Aber gut, die Regisseurin Marie Pangaud, die den Clip zu „Medicate Me“ drehte (von der letztjährigen „Snow Globe EP“), arbeitete lieber mit Hotties, die fürs Video in die Rollen der Bandmitglieder schlüpfen. Irgendwas wird sie damit schon aussagen wollen, wenn sie (ironisch?) diese Taktik einsetzt, die wir normal von Dance-Clips kennen. Anyway. Der Song ist gut.

Review: Tiny Little Houses

tiny-little-houses-snow-globe-epTiny Little Houses – „Snow Globe EP“

Diesen Text habe ich vor mir her geschoben. Dabei habe ich nägelkauend auf die zweite EP der Melbourner Tiny Little Houses gewartet. Ihre Single „Easy“, die zog mir letztes Jahr den Teppich unter den Füßen weg – so ein wundertrauriges Lied! Über leise, sehnsüchtige und nicht zurück erwiderte Liebe, und das alles verpackt in clever-melodiösen LoFi-Pop!

Die EP „You Tore Out My Heart“, von der „Easy“ stammte, hatte weitere so umwerfende Momente. Alleine, dass sie mit der Zeile „How weird it is to think in 60 years we won’t exist…“ anfing! Ich meine, wer stellt sich auf diese Weise der Welt vor? Da war klar: Dieser junge Australier Caleb Karvountzis, der dieses Quartett anführte, der war ein schwieriges, poetisches Denkerchen. Einer der Typen, die ihre Band nicht gründen, weil sie cool aussehen wollen, sondern weil sie müssen. Weil sie was treibt, ein Zweifel, eine Suche, eine innere Aufgewühltheit.

Es ist nicht so, dass diese Aufgewühltheit auf den sechs Songs der „Snow Globe EP“ fehlen würde. Aber es ist so, dass Caleb sie hier auf etwas andere Weise ausdrückt. Review: Tiny Little Houses weiterlesen