Schlagwort-Archive: Mumford & Sons

Review: Kings Of Leon

wallsKings Of Leon – „Walls“

Das nennt man wohl Luxusproblem. Viele Bands würden sich die Finger danach ablecken, so viele Alben zu verkaufen, wie es den Kings Of Leon mit „Come Around Sundown“ und „Mechanical Bull“ gelang. Aber offenbar gilt, wenn man an dem Punkt ist, dass man als Band Stadien füllt,  immer nur der größte bisherige Erfolg als Maßstab.

Familie Followill ist also gewissermaßen verflucht durch „Only By The Night“ (2008). Durch das Album, das mit „Sex On Fire“ und „Use Somebody“ ihre zwei Mega-Hits beinhaltete. Das sie in die Stratosphäre katapultierte – in eine Position, in der man sich als räudige Indie-Südstaatenrock-Band eigentlich nicht wieder findet. Was die Aufgabe, diesen Erfolg zu wiederholen, eigentlich unlösbar macht. Deswegen gelten die zwei weltweit mehrfach mit Platin und Gold ausgezeichneten Nachfolger, das in der Tat recht schläfrige (aber reizvolle) „Come Around Sundown“ (2010) und auch „Mechanical Bull“ (2013) als Misserfolge. Gleichzeitig haben viele Fans ihrer ersten Alben sich von der Band abgewendet – obwohl letztere Platte meiner Meinung nach eigentlich ein gelungener Rundumschlag war, der auch die knurrig-rauen Ur-Kings Of Leon ziemlich gut wieder einfing.

Also hat man dem Krisengerede Glauben geschenkt und alles ein mal kräftig durchgeschüttelt. Review: Kings Of Leon weiterlesen

Review: Parker Millsap

millsapdigitalcoverParker Millsap – „The Very Last Day“

Also echt, Thirty Tigers, das habt ihr ja mal ordentlich verbockt. Ich will euch nicht erklären, wie euer Job geht – aber ich versteh’s nicht, wie ihr das aufgezogen habt. Meiner Meinung nach sitzt ihr bei Parker Millsap auf einer Goldmine. Dass ihr sein drittes Album „The Very Last Day“ in Europa ein halbes Jahr zurückgehalten habt (in den USA erschien es schon im März), hätte ich deshalb eingesehen, wenn der Grund dafür war, dass ihr hier noch einen starken Labelpartner für ihn suchtet. Die Platte aber erst liegen zu lassen, während zur VÖ wenigstens in den USA (und ergo über die international gelesenen Sites und Blogs) über sie gesprochen wird, nur um sie hier dann Monate später ohne jegliche Promo oder Info sang- und klanglos auf dem europäischen Markt freizugeben, so dass selbst der Fan eher zufällig drauf stößt – das ist ja schon fast Sabotage am eigenen Künstler.

Ich werde meinen eigenen kleinen Beitrag dazu leisten, diese Sabotage zu sabotieren, indem ich die Platte wenigstens hier ein bisschen  abfeiere.

Warum glaube ich, Parker Millsap sei eine potentielle Goldgrube? Weil die Leute offen sind für Americana. Vor allem ist da ein Markt für Musik mit tiefen Wurzeln im Country, Soul und Bluegrass, die sich auch dem Rock und Pop öffnet. Wenn man diesen Sound breitenwirksam auf den Punkt bringt, können Millionenseller wie Chris Stapleton und Mumford & Sons dabei rauskommen. Ich traue Parker Millsap zu, deren Publikum zu erreichen. Weil er die Stimme hat und die Songs, und weil er ein kerniger junger Typ aus dem Süden mit interessanter Story ist. Review: Parker Millsap weiterlesen

Reading, Writhing and Rhythmetics

Dieses Wochenende ist noch mal ein großes Festival-Wochenende. In Paris steigt Rock-en-Seine und auf der Insel natürlich Reading bzw Leeds.

Wenn diese großen UK-Festivals stattfinden, ist immer auch die BBC dabei und stellt Clips der Shows ins Netz. Spannend sind oft insbesondere die Bands der BBC Introducing Stage. Da lernt man neue Namen kennen und so manchen wird man sich merken.

Gehören The Tin Pigeons dazu? Hmmm. Der Song „What Would You Say“ präsentiert die Band aus den East Midlands als Bumm-Tschack-Indieband mit Banjo. Wenn man’s gut meint, ist dies eine Kombi aus TDCC und Mumfords und sehr hittig. Man kann’s aber auch so sehen, dass hier jemand echt den kleinsten gemeinsamen Nenner sucht.

… drei weitere Clips vom Wochenende nach dem Break… Reading, Writhing and Rhythmetics weiterlesen

Interview: The Devil Makes Three

Devilmakesthree_HeaderFreitag erscheint ein neues Werk von The Devil Makes Three. Allerdings nicht mit neuen Songs – „Redemption & Ruin“ ist ein Coveralbum. Hier präsentiert uns das US-Trio Lieblingslieder und Einflüsse aus früheren Jahrzehnten, von Robert Johnsons Blues bis zu Tom Waits Rumpel-Artrock. Die Art Songs, die „DM3“ zu der Indiefolk/Bluegrass-Spitzenband gemacht haben, als die wir sie kennen.

Ich sprach 2/3 der Band, Sänger Pete Bernhard und Fiddler Cooper McBean, darüber vor ihrer Show im Münchner Strom.

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Review – The Avett Brothers

True SadnessThe Avett Brothers – „True Sadness“

Ihren großen Wurf landeten The Avett Brothers 2009 mit ihrem Album „I And Love And You“. Ihre erste Platte auf einem Majorlabel sowie mit Producer Rick Rubin hinter den Reglern war ihr großer Aufstieg raus aus den Americana/alt.Country-Kennerkreisen. Ab jetzt waren sie eine der größten Bands ihres Genres. Höhepunkt war damals ihr Auftritt bei den Grammy Awards 2011: Die Macher der Show wollten damals der großen Wiederauferstehung des Folk Rechnung tragen, also luden sie Ur-Folkmeister Bob Dylan sowie die Hit-Folkies Mumford & Sons gemeinsam auf die Bühne. Dazu durfte noch ein Vertreter der Americana nicht fehlen – und dass man die Avett Brothers pickte, nicht etwa Ryan Adams, die Band of Horses oder Jason Isbell, zeigt den Stellenwert, den die Durchstarter aus North Carolina zu dem Zeitpunkt hatten. Man rechnete damit, dass sie das nächste Mega-Ding des Folk Rock würden.

Fünf Jahre später käme wohl kein Grammy-Producer darauf, die Avetts wieder in solcher Gesellschaft zu positionieren. Nicht, dass ihre letzten beiden Alben gefloppt wären – nein, sowohl „The Carpenter“ (2012) als auch „The Magpie and The Dandelion“ (2013) gingen in die Billboard Top 5. Die zwei Alben zementierten zweifellos den Status der Avetts als eine der größten Bands der erweiterten Americana.

Was allerdings nicht stattfand, das war der Durchbruch über die Genregrenzen heraus, den man prophezeit hatte. Review – The Avett Brothers weiterlesen

Vinterview: The Avett Brothers

Vinterview Header Avett BrothersHeute erscheint „True Sadness“, das inzwischen neunte Album von The Avett Brothers, die spätestens seit „I And Love And You“ (2009) zu den großen Namen der Americana gehören. In den kommenden Tagen will ich eine Rezension zur Neuen hier platzieren, vorerst aber kruschteln wir wieder im Archiv. Denn zu „The Carpenter“ (2012), dem vorletzten Album der Brüder, hatte ich Seth Avett am Telefon.

Was fällt mir im Nachhinein beim neuerlichen Lesen auf? Vor allem, wie unglaublich höflich Seth war. Das ist halt US-Provinz-Style. Auch wenn die ländlichen Staaten einen schlechten Ruf haben, man sagt „Sir“ und „Madam“ zueinander und man spricht sich immer wieder mit dem Vornamen an – so wie Seth mich tatsächlich im Gespräch immer Henning nennt, wenn er etwas betont.  Das ist unüblich – und etwas, das ich mir gerne angewöhnen würde. Ich nenne im normalen Gespräch, glaube ich, nicht mal meine Freunde mit Namen. Mal schauen, ob das etwas ist, das ich aus diesem Interview nachträglich mitnehmen kann, außer der Information.

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Interview: Violent Femmes

interview Header Violent femmes„Let me go oooo-oon, like a blister in the sun, let me go oo-o-on…“ Das kann jeder sofort mitsingen. Seit 1982 (!) ist „Blister In The Sun“ ein fester Bestandteil der Indie-Sets dieser Welt. Die Band hinter diesem Song hat den Volltreffer ihres Debüts nie wiederholen können, aber dennoch fleißig weiter die 80er und 90er hindurch kantigen Folkpop fabriziert. Dann war irgendwann Schluss für die Violent Femmes. Umso größer die Überraschung, als vor einigen Wochen ein neues Album des Trios auf meinen Schreibtisch flatterte. Noch erstaunlicher: Der knarzige-aufgekratzte Pep, der die Violent Femems immer auszeichnete, ist in den 16 Jahren seit ihrem letzten Album nicht verloren gegangen. Entsprechend habe ich mich um ein Interview mit Sänger Gordon Gano (Mitte) bemüht.

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Change, change, Korearrange

Tja, was sagt man hierzu? Run River North, das Sextett aus LA mit ausschließlich koreanisch-stämmigen Mitgliedern, hat vor zwei Jahren ein sehr sympathisches Debütalbum hingelegt und sich darauf als feine Folk/Americana-Band präsentiert. Das war Musik für Fans von Bands wie den Lumineers und im weiteren Sinne auch Mumford & Sons.

Nun haben die Mumfords auf ihrem dritten Album ja dem Banjo abgeschworen, sind dadurch aber nicht eben interessanter geworden. Einen ähnlichen Schritt machen Run River North auf ihrer neuen Single „Run Or Hide“. Überzeugt bin ich ehrlich gesagt nicht. Naja, aber posten werde ich’s mal. Da soll sich ja jeder seine eigene Meinung bilden.

Review: Mumford & Sons

mumfords klein 3Mumford & Sons – „Wilder Mind“

Wir selbsternannten Musik-Gourmets können ja schon auch total blöde Snobs sein. Wir wollen immer nur die „Early Adopter“ sein, wir bejubeln junge Bands und teilen jedem, der’s nicht wissen will, mit: „Die werden mal GROSS!!!!“ Aber was, wenn das tatsächlich passiert? Was, wenn wirklich die breite Masse in echt auf unseren Zug aufspringt? Wenn die von uns als Nachwuchscombo noch begeistert geförderte Gruppe tatsächlich gigantisch erfolgreich wird? Dann wenden wir uns ab, rümpfen die Nase und wollen nix mehr damit zu tun haben.

Gut, es gibt die Fälle wie Coldplay oder die Killers, die tatsächlich eine Kehrtwende in die Belanglosigkeit gemacht haben. Die standen in der Tat schnell für das Gegenteil dessen, für das wir ihre ersten Singles liebten. Aber Mumford & Sons konnte man das bisher nicht vorwerfen. Trotzdem kenne ich Leute, die noch kreischten, als „Sigh No More“ erschien, aber die seit Längerem bei der bloßen Erwähnung ihres Bandnamens ein Gesicht machen, als sollten sie den Rest ihres Lebens auf ein Dixie-Klo gehen.

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