Schlagwort-Archive: Primal Scream

DMA’s-chester rave on

Als ich die Worte „Confidence Man Remix“ las, da war mein erster Reflex: „Ach näh!“ Ich mag Confidence Man nämlich nicht. Ihre Videos sind ganz lustig, aber ansonsten finde ich den neuen australischen Dance-Hype mal so richtig nervig.

Sie haben „For Now“ von den DMA’s aber dann doch musikgeschichtsbewusst nahezu perfekt angepackt und dem Song so einen properen Weatherall/Screamadelica-mäßigen Anstrich gegeben. Da ist man doch gleich zurück im Madchester der Wende der 80s auf die 90s und ravet on. Nice.

See what I mean:

Meine Alben 2017, Pt.4 (15-11)

Unerbittlich ist er. Er zieht’s durch. Zählt seine persönlichen Lieblingsalben des Jahres 2017 runter, als müsste das irgendwen jucken. (Also ich jetzt.)

Aber hey – der Sinn der Aktion ist natürlich, tolle Platten des Jahres noch mal zu loben und zu highlighten. Vielleicht gibt’s für den/die eine(n) oder andere(n) Leser(in) ja nachträglich sogar noch was zu entdecken? Wir sind bei Platz 15-11 angekommen.

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Review: Noel Gallagher

Noel Gallagher’s High Flying Birds – „Who Built The Moon?“

Es ist ja zum Glück kein Wettbewerb. Man kann als Hörer ja sowohl Liam als auch Noel okay finden. Man muss sich ja gar nicht für den einen und damit automatisch gegen den anderen entscheiden, auch wenn der konstante Zank der zwei in den Medien den Eindruck erwecken mag. Genauso, wie man sich in den 90ern auch herrlich über den Oasis/Blur-Konflikt amüsieren und gleichzeitig an beiden Bands seine Freude haben konnte.

Aber wenn es so wäre: Da tendiere ich zu Team Liam. Einfach, weil Noel immer schon geschafft hat, all die Props für sich einzusammeln. Weil er nie Skrupel hatte, seinen Bruder blöd aussehen zu lassen. Auch jetzt wieder, da die zwei schlagzeilenwirksam Giftpfeile aufeinander schießen: Noels Sprüche gegen Liam wirken sehr herablassend. Liam kläfft mehr, mag aggressiver sein, frecher, herausfordernder, dabei durchaus nicht ohne Augenzwinkern. Noel wiederum tut immer so, als stünde er drüber, dafür setzt er dann zwischendurch gemeine Tiefschläge. Souverän ist was anderes.

Tja guck. Schon wieder schreibe ich über den Bruderzwist, aber es soll doch um die Musik gehen. Hier sind wir uns einig, dass beide Gallaghers zuletzt was zu beweisen hatten. Review: Noel Gallagher weiterlesen

Interview: Dhani Harrison

Dhani Harrison. Ein Brite, der viel in LA lebt. Er leitete die ideenreiche Band thenewno2 und veröffentlicht inzwischen vor allem Soundtracks.  Nun hat er sein erstes Soloalbum fertig gestellt: „In/Parallel“ ist eine sehr spannende Platte: Electronica, Indie-Songwriting, düstere Soundscapes, durchdachte Texte. Zu diesem Werk hat der überaus sympathische Musiker mir email-Fragen beantwortet.

War sonst noch was? Okay, ja. Die Gene. Dhani hat einen berühmten Vater: George.
George Harrison. Genau, der Beatle. Menschenskind!
Klar aber, dass Dhani darauf nicht reduziert werden will.
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Review: Bad Sounds

Bad Sounds – „Mixtape One – EP“

Okay. Faktisch sind dies nur drei Songs. Von denen wir zwei schon kennen. Plus zwei Intros sowie zwei „Skits“. Ganze 14:16 Minuten Musik. Trotzdem schreibe ich eben drüber. Weil ich den wurligen Bad Sounds auf diesem Blog Anfang des Jahres schließlich sowas wie den Titel „meine Hoffnung des Jahres 2017“ zugeschustert habe.

Für die Neuankömmlinge hier: Wer sind die Bad Sounds? Es handelt sich um ein Quintett aus Bath, England. Die beiden Köpfe der Band sind die Brüder Ewan und Callum Merrett. Zwei Jungs, die sagen, ihr Vater hätte „Odelay“ von Beck auf Dauerschleife gehört, deshalb habe sie keine andere Platte mehr beeinflusst.

Ich wage noch ne Behauptung: Daddy Merrett muss auch die Happy Mondays, „Leisure“ von blur sowie die Platten der Inspiral Carpets fleißig gehört haben. Erstens finden sich Baggy Manchester Vibes zuhauf in den Sounds der Bad Sounds. Zweitens: Solche Frisuren hat man nicht mehr gesehen, seit Clint Boon auf seiner Farfisa rumorgelte.

Keine Ahnung, ob das Sounds sind, die jemanden interessieren, der 18 oder 20 ist. Review: Bad Sounds weiterlesen

Review: The fin./The Radio Dept.

The fin. – „Pale Blue / Afterglow EP“
The Radio Dept. – „Teach Me To Forget“ 

Auf den ersten Blick scheinen The fin. und The Radio Dept. nicht viel gemeinsam zu haben – mal abgesehen davon, dass beide Bandnamen kurioserweise mit einem Punkt enden.

Wir haben auf der einen Seite The fin. aus Kobe, die als eine Art japanische Version von Phoenix mit edlem, gepflegten Pop begonnen haben und die sich gerade ihren Namen in Europa machen.

Demgegenüber sind The Radio Dept. aus Lund inzwischen regelrechte Veteranen. Seit 2003 versorgen die Schweden die Welt mit LoFi-Shoegazing, wobei sie sich über die Jahre eine starke politische Unterströmung und eine Tendenz zur Tanzbarkeit angewöhnt haben.

Zwei ganz unterschiedliche Ausgangspositionen, aber dieses Wochenende sind beide interessanterweise an einem für meine Ohren durchaus klangverwandten Punkt angelangt. Beide Bands haben Freitag EPs veröffentlicht, beide EPs bestehen zur Hälfte aus Remixen, beide Bands erreichen einen soundtechnisch interessanten sweet spot, in dem schwebende Gitarren-Psychedelia und wummernde Beats zu einem neblig-hypnotischen Trancegazing verschmelzen.

Beginnen wir mit den Japanern. Ich habe mich hier letztes Jahr anlässlich ihrer „Through The Deep EP“ schon mal begeistert über The fin.s Ansatz ausgetobt: Auf ihren ersten EPs hielten sie sich noch an Songwriting-Strukturen, da gab’s Strophen und Refrains. Inzwischen haben sie ihr Songwriting auf ein Minimum runter gefahren: Der neue Song „Pale Blue“ folgt von Anfang bis Ende zwei Akkorden – dafür ist es das Arrangement, das durch stetige Addition und Substraktion von Tonspuren neue Klänge und Stimmungen schafft. Auch „Afterglow“ folgt quasi diesem Muster, verwendet dabei eine Schleife von vier Akkorden. Hey, wenn sich Imagine Dragons den ganzen Song durch die gleichen vier Akkorde durch quälen, schimpfe ich „Fisher Price-Songwriting!“ Aber the fin. verstehen es eben, diesen engen Rahmen mit so diversen, klischeefreien Klänge zu füllen und echte Atmosphären zu schaffen, dass ich nur staunen kann. Man achte nur mal darauf, wie der Song eine komplett andere Farbe annimmt, wenn bei Sekunde 0:47 der Bass einsetzt!

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Review: The Embassy

The Embassy – „Background Music For Action People EP“

Ach guck. Die sind auch noch aktiv. Vier Jahre hatte man so gar nichts gehört vom Göteborger Duo The Embassy, da sind sie mir vom Radar verschwunden. Umso erfreulicher die Überraschung: Doch, sie machen weiterhin Musik. Und ja, sie klingen haargenau wie immer. Genau soll hat es zu sein, bei dieser Band.

Fredrik Lindson (Gesang) und Torbjörn Håkansson (Produktion) gründeten ihr Popduo 1999. Ihr Debüt „Futile Crimes“ kam 2002, klang aber nach 1988. Nach Tweepop, post-C86 sowie zarten Schritten Richtung Tanzbarkeit, nach den prä-Baggy Vibes des erwachenden Manchesters. Das war nett und keinerlei Vorwarnung für den Klassiker, den sie 2005 raushauen sollten.

Okay, ein Klassiker ist ihr zweites Album „Tacking“ nur in eingeweihten Kreisen. (Wir nennen uns jetzt mal so, ähem.)  Aber die Platte war super. Sie war wie der Blick in ein alternatives Universum, in dem 1990 kurz vorm Erscheinen von „Screamadelica“ stehen geblieben war. Review: The Embassy weiterlesen

Interview: Formation

Vor fast vier Wochen erschien das Album „Powerful People“ von Formation – eigentlich wollte ich mein Interview mit Will Ritson, einem der beiden Frontmänner des Londoner Quintetts (der andere ist sein Zwillingsbruder Matt), natürlich pünktlich zum Releasedatum hier platzieren. Aber hey, man kommt halt nicht immer dazu. So ein Gespräch abzutippen, das dauert. Heute habe ich den tristen Ostermontag endlich dafür genutzt.

Formation sehen sich selbst nicht als Indie-Band. Ihr Sound ist nicht der einer Gitarrencombo, sondern tanzbar und groovy. Aber sie sind zu fünft, sie spielen „echte“ Instrumente und sie geben ihren Kommentar zur Gesellschaft ab. Außerdem finde ich sie prima.

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Review: The Jesus and Mary Chain

The Jesus and Mary Chain – „Damage and Joy“

Keine Frage – The Jesus and Mary Chain sind Legenden. Dass sie sich 19 Jahre nach ihrem letzten Album mit einer neuen Platte zurück melden, macht viele Leute sehr, sehr happy. Aber seien wir ehrlich: Da wird eine Menge verklärt.

Ich hoffe ja immer, dass nicht nur die Langzeit-Indiefans, sondern auch ein paar Kids auf meinem Blog landen. Denen muss man vielleicht erklären: Warum gelten die zwei ewig zankenden Brüder Jim und William Reid aus dem schottischen East Kilbride als solche unantastbar ewigcoole Schweinepriester? Deswegen zuerst eine Rückblende.

Also ab ins Jahr 1984. Auch in einer Zeit des Postpunk war der Ansatz der Brüder ganz schön radikal. Jim und William verknüpften in ihren Songs zwei polare Gegensätze: Einerseits schrieben sie klassische, bewusst simpel gehaltene Ohrwurm-Songs, die sich an den Sixties und nicht an ihren Synthpop-Zeitgenossen orientierten. Parallel starteten sie brachiale Feedback-Attacken auf die Gehörgänge – damals ein so nie gehörtes Stilmittel. Obendrein waren die zwei natürlich Typen, die Streit suchten. Das war die Attitüde, die sie an den Tag legten. The Jesus and Mary Chain spielten anfangs Konzerte, die nur 15 Minuten dauerten. Woraufhin das Publikum regelmäßig den Laden zerlegte. Schnell hatten sie einen Ruf weg. Review: The Jesus and Mary Chain weiterlesen

Review: Ten Fé

Ten Fé – Hit The Light

Große Hoffnungen setzt ihr Label PIAS in Ben Moorhouse und Leo Duncan, das Londoner Duo Ten Fé. Ich kann nachvollziehen, warum das so ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Platte Ende des Jahres so richtig stark „performt“ haben wird, wie man in der Labelsprache sagt. Denn eins ist „Hit The Light“ ohne jeden Zweifel: Breitenwirksam. Was sowohl die Stärke als auch die Schwäche dieses Albums ist.

Eine Menge Einflüsse kann man hier hören: So fließt der erste Song „Overflow“ in flotter, beständiger Krautrock-Motorik, „Elodie“ dagegen geht definitiv in Richtung Americana – Lord Huron und Robert Francis waren die ersten Bands, die mir beim Hören dieses Songs in den Sinn kamen. „Twist Your Arm“ wiederum bewegt sich mit Gospelchor und Piano in Richtung „Screamadelica“-Territorium und „Another Way“ erinnert an die frühen OMD ca „Joan Of Arc“. Klingt nach einem Album der Extreme? Ein Trugschluss, genau das stimmt nicht. Review: Ten Fé weiterlesen