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Interview: Cut Worms

Tja. Es gibt Interviews, da kann man seinen Gesprächspartner kaum bremsen, Aber es gibt auch Interviews, da kriegt man nichts wirklich Spannendes raus gekitzelt aus seinem Gegenüber.
Der Amerikaner Max Clarke hat unter dem Namen Cut Worms ein wunderbares 60s-Songwriting-Debütalbum namens „Hollow Ground“ hingelegt. Ich liebe die Platte! Aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass wir neulich nicht zwischendurch auch ein bisschen aneinander vorbei geredet hätten. Trotzdem, prima Musik. Ich hoffe, ein bisschen was erfahren wir trotzdem in dem folgenden Interview. Ich telefonierte mit Max am Nachmittag vor seinem ersten Deutschlandkonzert in Berlin.

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Review: The Magic Gang

The Magic Gang – „The Magic Gang“

Pssst! Sagt es nicht! Sagt nicht das böse B-Wort!

Ich las mich zuletzt durch ein paar der begeisterten UK-Artikel, die The Magic Gang für ihr Debütalbum erhielten. Kurios: Ein Wort wird einfach nicht genannt, als habe man Angst, dass die vier alle Coolness verlieren, wenn es an ihnen haften bleibt: Britpop.

Britpop ist offenbar immer noch ein schmutziges Wort auf der Insel. Es steht weiterhin und möglicherweise für immer für betrunkene Lads, die „OOAAASIS!“ grölen. Sowie für rückwärts denkende Traditions-Puristen, für die Errungenschaften des neuen Jahrtausends, wie Smartphones oder Spotify, Teufelswerk sind.

Es ist, als herrsche erzwungene kollektive Amnesie. Niemand mag sich daran erinnern, wie aufregend Britpop mal war. Aber so ist das nun mal mit Trends. Es geht mit guten Bands los, alle sind begeistert. Daraus wird eine Welle, die eine Zeitlang alles regiert, bis sie allen zu viel wird. Am Ende der Welle stehen die unoriginellen Nachahmer, die so mies sind, dass sie einem den Spaß an den Bands vergällen, die die Lawine mal ausgelöst haben. Siehe Shoegazing, Grunge, Britpop, eigentlich jeder musikalische Trend ever.

Eine sehr umfangreiche Titelstory im DIY-Magazin nennt die Beach Boys als ersten Vergleich für The Magic Gang. Okay, das ist nicht völlig verkehrt. Aber: Viel näher lägen nun mal bestimmte Britpop-Bands der 90er. Nicht alle waren schließlich damals Hooligans. Da gab es Feingeister wie The Bluetones. Oder Dodgy, die Jäger der verlorenen Melodien. Review: The Magic Gang weiterlesen

Original Gang-ster

Die letzten drei Jahre hat The Magic Gang aus Brighton damit verbracht, alle paar Monate eine neue Single oder EP rauszubringen und Stück für Stück mehr Fans für ihren cleveren Neo-Britpop einzusammeln. Inzwischen ist es so weit, dass die DJs der BBC ihre neuen Singles zur „hottest record on earth“ erklären (oder wie auch immer sie das dann nennen) – will sagen, der Hype, er rollt jetzt. Ende der Woche wird sich zeigen, was das wert ist, denn dann erscheint ihr Debütalbum.

Das heisst: Der Song, den sie jetzt, so kurz vorm Album, als letzte Single voraus schicken, das ist der „Impact Track“ schlechthin. Die Nummer, mit der man aufs Ganze geht. Mit der die Band die nächste Stufe zünden soll.

Hmm. Dafür haben sie mit „Take Care“ eine bemerkenswerte Wahl getroffen. Denn der Song beginnt als schläfrige Ballade, die 53 Sekunden braucht, um halbwegs in die Pötte zu kommen. In der Tat, das Lied entfaltet sich dann noch so richtig, zeigt uns regelrecht Beach Boys-eske Harmonien und raffinierte Akkordwechsel. The Magic Gang demonstrieren uns mit diesem Song, dass sie Substanz haben, in etwa so, wie Blur es uns damals mit „To The End“ demonstrierten*. Es bleibt eine gewagte Wahl, denn dies ist ein typischer „Grower“. Ob die UK-Radios da mitziehen, das will ich nicht garantieren. Aber wenn es klappt, dann kann der Song das sein, was „Sewn“ für The Feeling oder was „Somewhere Only We Know“ für Keane war – der Türöffner auf dem Weg zur UK-Million. Na, es bleibt spannend.

‚* Klar, wir wussten da längst, dass Blur Substanz hatten. Trotzdem war „To The End“ eine strategische Single-Wahl, damals auf „Parklife“. Es war kein Hit wie „Girls & Boys“ oder „Parklife“ selbst, es drängten sich flottere Lieder auf. Aber es war der Song, der klarstellte: Blur, die mit dem Album ja quasi gerelauncht wurden, sind keine reine Fun-Band. Sondern ernst zu nehmen.  Die Wahrnehmung der Band wurde da sehr gezielt gesteuert.

Review: Noel Gallagher

Noel Gallagher’s High Flying Birds – „Who Built The Moon?“

Es ist ja zum Glück kein Wettbewerb. Man kann als Hörer ja sowohl Liam als auch Noel okay finden. Man muss sich ja gar nicht für den einen und damit automatisch gegen den anderen entscheiden, auch wenn der konstante Zank der zwei in den Medien den Eindruck erwecken mag. Genauso, wie man sich in den 90ern auch herrlich über den Oasis/Blur-Konflikt amüsieren und gleichzeitig an beiden Bands seine Freude haben konnte.

Aber wenn es so wäre: Da tendiere ich zu Team Liam. Einfach, weil Noel immer schon geschafft hat, all die Props für sich einzusammeln. Weil er nie Skrupel hatte, seinen Bruder blöd aussehen zu lassen. Auch jetzt wieder, da die zwei schlagzeilenwirksam Giftpfeile aufeinander schießen: Noels Sprüche gegen Liam wirken sehr herablassend. Liam kläfft mehr, mag aggressiver sein, frecher, herausfordernder, dabei durchaus nicht ohne Augenzwinkern. Noel wiederum tut immer so, als stünde er drüber, dafür setzt er dann zwischendurch gemeine Tiefschläge. Souverän ist was anderes.

Tja guck. Schon wieder schreibe ich über den Bruderzwist, aber es soll doch um die Musik gehen. Hier sind wir uns einig, dass beide Gallaghers zuletzt was zu beweisen hatten. Review: Noel Gallagher weiterlesen

Interview: Dhani Harrison

Dhani Harrison. Ein Brite, der viel in LA lebt. Er leitete die ideenreiche Band thenewno2 und veröffentlicht inzwischen vor allem Soundtracks.  Nun hat er sein erstes Soloalbum fertig gestellt: „In/Parallel“ ist eine sehr spannende Platte: Electronica, Indie-Songwriting, düstere Soundscapes, durchdachte Texte. Zu diesem Werk hat der überaus sympathische Musiker mir email-Fragen beantwortet.

War sonst noch was? Okay, ja. Die Gene. Dhani hat einen berühmten Vater: George.
George Harrison. Genau, der Beatle. Menschenskind!
Klar aber, dass Dhani darauf nicht reduziert werden will.
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Interview: Wanda

Schon komisch, mal ein Interview zu transkribieren, das man auf deutsch geführt hat. Da fällt einem dann auf: Durch das Übersetzen biegt man es normalerweise hin, dass wörtliche Rede ja auch aus abgebrochenen halben Sätzen und Unterbrechungen besteht. Oder dass solche Gespräche voll sind mit undeutlichen Formulierungen, die der Gegenüber vielleicht anhand der Betonung versteht, die aber auf Papier bzw Display missverständlich bleiben.

Und dann auch noch Wanda, bei denen die Frage besteht: Die Wiener Sprache mitnehmen? Wann kommt es gönnerhaft bis peinlich rüber, wenn man versucht, diesen herrlichen Slang (ich finde ihn herrlich) lautsprachlich wieder zu geben? Aber in nicht-Hochdeutschen Momenten ein Hochdeutsch einzusetzen, das wäre ja noch doofer.

Ach Gottchen. Am Ende hilft nur: Auf Start drücken, Abtippen und so wenig wie möglich verfälschen. So wenig wie möglich verfälschen – darum geht’s ja auch bei Wanda, oder? Ich traf Marco Wanda und Manuel Poppe fürs piranha, als sie Interviews zu „Niente“ in München gaben. Die Szenerie: Der Teil vom Cord Café, der abends Maxe Belle Spitz heisst. Ich warte am Tischchen, Manu stößt als erster hinzu, nach der Begrüßung schalte ich das Aufnahmegerät an.

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Review: Liam Gallagher

Liam Gallagher – „As You Were“

Zuerst mal: Was für ein cleverer Albumtitel! „As You Were“ stammt aus der militärischen Sprache. Mit dieser Order ruft man den jeweils letzten zuvor gegebenen Befehl zurück. Es bedeutet also „Kommando zurück!“ – aber, damit das nicht missverstanden wird, nicht im Sinne von „Zurückziehen!“. Sondern im Sinne von „Zurück in die letzte Position!“ oder „Wieder so weitermachen wie davor!“

Längst hat der Ausdruck seinen Weg auch in den informellen Sprachgebrauch gefunden. Wenn man „as you were“ beiläufig verwendet, ist das salopp formuliert und bedeutet quasi „so wie immer halt“, „so wie du’s kennst“, „so ist es doch“ oder „so gehört sich’s“.

Liam Gallaghers Ausritt mit Beady Eye war nicht erfolgreich. Warum, steht auf einem anderen Blatt. Aber es gibt eine Message, die muss er all seinen verlorenen Oasis-Fans unbedingt rüberbringen. Sie lautet: „Staub abklopfen, weiter im Programm. Was zuletzt passiert ist, ist egal!“ Das Ganze sollte auch noch in möglichst Liam-esken Ton gesagt werden, also leicht patzig. „As You Were“. Perfekt. Subtext: Diese Platte ist erstens das, was Oasis-Fans von mir hören wollen und ich bin zweitens immer noch unverbesserlich.

Das ist zumindest die Aussage, die Liams Plattenfirma unbedingt an den Mann bringen will. Nach dem Reinfall mit Beady Eye (so muss man es sehen, die Platten verkauften offenbar nur ein Zehntel der späten Oasis-Alben) wird „As You Were“ als Liams letzte Chance gesehen. Er selbst hat das in Interviews bestätigt (bzw., dass das Label ihm das eingebläut hat). So erleben wir ihn, wie er diesem Schicksal die Stirn bietet, kampfbereit. Wie er allen noch mal zeigt, dass Bruder Noel (dessen Soloalben ja schon ein bisschen routiniert und stellenweise einschläfernd waren) vielleicht der Kopf von Oasis gewesen sein mag, er aber die Seele. Das zumindest ist die Darstellung, wie die Plattenfirma sie pusht.

Inwieweit stimmt das denn auch? Review: Liam Gallagher weiterlesen

Review: Wesley Fuller

Wesley Fuller – „Inner City Dream“

Ich werde mich nicht dafür entschuldigen – ich mag Britpop. Das war ne gute Zeit. Das hat Spaß gemacht. Nicht nur Oasis und Blur. Auch Supergrass, The Charlatans, Dodgy, The Bluetones, Super Furry Animals, sie alle. Gute Jahre. Viele tolle Songs.

Vielleicht bin ich also anfällig für einen gewissen Gitarrensound und sehe es durch eine rosa Brille. Vielleicht hat das, was Wesley Fuller macht, nichts mit dem Jahr 2017 zu tun. Vielleicht doch, als bewusste Verweigerung.

Jedenfalls: Dies ist ne ziemlich geile Britpop-Platte. Aus Australien, eh klar.

Schauen wir uns Wesley Fuller mal an. Frisur: Typ Marc Bolan, frühe Siebziger. Oder James Bagshaw von den Temple, heute. Damit haben wir auch schon den Klangbereich des jungen Melbourners eingegrenzt. Merseybeat, Glamrock, Britpop, Neo-Psychedelia. Alles Retro. Gut so. Review: Wesley Fuller weiterlesen

Review: The Creases

The Creases – „Tremolow“

Achtung! Bevor ich über diese sehr gelungene, lebhafte Britpop-Platte aus (wo sonst) Australien schreibe, werde ich mal wieder ausholen.

Zu meiner Entschuldigung: Ich bin nun mal ein Kind der 70er, ein Teenie der 80er und war als Twentysomething bewusster Anhänger des Britpop. Darauf bin ich geprägt und darin bin ich gefangen. Als ich zum Beispiel mein Abi machte, da gab’s The Smiths, Pixies, The Cure, The Stone Roses, Ride. Diese Frisuren und Attitüden waren und bleiben für mich der Zenit dessen, was cool bedeuten konnte und kann. Das waren meine Rebellen. Meine individualistischen, stylischen, kunstbeflissenen, smarten Rebellen. Aber vermutlich ging die Prägung schon in Kindeszeiten los, weil die Beatles-Filme „Help“ oder „Yellow Submarine“ oft genug im Fernsehen kamen. Vier Jungs mit Gitarre, Gitarre, Bass und Drums sind für seitdem für mich die ewige Verkörperung von Nonkonformismus, Expression, Freundschaft, Zusammenhalt, Aufmüpfigkeit und vom Glauben, dass man gemeinsam etwas schaffen kann, das man alleine nicht schafft.

Deswegen beschleicht mich ein ungutes Gefühl, wenn ich sehe, dass heute gefühlt nur noch Solisten unterwegs sind. Ob jetzt Singer/Songwriter, Electronic Landfill-Producer, Rapper, egal. Alles selbstzentrierte Egomanen: MEINE Gefühlswelt, MEIN Kopfkino, MEINE Selbstdarstellung! Ich bilde mir ein, dass diese Solo-isierung der Musiker schon irgendwie symptomatisch steht für die Jeder-für-sich-isierung einer Welt, in der jeder sich selbst über alles und alle anderen stellt, seinen Profit über das Wohl der Allgemeinheit. Dafür, dass wir verlernen, gemeinsam zu arbeiten.

Deswegen sehe ich gerne Bands. Außerdem mag ich Songs.

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Review: Elephant Stone

elephant-stone-coverElephant Stone – „Ship Of Fools“

Jeder kennt die Frage: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Ein ähnlicher Fall ist die Sache mit Psychedelia und indischen Instrumenten.

Als sich das Genre in den späten Sechzigern entwickelte, war das auch die Zeit, als weltweit die Hippies – an prominentester Stelle natürlich die Beatles – indische Philosophien für sich entdeckten. Die neuen indischen Einflüsse, die sich die Westler bei ihren Gurus holten, landeten in der Folge auch ihrer Musik. Das „Zwoing Doing“ der Sitar, das „Niiieöörrh sschrrrrrng“ der Esraj, die handgetrommelten Tablas, all das wurde zur charakteristischen Klangfarbe dieser Stilrichtung. Ein Beispiel, das jeder kennt, wäre „Norwegian Wood“ – aber es waren nicht nur die Beatles, die damals indische Instrumente einsetzten. Auch sind sie seitdem nicht verschwunden. Immer, wenn jemand seinen Sound ein bisschen mystifizieren will, wird an der Sitar getwoinkt. George Harrison hat in seiner Solokarriere weiter auf diese Töne gesetzt, Kula Shaker haben sich zu Britpop-Zeiten auf diese Weise als Hippie-Throwbacks dargestellt, auch Paul Weller oder Noel Gallagher greifen immer mal wieder auf dieses Klangbild zurück.

Und jetzt meine Frage: Verwenden all die Musiker diese Instrumente deshalb, weil ihre Sounds das verschwurbelte Reise-auf-dem-fliegenden-Teppich-Ding nun mal klangmalerisch so perfekt darstellen? Oder stellen diese Instrumente das verschwurbelte Reise-auf-dem-fliegenden-Teppich-Ding auch deshalb so perfekt dar, weil wir nach Jahrzehnten der Psychedelia längst darauf konditioniert sind, mit diesen Klängen automatisch Om, Transzendenz und Hare Rama zu assoziieren?

Wie auch immer, der Punkt ist: Es gibt eine Tradition der indischen Instrumente in der britischen Gitarrenmusik, seit den Sixties bis heute, und die wird weiterhin aufgegriffen. Sogar von Nicht-Briten. In diesem Falle von Kanadiern.

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