Schlagwort-Archive: Suede

Review: Shed Seven

Shed Seven – „Instant Pleasures“

Tatsächlich! Ein neues Album von Shed Seven! Eine Band, die mehr Lieblingslieder der 90er auf dem Kerbholz hat, als man denkt.

Nun gab es bekanntlich in den letzten Jahren zahlreiche Wiedervereinigungen, die sehr ermutigend abliefen. Es gab Comeback-Platten, die völlig okay (Pixies, OMD, JAMC) und sogar richtig gut waren (Suede, Ride, Swervedriver). Sogar ein paar begeisternde Highlights gab’s: Die Post-Reunion-Alben von Slowdive und Blur gehören zum Besten ihrer Diskographie.

Der Unterschied bei Shed Seven ist der, dass nach einem neuen Album keiner gefragt zu haben scheint. Pixies, Ride, Suede, Slowdive – alles Kritikerlieblinge. Shed Seven? Schon kichern so einige Medien, nach dem Motto: „Wie, was wollen DIE denn wieder?“

Ich glaube, es ist mal wieder eine Geschichtsstunde angebracht.

Also, tief Luft holen.

Der Stern von Shed Seven ging Mitte 1994 auf, als Britpop gerade so richtig in die Gänge kam. Review: Shed Seven weiterlesen

Review: 5 Billion In Diamonds

5 Billion in Diamonds – „5 Billion in Diamonds“

Auch dieses Mal wieder, bevor ich loslege, ein paar lose Überlegungen.

Wir wissen alle, Ebbot Lundberg muss man super finden. The Soundtrack Of Our Lives, was war das für eine umwerfende Band! Ebbot war ihr Mittelpunkt. Ein kauziger, kugelrunder Wikinger im Kaftan, der psychedelischen Hippiekram mit viel Wortwitz genau auf den Grat hin textete, dass man nie wusste: Steckt der tief eingelesen in der Materie drin? Oder macht er sich einen Spaß draus? Seine Band tobte sich derweil auf einer Spielwiese zwischen transzendentem Rock und Oasis’scher Britpop-Power aus. Man sagt zu viel zu vielen Bands „Kultband“, aber TSOOL (und ihre Vorgänger Union Carbide Productions, nicht zu vergessen) waren eine. Trotzdem: In ihren letzten Jahren waren Soundtrack zwar Stammgäste auf der SWE-Nr. 1, außerhalb aber ihres Heimatlandes taten sie sich schwer, Labels zu finden.

Seit der Bandtrennung hat Ebbot Lundberg mehrere Soloalben veröffentlicht. Dem Vernehmen nach sind sie prima. In Schweden charten sie zuverlässig. Aber ehrlich gesagt, ich habe die Platten nicht verfolgt.

Meine Reaktion dagegen, als ich mitkriegte, dass Ebbot Lundberg eine neue Band hat! Eine „Supergroup“ sogar, wenn man so will, mit anderen Promi-MItgliedern wie Producer-Gigant Butch Vig (Nirvanas „Nevermind“, Smashing Pumpkins, außerdem trommelt Vig bekanntlich bei Garbage)!
Da krähte ich vor Begeisterung, als ich das las!

Deswegen dieses Intro – weil ich versuche, mir das selbst zu erklären. Warum diese Diskrepanz? Warum mein mildes Desinteresse an Ebbot solo, aber die Vorfreude auf seine neue Band?

Review: 5 Billion In Diamonds weiterlesen

C’mon Billions

Es ist jetzt auch schon fünf Jahre her, dass sich The Soundtrack of Our Lives getrennt haben. Auch wenn an psychedelischem Gitarrenpop in der Zwischenzeit kein Mangel herrschte, so hat diesem Planeten dennoch die schräge Weltsicht von Ebbot Lundberg irgendwie gefehlt – denn seien wir ehrlich, er machte zwar fleißig Soloalben, aber die wurden außerhalb Schwedens praktisch nicht wahrgenommen.

Jetzt aber horcht auch der Rest der Welt wieder auf, denn Ebbot ist Frontmann einer neuen Band – und das ist praktisch eine Supergroup. Mit an Bord bei 5 Billion in Diamonds – ein Name wie eine unerfüllbare Lösegeldforderung – sind nämlich Garbage-Drummer und 90s-Starproducer Butch Vig (Nirvanas „Nevermind“), UK DJ James Grillo, Producer Andy Jenks, Gitarrist Alex Lee (Strangelove, Suede), Bassist Sean Cook und Drummer Damon Reece (beide u.a. Spiritualized) und Gesang von Helen White (Alpha), Sandra Dedrick (The Free Design) sowie David Schelzel (The Ocean Blue).

Durch Ebbots Gesang ist TSOOL natürlich die erste Assoziation, die sich beim Hören aufdrängt. Allerdings, 5 Billion In Diamonds sind zweifellos poppiger. Die Tatsache, dass hier DJs und Chart-Producer mit am Werk sind, bedeutet, dass so manches, was bei Soundtrack schroff oder schräg gewesen wäre, geglättet wird und dass wir bei den Gitarren Loops statt Livetakes zu hören kriegen. Was der Sache aber nicht schadet – es soll ja gar nicht 1:1 wie Ebbots alte Band klingen, sondern wie was eigenes.

Das aktuelle Video heisst: „I’m Becoming You“

C’mon Billions weiterlesen

Review: Slowdive

Slowdive – „Slowdive“

Ohne Slowdive zu nahe treten zu wollen – aber ich glaube, von all den early-90s-Bands, die sich in den letzten Jahren wiedervereinigt haben, haben sie den leichtesten Job, wenn es darum geht, an ihr altes Schaffen anzuknüpfen. Ich meine: Suede müssen glamourös und verrucht bleiben, auch als gegen den Bierbauch ankämpfende Familienväter. Blurs Alben müssen immer irgendwie einen Kommentar zum Zeitgeschehen abgeben. My Bloody Valentine müssen cutting edge, revolutionär und „out there“ bleiben. Auf den Schultern der Stone Roses und Rides lasten zentnerschwere Erwartungen von Fans, für die sie mal das Ein und Alles waren. Slowdive waren aber immer nur: Neblig und verträumt.

Natürlich, sie waren herrlich und majestätisch neblig und verträumt. Ihre verschwommene, aber erhabene Melancholie ließ den Hörer abdriften, in Sphären schweben. Die Gitarren schnurrten ineinander und schichteten sich wie hauchfeine Schleier. Ihr wolkiger Gesang blieb unkonkret, vage, für alle Interpretationen offen. So wurden Slowdive in den frühen 90s zur Poesiealbum-Band unter den Shoegazern – und ich sage das mit aller Zuneigung. Mann, ich erinnere mich genau an den Tag, als ich das erste Mal die „Morningrise EP“ auflegte! Es war ein sonniger Frühlingstag, ich bin danach im Wäldchen an der Dülferwiese spazieren gegangen und das blendende Licht des zwischen den Bäumen klang wie die Musik in meinen Ohren. Review: Slowdive weiterlesen

Review: WHITE

WHITE – One Night Stand Forever

Es läuft was grundfalsch in dieser Welt. Also klar, Klimawandel, Trump, Brexit, neue Nazis… aber mal abgesehen davon – wir haben ja wenigstens unsere Indie-Bubble. Aber selbst hier hakt’s wohl! Wie kann es sonst angehen, dass kein weltweiter Hype um WHITE herrscht?

Ich meine, man stelle sich das mal vor! Rumms-Bazong-schneidiger Tanz-Stampf-Indie a la Bloc Party/Franz Ferdinand/The Rapture ideal auf 2017 upgedatet! Ein dirty Glamfaktor von Suede/Roxy Music’schen Ausmaßen! Songs, die dermaßen reinknallen, dass ich gestern abend wieder GEZWUNGEN war, das Licht auszumachen und in meiner Küche zu tanzen! On top, wie könnte es anders sein: Texte, die das Ganze mit einem zynischen Grinsen zuspitzen!

All das machen WHITE aus Glasgow – und wer meinem Blog folgt, weiss das, denn die Schotten haben in den letzten zwei Jahren alle paar Monate mit einer neuen Single begeistert, die ich hier dann euphorisch weiter postete. Wir warten und warten und warten seitdem aufs Album. Endlich, endlich, endlich ist es da. Sind nun alle Städte voll plakatiert? Hört man nichts anderes als WHITE in den Indiediscos? Nix da – die Welt kriegt’s kaum mit! Aaargh! Was ist los mit euch?

Aber regen wir uns nicht auf über das, was mit WHITE nicht passiert. Freuen wir uns über das, WAS passiert.

Review: WHITE weiterlesen

Slowdive for your memory

Oha! Neues von Slowdive! Betonung auf: NEUES von Slowdive! Okay, nach der Live-Reunion, die bereits 2014 stattfand, und nachdem so viele ihrer Zeitgenossen (Swervedriver, Lush, Blur, MBV, Suede, The Jesus and Mary Chain und zuletzt auch Ride) nach der Band-Wiedervereinigung auch neue Musik machten bzw ankündigten, nachdem Rachel Goswell schon mit den Minor Victories im letzten Jahr wieder aktiv war, kommt’s nicht sooo überraschend –  aber es ist nicht längerfristig angekündigt worden, oder? Lief das an mir vorbei?

Anyway, „Star Roving“ ist einer der schnellsten Songs, die diese für ihr schläfrige Verträumtheit bekannte Band je veröffentlicht hat. Aber es ist nun mal die Vorab-Single, da wird man naturgemäß den radiotauglichsten Song gepickt haben. Das nachfolgende Album, das jetzt ja sicher zwangsweise kommen wird, wird sicherlich auch wieder die Sorte Schleicher liefern, mit der Slowdive sich in den frühen 90s ihren Namen machten.

2017 – a few Reasons to Cheer

2017-header-temples

Erst mal ein Gutes Neues! Wir schreiben also das Jahr 2017 – und ehrlich gesagt, mir ist dieses Jahr nicht wohl zumute. Der Typ, der US-Präsident wird, hat offensichtlich einen an der Klatsche und wird die meines Erachtens nach akutesten Probleme der weltweiten Gesellschaft nicht angreifen, sondern nur verschlimmern. Aber auf diesem Blog halte ich mich in Sachen Politik normal zurück und schreibe über das, was uns happy macht: Indiepop.

Da stehen im neuen Jahr dann doch ein paar Dinge an, auf die man sich freuen darf. Ich mache mal eine kleine Liste. 2017 – a few Reasons to Cheer weiterlesen

Single Review: WHITE

WHITE I Liked You Better When You Needed Me - SingleWHITE – „I Liked You Better When You Needed Me“

Heute muss es mal um WHITE gehen. Denn die neue Single „I Liked You Better When You Needed Me“ ist halt schon wieder Wahnsinn. Fucken Hell, da wächst was in Glasgow, da TÜRMT sich etwas AUF! Sechs Singles hat das Quintett jetzt veröffentlicht – das Album, wann immer es kommt, es ist jetzt schon irre, das kann ich garantieren, auch ohne irgendwas über die Songs zu wissen, die sie noch dazwischen packen.

Prolog: Die ersten vier Singles von WHITE waren schon sehr, sehr gut. Schnittige, glitzerne Indie-Groovemonster. Mit Franz Ferdinand-Stampf (man kommt schließlich aus Glasgow, wo die Bands Musik machen, zu der Mädchen tanzen und WHITE haben die Franzen auch sehr früh schon supporten dürfen) – aber technischer, synthetischer. Plus verruchtem Glamfaktor a la Suede, ohne irgendwie wie Suede zu klingen – sondern mehr nach DFA und Klaxons. Und krasser nach 80s, als alle 80s-Bands je geklungen haben, inklusive Saxofon.

Single Review: WHITE weiterlesen

Review: FRONTEERS

Streets We're Born in - EP FRONTEERS – „Streets We’re Born In EP“

Ich habe in diesem Blog schon wiederholt auf einen Widerspruch hinweisen müssen, dem ich immer wieder anheim falle. Heute ist mal wieder so ein Tag, an dem ich diesen Widerspruch anerkennen, aber halt auch gleich wieder ignorieren muss.

Immer wieder fordere ich von Bands und Solisten/innen einen Grad an Originalität und Persönlichkeit, eine Wiedererkennbarkeit. Aber ab und an kommen Bands daher, deren Approach rein klassisch ist – und denen ich das nicht ankreiden kann, weil ich den Sound zu sehr liebe.

Die FRONTEERS sind so ein Fall. Die vier Kids aus Hull machen Britpop, klassischen Britpop. Sixties-beeinflusste Gitarrensongs, wie die La’s, wie Cast, Shed Seven wie The Kooks. Ein Sound, den wir auf- und ab gehört haben und der vielen Hörern entsprechend nichts mehr gibt. Mir aber schon. Weil ich ein Indie-Heini bin und dazu stehe.

Review: FRONTEERS weiterlesen