Schlagwort-Archive: the Go-Betweens

Interview: Rolling Blackouts Coastal Fever

Mit zwei EPs haben sie uns in den letzten 24 Monaten begeistert, seit Freitag ist das Album da! „Hope Downs“ erfüllt alle Erwartungen, die man an Rolling Blackouts Coastal Fever aus Melbourne nach dem tollen Auftakt stellen durfte. Klar ließ ich mir die Möglichkeit nicht entgehen, ein Telefon-Interview mit den Australiern zu führen. An der Muschel: Fran Keaney, einer von gleich drei Sängern & Songwritern dieser Band.

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Gooney Tunes

Ach, wieder so eine Lieblingsband! Ich kann meine Begeisterung gar nicht in Worte fassen, wenn’s um The Goon Sax geht. Die sind 18! Und wenn ich sie höre, bilde ich mir ein, ich wäre das auch! Das ist so prima!

Das zweite Album von James Harrison, Louis Forster (der seinem berühmten Papa sehr ähnlich sieht) und Riley Jones aus Brisbane wird „We’re Not Talkig“ heißen und Mitte September erscheinen.  Zur Single „She Knows“ gibt’s jetzt ein Video. Yippieh!

Review: Verge Collection

Verge Collection – „Flaneur“

All the lights in my room, they’re flickering dim.
I could get off my arse, go and change them.
But the circle, it always repeats
and eventually I’ll have to change them again.“
(Verge Collection – „Sleep It Off“)

Haha! Wer mal bei mir zu Hause war, muss jetzt lachen. Weil mein Licht im Flur nicht geht. Die Glühbirne muss nämlich so auf den Mikromillimeter genau in der Fassung sitzen, dass sie das quasi nie tut. Wie von Geisterhand dreht sie sich auch beim kleinsten Anlass wieder raus. Wie oft habe ich das Ding schon entnervt hin und her bewegt! Mit Gewalt, mit Feingefühl, mit gutem Zureden. Bis ich es irgendwann einfach gelassen habe. Lieber gar kein Licht, als dass es dauernd flackert oder dass man sich permanent hin und her justierend den Grant holt.

Klar ist also schon mal, das ich eine sofortige Seelenverwandtschaft zu Verge Collection empfinden muss. Ben Arnold, so der Name des Sängers des Quartetts, beschreibt eine vermutlich bezeichenende Szene aus meinem Leben – und das vom anderen Ende der Welt aus. Verge Collection stammen nämlich aus Perth und Verge Collection, so nennt man in Westaustralien die Sperrmüllsammlung.

Wenn eine Band sich so einen Namen gibt, stellt sie damit auch klar: Glamourös wird das, was jetzt kommt, nicht. Hier wird nicht aus der Perspektive von jemand erzählt, der auf Rosen gebettet ist. Wie zum Beweis startet dieses Album mit den Worten „I’m way too old to be living at home“. Review: Verge Collection weiterlesen

Review: The Ocean Party

The Ocean Party – „USA Tour 2017 EP“

Wohl kaum eine andere Band arbeitet zur Zeit so schnell wie die aus Wagga Wagga stammenden und inzwischen in Melbourne ansässigen The Ocean Party. Im Oktober erst habe ich „Restless“ besprochen, ihr bereits offiziell sechstes(!) Album seit ihrem 2012er Debüt „The Sun Rolled Off The Hills“.

Und schon wieder gibt’s was Neues! Diese 9-Song-EP, die in Australien schon im April erschien (aber erst seit dieser Woche auch in den deutschen Streamingdiensten und Downloadshops zur Verfügung steht) ist sogar nicht mal ihre einzige Release seit „Restless“! Zwischendurch gab’s eine weitere AUS-EP namens „B-Grade Material“. Menschenskind – man kommt auch als Fan kaum hinterher!

Warum gelten diese zwei Releases (und auch „Mess & Noise Critics Poll 2015“ aus dem Januar 2016) als EPs, obwohl sie mit je 9 bis 11 Songs nicht so viel kürzer sind als The Ocean Partys Alben? Da kann ich nur raten. Aber meine Theorie ist, dass das Sextett die Alben mit etwas mehr Mühe und/oder Budget aufnimmt. Schließlich habe ich in meinem Text zu „Restless“ behauptet, dass die Band sich von dem sympathisch schratteligen Lo-Fi-Dolewave ihrer Anfangstage inzwischen erkennbar in Richtung fein durchkomponierter Janglepop-Musik bewegt habe.

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Interview: Fazerdaze

Zur Zeit laufen echte Festwochen in Sachen Janglepop. Über die neuen Alben von Day Wave und Hazel English habe ich neulich erst geschrieben – aber auch die sympathische Neuseeländerin Amelia Murray alias Fazerdaze hat ihr Album frisch veröffentlicht. „Morningside“ ist eine wunderbar verträumt/melancholische Gitarrenpopplatte geworden – und Miss Murray war neulich doch tatsächlich zur Promotion in München! Wir sprachen uns an einem Freitagnachmittag Anfang März im Café Kosmos.  

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Series: The 80s – Classics and Curios, Pt. 1

vinterview-80sDas Frage, mit welchen Themen ich in den praktisch Release-freien Wochen um die Jahreswende Inhalte für meine Seite schaffen soll, die stelle nicht nur ich mir auf meinem kleinen Blog. Das Problem haben auch ganz andere, ungleich größere Musik-Medien. So hat Pitchfork vorgestern – a pro pos of nothing – eine Liste der 10 besten Songs der 80er zusammen gestellt. Aber warum auch nicht? Naturgemäß sind 10 Songs zu wenig, um eine ganze Dekade zusammen zu fassen und klar wird man drüber diskutieren. Sicher hat jeder der Pitchfork-Songs es verdient, auf der Liste zu landen – aber essentielle Namen fehlten trotzdem. Mich jedenfalls hat das Ganze dazu gebracht, 80s-Namen aufzuschreiben, die ich in meine persönlichen Top Ten packen würde. Natürlich ist das sofort ausgeartet und plötzlich hatte ich über 40 Namen auf dem Zettel stehen.

Weswegen ich mir sagte: Okay, da mach ich ne kleine Serie draus. Ich werde in unregelmäßigen Abständen eine kommentierte Selektion von 80s-Bands bzw Songs posten. Die 80s waren schließlich eine im Nachhinein herrlich alberne Dekade, in der viel ausprobiert wurde. Manches ging daneben, manches aber wurde zum Grundstein für spätere Entwicklungen. Manches, was damals noch als Mainstream-Pop galt, wäre heute fürs Indie-Fach zu schräg. Zumal: Seit youtube-Videos in Deutschland nicht mehr gesperrt sind, kann man alte Schätze neu entdecken.

Also gut, gehen wir in unsere erste Runde. Diese erste Rutsche habe ich unter einen Oberbegriff gestellt: Indie-Bands. Genauer: Bands, die als Pioniere das, was später zur eigenen Kategorie Indie werden sollte, vorbereiteten und noch lange prägten. All die nun folgenden Bands sind Gitarrenbands – was in den 80ern ja eher untypisch war.

Anmerkung: Die Liste ist alphabetisch geordnet, nicht nach irgendeiner Wertung. Sonst ginge es nicht ausgerechnet los mit…

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Meine Alben 2016, Pt. 6 (5-1)

header-2016-1-sturgeFanfare! Yeah! Hier sind sie! Die Alben des Jahres 2016, according to his Nerdness Meinereiner! Ihr habt lange durchgehalten, über fünf frühere Posts habe ich diese Liste schon ausgewalkt. Jetzt sind wir bei den Top 5 angekommen. Na, wer wird gewinnen?

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Meine Alben 2016, Pt.4 (15-11)

header-2016-11-rbcf… und auch heute soll’s einen weiteren Teil meiner Aufstellung geben: Best Ditches (also meine) Alben des Jahres 2016. Weil ich zu jedem Album noch was sage, anstatt einfach nur ne kommentarlose Liste zu schreiben, gehe ich in Fünferschritten vor. Wir sind jetzt bei Position 15-11 angekommen.

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Review: The Ocean Party

The Ocean Party – „Restless“

Vor, uh, einigen Jahren, als ich noch Student war und im Nebenjob im Haus der Kunst Tickets abriss oder neben Gemälden rumstand, da gab es dort eine Ausstellung des US-Künstlers Frank Stella. Stella hatte ganz streng begonnen, mit extrem reduzierter Minimal Art. Schwarze Bilder mit weissen Linien, nur rechte Winkel. Dafür war er berühmt geworden. Aber mit den Jahren kam eben doch Farbe in seine Malerei, die rechten Winkel wurden spitz und stumpf und irgendwann zu Kurven und Spiralen, und am Ende waren seine Werke dreidimensionale Tohuwabohus aus Formen und Farben. Hätte man ein Frühwerk von Frank Stella neben ein Spätwerk gehängt, niemand hätte es für möglich gehalten, dass das der gleiche Künstler war. Aber wenn man von Raum zu Raum ging, und diese Metamorphose verfolgte, machte es völlig Sinn. Ein Element nach dem anderen veränderte sich, und am Ende hatten die Skulpturen aus Kurven und Farben und die flachen schwarzen rechtwinkligen Gemälde ihre unzweifelhafte Verlinkung.

Was hat das alles mit The Ocean Party zu tun? Der superschnellen, aus Wagga Wagga stammenden, aber lange schon in Melbourne ansässigen Band, die mal wieder nur neun Monate für ihr inzwischen bereits sechstes Album gebraucht hat?

Auch bei dieser Band kann man von Platte zu Platte den nächsten Schritt erkennen. Angefangen haben die Jungs fast so reduziert wie Frank Stella in seiner schwarzen Phase. Sie machten breiigen, aber extrem lässigen Janglepop, den man gleich mal mit der Dolewave-Movement assoziierte.

Seitdem kann man The Ocean Party beim Aufwachsen zuhören. Review: The Ocean Party weiterlesen

Review: Split Seconds

Rest & RelocationSplit Seconds – „Rest & Relocation“

Ui ui. Erwachsener Gitarrenpop.
Es gibt die Zeit, da sind wir jung und alles liegt noch vor uns und alles wird mal uns gehören und wir werden’s uns nehmen, verdammt noch mal, wir werden die Schurken schlagen und das Girl kriegen und im Schloß wohnen und sie werden uns zujubeln, wir werden’s reissen und wir hören Oasis und grölen mit, cause tonii-iii-ght I’m a Rock’n’Roll Star!

Dann kommt die Zeit, da sind wir nicht mehr ganz so jung. Einiges liegt noch vor uns, wir wollen sehr wohl noch was erreichen. Aber seien wir ehrlich, von ein paar Dingen sollten wir uns verabschieden. Wir lernen, dass die Lebensmodelle unserer Eltern wohl auf uns nicht mehr per Schablone zu übertragen sind. Wir suchen unseren Frieden in dem uns gesteckten Rahmen, wir machen es uns häuslich in der Nische, in der wir uns wenigstens nicht verbiegen müssen. Es ist ein Prozess des sich-Abfindens, bei dem sich das Einleveln in eine zen-gleiche, friedliche innerliche Ruhe und das Pflegen einer immanenten Melancholie nicht widersprechen, sondern Hand in Hand gehen. Man ist nicht wirklich enttäuscht über nicht erreichte Ziele, man lächelt viel mehr gnädig über das frühere Ich mit seinen unrealistischen Erwartungen.

Sean Pollard ist ein gutes Stück jünger als ich, aber ich behaupte, auch er ist an diesem Punkt in seinem Leben. Review: Split Seconds weiterlesen