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Review: Miles Kane

Miles Kane – „Coup de Grace“

Ihr kennt das als wiederkehrendes Motto in Kinderfilmen: „Es kann nur wahr werden, wenn du fest genug dran glaubst!“ So einen Satz ruft die Fee dem kleinen Jungen zu, der auf der Schlossmauer steht. Also fasst er sich ein Herz und springt in die Tiefe – und sieh’ an, er kann tatsächlich fliegen! Er musste sich nur selbst vertrauen, und der Zauber wurde wahr! 

Lustigerweise ist dies genau das Prinzip, nach dem auch Miles Kane funktioniert. 

Miles Kane glaubt an sich. In seinem Selbstverständnis ist er die Fleischwerdung des klassisch lässigen Briten. Er ist James Bond, nur mit Gitarre. Immer stylish, immer smooth. Die coolsten Typen der Welt wollen seine Kumpels sein – Alex Turner hat schließlich mit ihm die Last Shadow Puppets gegründet! Die Ladys? Die schmachten ihn an. Er braucht er nur einen smarten Spruch und eine hoch gezogene Augenbraue und schon wird gemeinsam über die Matratze gerobbt.

Wer diese Wahrnehmung teilt, der darf sich über das dritte Soloalbum des Ex-Gitarristen von The Little Flames bzw Ex-Frontmanns von The Rascals freuen. Für den ist „Coup de Grace“ das, was (der Vergleich fiel oben schon) für einen Blockbuster-Fan ein neuer James Bond-Film ist. Eine knallige Bestätigung, dass früher alles besser war. Mit herrlich bescheuerten Explosionen. Klar, der neue Film wird mit ein paar Zugeständnissen an die Gegenwart aufgefrischt. James schießt Raketen jetzt von seinem Smartphone, nicht aus dem Aston Martin. Aber im Kern geht’s doch actionreich, sexy und schick gekleidet um den gleichen Plot wie damals bei Sean Connery. Immer noch wird geschüttelt, nicht gerührt.

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Review: Polish Club

Polish Club – „Alright Already“

Endlich. 

Zeit war’s. Zu Hause in Australien geht’s für Novak und J-H (John-Henry) seit mehr als zwei Jahren in Steilkurve immer noch weiter nach oben. Ausverkaufte Shows, tobendes Publikum überall. Zuletzt erlaubten sie sich eine Tournee mit Bläsersatz. Auverkauft, klar.

Aber im Rest der Welt? Ist ihr zu Hause im letzten Mai erschienenes Erfolgsalbum „Alright Already“ einfach ignoriert worden. Keine Universal-Zweigstelle der Welt wollte die die Band, die ihre Kollegen down under da unter Vertrag genommen haben, auf den heimischen Markt platzieren.

Irgendwo ist das vielleicht verständlich. Das Genre Garagenrock gilt jetzt schon länger nicht mehr als der ultimative Heisenscheisen. Die Besetzung Nur-Gitarre-und-Schlagzeug ist auch nicht mehr revolutionär. The White Stripes, The Black Keys, Johnossi und Co haben große Erfolge gefeiert, okay, aber in den letzten Jahren auch keine echten Schlagzeilen mehr geschrieben. Dass dann ein Plattenfirmen-Fritze, der ja auch auf Zahlen gucken muss, sagt: „Die australischen Black Keys? Nee Danke, I’ll give it a miss“ – das ist auf gewisse Weise nachvollziehbar. Wenn man Musik so betrachtet, dass sie nun mal nach Trendkurven abläuft.

Es ist aber fucken unverzeihlich, wenn man die Platte gehört hat.

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Series: The 80s – Classics and Curios, Pt. 1

vinterview-80sDas Frage, mit welchen Themen ich in den praktisch Release-freien Wochen um die Jahreswende Inhalte für meine Seite schaffen soll, die stelle nicht nur ich mir auf meinem kleinen Blog. Das Problem haben auch ganz andere, ungleich größere Musik-Medien. So hat Pitchfork vorgestern – a pro pos of nothing – eine Liste der 10 besten Songs der 80er zusammen gestellt. Aber warum auch nicht? Naturgemäß sind 10 Songs zu wenig, um eine ganze Dekade zusammen zu fassen und klar wird man drüber diskutieren. Sicher hat jeder der Pitchfork-Songs es verdient, auf der Liste zu landen – aber essentielle Namen fehlten trotzdem. Mich jedenfalls hat das Ganze dazu gebracht, 80s-Namen aufzuschreiben, die ich in meine persönlichen Top Ten packen würde. Natürlich ist das sofort ausgeartet und plötzlich hatte ich über 40 Namen auf dem Zettel stehen.

Weswegen ich mir sagte: Okay, da mach ich ne kleine Serie draus. Ich werde in unregelmäßigen Abständen eine kommentierte Selektion von 80s-Bands bzw Songs posten. Die 80s waren schließlich eine im Nachhinein herrlich alberne Dekade, in der viel ausprobiert wurde. Manches ging daneben, manches aber wurde zum Grundstein für spätere Entwicklungen. Manches, was damals noch als Mainstream-Pop galt, wäre heute fürs Indie-Fach zu schräg. Zumal: Seit youtube-Videos in Deutschland nicht mehr gesperrt sind, kann man alte Schätze neu entdecken.

Also gut, gehen wir in unsere erste Runde. Diese erste Rutsche habe ich unter einen Oberbegriff gestellt: Indie-Bands. Genauer: Bands, die als Pioniere das, was später zur eigenen Kategorie Indie werden sollte, vorbereiteten und noch lange prägten. All die nun folgenden Bands sind Gitarrenbands – was in den 80ern ja eher untypisch war.

Anmerkung: Die Liste ist alphabetisch geordnet, nicht nach irgendeiner Wertung. Sonst ginge es nicht ausgerechnet los mit…

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Review: Taymir

taymir albumTaymir – „Phosphene“

Klar, ich könnte diese Platte auch einfach ignorieren. Das ist ja schließlich auch das, was ich den Rest meines Lebens tun werde. Aber es ist so sonderbar: Geht die Sony ernsthaft daher und veröffentlicht eine holländische Zweitligaband! Da zuckt man halt doch mal kurz mit der Augenbraue.

Es ist so: Jedes Land hat seine Lokalhelden. Ob sich Taymir dafür qualifizieren („Phosphene“ erreichte laut Wiki Platz 22 der NL-Top 100, was mich irgendwie nicht beeindruckt), sei dahingestellt. Jedenfalls: Jedes Land hat so seine paar Bands, die sich zu Hause durch stetige Live-Präsenz einen Namen erspielt haben und bei denen der heimische Hörer sagt: „Hey, das ist doch nicht viel schlechter als… (hier eine internationale Größe einfügen).“ Man meint es gut mit diesen Heimat-Bands. Man will seine Kumpels unterstützen. Also erreichen sie einen gewissen Bekanntheitsgrad und das Publikum tobt, wenn sie am Nachmittag auf dem örtlichen Festival spielen. So weit, so gut. Nix dagegen.

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Review: Paul Weller

SaturnsPattern_Cvr_06.inddPaul Weller – „Saturn’s Pattern“

57 Jahre wird Paul Weller diesen Monat. Heute kaum vorstellbar, aber Mitte/Ende der 90er haben NME & Co seine Musik zwischendurch mal mit dem Wort „Dadrock“ beschimpft. Hey! Paul Weller ist zwar siebenfacher Vater, aber er ist deswegen noch lange kein Dad! Wenn überhaupt, dann ist er ein geheimnisvoller, cooler Onkel. Einer, der nur ab und zu auf Besuch vorbei kommt und dann viel sonderbarere, glamourösere Klamotten trägt und besser mit den Kids kann als die anderen Verwandten und der die besten Geschichten und Geschenke dabei hat.

Man hört „Saturn’s Pattern“ in seiner Mischung aus immergrünem Brit-Klassizismus und trippigen Experimenten und fragt sich: Hey, ist es richtig, dass jemand, der bei seinem nächsten Album wohl 60 sein wird, den Brit-Kids in vielerlei Hinsicht immer noch so weit voraus ist?

Aber, ui ui ui, ich muss mich bremsen. Ich bin kurz davor, mich zu verzetteln und einen Text vom Zaun zu brechen, in dem es um sozialpolitisches Engagement und Aufbegehren in der Musik damals und heute geht. Es scheint immer so, als müsste man, wenn man über Weller spricht, seine ganze Vergangenheit mit thematisieren, weil er nun mal so ’ne Legende ist. Aber vielleicht kann ich ja versuchen, das einfach mal zu lassen? Review: Paul Weller weiterlesen

Interview: Paul Weller

weller header

…und noch so ein Interview, das laaange lange lange auf meinem Rechner lag und erst jetzt zum Einsatz kommt, da ich den alten Blog aufgegeben habe.

Ich war halt ernsthaft bei Paul Weller! Für die Kollegen vom Classic Rock Magazine. In Woking war ich, im Studio des Modfathers. Durch englischen Regen so dicht wie ein Duschstrahl, über einen Feldweg am Stadtrand an Hecken und Farms vorbei in eine unscheinbare schwarze Hütte. „The Black Barn“, Pauls Studios. Innen ein halbes Rockmuseum. Gitarren, Gitarren, Gitarren, Plakate, Bücher, Vinyl, Postkarten, gerahmte NME-Cover von The Small Faces, The Beatles und den diversen Inkarnationen von Paul Weller selbst. Dass er The Jam-Frontmann war, dann The Style Council anführte und schließlich als cooler Onkel den Britpop prägte und nun immer noch als elder Statesman den jungen UK-Bands zeigt, wo’s lang geht, muss ich hier niemandem erklären, oder? Nach etwas Wartezeit im Aufnahmeraum mit ein paar netten Bandmitgliedern, die uns Tee machen, trifft ein drahtiger Paule ein. Wir ziehen uns in den Vocal Booth seines Studios zurück zum Gespräch. Interview: Paul Weller weiterlesen