Schlagwort-Archive: the Charlatans

Ivory League

Engländer, die Trainingsanzüge tragen, die Drogen erkennbar ziemlich gut finden, die eher wie ein Hooligantrupp aussehen als eine Band (sich aber dann meistens als totale Herzchen entpuppen), und zu deren Gitarrenmusik man schweinegut schwof-tanzen kann – die sind nix Neues. Die gibt es, seit die Happy Mondays in Madchester rum raveten.

Ivory Wave aus Birmingham haben sich nach einer Designerdroge benannt, sie haben die Happy Mondays und Kasabian zu ihren Vorbildern erklärt, sie gelten seit 2016 als kommendes Ding der Szene in „Brum“, aber sind noch nicht wirklich durchgestartet. Allerdings: Zu ihrer aktuellen Single „Uptown“ kann man schweinegut schwof-tanzen.

O Tempora, Ogenesis!

Wieso erscheint im Youtube-Kanal von Charlatans-Sänger Tim Burgess das Video eines walisischen Songwriters? Weil Tim a) eine kleine Plattenfirma namens Ogenesis Records gegründet hat und weil er hier b) „Folly“ veröffentlichte, das zweite Soloalbum von Daniel O’Sullivan, der früher bei der Experimentalband Ulver war.

Wenn der Song „The Diamond Vehicle“ exemplarisch für das Album steht, dann muss ich mir das mal in der Gänze anhören. Denn der Song beginnt zwar als relativ normale Ballade – und das auch noch auf dem Synthklavier, einem Instrument, das ich nicht ausstehen kann – es klingt NIE so warm wie ein echtes. Aber Akkordwahl, Melodieführung und die am Ende einsetzenden Harmonien werden dann sehr speziell. This is quality. Gute Wahl, Tim.

Glast Nite

Es ist mal wieder das Wochenende des Glastonbury-Festivals. Die BBC hat folglich auch dieses Jahr wieder Liveclips online gestellt. Ich picke mal meine Favoriten:

Fangen wir doch mal an mit Tame Impala. Mit den beiden neuen Singles hat Kevin Parker noch nicht Eindruck aufs Popjahr 2019 gemacht. Ich kann mir vorstellen, dass sich das ändert, wenn das ganze Album da ist. Aber wann es kommt? Bestimmt war eigentlich geplant, dass es vor der großen Festivalrutsche vorliegen sollte. Aber Kevin wird wie immer nicht rechtzeitig fertig und muss jetzt all die weltweit gebuchten Headlineslots mit einem uralten Set spielen, plus „Patience“ und „Borderline“. Das war garantiert anders geplant.

Na. Gucken wir doch mal rüber zu Interpol.

Und was macht der Two Door Cinema Club? Das Echo auf Album vier ist eher mau. Zu bemüht, ihr Umschwenker auf Disco, sagen viele. Vielleicht wirkt es live aber?

Keine Zweifel hier: Garantiert immer genial – Fontaines DC.

und hey: Ein Klassiker am Nachmittag. The Charlatans für die Ewigkeit.

Review: Deep Sea Arcade

Deep Sea Arcade – „Blacklight“

Oh, hier habe ich lange drauf gewartet! Denn die Australier Deep Sea Arcade haben – das ist nicht übertrieben – eine meiner Lieblingsplatten der letzten zehn Jahre gemacht. „Outlands“ (2012) war zwar bestimmt nicht perfekt, aber ich bin nun mal geprägt auf Britpop – und diese fünf Jungs aus Sydney spielten auf ihrem Debüt genau die Musik, die die Briten selbst lange schon nicht mehr machten. Endlich war da mal mal wieder eine Band im Stil von The Charlatans, The Stone Roses, The Bluetones – und die Aussie gaben dem Ganzen noch einen Schwung Südpazifiksonne mit! 

Wie wir im Interview erfahren sollten, war die Erklärung dafür die folgende: Sänger Nic McKenzie hatte fünf Jahre seiner Kindheit in England verbracht. Als seine Eltern dann zurück nach Australien zogen, fehlte ihm die Insel. Er stilisierte die alte Heimat zum Ideal hoch, speziell die Musik. Seinen Kumpel aus Kindheitstagen, Nick Weaver, der auch nach seiner Rückkehr nach Sydney wieder sein bester Freund wurde, steckte er mit seiner Begeisterung an.

Also gründeten die zwei anglophilen Aussies eine Band. Deep Sea Arcade kamen mit ihren ersten Singles in Australien schon sehr gut an und meisterten dann ein Album, das die großen Versprechen der Singles hielt. Zuhause spielten sie bald schon in den größeren Hallen.

Klar war jetzt Europa das Ziel. Aber dann verlief sich die Spur auch schon wieder. Eine 2013er Single gab’s noch („Black Cat“), dann hörte man lange nichts mehr von den eben doch noch so vielversprechenden Aufsteigern. Review: Deep Sea Arcade weiterlesen

Review: Morning Harvey

Morning Harvey – „With The Pinstripes“

Gut Ding will Weile haben, jaja. Aber gleich so viel Weile? Morning Harvey, das Trio aus Brisbane, ist nämlich schon ganz schön lange am Machen. Eine erste EP auf bandcamp erschien 2013, eine zweite, quasi ihr offizielles Debüt „Love&Loveand.“ kam 2015. Seitdem tröpfeln alle paar Monate neue Singles ein. Aber auch 2018 gilt, was im Indierock immer galt: Erst mit dem ersten Album ist eine neue Band so richtig da.

Fünf Jahre existieren Morning Harvey also mindestens schon. Das sollte ausgereicht haben, um ihren eigenen Dreh zu entwickeln, oder? Tatsächlich haben sich ein paar Dinge getan seit ihrer 2015er-EP. Da bewegte sich das damals-noch-Quartett ziemlich konkret im frühen Britpop-Sound, da erinnerten sie an The Charlatans  oder die frühen Verve. 

Auf den Singles seitdem haben die Aussies ihren Schwerpunkt von Manchester nach New York verlagert. Der Gesang von Frontmann Spencer White ist schnodderiger geworden, hat heute (auch aufgrund der leicht übersteuerten Aufnahme) mehr was von Julian Casablancas (The Strokes) oder Ric Ocasek (The Cars), als dass er typisch britpop-englisch rüber käme.  Review: Morning Harvey weiterlesen

It’s a Northwich Hunt!

Sonntag erst habe ich über die neue the Charlatans-EP geschrieben (ein bisschen nach unten scrollen bitte) und auch darüber, dass die unkaputtbaren Indie-Veteranen kürzlich in der Heimatstadt von Sänger Tim Burgess ihr Jubiläums-Event „North By Northwich“  feierten.

Jetzt haben die Herren einen weiteren Song der neuen EP mit Footage von ihrem Stadtfestival kombiniert und als neues Video online gestellt: „Indefinitely In Your Debt“.

Review: The Charlatans

The Charlatans – Totally Eclipsing EP

Ich mag EPs. Die EP ist ein unterbewertetes Medium. Denn so ein Album, mit dem man sich ja meistens nur alle zwei, drei Jahre wieder zeigt, muss ja zwangsläufig immer auch ein Statement sein. Eine EP von 3-5 Songs und 12 – 20 Minuten Musik dagegen ist wie ein unmittelbarer Wasserstandsbericht. Nicht der Familienbesuch an Weihnachten, an dem man alles aufarbeitet, was im Jahr passiert ist. Mehr ein kurzer Anruf oder eine Postkarte: „Hey, wir sind übrigens gerade hier!“

Weil eine EP immer so konzis diesen derzeitigen Standpunkt mitteilt, ist sie auch ein Format, das Bands vor allem in ihren Anfangsphasen nutzen. EPs gibt’s normalerweise vor dem ersten Album und vielleicht noch in den ersten 20 Monaten danach. Im Abschnitt des Bandlebens, in dem ihre Entwicklung noch am markantesten voran schreitet. Weswegen so eine EP dann immer als Dokument dieses Fortschritts dient. Auch The Charlatans haben ihre Karriere mit EPs eingeleitet und ihre früheren Alben damit begleitet: „Indian Rope“ zum Beispiel, „Over Rising“ oder „Me. In Time“. (Weitere Singles mit oft drei B-Seiten kann man aber sicher auch mitrechnen.) „Over Rising“ erschien 1991. Unglaublich, wie lange her das ist. 

Unglaublich aber auch, wie viel weniger lang sich das anfühlt. Review: The Charlatans weiterlesen

Charla-magnifique

Ui! Mit einer neuen Single von The Charlatans habe ich ja noch gar nicht gerechnet!  Toll! Mei, wie diese Band konstant ihr Spitzenniveau hält – und das seit 1990 – das ist schon irre. Irre ist auch, dass Tim Burgess immer noch diese entstellende blonde Matte nicht abgelegt hat, aber okay, das ist seine Sache.

„Totally Eclipsing“ ist der Titeltrack einer neuen EP, die die Charlies hiermit für den 08.06. ankündigen.

Review: Superchunk

Superchunk – „What A Time To Be Alive“

Ich freue mich schon aufs Charlatans-Konzert am Freitag. Vor vier Tagen kam eine neue Ride-EP. Aber nicht übersehen: Ein neues Superchunk-Album erschien am gleichen Tag auch. Jetzt mal echt: Bin ich im Indierock-Groundhog Year 1991 gefangen?

Also, mich soll’s nicht stören. Ich mochte 1991. Superchunk waren eine Band, die damals voll in meinen Herbst rein knallte. Meine erste Begegnung mit Mac, Laura & Co hieß „Skip Steps 1 & 3“. Es war die erste Nummer von ihrem Album „No Pocky For Kitty“. Ein hämmerndes Zickzack-Riff, ein Song in Punk-Tempo, aber der Sänger schrie nicht, sondern er nörgelte. Seine dünne Stimme konnte seiner eigenen Melodie nicht ganz folgen. Das haben Superchunk über all die Jahre beibehalten: Ohrwürmer mit tollen Melodien zu bringen, die Mac dann gar nicht sang, sondern durch die er im One-Note-Nasal-Modus durchpreschte, während man sich die eigentlichen Melodien dazu vorstellte.

„What A Time To Be Alive“ könnte – und das macht mich happy – vom Klang und Feeling her auch eine Woche nach „No Pocky For Kitty“ veröffentlicht worden sein. Superchunk sind immer noch innerlich so aufgekratzt und haben immer noch die gleichen Hummeln im Hintern wie in der Ära George Bush, des Älteren. Wow. Review: Superchunk weiterlesen

Meine Alben 2017, Pt.6 (5-1)

Finaaaaale! Der Countdown geht zu Ende. Hier jetzt also die Top 5 meiner persönlichen Lieblingsalben des Jahres 2017. Wie immer inklusive ein paar Zeilen zu den jeweiligen Platten. Also gut, have fun!

Meine Alben 2017, Pt.6 (5-1) weiterlesen