Kleine Kollektion 2020/06

So. Heute mal wieder ne kleine Zusammenfassung.

Es hat sich ein Muster raus kristallisiert, wenn neue Alben veröffentlicht werden. In Vinyl/CD-Zeiten wurde bei (halbwegs) etablierten Bands eine Single voran geschickt, wenn sie ein neues Album (nicht ohr Debüt) veröffentlichten. Vielleicht auch mal zwei, in Ausnahmefällen.

Heute ist es oft so, dass es drei oder vier Vorab-Singles werden, die in relativ kurzen Abständen von 3-6 Wochen auf den Fan losgelassen werden. Was ja okay ist. Ist halt so. Es bedeutet aber auch, dass man in den Phasen vor so einer Album-Release denken kann, mein Blog befasse nur mit den drei gleichen, immer wieder kehrenden Bands. (Was mir nicht ganz recht ist, denn es sind doch mindestens fünf. Höhö)

Lange Einleitung, um zu sagen:  Es gibt ’ne dritte Vorab-SIngle vom kommenden July-Talk-Album, zu denen ich jetzt nix mehr sagen muss. Der Song: Diesmal ziemlich arty.

Ebenfalls gibt’s ne dritte Single vom kommenden Album der Blog-Stammgäste  Rolling Blackouts Coastal Fever. Hochkant gedreht. Weil ich alt bin und Clips nicht auf dem Handy gucken will, nervt mich das ein bisschen. Der Song ist wenigstens super wie immer bei RBCF.

Neulich erst habe ich das „Visual“ zur aktuellen Walt Disco-Single „Cut Your Hair“ gepostet. Jetzt gibt’s auch ein „richtiges“ Video, das wir der Vollständigkeit halber nachliefern wollen.

 

Festivals Wrecked

Corona hat Johnossis Festivalsommer-Pläne durchkreuzt! Nicht nur wegen der ausgefallenen Konzerte. Ausnahmsweise erlaube ich mir mal, einfach nur zu copy/pasten, was John und Ossi zu ihrer neuen Surprise-Single „Wrecking Ball“ schreiben:

„We got a brand new single for you all today! We recorded this one last year but decided to hold it as a release to kick off the summer festival season with a bang… Now the whole summer is corona fucked, but we still, of course, wanted to release the song for you all anyway. It’s a true Johnossi-riffparty-bomb!“

Riffparty stimmt. Die Nummer erinnert mich stark an Black Keys‘ „Lonely Boy“, abgebremst auf Bulldozer-Geschwindigkeit. Was nicht negativ gemeint ist – dies ist kein Copycat-Vorwurf, denn im Bluesrock gibt’s nun mal bestimmte Akkordfolgen, die sich regelrecht zwangsweise ergeben. Auch für „Lonely Boy“ wird man zahllose Klangbeispiel finden, auf die die Black Keys sich bereits bezogen haben.

Sports Aktuell

Und noch eine Band, deren Pläne wegen Corona durcheinander gebracht wurde. Eigentlich sollte das langerwartete Debüt vom Sports Team ja schon im Laufe des April erschienen sein. Jetzt ist der 19.06. als Stichtag für die Platte namens „Deep Down Happy“ vorgesehen. Auch hier vorab eine weitere Single: „Going Soft“.

Ich muss hier nicht zum x-ten Mal was über die Band erzählen, oder? Ich wiederhole mich ja eh nur noch. Sports Team, das sind fünf aufgedrehte Kids aus London, ihr exzentrischer Frontmann heisst Alex Rice. Der Junge ist schon ein bisschen selbstverliebt, aber das ist für Frontmänner eine gute Eigenschaft. Alex ist sich nicht zu schade, sich mit irrem Blick, wildem Tanz und großmäuligen Interview-Aussagen zum Affen zu machen. Das trauen sich nicht mehr viele, drum ist es lässig. Die Band erinnert mich mit ihrer struppigen Energie an Blur zu Zeiten von „Popscene“ und ich warte immer noch drauf, dass sie endlich ihren richtigen endgültigen Pop-Killer-Song haus holen.

Ich glaub‘ ich steh‘ auf Walt!

New Wave scheint weiterhin ’ne große Sache zu sein in Glasgow. Zick-zackigen Indiepop dieser Art machten in den 80s schon Orange Juice oder The Associates, 20 Jahre später brachten Franz Ferdinand die Mädchen mit ihrem Update  wieder zum Tanzen.

Heute tummeln sich in Schottlands gefühlter Hauptstadt immer noch junge Bands wie Catholic Action (die übrigens im März ihr zweites Album vö’t haben), WHITE (hoffentlich – von denen hat man lang nix mehr gehört) oder The Ninth Wave. Alles Acts, die sich irgendwo zwischen frühem 80s-Original und dem Power-Discopunk-Indie der 2000er einordnen. Prima Bands, denen allen eins fehlt: Der Hit, den sie längst verdient hätten. Den Song, der sie auch außerhalb einer Kern-Indie-Szene zum Begriff macht.

Nun traut man Walt Disco zu, dies zu schaffen und die Glasgower Kollegen zu überholen. Es herrscht dein Buzz um das Quartett und ihren Sänger James Potter, der von Hedi Slimane schon als Model rekrutiert wurde. Ihre neue Single „Cut Your Hair“ ist in der Tat ganz schön schnittig.

Das war jetzt nur ein „Visualizer“ – normal warte ich ja aufs „richtige“ Video.  Hier immerhin noch mal ein BBC-Live-Taping.

 

Drips like Sugar

Hmm. Wer sind Drips? Wann habe ich deren Youtube-Kanal abonniert? Irgendwann mal muss ich auf die Band gestoßen sein und mir gedacht haben: „Die behalten wir mal im Auge.“ Dann habe ich sie wieder vergessen.

Aber der Klick war keine falsche Entscheidung, offenbar. Hier ist ein feiner Janglepop-Song namens „When You’re Near“.  Ein Blick auf die Facebook-Seite von Drips verrät wenig. Wir sehen ein Foto von vier jungen Typen. Es steht nicht mal da, aus welcher Stadt sie kommen. Aber da fast all ihre bisherigen Konzerte in Pubs in und um Leicester, UK, stattfanden, sage ich mal: Das wird schon ihre Homebase sein.

Brighten The Coronas #3

Den Musikern geht’s wie uns. Sie sitzen zu Hause isoliert. Dafür schicken viele von ihnen in diesen Tagen Heimaufnahmen um die Welt. Ich sammle mal wieder ein paar.

Schön ist’s, wenn man wenigstens nicht alleine rum sitzt, sondern die ganze Familie um sich hat. Neil Finn, Sänger von den Songwriting-Legenden Crowded House, kann daheim in Neuseeland nicht nur mit Ehefrau Sharon, sondern auch seinen zwei Musiker-Söhne Liam und Elroy Lieder singen. Täglich sendet Neil zur Zeit ein Radioprogramm,  in dem er Fanfragen beantwortet, Covers und eigene Songs spielt. Heute stellte er z.B. sein Cover von Princes „When Doves Cry“ online.

Crowded House liebe ich seit ihrem ersten Album – auch wenn ich mich zwischendurch, so ehrlich muss ich sein, nicht immer traute, das zuzugeben. Es gab sie, die Zeiten, in denen man sich als super-indie definierte und sich sorgte, dass Crowded House in der Szene als zu poppig und nicht stylisch genug gelten könnten. Totaler Quatsch natürlich. Zweitens, weil es albern ist, sich eingebildetem Gruppenzwang zu beugen. Erstens, weil die Band immer Songwriting auf Höchstniveau geboten hat, immer. Beatlesk, beinahe. Solche Großmeister stehen über so dödeligen Kategorien wie „Indie“ oder „cool“.

Next! Der Radio-Sender KEXP aus Seattle hat gleich ein komplettes Heimkonzert von Laura Marling im Angebot! Laura veröffentlichte vor zwei Wochen ihr neues Album „Song For Our Daughter“, spielt mehrere Songs daraus vor und beantwortet Fragen.

Weiter mit Chris Thile und seinen Punch Brothers. Die bestechen auf der Bühne durch Präzision. Wie kriegt die „Progressive Bluegrass“-Band das in der Isolation hin? Wir sehen’s an der Aufnahme ihres Songs „This Is The Song (Good Luck)“, der original auf ihrem 2010er-Album „Antifogmatic“ erschien. Side note: Von den Original-Punch Brothers sind nur Chris Thile (Mandoline) und Chris Eldridge (Gitarre) auf dieser Aufnahme zu sehen. Ob das radikale Umbesetzungen in der Band bedeutet oder ob dies halt nur mal ein Track mit Gästen ist – tja das werden wir über kurz oder lang erfahren. Ich tippe auf letzteres. Ohne Noam Pikelny am Banjo kann ich mir PB nicht vorstellen.

Give Pierce A Chance

… und glich noch ein Blick ins Archiv. Mein youtube-Abo ist heute voll mit Clips von Sprititualized. Nanu?

Da wurde wohl einem Praktikanten vom Label gesagt: „Hey, digitalisier‘ mal fließig Tracks dieser Band (bzw. dieses One-Man-Projekts von Jason Pierce, der bekanntlich davor Mitglied bei den Drone-Pionieren Spacemen 3 war, aber das muss man Lesern dieses Blogs ja nicht dazu sagen). Spiritualized sind ja letztlich schon ’ne Kultband und bleiben in ihrer treuen Szene langfristig gefragt. Da könnten schon ein paar Microcent zu generieren sein.“

Mich freut’s.

Confusi Quruli

Mal wieder ein Blick nach Japan. Quruli haben ein Video geteilt, das mir prima gefällt. Machen wir uns doch mal schlau über die Band.

Oha! Nach ein bisschen googlen habe ich gelernt: Quruli sind lange schon eine der etabliertesten (Indie-)Rokkubandus des Landes. Die Gruppe um Frontman Shigeru Kishida gründete sich schon Mitte der 90er in Kyoto. Ihre Alben aus der Zeit um die Jahrtausendwende gelten als super-einflußreich für Japans alt.Rock-Szene. Seitdem ging praktisch jedes ihrer Alben in die japanische Top 5.
Inzwischen sind Quruli (bzw. „くるり“) bei ihrem dreizehnten Studioalbum angekommen, das sie vor wenigen Tagen veröffentlicht haben. Dieses Album trägt den Namen „thaw“.

Sonderbar, diese Single findet sich gar nicht auf „thaw“? Noch mehr googlen und Übersetzungsprogramme einschalten!

Aha! „World’s End Supernova“ (so heisst die Nummer nämlich) ist gar kein neues Lied! Es stammt aus dem Jahr 2002! Vom fünften Album der Band namens „The World Is Mine“! Die haben ein Video aus dem Archiv geteilt!

Was nu? Den Post wieder löschen? Ach nee, jetzt habe ich mich die letzte Stunde mit Quruli befasst, da muss auch ein Beitrag bei raus kommen. Außerdem finde ich diesen Song wirklich sehr fein. Wenn er brandneu gewesen wäre, hätte ich ihn geteilt und gesagt; „Spannend, dieser Sound! Klar, viele Leute haben schon Indie und Elektronik gemixt, aber je nach dem, wie man das Verhältnis abstimmt, können halt doch immer noch frisch klingende Sachen entstehen.“ Zu wissen, die Nummer ist sogar 18 Jahre alt, macht das ja eigentlich fast noch beeindruckender.

Okay, Quruli. Ich werde mich mal ein bisschen in eure Diskographie reinhören. Aber bei 13 Alben (wenn man diverse Best Ofs, Soundtracks und B-Seiten-Sammlungen mitzählt, sind es sogar 20)  weiss man ja gar nicht, wo man anfangen soll…

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.