Can U FEET It?

Oha, schon wieder ein neues Video der FEET. Schon das fünfte dieses Jahr für die Jungs aus Coventry.  Ihr Debütalbum „What’s Inside Is More Than Just Ham“ soll am Freitag nun endlich kommen, nachdem die VÖ bereits für August angekündigt und dann vorerst in den September verschoben worden war.

Offenbar hatte man sich von den vorigen Singles schon mehr Echo erhofft. Naja, was soll ich sagen? Mir gefallen die FEET insgesamt gut, weil so typisch britischer Indierock halt mein Sound ist. Die Jungs haben sich bisher durchaus abwechslungsreich gezeigt: „English Weather“ war groovy, „Add Blue“ hatte eine schräge Note, „Outer Rim“ war punky, so in der Richtung von Blurs „Popscene“. „Petty Thieving“ war ebenfalls punky, aber mehr so in Richtung Shame. „Dog Walking“ jetzt ist eine langsamere Nummer, aber deshalb noch keine Ballade.

Wenn man’s positiv drehen will, sagt man, diese Band ist vielseitig. Aber andererseits muss man wohl eingestehen, dass FEET ein bisschen der rote Faden fehlt, dass sie noch kein eigenes Profil entwickelt haben. Sie kriegen die britischen Indie-Standards sehr gut hin, aber um mehr zu werden als eine fähige Indierockband, müssen sie noch das Ding finden, das ganz ihr eigenes ist. Leichter gesagt als getan, klar.

Ivory League

Engländer, die Trainingsanzüge tragen, die Drogen erkennbar ziemlich gut finden, die eher wie ein Hooligantrupp aussehen als eine Band (sich aber dann meistens als totale Herzchen entpuppen), und zu deren Gitarrenmusik man schweinegut schwof-tanzen kann – die sind nix Neues. Die gibt es, seit die Happy Mondays in Madchester rum raveten.

Ivory Wave aus Birmingham haben sich nach einer Designerdroge benannt, sie haben die Happy Mondays und Kasabian zu ihren Vorbildern erklärt, sie gelten seit 2016 als kommendes Ding der Szene in „Brum“, aber sind noch nicht wirklich durchgestartet. Allerdings: Zu ihrer aktuellen Single „Uptown“ kann man schweinegut schwof-tanzen.

Here’s where Strings comes in

Klar, DIE wichtige Release für Indie-Country-Fans an diesem Wochenende ist Sturgill Simpsons „Sound & Fury“. (Habt ihr’s auf Netflix schon angeschaut? Schon derb geil geworden!)

Aber aber aber aber. Auch Billy Strings hat gestern ein neues Album veröffentlicht. Der Junge aus Lansing/Michigan ist die große neue Hoffnung des Bluegrass. Bei den IBMAs, also den International Bluegrass Music Awards, ist er gerade als „New Artist Of The Year“ sowie als „Guitarrist of the Year“ ausgezeichnet worden, denn er besitzt blitzschnelle Flitzefinger. Die Website „Savingcountrymusic“ (bei deren Autor ich mich bedanken muss, dass er uns mal wieder so einen Typen vorstellt) feiert sogar, einen besseren Musiker könne man live zur Zeit nicht erleben.

Strings macht keinen strikten Bluegrass, sondern reichert das Ganze mit arty Hippie-Vibes an. Mich erinnert das an die folkigen Momente der Punch Brothers, die ja auch aus Super-Virtuosen (u.a. Chris Thile an der Mandoline und Noam Pikelny am Banjo) bestehen.

Give Give Give Me MOA MOA MOA

Klar, normal ist die Aufgabe von Musikblogs, schnell zu sein. Heute aber poste ich was, das bereits seit Anfang August im Netz steht. Aber es ist ein Song, der mich gerade total begeistert und der bei mir zur Zeit auf Dauerrepeat läuft. Auch steht das Video zum Song aktuell bei unter 500 Views, also scheint es noch nicht so oft geteilt worden zu sein. Dann mach‘ ich das mal.

Wenn man liest, dass The M.O.A. aus Melbourne kommen, staunt man erst mal, denn für mich klingt „Mind At Large“, als würden The Twang (UK) oder The Streets über ein Instrumental vom ersten The xx-Album sprechsingen. Es zeigt sich: Sänger Daz Houghton und Gitarrist Rossi stammen ursprünglich aus Birmingham (wie The Streets und The Twang (UK)), also ist die Assoziation nicht ganz abwegig. Erkennt mein Unterbewusstsein etwa den Brummie-Akzent?

Nun gut. „Mind At Large“ ist die erste Single dieser englisch-australischen Kombination. Irgendwas hat die Nummer, das mich nicht los lässt. Und jetzt alle: „Do you know who you are, I know who I am!“  

Team Building

Man kann ja nicht sagen, dass sie nicht fleißig wären, die vier Boys und das Girl vom Sports Team. „Fishing“ ist bereits die vierte Single der Briten in diesem Jahr. Der Song liefert einmal mehr das, wofür wir die Band ins Herz geschlossen haben: Erstens schmissigen Neo-Britpop und zweitens Frontmann Alex Rice, der Schwung und Aufgekratztheit für sieben Sänger mitbringt.

Wenn man so will, greifen Sports Team das Erbe von Blur und Supergrass auf. Sie sind auf ’nem guten Weg, Immer noch aber scheitern sie knapp an der Aufgabe, auch wirklich ein famoses „tune“ zu liefern. „Fishing“ hat prima Reibungsenergie, aber noch ist es nicht der Song, der die Band auf den nächsten Level hebt. Der kommt aber noch, behaupte ich. Und wenn diese fünf dann endlich ihr Pendent zu „Alright“ oder „Pumpin‘ On Your Stereo“, zu „There’s No Other Way“ oder „Song 2“ geschrieben haben, geht’s durch die Decke.

(Edi-)Tors Hammer

Meine Meinung über die Editors habe ich hier schon wiederholt kund getan: Wohlwollendes Schmunzeln. Denn die Herren haben die Tendenz, übers Ziel hinaus zu schießen. Das Wörtchen „subtil“ gibt’s in ihrem Wortschatz nicht. Im Zweifelsfall drehen sie die Regler immer eins hoch, legen eine weitere Schicht Synthies drauf, packen mehr Hall auf die Drums.

Wenn jemand mit dieser regelrecht U2-schen Neigung zum Pathos nichts anfangen kann, sehe ich das ein. Aber ich selbst find’s halt oft erstaunlich unterhaltsam und ich finde auf jedem Editors-Album meine paar Favoriten. Über die Jahre sind da doch einige Songs zusammen gekommen.

Über die Jahre haben die Editors auch so einige Hits geliefert. Es macht also durchaus Sinn, dass sie für den November eine Art „Best Of“ bzw Single-Compilation angekündigt haben. Die trägt den Titel „Black Gold“. Drei neue Songs gibt’s darauf auch, einer davon ist der Titelsong. Dieser wiederum hat jetzt ein Video, das U2/DepMo-Joshua Tree Nationalpark-Bombast aufgreift.

Tja. Die Drums stampfen wie hinkende Transformer und Tom Smiths Gepose in der Wüste verursacht durchaus den Frendschäm-Reflex. Aber trotzdem läuft es insgesamt ganz gut rein. Mei, so sind sie halt, die Editors.

Hey, Good Luby!

Hurra, neues von den Luby Sparks! Ihr erinnert euch? Letzten Herbst bin ich ziemlich ausgeflippt, als ich die Band bemerkte.

Diese fünf aus Tokyo lieben den Shoegaze-Dreampop der frühen 90er. Zufällig auch meine Lieblingsmusik. Diesen Sound versuchen sie, nachzubauen. Das Schöne dabei ist: Ob Absicht oder nicht, sie geben der Sache einen leichten japanischen Effet mit. Letztes Jahr veröffentlichte die Band im Januar ein tolles Debütalbum und im November eine prima EP. Nun haben die Luby Sparks mit  „Somewhere“ eine taufrische Single am Start.

Treibende Feder in der Band ist Gitarrist Natsuko Kato, aber der Fokus der Zuschauer liegt natürlich immer auf ihrer Sängerin, der Halbengländerin Erika Murphy.  Auf den ersten Songs der Luby Sparks wiederum sang noch eine gewisse „Emily“. Auch sie war Halbengländerin. Das hat mich ein bisschen verwirrt. Als ich letztes Jahr eine Rezension zur EP schrieb, behauptete ich, Emily sänge immer noch. Allerdings sang hier bereits Erika.

Lukewarm Motion

Ich mag die Temples, wirklich. Aber Ich finde: Sie machen Fehler.

Das zweite Album der Retro-Briten aus Kettering („Volcano“, (2017)) galt unter vielen begeisterten Fans ihres Debüts („Sun Structures“, 2013) als Enttäuschung. Dabei ist die Platte viel besser als ihr Ruf. Sie leidet letztlich unter dem Sequencing der Songs: Die drei besten Lieder der Platte versteckten die Temples am Schluss. Ich kenne einige Leute, die die Platte zu früh frustriert ausmachten.

Auch kurz vor ihrer Dritten („Hot Motion“), die am Freitag erscheint, schießen sie sich selbst ins Bein, finde ich. Für mich sind die drei Hits auf dem Album die Songs „The Howl“, „The Beam“ und „Step Down“. Aber die Band (bzw das Label) selbst hat sich entschieden, voll auf das Lied „You’re Either On Something (Or You’re Onto Something)“ zu setzen. Ich hätte das nicht gemacht. Für mich hat der Song zwar ein feine Melodie und ist ein prima Albumtrack. Aber um eine Single zu sein, ist er zu schleppend, hat zu wenig Pep.

Naja, vielleicht seht ihr’s ja ganz anders?

Noch was: Temples haben zuletzt in UK alle Vergleiche zu Tame Impala brüsk von sich gewiesen. Nein, von denen seien sie null und überhaupt nicht beeinflusst. Aber jetzt mal ehrlich: Wenn ihr euch von Tame Impala distanzieren wollt, ist es vielleicht keine gute Idee, eine Single zu veröffentlichen, die man 1:1 in „Feels Like We Only Go Backwards“ übergehen lassen kann?

Und hey – noch mal: Ich MAG die Temples. Ich will die ja eigentlich loben, loben, loben und nicht schimpfen.

Whales Of A Time

Die Sache mit These New South Whales ist ein bisschen aus dem Ruder gelaufen. Es fing an damit, dass vier Jungs aus Sydney eine Band gründeten, „die garantiert keinen Erfolg haben würde, aber bei der wir uns dafür ein bisschen zum Affen machen konnten.“ (Einer von ihnen: Luke O’Loughlin, heute Sänger von I Know Leopard)

Irgendwie wurde daraus eine Webserie auf Australiens Ableger von Comedy Central.  These New South Whales spielten sich selbst als überhebliche, aber peinliche Punkband, die sich durch die kleine australische Undergroundszene quält und nicht merkt, wie mies und unbeliebt sie ist. (Um alles witzig zu finden, muss man aber wohl die spezifischen Szene-Referenzen verstehen.)

Nun passierte aber auch folgendes: Die Songs der New South Whales fingen an, richtig gut zu werden. Ein Album erschien und fand echte Fans. Im November kommt nun sogar ein zweites. Diese Single schicken die Jungs voraus:

Indiekram. Mehr oder weniger. Interviews, Reviews, Playlists, Commentary.