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Something So Strange

Es gibt ja so einige Bands, da fragt man sich: Wieso sind die nicht viel größer? Das Potential, die Leute zu erreichen, ist doch zweifellos da!

Eine davon sind die Strange Names aus Minneapolis. Okay, ihr neo-80s-Sound ist nichts, was man nicht schon gehört hat. Aber sie machen smarte, griffige, manchmal herrlich bescheuerte Songs und Sounds. Case in point: „Into Me“, die Single, die das Trio seinem prima zweiten Album „Data“ voraus geschickt hat. Heute haben die Strange Names ein richtig schön beknacktes Video zum Song nachgeliefert. Jetzt mal ehrlich: Ist das nix, was die Millionen Phoenix- und The Killers-Hörer mögen könnten?

Weil mich das so an die 80s erinnert, juckt mich das, ein Video aus dem Jahr 1983 zu posten. Ich hätte auch Wang Chung, Hall & Oates oder Howard Jones posten können, aber ich picke die Naked Eyes.

Tahiti is on

Ach guck. Es war im Jahr 2000, da machten Tahiti 80 große Wellen mit ihrem Debütalbum „Puzzle“. In Japan war’s ein großer Hit, aber auch europaweit lief’s prima für das Quartett aus Rouen. Die Songs „Heartbeat“ und „A Love From Outer Space“ blieben noch lange Stammgäste im Atomic Café-Programm. Man sprach damals sogar von einer Art französischen Style-Pop-Welle, so mit Phoenix, Air und eben Tahiti 80.

Dass Tahiti 80s weiter aktiv sind, habe ich die letzten Jahre null mitbekommen. Aber hier ist eine neue Single namens „Sound Museum“. Na, wie klingen sie heute, die Herren?

(die zwei Hits von früher – vielleicht erkennt ihr sie wieder? –  gibt’s nach dem Break. Und auch eine Story, die mir wieder einfiel.)

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I Feel fin.

Yeah! Ich bin extrem gespannt aufs kommende Album von The fin. aus Kobe. Die Japaner begannen als sophisticated Indiepopper, so etwa im Stile von Phoenix/Tahiti 80. Doch da schon hatten sie irgendwie ihren eigenen Dreh, den man schwer beschreiben kann und den ich nicht zuletzt ihrer fernöstlichen Kultur zuschreibe: Es ist, als läge ein Filter drauf, der einen mir bekannten Sound ein wenig exotischer macht.

Mit ihrer 2016’er EP „Through The Deep“  gingen Sänger Yuto Uchino & Co ein Stückchen weg vom klassischen Song mit Strophe und Refrain und konzentrierten sich mehr aufs Layering ihrer Kompositionen. Ein Schritt, den sie auf ihrer letztjährigen „Afterglow EP“ weiter führten. In den kommenden Wochen soll ihr neues Album erscheinen, dem schicken The fin. nun das Video „Shedding“ voraus. Ich find’s echt stylish und spannend. Von der Komposition her folgt der Song ja quasi fast durchgehend nur zwei Akkorden, aber The fin, holen die Abwechslung und die Dynamik aus der Schichtung der Sounds. Das hat was, definitiv.

Domino Dinos

Neues von Last Dinosaurs aus Brisbane.
2012 traute man dem Quartett nach ihrem Debütalbum „In A Million Years“ zu, als Australiens Variante von TDCC/Phoenix auch international durchzustarten. Speziell die Single „Zoom“ machte Wellen.

Den Buzz konnten sie mit ihrem 2015er-Album „Wellness“ nicht aufrecht erhalten. Ob sie ihn mit „Dominos“ wieder anfachen können?

Review: Franz Ferdinand

Franz Ferdinand – „Always Ascending“

Okay, komplett irre Geschichte: Ein Musiker einer erfolgreichen Band lernt eine Künstlerin kennen. Er verfällt ihr, quasi. Fängt an, ihre experimentelle Kunst irgendwie in die Band mit einzubringen und startet mit ihr eigene sonderliche Art-Projekte. Am Ende steht seine Trennung von der Band. Man stelle sich das mal vor! Ist das, was Franz Ferdinand und ihrem Gitarristen Nick McCarthy passiert ist, etwa schon jemals in der Musikhistorie vorgefallen?

Höhö. Also, das war natürlich ein Witz jetzt. Den ich einfach nicht auslassen konnte. Es ist aber ja auch viel lustiger, sich das so vorzustellen, anstatt einfach den üblichen Verlautbarungen Glauben zu schenken, oder? Der offiziellen (und, zugegeben, glaubwürdigen) Version nach herrscht weiter dicke Freundschaft und Nick verließ die Band schlicht und ergreifend, weil er Papa geworden war und deshalb nicht mehr auf Tour gehen wollte. Seine Frau, die Künstlerin Manuela Gernedel, tauchte offenbar auch nicht mal eben plötzlich auf, sondern ist, wie man hört, schon seit Studienzeiten Nicks Partnerin. (Nun gut, sowas ist letztlich persönlicher Tratsch, den man vermutlich auch googlen könnte. Aber auf diesen Level will man ja nicht sinken.)

Fakt bleibt, Nick McCarthy ist eben nicht mehr dabei. Und Nick war natürlich ein substantieller Teil der bisherigen Franz Ferdinand. Review: Franz Ferdinand weiterlesen

Eighties gonna eight

Als die Strange Names aus Minnesota vor nicht ganz drei Jahren ihr erstes Album „Use Your Time Wisely“ veröffentlichten, da behauptete ich in meinem Text zu dem Album, sie seien gar keine 80s-Revival Band. Sondern eine 80s-Revival-Revival-Band. Ich fand, dass sie sich sogar mehr auf The Killers, La Roux, Phoenix, The Faint und ähnliche Bands aus dem neuen Jahrtausend bezögen als auf die 80s-Originale wie, sagen wir, Men Without Hats, INXS oder Duran Duran.

Aber so oder so, die Platte hat großen Spaß gemacht. Darum freue ich mich auf Ende Februar, wenn sich die Strange Names mit ihrem zweiten Album zurück melden. Die Vorab-Single „U.F.O.“ ist richtig schön tacky. Mir kommen da verdrängte 80s-Acts wie Hall & Oates, Howard Jones, Naked Eyes und Wang Chung in den Sinn. Nun gibt’s für den Song auch ein stimmiges Video mit so richtig wunderbar beschissenen Billig-Effekten.

What Did You Expect From 2018, Pt.3

Heute: Der dritte und letzte Teil meiner Liste „Ausgesuchte kommende Alben 2018“.  Es geht um meine persönliche Vorschau auf das anstehende Indie- Jahr. Um Platten, auf die ich gespannt warte. Alben, die entweder schon feststehen, die sicher erwartet werden oder auf die man zumindest spekulieren darf.

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What did you expect from 2018, Pt.2

Gestern habe ich eine Liste begonnen: „Ausgesuchte kommende Alben 2018“.

Anders gesagt: Auf welche Platten aus dem Indie-Bereich können wir uns im neuen Jahr einstellen? Ein paar Alben sind bereits bestätigt, andere sind realistische Prognosen und die eine oder andere Spekulation ist auch dabei. Hier nun Teil 2 meiner Aufstellung.

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Review: Captain

Captain – „For Irini“

Elf Jahre, vier Monate und ein Tag. Captain haben mitgezählt. So viel Zeit ist vergangen zwischen ihrem Debüt „This Is Hazelville“ und dem zweiten (offiziellen – dazu später mehr) Album „For Irini“. Natürlich ist in der Zwischenzeit eine Menge passiert. Hoffnung, Enttäuschungen, Trennungen, Neuanfänge, Geburten und leider auch ein Tod.

Aber erst mal die Rückblende. Wir schreiben die Saison 2005/2006. Die großen Indie-Namen heißen Bloc Party, Franz Ferdinand und Arctic Monkeys. Aber auch das 80-Revival läuft auch Hochtouren. Mehr und mehr Bands berufen sich auf den Synth New Wave der Jahre 80-84. Ein paar französische Gruppen wie Phoenix, Rhesus oder Tahiti 80 haben derweil stylischen Softpop wieder salonfähig gemacht. Der richtige Moment, um eine Band unter Vertrag zu nehmen, die das Early-Eighties-Revival wenige Jahre weiter dreht und sich an mid-80s-Schlauberger-Bands wie Prefab Sprout, The Blue Nile oder The Lotus Eaters orientiert, oder? Prompt sägen The Feeling durch die britischen Charts und landen mit ihrem Album „Twelve Steps and Home“ einen UK-Millionenseller.

Hallo, Captain!
Captain sind zu diesem Zeitpunkt fünf geschmackvolle junge Londoner Popfans, die mit ihrer Single „Frontline“ einen Achtungserfolg auf einem Indielabel gelandet haben. Die EMI riecht die Chance und greift zu. Man gibt dem Quintett um den schlaksigen Sänger Rik Flynn einen Vertrag und verpflichtet 80s-Symbolfigur Trevor Horn als Produzenten.  Review: Captain weiterlesen

Review: The fin./The Radio Dept.

The fin. – „Pale Blue / Afterglow EP“
The Radio Dept. – „Teach Me To Forget“ 

Auf den ersten Blick scheinen The fin. und The Radio Dept. nicht viel gemeinsam zu haben – mal abgesehen davon, dass beide Bandnamen kurioserweise mit einem Punkt enden.

Wir haben auf der einen Seite The fin. aus Kobe, die als eine Art japanische Version von Phoenix mit edlem, gepflegten Pop begonnen haben und die sich gerade ihren Namen in Europa machen.

Demgegenüber sind The Radio Dept. aus Lund inzwischen regelrechte Veteranen. Seit 2003 versorgen die Schweden die Welt mit LoFi-Shoegazing, wobei sie sich über die Jahre eine starke politische Unterströmung und eine Tendenz zur Tanzbarkeit angewöhnt haben.

Zwei ganz unterschiedliche Ausgangspositionen, aber dieses Wochenende sind beide interessanterweise an einem für meine Ohren durchaus klangverwandten Punkt angelangt. Beide Bands haben Freitag EPs veröffentlicht, beide EPs bestehen zur Hälfte aus Remixen, beide Bands erreichen einen soundtechnisch interessanten sweet spot, in dem schwebende Gitarren-Psychedelia und wummernde Beats zu einem neblig-hypnotischen Trancegazing verschmelzen.

Beginnen wir mit den Japanern. Ich habe mich hier letztes Jahr anlässlich ihrer „Through The Deep EP“ schon mal begeistert über The fin.s Ansatz ausgetobt: Auf ihren ersten EPs hielten sie sich noch an Songwriting-Strukturen, da gab’s Strophen und Refrains. Inzwischen haben sie ihr Songwriting auf ein Minimum runter gefahren: Der neue Song „Pale Blue“ folgt von Anfang bis Ende zwei Akkorden – dafür ist es das Arrangement, das durch stetige Addition und Substraktion von Tonspuren neue Klänge und Stimmungen schafft. Auch „Afterglow“ folgt quasi diesem Muster, verwendet dabei eine Schleife von vier Akkorden. Hey, wenn sich Imagine Dragons den ganzen Song durch die gleichen vier Akkorde durch quälen, schimpfe ich „Fisher Price-Songwriting!“ Aber the fin. verstehen es eben, diesen engen Rahmen mit so diversen, klischeefreien Klänge zu füllen und echte Atmosphären zu schaffen, dass ich nur staunen kann. Man achte nur mal darauf, wie der Song eine komplett andere Farbe annimmt, wenn bei Sekunde 0:47 der Bass einsetzt!

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