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Review: Hatchie

Hatchie – „Keepsake“

Ich wollte hier ja eigentlich letzten Mai schon was Größeres zu Hatchies erster EP schreiben. Denn Harriette Pilbeam aus Brisbane hat darauf große Erwartungen erfüllt und noch größere geweckt. Ich hab aber nix geschrieben. Warum? Dazu gleich.

Los ging’s im Herbst 2017. Da tauchte Harriette alias Hatchie, bis zu diesem Punkt (wenig) bekannt als Mitglied der Indiepopband Babaganouj, mit ihren ersten Solo-Singles „Try“ und „Sure“ auf. Man hörte gleich: Da ist was im Busch. Diese Lady kann so richtig schönen Dreampop machen. 

Ein paar Monate später gab’s „Try und „Sure“ noch mal auf Hatchies erster EP, plus drei neue Songs. Diese fielen nicht ab. Sie hielten den Level und bestätigten die Qualität der ersten beiden Singles.

Aber ich habe dann eben doch keinen Text dazu gepostet. Der Grund: Mehr als zu sagen „Hey, echt schöner, gekonnter Dreampop“ wollte mir einfach nicht einfallen. 

Letzten Freitag ist nun Hatchies erstes ganzes Album erschienen. Es ist sehr gelungen. Na, versuchen wir’s: Kann ich diesmal mehr dazu sagen? Review: Hatchie weiterlesen

Stuck In My Tees

Immer, wenn ich über die Deportees schreibe, schreibe ich in abgewandelter Form etwas in der Art: „Wie kann eine so gute Band, die in Schweden schon so lange zu den Kritikerlieblingen gehört, im Rest der Welt so kontinuierlich ignoriert werden?“

Jetzt haben die drei aus Nordschweden (Vindeln und Umeå heißen die Heimatorte der Mitglieder) es vor wenigen Wochen endlich „geschafft“ und ihre aktuelle EP „Re-Dreaming“ nicht nur auf dem schwedischen Markt, sondern gleichzeitig auch offiziell international veröffentlicht. Es wäre aber gelogen, wenn man jetzt schreiben würde, dass das Echo enorm wäre.

En Problem ist natürlich, dass EPs einfach nicht so wahrgenommen werden wie Alben. Die EP soll auch nur den Boden bereiten für einen im Herbst kommenden Longplayer.

Die zweite Sache ist die: Deportees sind nicht spektakulär. Ihr Songwriting ist brilliant, aber subtil. Es ist eine Kunst, die sich anschleicht. Die Popwelt wiederum ist aber naturgemäß eine Welt der Marktschreier. Die Deportees liegen folglich als schlicht verpacktes Qualitätsprodukt in einem Regal, in dem es um sie herum blinkt, neonbunt pulsiert, piept und pfeift, während aufploppende Popup-Fenster Reisen nach Florida versprechen. Bis man da bemerkt wird, dauert’s.

Bleibt dran, Deportees! Sie bleiben dran. Es gibt nun einen dritten Clip aus der EP, diesmal eine Live-Aufnahme vom Track „A Love Design“.

Vielleicht erkennt ihr den Drummer? Thomas Hedlund ist gefragt, international. Er trommelt live u.a. auch für Phoenix und für Boy, er ist Mitglied der Post-Metaller Cult of Luna und sprang unlängst auch bei den Hives ein.

Dearly Deported

Tja. Nichts sagt „in Schweden lange schon beliebte Band, aus Umeå, hoch im Norden des Landes, nach fünf erfolgreichen Alben und zahlreichen Kritikerpreisen in der Heimat ENDLICH erstmals mit einem internationalen Deal ausgestattet“ so deutlich wie ein Video, in dem ein Skater durch die kalifornische Wüste rollt und Molotowcocktails in Autowracks wirft. I guess.

Mein Text zum letzten Deportees-Album „The Big Sleep“ (2015): HIER

Los Amigos del Deportee

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: WARUM sind eigentlich die Deportees außerhalb Schwedens bisher nie so richtig in die Gänge gekommen? Zuhause ist die inzwischen zum Trio geschrumpfte Band aus Umeå  ein absoluter Kritikerliebling und Fanfavorit – und normal ist es ja durchaus so, dass schwedische Bands im Rest von Europa sehr wohl wahrgenommen werden. Warum nicht die Deportees?

Zudem: Ihr Drummer Thomas Hedlund ist Live-Drummer von Phoenix (ja, DEN Phoenix).  Das sollte doch ein bisschen Aufmerksamkeit bringen? Aber damit z.B. Pitchfork die Band in all den Jahren überhaupt mal nebenbei erwähnte, mussten sie ein Duett mit Lykke Li aufnehmen.

Nun gut. Nach fünf zum Teil ganz großartigen Platten (HIER mein Text zu ihrem letzten Album von 2015) soll im neuen Jahr eine neue EP und ein neues Album kommen. Vorab gibt’s als Single wie immer ein sehr feines Lied, das man auf Englisch am besten mit sophisticated beschreiben würde: „Bright Eyes“

Royal’s keen

The Royal Concept, das ist die Band, die sich seit 2011 reckt und streckt, die Lungen aufpumpt, sich in den Startblock klemmt und den Eindruck macht, als würde sie gleich eine Megabestzeit hinlegen. Aber an der dritten, vierten Hürde kommt sie ins Straucheln, bricht ab und geht zurück an den Start.

Zwei frühe Singles der Stockholmer, die sich als Studiomusiker für Popacts kennenlernten, waren sogar im Atomic noch echte Dancefloor-Hits: Denn „D-D-Dance“ und „Gimme Twice“ klangen wie die zwei größten Phoenix-Hits, die Phoenix selbst nie geschrieben haben.

Seitdem tourten The Royal Concept viel durch die Staaten und Asien, unterschrieben große Verträge und verloren sie wieder, veröffentlichten in verschiedenen Märkten verschiedene EPs und nur daheim in Schweden ein Album – und gaben ihr letztes Lebenszeichen 2015 mit der „Smile EP“.  2019 stehen die Jungs, die längst Herren sind, wieder ungefähr da, wo sie 2011 standen.

Aber sie sind mal wieder auf des Startblock raus und nehmen die erste Hürde mit einer neuen Single: „Need To Know“. Na, ob sie’s diesmal wohl bis zur Album-Linie schaffen?

nach dem Break die zwei frühen Beinahe-Hits:

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I Predict A Record – 2019, Pt.1

Frohes Neues, und so! 2019 hat begonnen – da gilt es mal wieder, Prognosen aufzustellen. Neulich habe ich euch schon ein Liste meiner Newcomer-Tipps hier platziert. Heute geht’s um die Frage: Von welchen Bands erhoffe ich mir was, die nicht in die Kategorie Newcomer fallen? Teilweise sind neue Alben schon bestätigt, teilweise deuten alle Anzeichen sicher drauf hin, teilweise spekuliere ich.
Ich teile den Post auf zwei Teile auf  – heute geht’s von A-J.

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Something So Strange

Es gibt ja so einige Bands, da fragt man sich: Wieso sind die nicht viel größer? Das Potential, die Leute zu erreichen, ist doch zweifellos da!

Eine davon sind die Strange Names aus Minneapolis. Okay, ihr neo-80s-Sound ist nichts, was man nicht schon gehört hat. Aber sie machen smarte, griffige, manchmal herrlich bescheuerte Songs und Sounds. Case in point: „Into Me“, die Single, die das Trio seinem prima zweiten Album „Data“ voraus geschickt hat. Heute haben die Strange Names ein richtig schön beknacktes Video zum Song nachgeliefert. Jetzt mal ehrlich: Ist das nix, was die Millionen Phoenix- und The Killers-Hörer mögen könnten?

Weil mich das so an die 80s erinnert, juckt mich das, ein Video aus dem Jahr 1983 zu posten. Ich hätte auch Wang Chung, Hall & Oates oder Howard Jones posten können, aber ich picke die Naked Eyes.

Tahiti is on

Ach guck. Es war im Jahr 2000, da machten Tahiti 80 große Wellen mit ihrem Debütalbum „Puzzle“. In Japan war’s ein großer Hit, aber auch europaweit lief’s prima für das Quartett aus Rouen. Die Songs „Heartbeat“ und „A Love From Outer Space“ blieben noch lange Stammgäste im Atomic Café-Programm. Man sprach damals sogar von einer Art französischen Style-Pop-Welle, so mit Phoenix, Air und eben Tahiti 80.

Dass Tahiti 80s weiter aktiv sind, habe ich die letzten Jahre null mitbekommen. Aber hier ist eine neue Single namens „Sound Museum“. Na, wie klingen sie heute, die Herren?

(die zwei Hits von früher – vielleicht erkennt ihr sie wieder? –  gibt’s nach dem Break. Und auch eine Story, die mir wieder einfiel.)

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I Feel fin.

Yeah! Ich bin extrem gespannt aufs kommende Album von The fin. aus Kobe. Die Japaner begannen als sophisticated Indiepopper, so etwa im Stile von Phoenix/Tahiti 80. Doch da schon hatten sie irgendwie ihren eigenen Dreh, den man schwer beschreiben kann und den ich nicht zuletzt ihrer fernöstlichen Kultur zuschreibe: Es ist, als läge ein Filter drauf, der einen mir bekannten Sound ein wenig exotischer macht.

Mit ihrer 2016’er EP „Through The Deep“  gingen Sänger Yuto Uchino & Co ein Stückchen weg vom klassischen Song mit Strophe und Refrain und konzentrierten sich mehr aufs Layering ihrer Kompositionen. Ein Schritt, den sie auf ihrer letztjährigen „Afterglow EP“ weiter führten. In den kommenden Wochen soll ihr neues Album erscheinen, dem schicken The fin. nun das Video „Shedding“ voraus. Ich find’s echt stylish und spannend. Von der Komposition her folgt der Song ja quasi fast durchgehend nur zwei Akkorden, aber The fin, holen die Abwechslung und die Dynamik aus der Schichtung der Sounds. Das hat was, definitiv.

Domino Dinos

Neues von Last Dinosaurs aus Brisbane.
2012 traute man dem Quartett nach ihrem Debütalbum „In A Million Years“ zu, als Australiens Variante von TDCC/Phoenix auch international durchzustarten. Speziell die Single „Zoom“ machte Wellen.

Den Buzz konnten sie mit ihrem 2015er-Album „Wellness“ nicht aufrecht erhalten. Ob sie ihn mit „Dominos“ wieder anfachen können?