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Across The Ununiverse

Es ging durch die Medien – der preisgekrönte isländische Filmkomponist Johann Johansson ist im Alter von nur 48 Jahren gestorben.

Nun muss ich so ehrlich sein: Auch wenn mir Johannssons Name geläufig war, bin ich doch kein Kenner von Filmmusik. Ich habe trotzdem den einen oder anderen Nachruf gelesen – und lernte zu meiner Überraschung, dass Johansson in den 90ern auch Mitglied von Unun war. Jetzt hatte auch ich meinen Bezugspunkt, denn irgendwo in meiner CD-Sammlung im Keller liegen auch ein, zwei Singles dieser Band vergraben. Mitte der 90s galten Unun nämlich mal kurz als Islands neue Indie-Hoffnung.  Ich mochte ihre Songs „You Do Not Exist“ und „I See Red“.

Damals kannte man noch kein Googlen. Das habe ich jetzt getan. Ich wusste all die Jahre nicht: Auch wenn meine paar CDs auf Englisch sind, haben Unun zuerst auf Isländisch aufgenommen. Auf youtube stehen ein paar isländische Videos der Band. Ebenfalls Mitglied bei Unun: Þór Eldon Jónsson, der vorher bei den Sugarcubes (und mal mit Björk verheiratet) war. Die Sängerin der Band hieß Hei∂a Eíriksdottír.

Okay, wenn Johann Johannsson es sich aussuchen könnte, möchte er sicher, dass man sich an ihn für seine Hauptwerke als klassischer bzw als Filmkomponist erinnert. Nicht unbedingt dafür, dass er Mitte 20 mal in einer Indieband mitspielte. Trotzdem werde ich jetzt hier einen Clip von Unun teilen. Weil ein Leben aus vielen Phasen und Facetten besteht. Weil an Johann Johannsson, den begabten E-Musik-Komponisten, schon die Anderen erinnern. Ich finde, es ist Wert, zu zeigen: Auf Johanssons Weg zu dem Künstler, der er letztlich wurde, lagen diverse Stationen. Und ist es nicht auch irre, zu wissen: Eins von den Kids in diesem Video gewinnt später mal den Golden Globe in Hollywood! (…und stirbt viel, viel zu jung, verdammt. R.i.P. JJ)

Wer seid das, Indie?

Nicht nur Interviews sind verloren gegangen, als letztes Jahr mein alter Blog vom Netz ging. Anfang 2014 schrieb ich zum Beispiel einen Aufsatz zum Indie-DJ-Dasein an sich. Eine Art Manifest meines Indie-Glaubens. Ich bin wieder auf diesen Text gestoßen und finde, der gilt auch im Spätsommer 2015. Nicht zuletzt, weil ich – so sieht’s jedenfalls aus – wohl bald wieder hinters DJ-Pult zurück kehre, macht es auch Sinn, noch mal meine Indie-Definition zu umreißen.

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Im Jahr 2014* noch Indie-DJ zu sein und sich auch als Indie zu definieren – was bringt das noch?

Hier eine Antwort. Meine.

Eklektizismus wird heute überall groß geschrieben. Einen bestimmten Sound zu picken und sich darauf zu konzentrieren, gilt als kleingeistig. Erst neulich wieder schrieb eine meiner aktuellen Lieblingsbands, Alpine nämlich, auf facebook, ohne erkennbaren Anlass: „Never restrict yourself to one genre of music“. Damit haben sie unbestritten Recht. Engstirnigkeit, Verbohrtheit, können nie was Gutes bedeuten.

Trotzdem hat mich das mal wieder zum Nachdenken gebracht. Denn es gibt ja auch eine Kehrseite des Ganzen. Wer seid das, Indie? weiterlesen