Schlagwort-Archive: The Radio Dept.

Review: The fin./The Radio Dept.

The fin. – „Pale Blue / Afterglow EP“
The Radio Dept. – „Teach Me To Forget“ 

Auf den ersten Blick scheinen The fin. und The Radio Dept. nicht viel gemeinsam zu haben – mal abgesehen davon, dass beide Bandnamen kurioserweise mit einem Punkt enden.

Wir haben auf der einen Seite The fin. aus Kobe, die als eine Art japanische Version von Phoenix mit edlem, gepflegten Pop begonnen haben und die sich gerade ihren Namen in Europa machen.

Demgegenüber sind The Radio Dept. aus Lund inzwischen regelrechte Veteranen. Seit 2003 versorgen die Schweden die Welt mit LoFi-Shoegazing, wobei sie sich über die Jahre eine starke politische Unterströmung und eine Tendenz zur Tanzbarkeit angewöhnt haben.

Zwei ganz unterschiedliche Ausgangspositionen, aber dieses Wochenende sind beide interessanterweise an einem für meine Ohren durchaus klangverwandten Punkt angelangt. Beide Bands haben Freitag EPs veröffentlicht, beide EPs bestehen zur Hälfte aus Remixen, beide Bands erreichen einen soundtechnisch interessanten sweet spot, in dem schwebende Gitarren-Psychedelia und wummernde Beats zu einem neblig-hypnotischen Trancegazing verschmelzen.

Beginnen wir mit den Japanern. Ich habe mich hier letztes Jahr anlässlich ihrer „Through The Deep EP“ schon mal begeistert über The fin.s Ansatz ausgetobt: Auf ihren ersten EPs hielten sie sich noch an Songwriting-Strukturen, da gab’s Strophen und Refrains. Inzwischen haben sie ihr Songwriting auf ein Minimum runter gefahren: Der neue Song „Pale Blue“ folgt von Anfang bis Ende zwei Akkorden – dafür ist es das Arrangement, das durch stetige Addition und Substraktion von Tonspuren neue Klänge und Stimmungen schafft. Auch „Afterglow“ folgt quasi diesem Muster, verwendet dabei eine Schleife von vier Akkorden. Hey, wenn sich Imagine Dragons den ganzen Song durch die gleichen vier Akkorde durch quälen, schimpfe ich „Fisher Price-Songwriting!“ Aber the fin. verstehen es eben, diesen engen Rahmen mit so diversen, klischeefreien Klänge zu füllen und echte Atmosphären zu schaffen, dass ich nur staunen kann. Man achte nur mal darauf, wie der Song eine komplett andere Farbe annimmt, wenn bei Sekunde 0:47 der Bass einsetzt!

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Review: Slowdive

Slowdive – „Slowdive“

Ohne Slowdive zu nahe treten zu wollen – aber ich glaube, von all den early-90s-Bands, die sich in den letzten Jahren wiedervereinigt haben, haben sie den leichtesten Job, wenn es darum geht, an ihr altes Schaffen anzuknüpfen. Ich meine: Suede müssen glamourös und verrucht bleiben, auch als gegen den Bierbauch ankämpfende Familienväter. Blurs Alben müssen immer irgendwie einen Kommentar zum Zeitgeschehen abgeben. My Bloody Valentine müssen cutting edge, revolutionär und „out there“ bleiben. Auf den Schultern der Stone Roses und Rides lasten zentnerschwere Erwartungen von Fans, für die sie mal das Ein und Alles waren. Slowdive waren aber immer nur: Neblig und verträumt.

Natürlich, sie waren herrlich und majestätisch neblig und verträumt. Ihre verschwommene, aber erhabene Melancholie ließ den Hörer abdriften, in Sphären schweben. Die Gitarren schnurrten ineinander und schichteten sich wie hauchfeine Schleier. Ihr wolkiger Gesang blieb unkonkret, vage, für alle Interpretationen offen. So wurden Slowdive in den frühen 90s zur Poesiealbum-Band unter den Shoegazern – und ich sage das mit aller Zuneigung. Mann, ich erinnere mich genau an den Tag, als ich das erste Mal die „Morningrise EP“ auflegte! Es war ein sonniger Frühlingstag, ich bin danach im Wäldchen an der Dülferwiese spazieren gegangen und das blendende Licht des zwischen den Bäumen klang wie die Musik in meinen Ohren. Review: Slowdive weiterlesen

Prize and Shine – Pt2

augustiner-collected-2016-bEin mal im Jahr küren wir hier den Ein-Kasten-Augustiner-Preis. Die Idee dahinter ist, dass eine Gruppe Freunde und ich ein Lied zum „Song des Jahres“ ernennen und dann dem Sieger einen Kasten Augustiner zukommen lassen. Auch wenn wir den Kasten noch nicht oft wirklich an den Mann gebracht haben, fand doch letztes Wochenende unser entsprechendes Meeting statt. Hier nun Teil 1 unserer Zeremonie…

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Prize and Shine 2016 – It’s On!

augustiner-collected-header-2016Hey, haben wir was vergessen? Natürlich nicht! Wir haben zwar letztes Mal wieder die Trophäe nicht an den Gewinner gebracht, (jedenfalls bis dato) – aber trotzdem soll’s natürlich auch dieses Jahr auf diesem Blog wieder einen 1-Kasten-Augustiner-Preis geben!

Will heißen: Ich und eine Handvoll Freunde (Will wer mitmachen? Schreibt einen Kommentar or PM me on facebook) treffen uns in meiner Küche in München und diskutieren, welches Lied unserer Meinung nach der Song des Jahres war. Inklusive In-der-Küche-tanzen, Brezenmonster, peinlichen Gesangsversuchen und mehr. Hinterher wird das Procedere hier noch mal nacherzählt und der Sieger kriegt (so ist jedenfalls der Plan) einen Kasten Augustiner überreicht!

Und wer sind die 16 Nominierten des Jahres 2016? Das lest ihr gleich HIER: Prize and Shine 2016 – It’s On! weiterlesen

Meine Alben 2016, Pt. 6 (5-1)

header-2016-1-sturgeFanfare! Yeah! Hier sind sie! Die Alben des Jahres 2016, according to his Nerdness Meinereiner! Ihr habt lange durchgehalten, über fünf frühere Posts habe ich diese Liste schon ausgewalkt. Jetzt sind wir bei den Top 5 angekommen. Na, wer wird gewinnen?

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Review: The Radio Dept.

Radio Dept - Running Out Of LoveThe Radio Dept. – „Running Out Of Love“

„Smrt fašizmu, sloboda narodu!“ So lautete der Leitspruch im jugoslawischen Widerstand im zweiten Weltkrieg gegen die Nazis. Auf deutsch: „Tod dem Faschismus, Freiheit dem Volk!“

Ich hätte nicht gedacht, dass diejenigen, von denen ich diesen wichtigen historischen Satz mal lernen würde, The Radio Dept. sein könnten.

Die zwei Schweden, sie galten schließlich immer als Shoegazer. Shoegazer wiederum gelten als weltabgewandte, introspektive Träumer. Weil sie mit ihren Sounds bekanntlich fuzzige, verschwommene Atmosphären schaffen, in denen man so versinkt, so dass man die Außenwelt vergisst.

Die originalen Shoegazer taten das in den frühen 90ern mit Gitarrenwänden aus meterdickem Feedback. Johan Duncanson und Martin Larsson aus Lund gingen 10 Jahre danach, Anfang/Mitte der ’00er Jahre, völlig anders vor. Sie spielten ihre Instrumente mit den billigsten Standard-Programmen auf ihrem Heim-PC ein. Sphärisch klang’s trotzdem. Review: The Radio Dept. weiterlesen

Single Review: The Radio Dept.

Radio Dept - Running Out Of LoveThe Radio Dept. – „Swedish Guns“

Schweden. Progressives, liberal denkendes Land. Kultureller Vorreiter, weit entwickelte Forschung. Vorbildlich auch in Sachen Intergration. Obwohl man nur acht Millionen Einwohner hat, Schweden ist immer da, wo vorne ist. Richtig?

Leider nicht mehr. Auch in Schweden haben die Rechten Auftrieb bekommen. Auch in Schweden wird der Sozialstaat abgebaut. Auch in Schweden wird gegen Flüchtlinge Stimmung gemacht.

Was eine andere, lange schwelende Diskussion wieder angefacht hat. Schweden, das so friedliebende, fortschrittliche Land ist auch ganz weit vorne in Sachen Waffenproduktion. Ein globaler Player. Weswegen die Diskussion über die Scheinheiligkeit, einerseits mit Waffenverkäufen Asche zu machen, und sich dann zu wundern, dass die Opfer von Gewalt das Weite suchen und dabei auch in Schweden landen, in dem Land lauter geführt wird als bei uns, wo das auch öfter auf die Tagesordnung sollte.

Shoegazer galten immer als introvertiert. Die vertonten innere Gefühlswelten und scherten sich nicht um die Außenwelt, ihre Texte waren normal eher schwammig. The Radio Dept. haben das am Anfang auch getan, als sie in den frühen Nullerjahren aus Lund auftauchten, mit ihren schnurrenden Gitarren und ihren Drums aus dem Billigrechner.

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Review: FEWS

FEWS_MEANS_300x300FEWS – „Means“

Drei Schweden, ein Ami und eine Bandgeschichte, die es vor zwanzig Jahren so nicht hätte geben können. Weil die sozialen Medien darin eine Hauptrolle spielen: Nachdem David aus Malmö mit 15 seine ersten Songs auf myspace stellte, meldete sich Fred aus Kalifornien als sein erster Fan. Die beiden schrieben sich von da an regelmäßig, weil sie sich für die gleichen Lieblingsbands begeisterten und die gleichen Vorstellungen hatten, wie die ideale Band klingen sollte. Die beiden kamen so gut miteinander klar, dass Fred schließlich von San Francisco nach Schweden auswanderte. David holte noch zwei Kumpels aus Göteborg an Bord (names Rusty und Lulu – Nachnamen gibt’s nicht bei dieser Gruppe) und fertig waren die FEWS.

Wer die Bands waren, für die Fred und David sich begeisterten? The Cure müssen dabei gewesen sein, Carlos von Interpol war’s auf jeden Fall (denn das haben sie in Interviews gesagt). Ich höre auch noch die Dissonanz von Sonic Youth, die Repetition der frühen Stereolab, die Rhythmik bzw Motorik des Krautrock und die zweite Generation der Shoegazer (= mehr Radio Dept. als Slowdive). Alles Elemente, die wir schon kennen – die FEWS aber tatsächlich so gezielt einsetzen, dass sie ihre eigene, wiedererkennbare Nische zimmern. Review: FEWS weiterlesen

Review: Cheatahs

cheatahs-mythologiesCheatahs – „Mythologies“

Mein geschätzter Indie-DJ-Kollege Benny Ruess vom Revolver Club in Hamburg LIEBT die Cheatahs. Hingebungsvoll. Kein Wunder – wie ich ist er zur Wende der 80s auf die 90s mit Indie sozialisiert worden, also zur Zeit der Manchester Baggy Ära sowie des Shoegazing. Wenn wir kreischendes Feedback und sich auftürmendes weißes Rauschen hören, dann ist das für uns kein Lärm. Für uns ist es der Soundtrack der großen Versprechen des Lebens. Wir denken an die letzten Schuljahre, als man sich auf all das freute, das da draußen auf einen wartete. Wir denken an die Mädchen, in die wir im Gymnasium verknallt waren, an Biere am Baggersee und den ersten Sex. Also mir geht’s mal so – und ich unterstelle Benny einfach mal, bei ihm ist es ähnlich. Shoegazing-Gitarren und Säuselgesang sind ein Schlüsselreiz für uns, der uns immer „Hach!“ sagen lassen wird.

Trotzdem konnte ich ausgerechnet den Cheatahs bisher nicht so viel abgewinnen. Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen deswegen, weil Benny die so liebt. Als würde ich was falsch machen. Schließlich: Wenn es eine neue Band gibt, die sich treu ans Shoegaze-Regelbuch hält, dann ist das ja wohl dieses multinationale Quartett (Gesang: CAN / Gitarre: UK / Bass: US / Drums: D), das sich in London gründete. Aber auch wenn sie mich an so viele Lieblingsbands erinnerten, die Cheatahs selbst wurden keine.

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