Schlagwort-Archive: Teenage Fanclub

Review: The Kooks

The Kooks – „Let’s Go Sunshine“

Ach ja, eine neue von The Kooks gibt’s ja auch. Seit fast zwei Wochen schon. Naja, schreiben wir drüber. Aber ihr merkt: Enthusiasmus kann ich irgendwie nicht aufbringen.

Dabei waren Luke Pritchard und seine Jungs doch eine der ganz großen Indie-Singles-Bands der letzten Jahre! Ihr unbeschwertes Debütalbum „Inside In/Inside Out“ (2006), das war keck, das war sexy, das war spritzig wie eine eine Mineralwasserflasche, die man vorher geschüttelt hatte! Man konnte gar nicht in Deckung gehen – jeder kriegte was ab. Zisch! Psssch! „Sofa Song“, „Eddie’s Gun“, „Naive“, „She Moves In Her Own Way“, „Ooh La“! Alles Songs, die heute noch auf dem Indie-Dancefloor ziehen. Man sollte sie total totgehört haben, aber man ertappt sich immer noch beim Mitsingen. 

Aber ihr wisst schon, warum ich die Mineralwasserflasche ins Spiel gebracht habe. Um zu unterstreichen: Oha, die Luft ging raus. Auf dem zweiten Album („Konk“, 2008) gab’s noch zwei, drei sprudelnde Singles, auf der dritten („Junk Of The Heart“ (2011)) perlte es schon eher sanft als Medium.

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Interview: Rolling Blackouts Coastal Fever

Mit zwei EPs haben sie uns in den letzten 24 Monaten begeistert, seit Freitag ist das Album da! „Hope Downs“ erfüllt alle Erwartungen, die man an Rolling Blackouts Coastal Fever aus Melbourne nach dem tollen Auftakt stellen durfte. Klar ließ ich mir die Möglichkeit nicht entgehen, ein Telefon-Interview mit den Australiern zu führen. An der Muschel: Fran Keaney, einer von gleich drei Sängern & Songwritern dieser Band.

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Happy Birdsday!

Labels, die man im Auge behält, Teil 36b: Trouble In Mind aus Chicago. Wer Melbournes famose Dick Diver und Londons Ultimate Painting für die USA lizenziert, der hat Geschmack bewiesen und findet bestimmt auch im eigenen Land gute Gruppen. Also klicken wir doch mal das Video von The Love-Birds aus San Francisco an. Gute Wahl, Trouble in Mind! Da fühlt man sich an die 90s erinnert, an The Lemonheads und Teenage Fanclub. Wir lernen: The Love-Birds veröffentlichten vor zwei Wochen ihr Debütalbum „In The Lover’s Corner“. Norman Blake von Teenage Fanclub hatte tatsächlich seine Hände im Spiel, er hat die Platte gemastert. Nice!

Fragebogen: The Magic Gang

Britpop lebt, und zwar wie! The Magic Gang aus Brighton erinnern uns an gleich mehrere Lieblingsbands der 90s wie Teenage Fanclub, Dodgy oder Supergrass.  Ihr Debütalbum ist eine prima Platte. (HIER noch mal mein Text dazu)

Neulich spielten die Südengländer erstmals in München, im Vorprogramm der Wombats. Ich nutzte die Gelegenheit, um die vier zum Interview zu treffen – dafür bot sich mal wieder der Fragebogen unseres Heftes an.

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Review: The Magic Gang

The Magic Gang – „The Magic Gang“

Pssst! Sagt es nicht! Sagt nicht das böse B-Wort!

Ich las mich zuletzt durch ein paar der begeisterten UK-Artikel, die The Magic Gang für ihr Debütalbum erhielten. Kurios: Ein Wort wird einfach nicht genannt, als habe man Angst, dass die vier alle Coolness verlieren, wenn es an ihnen haften bleibt: Britpop.

Britpop ist offenbar immer noch ein schmutziges Wort auf der Insel. Es steht weiterhin und möglicherweise für immer für betrunkene Lads, die „OOAAASIS!“ grölen. Sowie für rückwärts denkende Traditions-Puristen, für die Errungenschaften des neuen Jahrtausends, wie Smartphones oder Spotify, Teufelswerk sind.

Es ist, als herrsche erzwungene kollektive Amnesie. Niemand mag sich daran erinnern, wie aufregend Britpop mal war. Aber so ist das nun mal mit Trends. Es geht mit guten Bands los, alle sind begeistert. Daraus wird eine Welle, die eine Zeitlang alles regiert, bis sie allen zu viel wird. Am Ende der Welle stehen die unoriginellen Nachahmer, die so mies sind, dass sie einem den Spaß an den Bands vergällen, die die Lawine mal ausgelöst haben. Siehe Shoegazing, Grunge, Britpop, eigentlich jeder musikalische Trend ever.

Eine sehr umfangreiche Titelstory im DIY-Magazin nennt die Beach Boys als ersten Vergleich für The Magic Gang. Okay, das ist nicht völlig verkehrt. Aber: Viel näher lägen nun mal bestimmte Britpop-Bands der 90er. Nicht alle waren schließlich damals Hooligans. Da gab es Feingeister wie The Bluetones. Oder Dodgy, die Jäger der verlorenen Melodien. Review: The Magic Gang weiterlesen

Review: Alvvays

Alvvays – „Antisocialites“

Okay, stellt euch vor, ihr seid Bergsteiger. Eure kleine Vierergruppe hat sich einen Gipfel zur Besteigung auserkoren. Also kraxelt und klettert ihr durch unwegsames Gebiet und schafft es auf die Bergspitze! Aber als ihr oben angekommen seid, stellt ihr fest: Hier sind ja schon dreißig andere! Auf der anderen Hangseite gibt es einen Wanderweg! Der ist sehr beliebt und wird von zahlreichen Reisegruppen frequentiert.

So in etwa müssen sich Alvvays aus Toronto fühlen. Sängerin Molly Rankin und ihre Band sagen von sich, dass sie Teenage Fanclub lieben. Dass sie klassische Songs schreiben wollen, mit denen sie was auslösen beim Hörer. Sie glauben dabei, einen gewissen Einfluss keltischer Melodien mitzubringen, denn Mollys Eltern leiteten eine Traditions-Folkband, damit ist sie aufgewachsen.
Aber wann immer Alvvays eine Zeitung aufschlagen, lesen sie über ihre Band zuerst die Worte „Indie-Janglepop“ und „Tweepop“. Immer wieder die Vergleiche ihrer Musik mit Bands der späten 80er aus England und Neuseeland. Bands, von denen Alvvays sagen, sie seien nie ihre Vorbilder gewesen.

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Review: The Creases

The Creases – „Tremolow“

Achtung! Bevor ich über diese sehr gelungene, lebhafte Britpop-Platte aus (wo sonst) Australien schreibe, werde ich mal wieder ausholen.

Zu meiner Entschuldigung: Ich bin nun mal ein Kind der 70er, ein Teenie der 80er und war als Twentysomething bewusster Anhänger des Britpop. Darauf bin ich geprägt und darin bin ich gefangen. Als ich zum Beispiel mein Abi machte, da gab’s The Smiths, Pixies, The Cure, The Stone Roses, Ride. Diese Frisuren und Attitüden waren und bleiben für mich der Zenit dessen, was cool bedeuten konnte und kann. Das waren meine Rebellen. Meine individualistischen, stylischen, kunstbeflissenen, smarten Rebellen. Aber vermutlich ging die Prägung schon in Kindeszeiten los, weil die Beatles-Filme „Help“ oder „Yellow Submarine“ oft genug im Fernsehen kamen. Vier Jungs mit Gitarre, Gitarre, Bass und Drums sind für seitdem für mich die ewige Verkörperung von Nonkonformismus, Expression, Freundschaft, Zusammenhalt, Aufmüpfigkeit und vom Glauben, dass man gemeinsam etwas schaffen kann, das man alleine nicht schafft.

Deswegen beschleicht mich ein ungutes Gefühl, wenn ich sehe, dass heute gefühlt nur noch Solisten unterwegs sind. Ob jetzt Singer/Songwriter, Electronic Landfill-Producer, Rapper, egal. Alles selbstzentrierte Egomanen: MEINE Gefühlswelt, MEIN Kopfkino, MEINE Selbstdarstellung! Ich bilde mir ein, dass diese Solo-isierung der Musiker schon irgendwie symptomatisch steht für die Jeder-für-sich-isierung einer Welt, in der jeder sich selbst über alles und alle anderen stellt, seinen Profit über das Wohl der Allgemeinheit. Dafür, dass wir verlernen, gemeinsam zu arbeiten.

Deswegen sehe ich gerne Bands. Außerdem mag ich Songs.

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Review: Rolling Blackouts C.F.

Rolling Blackouts Coastal Fever – „The French Press“

Bei Teenage Fanclub ist es bekanntlich so: Die Schotten haben gleich drei Sänger bzw. Songwriter. Wer sich in die Band verguckt, erkennt schnell: Dieser Song ist typisch Norman Blake, diesen hier hat Gerard Love geschrieben und der hier ist garantiert von Raymond McGinley.

Auch Melbournes Rolling Blackouts Coastal Fever haben drei Songwriter bzw. Sänger. Noch bin ich aber leider nicht so weit, Tom Russo, Joe White und Fran Keaney auseinander zu halten. Weder, was ihr Songwriting angeht, noch an ihren Stimmen. Allerdings erschweren die Jungs uns das auch. Denn während bei TFC immer der jeweilige Songwriter sein Lied singt und die anderen vielleicht noch Harmonien beisteuern, wechseln sich RCBF häufig innerhalb eines Songs ab, als antworteten sie aufeinander. Manchmal fallen sie sich sogar ins Wort. Was natürlich eine interessante Eigendynamik zur Folge hat: Wir hören Songs aus verschiedenen Perspektiven, die sich auch widersprechen können. Manchmal reden/singen die Stimmen aneinander vorbei, ganz wie im realen Dialog. Das kann die Songs mit sehr viel Leben erfüllen. Review: Rolling Blackouts C.F. weiterlesen

Meine Alben 2016, Pt. 5 (10-6)

header-2016-6-stickySo langsam kommen wir der Sache näher. Immer noch befinde ich mich in meinem Countdown der Platten, die mir dieses Jahr besonders viel gegeben haben und die für mich deshalb die Alben des Jahres 2016 sind. Klar, das alles ist extrem persönlich-subjektiv, aber vielleicht kann ich ja trotzdem noch den einen oder anderen nachträglich für einen der Longplayer begeistern oder jemand freut sich, dass er eine eigene Lieblingsplatte hier wiederfindet. Wir sind in den Top Ten angelangt. Platz 10 – 6 gehen an…?

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Painted Love

Über „Dusk“, das dritte Album des Londoner Duos Ultimate Painting, wollte ich hier längst schon schreiben. Das gute Stück erschien Ende September und es ist eine wunderbar unaufgeregte, fast gemütliche Platte. Kein neuer Sound, einfach nur ein stetiger Flow zwischen Teenage Fanclub und Velvet Underground mit ein paar eingesprenkselten Krautrock-Momenten. Nicht das Werk, wegen dem man Leute packt, durchschüttelt und ihnen „Das MUSST du gehört haben!!!“ ins Gesicht kreischt, aber Musik, die man herrlich zum Runterkommen nebenher genießen kann. Jetzt gibt’s ein neues Video von der Scheibe, ein guter Anlass für mich, mein bisheriges Versäumnis zu korrigieren und das Album lobend hervor zu heben.