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Coffin To Worry About

Heute mal ein Abstecher nach Kopenhagen: Von hier stammt die Band The Love Coffin.

Das ist einer dieser Bandnamen, bei denen man gleich weiss, was einen erwartet: Gruftpop mit sehnsüchtig romantischer Note. 80s-Indierock zwischen The House Of Love und The Cure. Check.

The Love Coffin kündigen mit der Single „Nothing At All“ ihr zweites Album an, das im Frühjahr 2020 erscheinen soll. Interessant: Als Producer liest man den Namen Guy Fixsen. Hey, der stand in den frühen 90s auf vielen meiner Lieblingsplatten! Guy war Mitglied von Laika und er produzierte u.a. Musik von The Breeders, Stereolab, Slowdive, My Bloody Valentine, Pixies, Throwing Muses, The House Of Love, The Boo Radleys, Chapterhouse, Lush, Ultra Vivid Scene und und und… aber ich habe ihn lange schon nicht mehr gelesen. Interessante Wahl. Die wohl auch verdeutlicht, welchen Sound sich The Love Coffin vorstellen.

Review: Hatchie

Hatchie – „Keepsake“

Ich wollte hier ja eigentlich letzten Mai schon was Größeres zu Hatchies erster EP schreiben. Denn Harriette Pilbeam aus Brisbane hat darauf große Erwartungen erfüllt und noch größere geweckt. Ich hab aber nix geschrieben. Warum? Dazu gleich.

Los ging’s im Herbst 2017. Da tauchte Harriette alias Hatchie, bis zu diesem Punkt (wenig) bekannt als Mitglied der Indiepopband Babaganouj, mit ihren ersten Solo-Singles „Try“ und „Sure“ auf. Man hörte gleich: Da ist was im Busch. Diese Lady kann so richtig schönen Dreampop machen. 

Ein paar Monate später gab’s „Try und „Sure“ noch mal auf Hatchies erster EP, plus drei neue Songs. Diese fielen nicht ab. Sie hielten den Level und bestätigten die Qualität der ersten beiden Singles.

Aber ich habe dann eben doch keinen Text dazu gepostet. Der Grund: Mehr als zu sagen „Hey, echt schöner, gekonnter Dreampop“ wollte mir einfach nicht einfallen. 

Letzten Freitag ist nun Hatchies erstes ganzes Album erschienen. Es ist sehr gelungen. Na, versuchen wir’s: Kann ich diesmal mehr dazu sagen? Review: Hatchie weiterlesen

Review: Lowtide

Lowtide – „Southern Mind“

Ich beginne eben – mal wieder – mit einem kurzen Abriss der bisherigen Shoegazing-Historie. Die späten 80s, frühen 90s, brachten bekanntlich eine ganze Welle der UK-Bands, die mit Feedback und Noise hypnotische Effekte erzeugten. Los ging’s mit The Jesus and Mary Chain, das entwickelte sich über MBV zu Ride, Chapterhouse, Swervedriver, The Boo Radleys, Pale Saints, Lush, Moose etc. Picken wir uns als Musterbeispiel Slowdive. Wenn andere Bands aus Feedback „Klanggewitter“ schufen, dann untermalten die fünf aus Oxford den Morgennebel, durch den die ersten Sonnenstrahlen brechen. Wolkige Schwaden aus Gitarren und süßer Schimmer. Morningrise.

Parallel aber entwickelte sich auf der anderen Seite des Atlantik der Grunge. Als Nirvanas „Nevermind“ mit seinem schroffen Expressionismus explodierte, sahen die schüchternen englischen abstrakten Klangmaler daneben plötzlich wischi-waschi und zahnlos aus. Als nicht lange danach auch noch der Britpop kam, wurden die Überlebenden vollends verdrängt. Slowdive versuchten damals die Flucht nach vorne in den Ambient-Minimalismus – es half nichts. Ihr drittes Album „Pygmalion“ wurde nicht mal mehr wahrgenommen. Mann, waren Slowdive 1995 out! Wenn ihnen damals jemand erzählt hätte, dass sie eines Tages als gefeierte Pioniere zurück kommen würden, dass ihr Reunion-Album als eine der besten Platten des Jahres 2017 bejubelt werden würde – sie hätten nur laut gelacht. Ja klar. Review: Lowtide weiterlesen

Review: The Jesus and Mary Chain

The Jesus and Mary Chain – „Damage and Joy“

Keine Frage – The Jesus and Mary Chain sind Legenden. Dass sie sich 19 Jahre nach ihrem letzten Album mit einer neuen Platte zurück melden, macht viele Leute sehr, sehr happy. Aber seien wir ehrlich: Da wird eine Menge verklärt.

Ich hoffe ja immer, dass nicht nur die Langzeit-Indiefans, sondern auch ein paar Kids auf meinem Blog landen. Denen muss man vielleicht erklären: Warum gelten die zwei ewig zankenden Brüder Jim und William Reid aus dem schottischen East Kilbride als solche unantastbar ewigcoole Schweinepriester? Deswegen zuerst eine Rückblende.

Also ab ins Jahr 1984. Auch in einer Zeit des Postpunk war der Ansatz der Brüder ganz schön radikal. Jim und William verknüpften in ihren Songs zwei polare Gegensätze: Einerseits schrieben sie klassische, bewusst simpel gehaltene Ohrwurm-Songs, die sich an den Sixties und nicht an ihren Synthpop-Zeitgenossen orientierten. Parallel starteten sie brachiale Feedback-Attacken auf die Gehörgänge – damals ein so nie gehörtes Stilmittel. Obendrein waren die zwei natürlich Typen, die Streit suchten. Das war die Attitüde, die sie an den Tag legten. The Jesus and Mary Chain spielten anfangs Konzerte, die nur 15 Minuten dauerten. Woraufhin das Publikum regelmäßig den Laden zerlegte. Schnell hatten sie einen Ruf weg. Review: The Jesus and Mary Chain weiterlesen

Interview: Nothing

interview HeaderShoegazing – das ist der verträumte Sound behüteter Briten, die per Feedback zur seligen Weltflucht aufrufen, richtig? Nicht immer. Aus Philadelphia kommt Nothing, die Band, die mit diesem Sound Gewalt und Schmerz verarbeitet. Sänger Domenic Palermo, ehemaliger Hardcore-Punk, war wegen einer Messerstecherei schon im Knast und wurde erlebte auch im Vorfeld des zweiten Albums wieder traumatische Ereignisse. Kein ganz unproblematischer Zeitgenosse, offenbar. Im Skype-Gespräch zum zweiten Nothing-Album „Tired Of Tomorrow“ (erschienen letzten Freitag) aber war er die Freundlichkeit selbst.

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Review: Cheatahs

cheatahs-mythologiesCheatahs – „Mythologies“

Mein geschätzter Indie-DJ-Kollege Benny Ruess vom Revolver Club in Hamburg LIEBT die Cheatahs. Hingebungsvoll. Kein Wunder – wie ich ist er zur Wende der 80s auf die 90s mit Indie sozialisiert worden, also zur Zeit der Manchester Baggy Ära sowie des Shoegazing. Wenn wir kreischendes Feedback und sich auftürmendes weißes Rauschen hören, dann ist das für uns kein Lärm. Für uns ist es der Soundtrack der großen Versprechen des Lebens. Wir denken an die letzten Schuljahre, als man sich auf all das freute, das da draußen auf einen wartete. Wir denken an die Mädchen, in die wir im Gymnasium verknallt waren, an Biere am Baggersee und den ersten Sex. Also mir geht’s mal so – und ich unterstelle Benny einfach mal, bei ihm ist es ähnlich. Shoegazing-Gitarren und Säuselgesang sind ein Schlüsselreiz für uns, der uns immer „Hach!“ sagen lassen wird.

Trotzdem konnte ich ausgerechnet den Cheatahs bisher nicht so viel abgewinnen. Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen deswegen, weil Benny die so liebt. Als würde ich was falsch machen. Schließlich: Wenn es eine neue Band gibt, die sich treu ans Shoegaze-Regelbuch hält, dann ist das ja wohl dieses multinationale Quartett (Gesang: CAN / Gitarre: UK / Bass: US / Drums: D), das sich in London gründete. Aber auch wenn sie mich an so viele Lieblingsbands erinnerten, die Cheatahs selbst wurden keine.

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Review: Swervedriver

swervedriver coverSwervedriver – I Wasn’t Born To Lose You

You’ve been away for sooo long –
you can’t ask why…
You’ve been away – you can’t ask why…
You can’t ask why…

(INDUSTRIESTAUBSAUGER-GITARRENRIFF!!)

Das muss vorausgeschickt werden: „Duel“ von Swervedriver ist und bleibt der Song, der das Mixtape meines Lebens eröffnen wird.

Noch so eine Zeitreise also. Schon sonderbar, dass die Bands, die 1991 meine Lieblingsbands waren, einfach nicht von der Bildfläche verschwinden. Slowdive und Ride haben sich reformiert. Blur haben ein neues Album angekündigt. Die Pixies und MBV waren vor einem bzw zwei Jahren dran. Das jüngste Werk der Charlatans habe ich kürzlich erst rezensiert. Und jetzt Swervedriver. Es muss doch was aussagen, dass die Bands zurück auf die Bühne gerufen werden, von ihren inneren Stimmen, und von Legionen von Fans. Dass die Bands den Absprung verpasst haben und nicht aus diesem Leben raus können? Dass das, was aus dem UK nachrückt, halt nicht in diese Schuhgrößen passt? Aber doch am ehesten: Dass diese Bands eben doch verdammt großartig waren.

Es ist ja nicht mal so, dass Swervedriver damals so irre erfolgreich gewesen wären. Aber ihre vier Alben haben die Zeit erstaunlich gut überdauert und neue Fans gesammelt – keine riesigen Massen, aber genug, dass es sich für Adam Franklin und Jimmy Hartridge lohnte, die Sache wieder auf die Beine zu stellen. Sie touren seit 2008, und jetzt gibt es also ihr erstes neues Album seit 1998. Was herrlich ist.

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