Schlagwort-Archive: CHVRCHES

Review: Hatchie

Hatchie – „Keepsake“

Ich wollte hier ja eigentlich letzten Mai schon was Größeres zu Hatchies erster EP schreiben. Denn Harriette Pilbeam aus Brisbane hat darauf große Erwartungen erfüllt und noch größere geweckt. Ich hab aber nix geschrieben. Warum? Dazu gleich.

Los ging’s im Herbst 2017. Da tauchte Harriette alias Hatchie, bis zu diesem Punkt (wenig) bekannt als Mitglied der Indiepopband Babaganouj, mit ihren ersten Solo-Singles „Try“ und „Sure“ auf. Man hörte gleich: Da ist was im Busch. Diese Lady kann so richtig schönen Dreampop machen. 

Ein paar Monate später gab’s „Try und „Sure“ noch mal auf Hatchies erster EP, plus drei neue Songs. Diese fielen nicht ab. Sie hielten den Level und bestätigten die Qualität der ersten beiden Singles.

Aber ich habe dann eben doch keinen Text dazu gepostet. Der Grund: Mehr als zu sagen „Hey, echt schöner, gekonnter Dreampop“ wollte mir einfach nicht einfallen. 

Letzten Freitag ist nun Hatchies erstes ganzes Album erschienen. Es ist sehr gelungen. Na, versuchen wir’s: Kann ich diesmal mehr dazu sagen? Review: Hatchie weiterlesen

I’ve got the Towers

Manchmal sieht man eine Band und weiss sofort: „Die werden Stars!“ oder „Das wird nix.“ Manchmal weiss man auch: „Hmm, in seiner Szene wird das gut funktionieren, aber wenn die mal nach München kommen, werden die in ihrem Leben bestenfalls die Milla Spielen, nie die Muffathalle, geschweige denn Olympia.“

Und manchmal irrt man sich. Ich hab‘ ja gedacht, April Towers würden ordentlich Karriere machen, seit ich 2015 die Single „No Curruption“ hörte. Das war so richtig perfekter Synth-Indie, in meinen Ohren, wie gemalt für Fans von New Order und OMD aus den 80s selbst oder Anhänger von La Roux und CHVRCHES heutzutage. Mir war klar, dass das Duo aus Nottingham nicht gleich Hits wie Hurts landen würde – aber ich dachte, hey, das wird jetzt ne mittelgroße Indie-Band. In München: Strom bis Technikum.

Ich hätte nicht gedacht, dass Alex Noble und Charlie Burley drei Jahre später ihr Album über Pledgemusic zusammensparen müssen. (HIER geht’s zur Kampagne, wenn ihr noch mitfinanzieren möchtet) Naja, aber inzwischen soll es wenigstens bald fertig sein. Die Single „Tel Aviv“ hat jetzt ein Video. Ich finde, dass das ein gelungener Neo-80s-Ohrwurm ist. Das kann schon noch was werden.

Review: Kate Boy

Kate-Boy-ONE-2015-1400x1400Kate Boy – „One“

… und noch jemand, der sich Zeit gelassen hat für sein Debütalbum. Ziemlich genau drei Jahre ist es schließlich her, dass das schwedisch/australische Trio Kate Boy mit seiner Single „Northern Lights“ durch die Blogosphäre schoss – und das war kein Wunder. Denn wenn jemand scheinbar aus dem Nichts gleich mit einer so perfekt durchgeformten Debütsingle in der Szene aufschlägt, dann scheint das Potential unendlich.

Nicht, dass der Sound von „Northern Lights“ revolutionär gewesen wäre. Gar nicht – damals erschein sogar quasi wöchentlich eine neue Skandi-Band mit Frauenstimme und kühl schneidenden Synthies, und sie alle schienen die gleiche Idee zu haben – und zwar: „Mein Lieblingslied ist ‚Heartbeat‘ von The Knife – aber im Großen und Ganzen sind die zu arty. Das kann man doch sicher etwas massentauglicher in Richtung Synthiepop kitzeln!“

Von all den Bands, die so arbeiteten (zum Beispiel Dänemarks Alleykat, Islands Bloodgroup und Schwedens Niki & The Dove) kriegten Kate Boy es auf Anhieb am knackigsten hin. Im Nachhinein zeigte sich, dass das kein Wunder war. Kate Ackhurst war eine etablierte Songwriterin, die in LA schon Lieder für Popstars geschrieben hatte, die Schweden an ihrer Seite arbeiteten schon länger als professionelles Producer-Team namens Rocket Boy.

Review: Kate Boy weiterlesen

Review: CHVRCHES

chvrches_everyopeneye.jpg - CMS SourceCHVRCHES – „Every Open Eye“

In der siebten Klasse hatte ich mal Diskussionen mit meinem Mathelehrer. In einer Ex kriegte ich auf eine Aufgabe 0 Punkte, was ja wohl nicht stimmen konnte, schließlich war mein Endergebnis korrekt. Allerdings war ich, wie mein Lehrer mich zurecht wies, zu diesem Ergebnis auf völlig verkehrtem Weg gekommen. Ich hatte Regeln falsch angewendet und den einen oder anderen Fehler eingebaut. Dass das Endergebnis stimmte, war letztlich ein reiner, ziemlich unglaublicher Zufall.
Aber was hat diese Anekdote aus deinem Leben mit den CHVRCHES zu tun, Henning?

Ich musste daran denken, weil auch bei den CHVRCHES das Ergebnis stimmt, dabei sieht die Rechnung eigentlich komplett katastrophal aus. Ich meine, die zwei Typen (Iain Cook und Martin Doherty) waren vorher in schottischen Emo-Bands wie Aerogramme und The Twilight Sad. Habt ihr mal Schotten-Emo gehört? Bierernster, schweiß- und-tränen-getränktes-Hemd-auswringender geht’s gar nicht! Dagegen sind U2-kopierende Iren ein Kindergeburtstag mit Stripperin! Oh Gott, mit Aerogramme konnte man mich um den Block jagen! Review: CHVRCHES weiterlesen

Wer seid das, Indie?

Nicht nur Interviews sind verloren gegangen, als letztes Jahr mein alter Blog vom Netz ging. Anfang 2014 schrieb ich zum Beispiel einen Aufsatz zum Indie-DJ-Dasein an sich. Eine Art Manifest meines Indie-Glaubens. Ich bin wieder auf diesen Text gestoßen und finde, der gilt auch im Spätsommer 2015. Nicht zuletzt, weil ich – so sieht’s jedenfalls aus – wohl bald wieder hinters DJ-Pult zurück kehre, macht es auch Sinn, noch mal meine Indie-Definition zu umreißen.

werseiddas 1

Im Jahr 2014* noch Indie-DJ zu sein und sich auch als Indie zu definieren – was bringt das noch?

Hier eine Antwort. Meine.

Eklektizismus wird heute überall groß geschrieben. Einen bestimmten Sound zu picken und sich darauf zu konzentrieren, gilt als kleingeistig. Erst neulich wieder schrieb eine meiner aktuellen Lieblingsbands, Alpine nämlich, auf facebook, ohne erkennbaren Anlass: „Never restrict yourself to one genre of music“. Damit haben sie unbestritten Recht. Engstirnigkeit, Verbohrtheit, können nie was Gutes bedeuten.

Trotzdem hat mich das mal wieder zum Nachdenken gebracht. Denn es gibt ja auch eine Kehrseite des Ganzen. Wer seid das, Indie? weiterlesen

How Longlist have you known? Pt1

raury header

Die BBC hat heute ihre jährliche, immer viel beachtete Longlist gepostet. Also ihre Prognose, wer die musikalischen Newcomer des Jahres 2015 werden. Ich kenne viele davon nicht, aber ich höre sie mir jetzt für Euch an und sage zu allen 15 meine Meinung. Danach ein Fazit. Los geht’s!

George The Poet: Näh! Dieser Sesamstraßen-Rapper ist doch nur auf dieser Liste, weil er sich „Poet“ nennt. Dabei lallt er in echt die doofste Lifecoach-Grütze. „Seven Billion people, only one you. If I can do it, you can do it, too“ wiederholt er mantraartig, als wär’s voll die Augen öffnende Weisheit. Ist es nicht, es ist banalstes Lalala. Da achte ich erst gar nicht auf die Sounds drunter. Weg damit!

James Bay: Wenn Euch Ben Howard zu radikal strommastansägermäßig abgefahren ist, dann freut Euch über James Bay. Der trifft den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen Tom Odell und Ed Sheeran. Be. Schis. Sen!!!

Kwabs: Okay, das ist Soulpop, gefällig genug, um auch auf Radio NRJ ein Zuhause zu finden, aber angenehm post-Lorde-ig unberechenbar instrumentiert und hittig. Nicht mein Spezialgebiet, aber dass das ordentlich ist, erkenne auch ich als Außenstehender.

So, um des Seitendesigns willen mache ich hier einen Break. Für zwölf weitere Schnellurteile und mein Fazit… How Longlist have you known? Pt1 weiterlesen

High Flying Byrta

Ich hab’s wiederholt gesagt (okay, im alten Blog), und ich werde es wieder sagen: Byrta ist das Duo, das dem CHVRCHES’schen Ideal, melancholisch kühle, schnittige Synthetiksounds mit unaufdringlichem, aber unwiderstehlichen Pop-Juhu zu verbinden, näher kommt als all die tausend anderen, die’s versuchen. Allerdings: Guðrið Hansdóttir und Jan Rasmussen kommen von den Färöer-Inseln, entsprechend verstehen nur ca 48.000 Menschen auf der Welt ihre Texte, das steht einer Weltkarriere schon im Wege. Einen Riesenvorteil haben die „Schafsinseln“ im Nordatlantik dann aber doch: Man muss nur mal vor die Tür gehen und kann schon ein Video drehen, das ausschaut als habe man es in der krassesten Fabelwelt aufgenommen. Byrtas neue Single trägt den Titel „Í tínum eygum“, was offenbar „In deinen Augen“ heisst