How Longlist Can You Go – Part 2

Jetzt aber. Ich bin so weit. Die BBC hat vorgelegt und zehn Stars fürs Jahr 2019 prognostiziert. Ich lege nun nach und nenne hier meine zehn eigenen Indie-Hoffnungen fürs neue Jahr.

Die Kriterien sind wir jedes Jahr: Um in Frage zu kommen, darf die Band/der/die Künstler(in) noch kein Debütalbum veröffentlicht haben. Ich sage auch nicht: „Die werden reich und berühmt“ – ich sage: „Ich verspreche mir hier ein hoffentlich tolles, mindestens spannendes erstes Album“.

Okay: Auf „Weiterlesen“ klicken und es kann losgehen:

Zwei Links – Erstens: Zuerst noch mal die Liste der BBC und meine Reaktion darauf.

Zweitens: Hier noch mal meine Tipps aus dem letzten Jahr. 

Nachklapp dazu: Ich finde, ich lag gar nicht so schlecht:
Meine Favoriten (Middle Kids) haben tatsächlich ein Spitzenalbum abgeliefert, das gilt auch für Shame, Boy Azooga, Phobophobes und Verge Collection. Die Platten von Dream Wife, Cut Worms, 485c und Artificial Pleasure wurden ebenfalls  sehr ordentlich. Noch kein Album – aber immerhin feine neue Singles kamen von Hatchie, Sloan Peterson, Redfaces, Sunscreen und Childcare. Vielleicht liefern die uns dafür 2019 die LP? Auch Polish Club haben endlich ihr Debüt in Europa gegeben. Da haben uns letztlich nur Crimsons im Stich gelassen. Die Band hat sich getrennt und wenigstens eine Abschiedssingle hinterlassen.
Was mich auch freut: Ein paar tolle Debütalben sind 2018 erschienen, die ich beim Schreiben meiner Liste zum Teil noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Die Alben von The Beths, Luby Sparks, Phantastic Ferniture und The Fernweh beispielsweise. Das bedeutet: Auch diesmal werde ich bestimmt ein paar prima Acts übersehen haben, auf deren Alben wir uns trotzdem freuen dürfen.

Jetzt aber geht’s wirklich los. Die BBC hat zehn Acts gepickt, deswegen bleibe ich ebenfalls bei zehn.

1. Buzzard Buzzard Buzzard (Cardiff)

Oben fiel der Name Boy Azooga. Diese Band aus Cardiff hat letztes Jahr einen prima Erstling abgeliefert – aber nicht nur das! Boy Azooga haben uns auch mit ihren Kumpels Buzzard Buzzard Buzzard bekannt gemacht. Sie haben ihre Buddies mit auf UK-Tour genommen und die Buzzies (wie sie noch niemand nennt) haben das Vertrauen mit einer tollen ersten Single namens „Double Denim Hop“ bestätigt. Für ein erstes Album könnte 2019 zu früh sein, trotzdem: Die behalten wir im Auge.

2. Fontaines DC (Dublin) 

Zum Glück stöberte ich für diese Liste in den letzten Tagen noch mal fleißig durch internationale Websites. Ich muss nämlich gestehen: Fontaines DC haben dieses Jahr zwar nicht weniger als vier Singles veröffentlicht, aber mir waren sie noch nicht aufgefallen. Aber die Jungs begeistern mich jetzt TOTAL – deshalb sind sie auch mein Titelbild oben. Dies ist eine Band, die Hummeln im Hintern und was zu sagen hat. Für mich decken Fontaines DC ein Feld ab, das genau zwischen Rolling Blackouts Coastal Fever und Shame liegt: Sie haben die spoken word-Lyrics und die linear vorwärts gehenden Rhythmen der Melbourner einerseits, die artikulierte Aggression und den Drive der Londoner andererseits. Boah, das ist echt WAHNSINNIG GUT.
Abgesehen davon haben Fontaines DC einen Sänger namens Grian. Grian Chattan. Es ist das erste Mal, dass ich den Namen Grian höre. Das ist super. Weil man sich’s merkt. Das ist ein Name wie Jarvis oder Björk – den kann man nicht verwechseln. 

3. FUR (Brighton)

Bands, die typische britische Sixties-Traditionen aufrecht erhalten, sind einerseits nix Neues – andererseits sollte es immer ein paar geben. Einfach, weil das so ist. Einfach, weil ich nicht will, dass eines Tages keine solchen Songs mehr aus England kommen. FUR schreiben feine Ohrwürmer zwischen Merseybeat und Teenage Fanclub. damit bin ich happy.

4. HMLTD (London)

Ja, die sind schon ganz schön lange aktiv und damit eigentlich keine Newcomer mehr. Ja, über die Band wird kontrovers diskutiert, weil sie mit einer Ästhetik arbeiten, die eigentlich mit der Gay-Szene assoziiert wird – allerdings sind alle Mitglieder der Band straight. Das stößt bei Teilen der LGTBQ Szene auf arges Mißfallen. Ja, die Sony hat schon so richtig Geld rein gesteckt in diese Boys – und so wenig zurück bekommen, dass sie die Band vor einigen Wochen „gedroppt“ hat. Ja, die zwei Singles, die HMLTD gleich danach veröffentlicht haben, sind eher mies.  Aber das ist immer noch eine Basis für ein sehr spannendes Debütalbum. Der Abschied von der Sony sei eine gute Nachricht, denn das Majorlabel habe sie eh nur eingebremst, ihnen Fesseln angelegt, haben HMLTD sinngemäß verlautbart. Also ich bin gespannt, was passiert. Es kann groß werden oder voll daneben gehen. Aber langweilig wird’s garantiert nicht.

5. Hollywood (Oslo)

Auch keine Neulinge. Jonas Alaska, Billie Van und Mikhael Paskalev sind alle drei lange schon als Singer/Songwriter in Sachen Folk, Sixties Pop und Indie in Norwegen erfolgreich und im Rest der Welt immerhin ein Begriff. Sie spielen sogar immer in der gemeinsamen Liveband, wenn einer von ihnen auf Tour geht. Da war es ja eigentlich zwangsläufig, dass sie irgendwann mal ein Trio gründen, anstatt sich immer nur gegenseitig zu begleiten. Jetzt haben sie’s offiziell gemacht und nennen sich Hollywood. Die ersten zwei Singles „Monster“ und „Manikin“ sind spinnerte Pop-Bomben. Auf dieses Album freue ich mich.

6. Lucie, Too (Utsonomiya)

Im letzten Jahr habe ich ein Fable für japanischen Indie entwickelt und versucht, mich in die Szene einzuarbeiten. Chisato, Naho und Kanako sind aber nicht in der Liste, weil sie Japanerinnen sind. Sondern weil sie als Lucie, Too drollig-schnittigen Noise-Girlpop machen, der ins Ohr geht wie ein Turbowurm. Die Single „Lucky“ ist 1 Minute und 41 Sekunden fröhliche Indierock-Perfektion. In Kürze erscheint des Trios zweite EP „Exlover“. Darf man im Lauf des Jahres 2019 mit dem Debütalbum rechnen?

7. MNNQNS (Rouen)

Post-Punk, so zackig wie mit den Handkante geschlagen – auch das ist ein Sound, mit dem man mich immer kriegt. Also auf in die Normandie, wo MNNQNS stylisch in die Saiten und Tasten hauen und forsche Songs machen, die man guten Gewissens zwischen frühen Bloc Party und Maximo Park auf den Indie-Dancefloor feuern kann.

8. Pip Blom (Amsterdam) 

Da erzähle ich euch nix Neues, oder? Die junge Niederländerin hat ja schon zahlreiche Singles rausgebracht und mit jeder etwas mehr Wirkung erzielt. Ich wiederhole mich, wenn ich Pip einmal mehr als die europäische Cousine von Courtney Barnett oder als Kim Deals blonde musikalische Nichte beschreibe. Wenn Pips Debütalbum da ist, dann vergleichen wir sie vielleicht auch nicht mehr dauernd mit anderen Grungepop-Ladies.

9. Sports Team (London)

Legt euch nicht mit Alex Rice an – seine Rache wird fürchterlich sein! Ich meine, hört euch an, wie er seinen Gegenspieler in „Kutcher“ bedroht: „I’ll take your favourite pen! I’ll take your T-Shirt and put it in the wash! And when you’ll go out in public, the fabric will be fuckin’ soft!“
Wer sowas schreibt, ist genau der Typ Exzentriker, den man als Frontmann einer Brit-Band sehen will. Deswegen sind Sports Team eine der hottesten neuen UK-Aufsteiger und deswegen warte ich auf ihr erstes Album mit großen Erwartungen.

10. Tallies (Toronto)

Das erste prima Album des Jahres 2019 könnte aus Kanada kommen. Denn am 11.1. schon werden die Tallies ihr Debüt veröffentlichen. Sängerin Sarah Cogan und ihre drei Jungs machen so richtig schön klassischen Indie-Gitarrenpop mit Girlstimme. Ich denke da an Bands wie Alvvays, The Sundays oder The Beths. Und wieder mal sind wir an dem Punkt, wo man sagen kann „Sowas gab’s doch schon!“ und entgegnen darf: „Hey! Wenn’s auf diesem hohen Level passiert, darf’s das auch wieder und wieder und wieder geben!“

So. Das waren sie, meine zehn Namen. Wenn ich jemanden übersehen habe, der toll ist, umso besser. Dann gibt’s nächstes Jahr noch mehr Newcomer-Alben, auf die man sich freuen darf. Auf 2019!

Ach ja: Wie richtig oder falsch lag ich früher?
Meine Tipps für 2017: HIER
Meine Tipps für 2016: HIER
Meine Tipps für 2015: HIER

 

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