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Meine Alben 2018, Pt.5: 10-6

… und schon sind wir in den Top Ten. Der Countdown geht weiter – es geht um meine persönlichen Lieblingsalben von 2018. Wir haben die sehr guten und die sehr sehr guten Alben hinter uns gelassen und kommen bei den richtig tollen an.

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Review: Luby Sparks

Luby Sparks – „(I’m) Lost In Sadness“ EP

Vor dem Jubel müssen obligatorisch natürlich auch die Gegenargumente vorgebracht werden. Also gut, bevor ich euch jetzt gleich von Luby Sparks vorschwärme, sei gesagt: Klar, originell ist was anderes. Denn Shoegazing, das gibt es seit 1990, mindestens. Seitdem gibt es auch immer wieder ganze Schwärme von Bands, die den Sound wieder aufgreifen. Luby Sparks, das junge Quintett aus Tokio um die Sängerin Emily (ihren Nachnamen nennt sie nicht, aber wir wissen: Ihr Vater ist Brite) tut nichts anderes. Den festen Rahmen, den das Genre Shoegazing vorgibt, verlassen sie nicht. Aber hey – innerhalb dieses Rahmens nähern sie sich dem Ideal.

Vier Songs umfasst die neue EP der Japaner. Los geht’s mit der Single „Perfect“ – ein Stück Uptempo-Schmirgelpop, wie es die ganz frühen Boo Radleys regelmäßig hinlegten: Radau, Dynamik, trotz (oder gerade wegen) eingeflochtener Breaks, obendrüber eine samtweiche Gesangsmelodie. Die klingt bei Emily natürlich femininer als damals bei Sice von den Boos, which is nice. Textlich geht’s – wie sollte es anders sein – um eine verflossene Beziehung und das Gefühlsgewitter, das ein zufälliges Wiedersehen auslöst. Also: Shoegazing-Trefferquote 100. Alles abgehakt. Aber toll. Review: Luby Sparks weiterlesen

Review: Lowtide

Lowtide – „Southern Mind“

Ich beginne eben – mal wieder – mit einem kurzen Abriss der bisherigen Shoegazing-Historie. Die späten 80s, frühen 90s, brachten bekanntlich eine ganze Welle der UK-Bands, die mit Feedback und Noise hypnotische Effekte erzeugten. Los ging’s mit The Jesus and Mary Chain, das entwickelte sich über MBV zu Ride, Chapterhouse, Swervedriver, The Boo Radleys, Pale Saints, Lush, Moose etc. Picken wir uns als Musterbeispiel Slowdive. Wenn andere Bands aus Feedback „Klanggewitter“ schufen, dann untermalten die fünf aus Oxford den Morgennebel, durch den die ersten Sonnenstrahlen brechen. Wolkige Schwaden aus Gitarren und süßer Schimmer. Morningrise.

Parallel aber entwickelte sich auf der anderen Seite des Atlantik der Grunge. Als Nirvanas „Nevermind“ mit seinem schroffen Expressionismus explodierte, sahen die schüchternen englischen abstrakten Klangmaler daneben plötzlich wischi-waschi und zahnlos aus. Als nicht lange danach auch noch der Britpop kam, wurden die Überlebenden vollends verdrängt. Slowdive versuchten damals die Flucht nach vorne in den Ambient-Minimalismus – es half nichts. Ihr drittes Album „Pygmalion“ wurde nicht mal mehr wahrgenommen. Mann, waren Slowdive 1995 out! Wenn ihnen damals jemand erzählt hätte, dass sie eines Tages als gefeierte Pioniere zurück kommen würden, dass ihr Reunion-Album als eine der besten Platten des Jahres 2017 bejubelt werden würde – sie hätten nur laut gelacht. Ja klar. Review: Lowtide weiterlesen

Review: Desperate Journalist

Desperate Journalist – „Grow Up“

Einer meiner geschätzten Indie-DJ-Kollegen (Benny vom Revolver Club, Hamburg) postet auf Facebook seit einiger Zeit immer wieder Songs dieser Band, zwischenzeitlich fast ausschließlich. So ein Enthusiasmus kann ansteckend sein. Er kann aber leider auch manchmal das Gegenteil erreichen. ich meine, stellt euch vor, eine Sache ist ziemlich gut. Vorher hat man euch aber immer erzählt, sie sei DER TOTALE WAHNSINN!!! Darauf reagiert man dann zwangsweise folgendermaßen: „Na SOOO toll ist das jetzt auch wieder nicht.“

So ging’s mir, als Benny Ende 2014 übers erste Desperate Journalist-Album ausflippte. Ich hörte in die Songs rein und mochte die Cure-Basslines. Ich mochte die 80er Jahre-Gitarren. Besonders überraschen konnte mich die Band halt nicht, weil ich solche Musik aus der Zeit der Wende der 80s auf die 90s kannte. Aber ich fand’s ordentlich. Trotzdem, ein Teil von mir sagte unweigerlich „SOOO doll muss der jetzt aber auch nicht abkeulen.“ Tja.

Nun gut, inzwischen ist das Londoner Quartett bei seinem zweiten Album angekommen. Wird das, was Benny empfindet, diesmal bei mir ankommen? Review: Desperate Journalist weiterlesen

Slowdive for your memory

Oha! Neues von Slowdive! Betonung auf: NEUES von Slowdive! Okay, nach der Live-Reunion, die bereits 2014 stattfand, und nachdem so viele ihrer Zeitgenossen (Swervedriver, Lush, Blur, MBV, Suede, The Jesus and Mary Chain und zuletzt auch Ride) nach der Band-Wiedervereinigung auch neue Musik machten bzw ankündigten, nachdem Rachel Goswell schon mit den Minor Victories im letzten Jahr wieder aktiv war, kommt’s nicht sooo überraschend –  aber es ist nicht längerfristig angekündigt worden, oder? Lief das an mir vorbei?

Anyway, „Star Roving“ ist einer der schnellsten Songs, die diese für ihr schläfrige Verträumtheit bekannte Band je veröffentlicht hat. Aber es ist nun mal die Vorab-Single, da wird man naturgemäß den radiotauglichsten Song gepickt haben. Das nachfolgende Album, das jetzt ja sicher zwangsweise kommen wird, wird sicherlich auch wieder die Sorte Schleicher liefern, mit der Slowdive sich in den frühen 90s ihren Namen machten.

Interview: Nothing

interview HeaderShoegazing – das ist der verträumte Sound behüteter Briten, die per Feedback zur seligen Weltflucht aufrufen, richtig? Nicht immer. Aus Philadelphia kommt Nothing, die Band, die mit diesem Sound Gewalt und Schmerz verarbeitet. Sänger Domenic Palermo, ehemaliger Hardcore-Punk, war wegen einer Messerstecherei schon im Knast und wurde erlebte auch im Vorfeld des zweiten Albums wieder traumatische Ereignisse. Kein ganz unproblematischer Zeitgenosse, offenbar. Im Skype-Gespräch zum zweiten Nothing-Album „Tired Of Tomorrow“ (erschienen letzten Freitag) aber war er die Freundlichkeit selbst.

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Review: Lush

Lush Blind Spot - EPLush – „Out Of Control“ EP

Jetzt fehlen eigentlich nur noch die Boo Radleys und die Pale Saints. Fast alle großen Shoegazer der frühen 90s feedbacken wieder: My Bloody Valentine, Ride, Swervedriver und Slowdive haben wieder zusammen gefunden, also könnte man denken, es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, wann auch Miki Berenyi und Emma Anderson wieder schimmerndes und gleißendes Licht aus ihren Gitarren scheinen lassen würden. Einen wichtigen Unterschied gab es aber doch: Lush, die Band, die mit ihren schwelgerisch transzendenten Tracks mit dem US-Ausdruck für die damalige Szene, „Dreampop“ nämlich, immer besser beschrieben wurde als mit „Shoegazing“, hatte sich Mitte der 90er ja nicht getrennt, weil es sich angebahnt hatte. Sie waren sogar auf ihrem Höhepunkt, landeten erstmals richtige Hits auf der Insel. Die Auflösung kam abrupt: Drummer Chris Acland erhängte sich, zumindest für Außenstehende kam das sehr überraschend. Für den Rest der Band war es danach unmöglich, weiter zu machen.

So steht die Wiedervereinigung von Lush (den neuen Posten als Drummer hat Justin Welch, einst bei Elastica, übernommen) unter einem anderen Vorzeichen als die ihrer Kollegen, die „nur“ alte Streitereien und Ego-Probleme ad acta legen mussten. Sie hat mit dieser EP auch eine andere Form angenommen: Viele der Rückkehrer aus der Ära – und hier geht es jetzt nicht nur um Shoegazer – spielen nur ihre alten Songs (Ride, Slowdive, The Wonder Stuff, JAMC). Andere schreiben auch wieder neues Material, aber erst nachdem sie wieder länger getourt haben (Blur, Swervedriver, Suede, Pixies, The Stone Roses(?)). Lush sind (wenn ich niemanden übersehen habe) die Ersten, die ihr Comeback mit neuen Aufnahmen einläuten.

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A Lush of blood to the head

Das ist nicht ganz brandneu jetzt, aber ich wollte doch eben was dazu sagen. Von all den Shoegazern, die sich zuletzt wiedervereinigten, von My Bloody Valentine über Ride zu Swervedriver, gab es doch eine Band, bei der ich kein Comeback erwartet habe:  Lush.

Ihre Trennung war damals sehr abrupt. Alle fielen aus den Wolken, als die News kam, dass Drummer Chris Acland Selbstmord begangen hatte – er galt immer als der lustige Vogel in dem Boy/Girl-Quartett, das nach langen Jahren als kultige Dreampop-Band mit seinem untypischen letzten Album „Lovelife“ endlich in den Charts angekommen war. Natürlich war das Ereignis ein Stock in den Speichen der Band, man hörte einfach nichts mehr von ihnen.

Jetzt aber sind Miki Berenyi, Emma Anderson und Phil King zurück, an den Drums sitzt Justin Welch (ehemals Elastica). Ihre Comebacksingle „Out Of Control“ klingt nicht nach den Britpop-Lush aus den Charts, sondern nach den Lush der ersten zwei Alben „Gala“ (1990) bzw. „Spooky „(1992) – fast zu sehr sogar. „Out Of Control“ hätte unverändert als Albumtrack oder B-Seite zur „Spooky“-Ära erscheinen können. Offen gestanden finde ich die Nummer aber ziemlich zäh. Ob ein junger Indie-Fan, der Lush auf diese Weise kennen lernt, sich wohl vorstellen kann, wie strahlend und außerirdisch die mal gewirkt haben? Was es für ein Ereignis war, wenn nachts um zwei ausnahmsweise mal „Nothing Natural“ auf MTV kam statt Janet Jackson oder Bryan Adams?

Nach dem Break ein paar frühere Clips von Lush:
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Review: Cheatahs

cheatahs-mythologiesCheatahs – „Mythologies“

Mein geschätzter Indie-DJ-Kollege Benny Ruess vom Revolver Club in Hamburg LIEBT die Cheatahs. Hingebungsvoll. Kein Wunder – wie ich ist er zur Wende der 80s auf die 90s mit Indie sozialisiert worden, also zur Zeit der Manchester Baggy Ära sowie des Shoegazing. Wenn wir kreischendes Feedback und sich auftürmendes weißes Rauschen hören, dann ist das für uns kein Lärm. Für uns ist es der Soundtrack der großen Versprechen des Lebens. Wir denken an die letzten Schuljahre, als man sich auf all das freute, das da draußen auf einen wartete. Wir denken an die Mädchen, in die wir im Gymnasium verknallt waren, an Biere am Baggersee und den ersten Sex. Also mir geht’s mal so – und ich unterstelle Benny einfach mal, bei ihm ist es ähnlich. Shoegazing-Gitarren und Säuselgesang sind ein Schlüsselreiz für uns, der uns immer „Hach!“ sagen lassen wird.

Trotzdem konnte ich ausgerechnet den Cheatahs bisher nicht so viel abgewinnen. Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen deswegen, weil Benny die so liebt. Als würde ich was falsch machen. Schließlich: Wenn es eine neue Band gibt, die sich treu ans Shoegaze-Regelbuch hält, dann ist das ja wohl dieses multinationale Quartett (Gesang: CAN / Gitarre: UK / Bass: US / Drums: D), das sich in London gründete. Aber auch wenn sie mich an so viele Lieblingsbands erinnerten, die Cheatahs selbst wurden keine.

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