Review: The Royal Concept

Smile - EPThe Royal Concept – Smile EP

Erst mal habe ich mich sehr gefreut – 5 neue Songs von The Royal Concept, die praktisch ohne Vorankündigung aufschlugen! Diese Schweden haben bei mir einen Stein im Brett, seit ihre frühen zwei Singles „D-D-Dance“ und „Gimme Twice“ im Winter 11/12 als sofortige Atomic-Playlist-Stammgäste einschlugen.

The Concept, wie sie damals noch hießen, waren vier Musiker, die bis dahin in Begleitbands schwedischer Popstars (z.B. Tove Styrke) gespielt hatten, jetzt aber ihr eigenes Ding machen wollten. Ihr Hintergrund zeigte schon: Die Jungs kannten die Pop-Knöpfchen, die man drücken muss und waren sich nicht zu fein dafür, dieses Wissen auch einzusetzen. Ihre Frisuren wiederum sagten: Wir sind auch voll die überstyleten Indie-Poser. Das ist keine schlechte Kombi, wenn man knackige, knusprige Indiepopsongs hören will. Im Winter 11/12 wollte die Welt Songs hören, die punktgenau in die Phoenix-„1901“-Kerbe schlugen, und präziser als „D-D-Dance“ und „Gimme Twice“ hätte man diese Kerbe nicht treffen können.

Im Sommer 2012 folgte dann die Umbenennung in The Royal Concept und eine gleichnamige EP. Die neuen Songs hatten einen ähnlich hohen Level. Auch „World On Fire“ und „Naked & Dumb“ wurden zu Stammgästen im Programm.

Okay, was jetzt offenbar wurde, war, dass der Band gute Texte fehlten. Hier gab es viel mehr Style als Substanz – aber manchmal ist das ja voll in Ordnung. Der Intellekt muss ja nicht immer gekitzelt werden. Manchmal will man zu hittigem Indiepop auch einfach nur auf und ab hopsen.

Danach wurde es verwirrend – erst unterschrieben The Royal Concept einen weltweiten Major-Deal, laut dem sie bald als „Top Priorität“ auf dem Weltmarkt gelauncht werden sollten. Diese Pläne wurden aber nicht umgesetzt – statt dessen gab’s eine verwirrende VÖ-Politik. Es gab Singles, EPs, Re-Relases der Singles und im Herbst 2013 endlich ein Debütalbum, das aber fast nur aus längst bekannten Songs bestand und nur in Schweden erschien (später noch in Japan). In der ganzen Zeit waren The Royal Concept quasi permanent auf US-Tour, fast immer im Vorprogramm anderer Bands, denn hier war „Gimme Twice“ zum Alternative-Radio-Hit geworden. Ganz offensichtlich liegt der Fokus der Band darauf, die Staaten zu „knacken“ – soweit ich weiß, ist ihr Auftritt auf dem Reeperbahn Festival 2013 immer noch die einzige Deutschlandshow der Schweden.

royalsWarum die ewige Vorgeschichte, wo es doch um die fünf Songs der neuen EP gehen soll? Weil ich die Songs ganz gerne in einen Kontext setzen will – und der Kontext ist eben der, dass wir hier eine Band vor uns haben, von der wir uns mal enorm viel versprochen haben, die sich aber in einem Status des „Arrested Development“ befindet (auf deutsch in einer „Entwicklungshemmung“). Will sagen: Die Band steht seit fast dreieinhalb Jahren davor, die nächste Stufe zu nehmen, aber sie nimmt sie nicht. Woran’s liegt? Der Zickzackkurs, was die Releases angeht, kann nicht geholfen haben. Aber vielleicht haben The Royal Concept die Songs, die wirklich die Versprechen von „Gimme Twice“ und „D-D-Dance“ einlösen, auch nie geschrieben? Fakt ist: Wenn das noch was werden soll mit der Band, muss über kurz oder lang ein sattes Album her, das knallt.

Naja, so gibt es also noch mal eine 5-Track-EP. Die, wie The Royal Concept auf ihrer facebook-Seite betonen, „überall gleichzeitig“ erscheint. Auch sie sind es offenbar leid, dass die verschiedenen „Territories“ nie auf dem gleichen Stand sind – will sagen, dass es in Schweden andere Platten gibt als in den USA, wieder andere in Japan, wieder andere in Europa und und und. Das sieht also schon mal nach einem Strategiewechsel aus. Lustig übrigens: Auf ihrer website wird behauptet, „Smile“ sei ihre zweite EP. Da werden ein Album und diverse EPs und Singles totgeschwiegen, um den Status von TRC als up-and-coming-Band, deren Debüt erst noch erscheinen muss, krampfhaft aufrecht zu erhalten. Na dann. Ins Studio schickte man für die Schweden für ihre (ho-hum) zweite EP nach Kalifornien zu Indie-Star-Producer Tony Hoffer (Beck, Air, The Kooks, Phoenix, Foster The People, M83)

Anyway. Die Songs. Wir wissen inzwischen, dass wir von Sänger David Larson & Co keine Revolutionen erwarten dürfen, aber dafür schnittigen, Spaß machenden Indie-Pop. Und schnittig, das sind sie wieder, die fünf Lieder.

Der Titelsong legt los mit einer vokalen Hookline („Woh-ho yeah – woh-yeah“), das ist eine ganz pfiffige Idee. Im Refrain singt die Band zu viert – die kalifornische Umgebung hat wohl die Beach Boys in TRC geweckt (siehe „Smile“). Ein durchaus drolliges Stück, das.

„Fashion“ ist zur ersten Single der EP erklärt worden. Es geht, so David Larson, um jemand, der oberflächlich und modebesessen ist, sich aber in jemand verliebt, der ein wilder Freigeist ist und dem diese Dinge komplett egal sind. Der Song hat einen straight stampfenden Rhythmus, das Ganze hat was 70s-Rock-mäßiges. Insofern interessant, als TRC sich früher mit Songs wie „World On Fire“ schon mal in Richtung des elektronischen indie-Dance bewegten – davon ist auf der EP nichts mehr zu hören. Denn auch die anderen drei Songs schlagen eine 70s-MOR-Radiorock-Richtung ein: „Higher Than Love“ und „Hurricane“ im Midtempo, „I Just Wanna Be Loved By You“ als schleppende Breitwand-Ballade.

Was bedeutet: Die bisherige typische Royal Concept – Beschreibung „Klingt extrem nach poppigen Phoenix“ kann man auf die „Smile EP“ nicht mehr anwenden. Allerdings, diesen Phoenix-in-poppig-Sound, den ziehe ich ihrer neuen Ausrichtung vor. Das liegt vielleicht daran, dass für mich kein richtiger Superhit auf der der EP ist – ein Song mit „Gimme Twice“-Kaliber wäre sicherlich auch im „Smile“-style immer noch prima. Naja. So bleibt’s beim Stand der Dinge: Wir hoffen weiterhin darauf, dass The Royal Concept das Album hinlegen, das wir ihnen so lange schon zutrauen. Mit dieser EP ist es aber nicht unbedingt näher gerückt.

royal concept wertung

 

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