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Review: Fontaines D.C.

Fontaines D.C. – „Dogrel“

Ich sag’s euch gleich: Wenn ich am Ende dieses Textes Punkte vergebe, dann kriegen Fontaines D.C. – zum ersten Mal auf diesem Blog – die Höchstnote 10. Denn warum sollte man zehn Punkte überhaupt anbieten, wenn man sie nicht alle Jubeljahre doch mal jemandem gibt? Wenn echt ein Album erscheint, das vom ersten bis zum letzten Ton einfach nicht besser hätte gemacht werden können, dann muss man auch mal sagen: Wow! Und mir fällt nichts ein, nichts, womit man „Dogrel“ noch perfekter hinkriegen könnte.  

Es ist ja nicht so, dass wir nicht vorgewarnt worden wären. Letztes Jahr haben die fünf Iren vier Singles á zwei Songs veröffentlicht. Acht Lieder also, die ein jedes für sich schon großartig waren. Die Songs waren zappelig nervös („Too Real“), frech („Liberty Belle“) oder stinkig („Chequeless Reckless“). Sie hatten Druck, sie packten dich am Kragen – aber sie waren nicht: aggressiv. 

Die Wut von Fontaines D.C., das ist eine sehr artikulierte Wut, eine nahezu poetische Wut. Ihre Texte lesen sich wie Gedichte von ganz schön fixen Kerlchen. Klar, so ehrlich muss ich sein: „Poetisch“ hätte ich’s vermutlich nicht genannt, wenn ich nicht wüsste, dass die fünf Mitglieder der Fontaines D.C. tatsächlich ursprünglich mal als Dichter angefangen hätten. Dass sie kleine Lesungen veranstalteten und ihre Poesie in Fibeln in Dublins Buchläden auslegten, bevor sie Instrumente in die Hand nahmen. 

Es macht so viel Sinn, das zu lesen! Dies ist spürbar eine Denker-Band. Zum Punkrock kamen sie über den Umweg der Dichtung. Der Radau reinsägender Gitarren, die Dynamik rollender Basslines  und gedroschener Drums dient ihnen zum Zweck, den Ausdruck ihrer lyrischen Inhalte zu verkörpern und zu verstärken. Fontaines D.C. brüllen nicht, ihre Waffe ist nicht der Holzhammer. Sondern das Skalpell. Sie schneiden gezielt, sie schneiden präzise.

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Meine Alben 2018, Pt.4: 15-11

So, wir kommen der Sache näher. Wir kommen zu Teil 4 des Countdowns der meiner Meinung nach besten Alben des Jahres 2018. Wir sind in den Top 15 angekommen und zählen nun runter bis Platz 11.

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The Song Remains The Shame

Keine Frage – das Debüt von Shame gehört zu den wichtigsten Gitarrenplatten des Jahres. Jetzt haben die jungen Londoner ein Video zu „Dust On Trial“ geteilt, dem Song, der als Opener des Albums gleich so viel Eindruck macht. Der Clip ist eine Referenz an die Art Gruselfilme geworden, die einem einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen – das passt zur Intensität, die der Track rüber bringt. Hey – ich hatte Shame hier im Januar im Interview.

Oh, t’is Reading!

Es war wieder großes Festivalwochenende in England: Das Zwillingsfestival Reading/Leeds lief von Freitag bis Sonntag. Die BBC hat nun ein paar Live-Clips online gestellt, ich picke mal ein paar Favoriten.

Klar geht’s los mit den DMA’s.

Auch Shame sind ein Highlight.

The Magic Gang müssen noch am Nachmittag spielen…

Wolf Alice haben sich dagegen schon einen späten Slot verdient…

Blinders Date

Rock’n’Roll und Punk – natürlich sind sie nicht tot, nie, denn so lange es etwas gibt, wogegen rebelliert werden muss, wird auch mit Musik rebelliert werden! Um Brexit Britain siehtÄs nicht gut aus, ergo gibt es eine neue Generation von Brit-Kids, die mit wütender Gitarrenmusik Opposition ausdrücken und aufrütteln wollen. Londons Shame kann man dazu rechnen und natürlich Manchesters Cabbage. Aus deren Umfeld stammen auch The Blinders, deren politisches Engagement man im minimalistischen Text ihrer neuen Single „Gotta Get Through“ freilich nur erahnen kann. Dafür brezelt die Nummer mit umso mehr Birthday Party/60s-Garagenpower ins Zentrum.

Interview: Shame

Wir schreiben gerade mal das zweite Wochenende von 2018 und das zweite Mega-Album des Jahres ist bereits erschienen. Aus London kommen zu uns: Shame. Fünf junge Männer, die Druck machen. Ihre Klänge sind schroff, grummelnd, brodelnd. So dass man nur darauf wartet, dass der Ausbruch kommt. Ich sprach mit Sänger Charlie Steen am Telefon über ihr Debütalbum „Songs Of Praise“.

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Take The Longlist and walk it Pt 2

Stichwort: Longlist.
Schon ein kleines Ritual hier: Ein mal im Jahr pickt die BBC ihre Favoriten fürs neue Popjahr und sagt: „Die werden berühmt! Das ist ‚The Sound of 2018!‘
Ich höre mir den Kram dann an und gebe auf dem Blog meinen Senf dazu ab.

Der nächste Schritt folgt jetzt: Ich kontere ich mit meiner eigenen Longlist. Das sind dann aber immer Acts aus meinem Indie-Geschmacksbereich. Ich prognostiziere auch nicht den großen Durchbruch. Ich sage nur: „Ich traue denen nächstes Jahr ein ordentliches Debütalbum zu.“

Aber ganz ehrlich: Dieses Jahr war’s schwerer als je zuvor, diese Liste zusammen zu kriegen.
Dafür gibt’s bestimmt mehrere Gründe und ich habe auch eine halbe Abhandlung darüber begonnen. Ich hab’ sie aber wieder gelöscht. Wer will denn schon so Krisengerede lesen?
Zumal ich ja eh ewiger Optimist bin und glaube, dass sich das wieder einrenkt. Und ausrenkt. Und wieder einrenkt. Weil das alles zyklisch kommt und geht.

Anyway. 16 Bands und Solist(inn)en, denen ich 2018 was zutraue, findet ihr nach dem Break. Besser als die Grütze von der BBC sind sie allemal.

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It’s a Ray* about Shame

Die Engländer Shame stammen aus dem Umfeld solcher Bands wie Fat White Family und Idles – von der Ideologie her sind die Jungs Punks. Vom Sound her erinnern sie mich persönlich aber mal wieder (wie sollte es anders sein?) an Australier. Wenn ich die Gitarren und die Frage-Antwort-Gesänge auf Shames kommendem Album „Songs Of Praise“ (VÖ 12.01.) höre, muss ich an Melbournes Rolling Blackouts Coastal Fever denken. Nur dass Shame halt rougher sind.  Wie auch immer: Shame, die man übrigens in wenigen Wochen hierzulande als Support der Gurr-Tour sehen kann, haben ein neues Video „One Rizla“

* A Ray of Hope, that is. Weil die gut sind. Und ich mich nun mal verpflichtet fühle, hier als Überschriften immer Wortspiel-Kalauer zu schreiben. Weil das den Suchmaschinen so ungemein erleichtert, meine Beiträge zu finden. Oh well.