Interview: Wolf Alice

Seit Freitag (29.9.) draußen: „Visions Of A Life“, das zweite Album von Wolf Alice. ‘Ne richtig gute Band ist das. Was genau ich an den Briten herausragend finde, das erkläre ich Sängerin Ellie Rowsell am Telefon selbst. Die hat unseren Interviewtermin für piranha an einem Vormittag Ende August offenbar vergessen. Die Kollegin der englischen Plattenfirma ist beim ersten Versuch nicht bei der ihr durchgekommen und bringt unsere Verbindung erst verspätet zustande. Zu dem Zeitpunkt ist Ellie erkennbar gerade geweckt geworden und noch nicht so ganz bei hundert Prozent. Hilft nix, da müssen wir jetzt durch. 

Hello!

Hi…

Na, wie geht’s?

(wenig überzeugend) Mir geht’s gut, und dir?

Ganz okay, danke – ich habe zuletzt einen Husten mit mir rumgeschleppt. Aber ich denke mal, du wirst jetzt mehr reden als ich, so dass ich dir nicht zu viel ins Ohr husten muss. 

Hihihi

Wo erreiche ich dich denn gerade?

Ich bin zu Hause, in London.

In London. Wie ist’s gerade in London? Ich höre, ihr habt eine alptraumartige Regenwoche?

Ja, das ist echt schrecklich zur Zeit. Passt aber auch. Sorry, ich bin gerade erst aufgewacht.

Oha – Sorry! Na, ich hoffe, meine Fragen werden dafür nicht zu kompliziert.
Ich wollte mit etwas anfangen, das ich faszinierend finde an eurer Band. Ich finde, eure Musik ignoriert einige Trends der letzten 15 Jahre.

Hm?

Zum Beispiel ging es damals los mit mit einer Sache, die ich Verklingeltonisierung der Musik nenne. Damals musste scheinbar jedes Lied ein kleines Element haben, das man als Klingelton isolieren konnte, eine kleine Klette fürs Gehirn. 

Hmmm.

Und auch wenn Klingeltöne nicht mehr so wichtig sind, ist das Element doch geblieben. Viele Songs von heute haben diese nagenden Hooklines. Ihr lasst die weg.

Ich weiss nicht … ich hoffe schon, dass es ein paar Hooks bei uns gibt.

Na, das wollte ich natürlich damit auch nicht sagen, dass ihr GAR keine Hooks habt. Aber ihr macht Songs, die beim fünften, sechsten Hören ins Ohr gehen. Anders als die Radiosongs, die es komplett darauf anlegen, SOFORT zu packen.

Ja…

Denn das ist ein anderer Trend, der entstanden ist, seit die meisten Leute mehr einzelne Tracks hören als Alben. Seitdem wird der Fokus darauf gelegt, etwas zu schreiben, das möglichst unmittelbar sein soll. Die Musikindustrie hat eine regelrechte Wissenschaft daraus gemacht: „Bei welcher Sekunde muss der Refrain reinkommen?“

Stimmt.

Eure Songs sind mehr emotionale Reisen. In euren Songs werden Schönheit und Turbulenzen kontrastiert. Und es ist ja auch so: Das Leben ist keine Hookline. Der Lauf des Lebens ist eher vergleichbar mit einem achtminütigen Track, der von hier na da wandelt und plötzlich mal turbulent wird. Mir gefällt einfach, dass eure Songs von ihrem Verlauf her anders sind als Radiopopsongs und auch viele Indie-Songs unserer Zeit. Tja, das war keine richtige Frage, aber vielleicht kannst du es trotzdem kommentieren? In deinem frisch aufgewachten Zustand.

Ja… also, ich interessierte mich für Popmusik und dafür, was Popmusik catchy macht und weshalb sie hängenbleibt. Aber ich schreibe meine Songs nicht mit diesen Gedanken im Hinterkopf, weil … ich weiss nicht, ich glaube, ich lasse den Song sich sozusagen von selbst schreiben. Manchmal geht man noch mal zurück und versucht, ihn zu verfeinern. Da sagt man dann sowas wie: “Diese Sektion braucht der Song nicht wirklich, vermutlich ist seine Wirkung etwas unverzögerter und catchier, wenn wir das weglassen.“ Was aber öfter passiert, ist dass wir einen Song zu seiner Urform zurück kommen lassen. Denn so wurde er geboren, und manchmal ist es einfach schwer, daran was zu ändern.

Das ist aber auch ein Grund, warum ich glaube, dass man euch viel mit Grunge- und Shoegaze-Bands aus den frühen 90ern vergleicht. Denn auch das war eine Zeit, in der Klingeltöne und Co noch keinen Belang hatten. Auch damals ließ man den Songs die Möglichkeit, einfach da hin zu gehen, wo es sie hin zog. Auch damals konnten Songs ihre atmosphärischen Momente haben oder sich Zeit lassen, sich im Gehirn des Hörers zu entfalten. 

Ja. Das sagt uns unser Label-Manager auch immer: „Versucht nicht, Radiohits zu schreiben. Radiohits entstehen von selbst. Wenn ihr versucht, eure Musik auf jemand anderen abzustimmen,  dem Radio entgegen zu kommen – dann werdet ihr das auf lange Sicht hin bereuen.“ Deswegen werden wir das niemals machen.

Das gefällt mir, dass sogar euer Labelmanager das so sieht. Das entspricht genau nicht dem Klischee, wonach der Plattenfirmenheini derjenige ist, der fragt; „Wo ist die Hookline? Wo ist der Hit? Wir brauchen eine Single!“ Aber euer Mann hat erkannt, dass eure Band genau deswegen funktioniert: Weil sie die Leute anspricht, die etwas anderes hören wollen.

Ja. Diese Einstellung ist auch nachhaltiger. Bei der anderen Arbeitsweise können die Ergebnisse sehr flüchtig sein.

Also, das erste Album hat euch ja sehr lange sehr busy gehalten. Ihr habt mehrere Jahre getourt. Als das hinter euch lag, war es leicht, zurück in den kreativen Rhythmus zu finden? Oder brauchtet ihr erst mal eine Pause?

Das Touren war in der Tat ziemlich erschöpfend. Aber als es vorbei war, wussten wir auch, dass wir ein bisschen Zeit hatten, bevor es wieder ins Studio ging. Wir wussten aber auch, dass wir bis dahin sicherstellen mussten, dass wir auch Songs hatten, die soweit fertig waren. Als wir uns dann im Proberaum trafen, stellten wir fest, dass wir schon recht weit gekommen waren. Während wir auf Tour waren, haben wir immer ein paar Ideen festgehalten – und so hatten wir schon eine ganze Menge Material, mit dem wir arbeiten konnten. Da fiel viel Spannung von uns ab, da erlaubten wir uns ein bisschen freie Zeit. Nicht so viel, dass man gleich groß in Urlaub hätte fahren können. Also haben wir einfach uns einfach noch mal gesammelt, um Album Nummer zwei konzentriert angehen zu können.

Habt ihr bestimmte Pläne und Ziele gehabt vor den Aufnahmen? Oder habt ihr gesagt: „Wir nehmen jetzt auf und sehen schon, wo es uns hin führt“?

Eine Sache habe ich auf jeden Fall im Auge gehabt, Ich wollte ein paar mehr Lieder, die wirklich Spaß machen, wenn man sie live spielt. Songs, die etwas heavier waren. Von diesen Vorgaben haben wir uns dann aber im Verlauf der Aufnahmen wieder gelöst, da wollten wir dann nur jeden Song für sich bestmöglich zur Entfaltung kommen lassen. Wenn wir im Studio sind, dann sind uns eine schon bewusst übers Album und planen Dinge wie: „An dieser Stelle brauchen wir vielleicht noch einen Slowburner“. Solche Überlegungen spielen eine Rolle, aber meistens lassen wir die Songs sich selbst schreiben, ohne einer Agenda zu folgen. Denn so entsteht die beste Arbeit.

Ich frage immer gerne: Was habt ihr gelernt? Auf der Tour und bei den Aufnahmen des ersten Albums, das euch bei zweiten Album geholfen hat?

Ähm, einfach mutiger zu sein, glaube ich. Auf dem zweiten Album hat man uns mehr Zeit zugestanden. Naja, wenn ich mir das erste Album heute anhöre, dann kann ich da einige Stellen hören, wo ich sage: Da sind wir nicht bis an unsere Grenzen gegangen. Warum auch immer, vielleicht weil uns die Zeit gefehlt hat, vielleicht, weil wir noch nicht selbstbewusst genug waren, oder weil alles noch neu für uns war. Zusammenfassend glaube ich, dass wir diesmal etwas mutiger waren.

Ihr habt das Album in Echo Park, LA aufgenommen. Verändert es etwas, wenn man an einem anderen Ort ist? Bringt es andere Seiten von euch zum Vorschein?

Das Studio hieß Eagle Rock, es war im Garten unseres Sound Engineers. Ja, ich glaube, dass es etwas ausmacht, Normal, in London, da ist unser Studio im Keller, man hat kein natürliches Licht, es ist ein bisschen kalt. Jetzt aber waren wir in einem Studio in einem Garten in einer schönen Gegend, Sonnenlicht kam durchs Fenster, und die Sonne schien oft. Das macht viele Dinge leichter. Wenn man mal Pause macht, kann man vor die Tür gehen und ist in einer schöneren Gegend. Man ist einfach ein bisschen mehr happy. Ja, das hilft.

Würdest du dann sagen, die Platte ist sonniger?

Nein, es verändert nicht die Musik. Es verändert nur den Vorgang, den Aufnahmeprozess. Der ist angenehmer.

Aber wenn du die Musik jetzt anhörst, verbindest du sie wenigstens mit einem sonnigen Ort und nicht mit einem Keller?

Ein bisschen vielleicht. Aber ich sehe das Album immer noch als etwas sehr britisches. Ich finde es auch mehr herbstlich als sommerlich.

Das erste Lied, mit dem ihr euch zurück gemeldet habt, „Yuk Foo“ ist ja auch alles andere als sommerlich. Es ist ein richtig wütendes Lied, eine echte Ansage. Ich fragte mich: Gab es einen bestimmten Anlass, als du das Lied geschrieben hast? Was hat deine Wut ausgelöst, die du da raus gelassen hast?

Nein, es war mehr eine Summe aus mehreren Dingen. Ich wollte ein Lied schreiben, das ein richtiges „Fuck You!“ sein sollte, gegen all die Erwartungen, die man mir auf den Rücken lädt und von denen ich in dem Moment einfach die Schnauze voll hatte. Erwartungen an mich als junge Frau, Erwartungen an mich als Partnerin, Erwartungen an mich als jemand in einer Band.

Welche Erwartungen wären das?

Ich finde nicht, dass ich das erklären muss, oder? Aber, vielleicht hat man mal genug von Leuten, die… Nein. Ich muss das nicht erklären.

Tja, das mag stimmen. Die Sache ist halt die, manchmal ist es besser, den Klartext auf Papier zu haben, weil man es als Hörer ja vielleicht doch falsch interpretiert. 

Jetzt lässt du mich klingen wie ein verwöhntes Kind. Es ist halt so, an manchen Tagen regt man sich über Dinge auf, die einem an einem anderen Tag völlig unwichtig sind. Ich will nicht so rüber kommen, als wäre ich die ganze Zeit angepisst. An diesem einen Tag war ich’s.

Neulich habt ihr auf dem „Tories Out!“-Marsch gespielt. Ihr habt dort einen Carole King-Song gecovert. Du selbst sagtest auf der Bühne, dass eure eigenen Songs zu miesepetrig sind. Habt ihr seitdem versucht, etwas positiveres zu schreiben? Kann man sich so etwas vornehmen, oder geht das gar nicht?

Ja, ich glaube „Don’t Delete The Kisses“ ist ein positiver Song. Was nicht leicht ist, ist einen Song zu schreiben, der positiv ist und gleichzeitig fröhlich. „Don’t Delete The Kisses“ aber ist glaube ich beides. „Bros“ war auch positiv, aber eben nicht fröhlich. „Beautifully Unconventional“ ist glaube ich auch sowohl positiv als auch fröhlich.

„Don’t Delete The Kisses“ ist auch wirklich ein schönes Lied. Es ist ein Liebeslied, schlicht und einfach.

Ja.

Ein ehrliches Liebeslied, das sich nicht auf die Klischees verlässt. Du sprichst im Text selbst an, das es gar nicht so leicht ist, an den Klischees vorbei zu kommen: „You rock my world – but you do, you really do.“

Ja, manchmal ist es schwer, Happiness und Liebe in Poesie zu übertragen. Weil man dann feststellen muss, dass all die Klischees wahr sind und man das Gefühl hat, man hat das schon zu oft gelesen und es ist blöd. Aber es ist nicht blöd. Es ist wahr.

Dieses Lied und auch die Songs „Sky Musings“ und „Formidable Cool“ sind Songs, wo du in den Strophen eher sprichst bzw flüsterst, als dass du singst. Welche Gedanke steckt da dahinter?

Weiss nicht, darüber habe ich nicht so nachgedacht. Ich hatte einfach zu viel Text, ich hatte eine Menge zu sagen zu dem jeweiligen Thema. Um das alles unter zu bringen, war es leichter, das Ganze quasi zu rappen, als es an eine nette Melodie anzupassen.

Ein anderer Song, der mir gleich auffiel, war „Sad Boy“. „Who hurt you, sad boy?“ fragst du da im Text. Über wen geht der Song?

Hmmm… also, da hatte ich schon ein bisschen jemanden im Kopf. Aber im Großen und Ganzen geht es nicht um eine bestimmte Person, sondern um gleich mehrere Leute. Leute, die immer eher niedergeschlagen zu sein schienen und nicht fröhlich. Ohne, dass es eine erkennbare Sache gab, die sie so traurig machte, sie hatten einfach diese generelle Traurigkeit.

In meinen Ohren war das eine mögliche Single – aber dann, bei Minute zwei, nehmt ihr das Tempo raus und bringt fast eine ganze Minute lang Noise rein. Das ist einer der Momente, bei denen ich dachte, jetzt flucht eure Plattenfirma bestimmt: „Warum konnten sie das nicht als Single beibehalten?“

Haha!

Aber du hast mir ja schon erzählt, dass eure Plattenfirma euch sogar zu so etwas ermutigt.

Tja – ich hatte den Song nie als Single auf dem Zettel. Wir waren uns in der Band nie ganz klar, was wir mit dem Song machen sollen. Das ist ein Lied, von dem ich glaube, es hätte in mehrere Richtungen gehen können. Es ist auch das eine Lied, bei dem ich mir wünsche, wir hätten noch etwas mehr Zeit im Studio gehabt.

Also ich mag’s. Vielleicht war’s also gut, dass ihr kein Zeit mehr hattet und es so lassen musstet. Manchmal kann man auch zu lange über etwas nachdenken.

Ja, das stimmt.

Neulich habt ihr eine ungewöhnliche Aktion gebracht: Ihr habt den Fans in eurer Mailinglist Postkarten geschickt. Wessen Idee war das und was war die Idee dahinter?

Da gab es mehrere Gründe. Ich habe zuletzt öfter über Postkarten nachgedacht. Ich habe, wenn ich unterwegs war, viele alte Postkarten gekauft, Die sind meistens schöner als die neuen. So kam die Frage auf: Was können wir als Band mit Postkarten machen? Ich hatte all diese Bilder und ich fand einfach… als es darum ging, die neue Kampagne für die neue Platte zu starten, da gefiel mir der Gedanke, über die sozialen Medien hinaus zu gehen. Etwas echtes zu verschicken, das die Leute in die Hand nehmen können. Ich finde Postkarten so romantisch, ich liebe es, welche zu kriegen und welche zu verschicken. Wir haben Textzeilen in Handschrift auf die Karten gedruckt, so wirkte es wie eine Botschaft. Wichtig ist aber auch: Bei diesem Album sind die Songs das wichtigste, mir sind Musikvideos egal, mir sind Werbeaktionen egal, alles beginnt und endet mit den Songs.

Zum Albumartwork: Da sehen wir eine junge Ballerina, wir sehen auch einen Tierschädel – stehen diese Elemente für irgendwas? Habt ihr das Bild fürs Cover schießen lassen oder ist es ein Foto, das ihr gefunden habt?  

Ich mag das Bild, denn ich sah es und ich wusste sofort: Im Kopf dieses Mädchens – sie ist meine Tante, übrigens – In ihrer Vorstellung spielt dieses Mädchen gerade eine Fantasie durch. Ein anderes Leben, das sie in ihrer Vorstellung erschaffen hat. Das Kleid, der Tanz, der Schädel, eine Party im Garten… das habe ich als Kind auch immer gemacht! Ich habe Szenarios im Garten aufgebaut und sie nachgespielt. Man braucht nicht immer Spielzeug – und ich glaube, das nimmt man ins Erwachsenenleben mit, diese Vorstellungen und Träume von einem anderen Leben. Sie kommen auch in Songs zum Vorschein, in Songs nimmt es feste Form an. Daran musste ich einfach denken, als ich das Bild sah. Ich mag auch den Kontrast zwischen dem Schädel und dem schönen Kleid. Das Bild lässt so viel Raum für Interpretation.

Ich dachte tatsächlich, das sei ein altes Foto, das vielleicht aus einer Galerie kam. Aber es ist ein Privatfoto, wenn deine Tante drauf ist?

Ja, meine Mom hat es geschossen, und da muss sie gerade mal fünf Jahre alt gewesen sein.

Und deine Tante findet’s bestimmt klasse, auf einem Plattencover zu sein. 

Naja, meine Tante ist eine sehr schüchterne, zurückgezogene Person. Wenn sie sich freut, hat sie es noch nicht gesagt. Aber sie ist tatsächlich Tänzerin geworden. Deswegen hat es schon was Bedeutsames, dass sie als Kind dieses Tanzspiel gespielt hat – dann als Erwachsene wurde sie tatsächlich Tänzerin!

An dieser Stelle muss ich mal euren Gitarristen loben. Ich finde, er spielt echt sehr erfinderisch. Wenn man Wolf Alice hört, weiss man nie vorher, was die Gitarre als nächstes machen wird. 

Ja, er ist echt gut. Das ist seine Spezialität: Eine Gitarre nicht so klingen zu lassen wie eine Gitarre normalerweise klingt.

Jetzt eine ganz grundsätzliche Frage: Was, denkst du, macht einen guten Song aus?

Hmmm… ich finde, ein Song muss einfach etwas auslösen, er muss etwas Menschliches an sich haben. Er muss einen etwas fühlen lassen. Aber eine Methode dafür habe ich keine.

Um welche Dinge haben deine Gedanken zuletzt gekreist? Was hat dich wütend gemacht, was hat dich zum Lachen gebracht? Ich weiss, dass ich dich in einem sehr schläfrigen Zustand erwische, Sorry noch mal dafür… trotzdem, was fällt dir ein?

Ähm… also zuletzt habe ich viel übers Älterwerden nachgedacht. Das ist zur Zeit in England nicht leicht. Es ist nicht leicht, sich das Leben als Erwachsener zu leisten. Damit im Kopf klar zu kommen, ist schon schwer genug, aber unsere Regierung macht es allen nur noch schwerer. Sie machen es einem quasi unmöglich, ein Haus zu kaufen, also finden sich viele Menschen ohne ein Heim. Aber wie soll man den nächsten Schritt machen können, wenn man nicht mal ein Bett hat? Warum ändert sich das nicht? Warum ist es diesen Menschen egal?

Was mich aber happy macht… das sind meine Freundinnen und Freunde. Ich konnte zuletzt viel mehr Zeit mit ihnen verbringen, ich bin in ein Haus gezogen mit sechs Freundinnen, die alle sehr kreativ sind. Und es macht wirklich richtig Spaß, viele junge kreative Frauen um sich zu haben.

Tja, damit komme ich zum Ende! Vielen Dank für deine Zeit, auch wenn du gerade erst aufgewacht bist. 

Danke, es war mir ein Vergnügen.

Zum Schluss frage ich immer nach einer Anekdote. Deswegen die Frage: Was war das sonderbarste Konzert, das du je gespielt hast?

Geoff und ich haben mal in einem Feuerwehrhaus gespielt, in einem Club für Senioren. Sie hatten gerade ein paar Pflanzen eingetopft, und wir waren der nächste Programmpunkt. Wir hatten gerade mit einem Song angefangen, da rief eine der alten Damen schon „Spielt was, das wir kennen!“ Aber wir hatten natürlich nichts dergleichen eingeübt. Trotzdem haben wir versucht, eine Coverversion zu spielen, darauf rief sie: „Nein, spielt es in der richtigen Tonart!“, hihi

Haha, na das muss ja ganz am Anfang gewesen sein. Wart ihr da schon Wolf Alice?

Nein, da hießen wir noch Geoff & Ellie oder sowas, ich weiss es gar nicht mehr, das ist sechs Jahre her.

Aber selbst von solchen Shows kann man was mitnehmen und lernen. Hast du etwas gelernt, damals?

Immer in der richtigen Tonart zu spielen!

Haha, alles klar. Okay, das hat Spaß gemacht – viel Erfolg mit dem Album! Ich hoffe, es wird so erfolgreich, dass es dir die Sorgen nimmt, dass du ein Haus kaufen kannst für dich und deine sechs Mitbewohnerinnen!

Hahahaha! Na, das ist ja nicht wirklich meine Sorge. Es geht nicht nur um mich, der sich kein Haus leisten kann, es geht darum, dass sich NIEMAND mehr in England leisten kann, ein Haus zu kaufen. Niemand kann es sich mehr leisten, aber die Leute am Ruder geben sich nicht mal die Mühe, es für die Menschen erreichbarer zu machen. Wie können wir alle überhaupt mit gutem Gewissen älter werden. Wir können es uns quasi nicht erlauben, alt zu werden, die Regierung macht es den jungen Leuten so schwer!

… und an dieser Stelle antwortete ich noch was, aber währenddessen brach unsere Verbindung zusammen. Plötzlich war Ellie weg. Was natürlich als Ende eines Interviews sehr unbefriedigend ist, aber hey, so war’s leider. Ellie ließ sich über die Dame der Plattenfirma noch mal entschuldigen, aber weil unsere Zeit um und ich ja praktisch fertig war, haben wir auch nicht noch mal neu angefangen. Anyway – ich hoffe, auch so hat man ein Bisschen über das neue Album mitbekommen. Dankeschööön. 

 

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