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Review: The Fernweh

The Fernweh – The Fernweh

Ob man wohl bei der Plattenfirma Skeleton Key Records einen Vertrag unterschreiben sollte? Das Label hat seine Website seit zweieinhalb Jahren nicht upgedatet. Kein gutes Zeichen. Man findet nicht mal ein Wort über ihre aktuelle Neuerscheinung The Fernweh auf der Seite. 

Aber klar sollte man trotzdem den Stift nehmen und seine Signatur setzen, wenn Skeleton Key es anbietet! Das ist ein Ritterschlag! Dies ist die Firma von The Coral-Sänger (und Blossoms-Producer) James Skelly! Skeleton Key hat in gewisser Weise den Staffelstab von Deltasonic übernommen – hier lebt die „The Wirral“-Szene weiter, die uns in den Nullerjahren neben The Coral auch Bands wie The Zutons, The Stands, The Basement, The Bandits, The Dead 60s oder The Little Flames schenkte. Ein mal Googlen ergibt dann auch: Die Firma hat ihre Webpräsenz halt auf facebook verlegt und alles Neue liest man dort. Nicht so schlimm also, die schlafende Website.

Was bringt uns zu Skeleton Key Records? Es ist die Band The Fernweh. Die sind uns in den letzten Monaten schon mit eine starken Single nach der anderen aufgefallen. Jetzt ist ihr Album da. Ich darf verkünden: Es hält alle Versprechen!

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Review: Gwenno

Gwenno – „Le Kov“

Da ist Gwenno doch tatsächlich hergegangen und hat ein Album auf KORNISCH aufgenommen! Ich finde, das ist ’ne echt interessante Geschichte, also schreibe ich da jetzt drüber.
Aber, äh, wer ist Gwenno? Und was ist Kornisch?
Wo fange ich an?
Ich fange mit Kornisch an.

Finger hoch, wer weiß, was Kornisch ist? Also ich wusste es nicht. Kornisch ist eine Sprache. Man sprach sie am äußersten südwestlichen Zipfelchen Großbritanniens. Links unten auf der Landkarte, Cornwall. Genau! Das ist da, wo die Rosamunde Pilcher-Filme spielen.

Dazu ein Abriss der Geschichte der Insel. Ich mach’s kurz, versprochen. Im Englisch-Unterricht wurde man ja genug damit gelangweilt.

Also, nachdem die Eiszeit vorbei ging und Großbritannien vom Eisschild freigelegt wurde, kamen zuerst keltische Stämme als Siedler auf die Inseln. Später folgten zahllose andere. Die Römer, die Angeln und die Sachsen und auch immer mal Wikinger. Wie all die anderen Völker so eintrafen, sich hier und dort niederließen, eroberten und bekriegten, vermengten sie sich mit der Urbevölkerung. Dabei entwickelten die Neuankömmlinge die Sprache Englisch, als Mix, der auf germanischen und altnordischen Wurzeln basierte, aber auch viel aus dem Lateinischen und dem Französischen und weniger aus dem Keltischen übernahm. Bis in die  Randgebiete aber breitete sich der Völkermix nicht ganz aus. Hier blieben keltische Minderheiten noch lange unter sich, ohne assimiliert zu werden. In Schottland oder in Wales zum Beispiel. In diesen Gegenden blieb auch die Sprache der Kelten erhalten. Auf den Hebrideninseln wie Lewis, North Uist und South Uist wird noch schottisches Gälisch gesprochen, in Wales walisisch.  Review: Gwenno weiterlesen

Review: Beyond The Wizard’s Sleeve

soft bounce wizards sleeveBeyond The Wizard’s Sleeve –
„The Soft Bounce“

„Die Leute hören keine Alben mehr durch, sie hören nur noch einzelne Tracks“ wird seit langem schon behauptet. „Ihre Aufmerksamkeitsspanne reicht nicht mehr aus, um eine dreiviertel Stunde lang die gleiche Stimme hören zu wollen.“ Da sollte man ja eigentlich denken, dass die Chemical Brothers in den 90ern schon die perfekte Lösung gefunden haben: Das Album, das sich ganz von selbst wie ein Sampler anfühlt. Weil es extrem variable Tracks vereint, instrumentale und gesungene, die wiederum mit verschiedenen Gastsängern. Seit „Exit Planet Dust“ sind die beiden Londoner DJs so verfahren, eine Menge sehr unterschiedlicher Top-Hits haben sie dabei gelandet. Ihr Modell ist seitdem aber erstaunlich selten nachgeahmt worden.

UNKLEs „Psyence Fiction“ (1998) fiele mir als eines der wenigen Beispiele ein, auch „Nonsense In The Dark“ von den Filthy Dukes (2009) – wie die Chemicals ein Londoner DJ&Remix-Duo . Nun gibt’s eine neue Platte für dieses schmale Plattenfach, und einmal mehr stammt sie von einem Londoner DJ-Team, das auch durch seine Remixe für Indiebands in den Vordergrund gereten ist. Beyond The Wizard Sleeve sind Erol Alkan (lange DER UK-Vorzeige-Indie-DJ, inzwischen Resident in der Fabric) und Richard Norris vom Elektronik-Duo The Grid. Beides keine jungen Hüpfer mehr, aber dafür große Allrounder und Kenner mit viel Insiderwissen in allen musikalischen Schubladen.

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