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Review: Public Access TV

public-access-tv-never-enoughPublic Access TV – „Never Enough“

Sie sind rar geworden, die New Yorker Bands. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Mieten auch in lange noch als Zentren der Boheme geltenden Gegenden wie Brooklyn heute so horrend sind, dass viele Musiker den Big Apple verlassen müssen und in ein Städtchen außerhalb ziehen oder sich gleich ganz in einem anderen US-Szene-Ort niederlassen.

Was natürlich extrem schade ist, denn die New York-Band hat eine ganz eigene Tradition im Rock’n’Roll. Die typische New York-Band, die schreibt peppige, schnodderige Songs, sie erfüllt dabei auch einen gewissen Art-Anspruch und sie trägt knallenge Jeans. Späte 60s: The Velvet Underground. Mitte der 70s: The New York Dolls, The Ramones, Television. Späte 70s/frühe 80s: Blondie, The Knack, Talking Heads. In den 2000ern: The Strokes, The Walkmen, Interpol, Yeah Yeah Yeahs, The Virgins, The Drums.

Public Access TV sind vermutlich nicht „die letzte New York-Band“. Aber hey, als Schlagzeile, um PATV interessanter zu machen, würde sich das doch gut anhören. Fakt ist, das Quartett um Sänger John Eatherley ist die Gruppe, die momentan die New Yorker Flagge am höchsten hält.

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Single Review: Public Access TV

Public Access TV End of an Era - SinglePublic Access TV – „End Of A Era“

Am 30.09. erscheint endlich das Debütalbum von Public Access TV. Lange genug haben sie uns angeteast, Single für Single: „Patty Peru“, „In Love And Alone“, „On Location“, „Sudden Emotion“…

Das waren alles knackige, vielversprechende New Yorker Indierocksongs. Aber ich muss ehrlich sein: Ich hatte angefangen, so ein bisschen daran zu zweifeln, dass die Band wirklich noch zündet.

Public Access TV machen ja nix Neues. Ich habe oben absichtlich in der Formulierung „New Yorker Indierock“ wie ein Attribut verwendet. Weil man als Gitarrenquartett nicht newyorkerischer klingen kann als PA TV.

The Strokes. The Strokes haben ja letztlich auch nur eine NYC-Tradition aufgegriffen und neu unter Feuer gesetzt: Struppigen New Wave/Power Pop der 70s/frühen 80s nämlich. Der Sound, mit dem Bands wie Blondie, The Cars oder The Knack mal die Hitparaden fütterten. Im Zuge der Strokes gab’s dann The Walkmen oder The Virgins, die das weiter führten. Und jetzt gibt’s halt Public Access TV, so weit, so gut. Ein Sound, gegen den man nichts haben kann – und diese neuen Kids machen ihn gut, in den korrekten engen Lederjacken und den vanillefarbenen Chucks.

Aber eine Sache fehlte: Der Hit. Single Review: Public Access TV weiterlesen

Interview: Oscar

Header OscarDas Debütalbum des Londoner DIY-Songwriters und Producers Oscar ist jetzt auch schon über zwei Wochen draußen – klar wollte ich mein Interview eigentlich pünktlich zur Veröffentlichung von „Cut & Paste“ transkribiert haben. Immerhin, gestern saß ich ein paar Stündchen im Zug und konnte die Abschrift abschließen. Ein Telefongespräch, das außerordentlich viel Spaß gemacht hat. Hoffentlich kommt das beim Lesen rüber!

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Review: Strange Names

strange names albumStrange Names – „Use Your Time Wisely“

Stichwort 80s-Revival. Welche 80s meint man denn, wenn man im Indie vom 80s-Revival spricht? Mein meint nichts aus der zweiten Hälfte der 80er. Man bezieht sich eigentlich immer nur auf die Ära ca 1979-1984, auf eine erste New Wave-Pionier-Phase (z.B. Gary Numan, DEVO, frühe OMD) sowie auf die Phase, in der daraus Synthpop für die damaligen Charts wurde (z.B. Howard Jones, Kajagoogoo, Nik Kershaw).

Das 80s-Revival wiederum kam für mich so richtig in die Gänge im Jahr 2002. In dem Jahr erschien Interpols „Turn On The Bright Lights“, auch The Faints „Danse Macabre“ (2001) startete nachträglich durch. In Schweden gab es Bands wie Melody Club und Paris, die behaupteten, von Nena beeinflusst zu sein und im Pop wieder mit Neonfarben malten.

Worauf will ich hinaus? Ich will sagen: Wenn das 80s-Revival in seinen diversen Spielarten seit 2002 läuft, dann sind das heute 13 Pop-Jahre! 13 Jahre, die sich auf nur 5 Pop-Jahre rückbeziehen.

Weswegen ich glaube, dass Strange Names, dieses neue Trio aus Minnesota, gar keine 80s-Revival-Band ist. Ich glaube, es ist eine 80s-Revival-Revival-Band. Review: Strange Names weiterlesen

Review: The Cribs

cribs sistersThe Cribs – For All My Sisters

Es trifft sich ganz gut, dass parallel zu den Circa Waves, die ich hier neulich ein bisschen einbremste, auch The Cribs eine neue Platte rausbringen. Denn auch The Cribs sind eine Band, die einer althergebrachten Indie-Ästhetik entsprechen, insofern könnte man da ein paar Vergleiche ziehen. Auch sie erfinden das Rad nie neu, sondern sind halt eine Indiegitarrenband, nicht mehr und nicht weniger.

Warum stehe ich trotzdem hundertpro hinter den Jarman-Brüdern? Weil die drei grimmigen Nordbriten aus Wakefield mehr noch als eine Ästhetik einen Indie-ETHOS verkörpern: Drei Rebellen gegen den Rest der Welt.

Erst mal: Wer könnte eine eingeschworene Clique sein als drei Brüder? Die zu Beginn eine Zeitlang bettelarm mehr oder weniger in ihrem Proberaum lebten? The Cribs sind auch die Band, die sich wohler fühlt, wenn sie zu dritt im schratteligen Van durch die USA tuckern kann, wobei man sich beim Fahren ablöst, als sich im Luxus-Nightliner auf der Insel von einer Halle kreischender Teenies zur nächsten chauffieren zu lassen. The Cribs sind unsauber und agieren ohne Rücksicht auf Verluste – Es gab eine Zeit, da war auf Livebildern von Ryan Jarman grundsätzlich Blut zu sehen (er hatte sich so oft den Mund am Mikro angeschlagen, dass es quasi schon chronisch war und bei jeden Gig gleich neu aufplatzte). Berühmt sein Absturz bei den NME Awards 2006, als er sich auf einem Tisch voller Gläser warf und die Scherben ihm ernsthafte innere Verletzungen zufügten. Auch schon neun Jahre her, das. Was ein Reminder ist, wie lange wir die Cribs schon haben und wie treu sie sich geblieben sind.

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