Schlagwort-Archive: Talking Heads

Review: Artificial Pleasure

Artificial Pleasure – „The Bitter End“

Eigentlich will ich mich mit der Vorgeschichte zu Artificial Pleasure gar nicht lange aufhalten. Ein Debütalbum, das kann und soll schließlich auch als „blank slate“ fungieren, als unbeschriebenes Blatt, als Nullpunkt, von dem aus es für den Hörer ohne jedes Vorwissen und jede Voreingenommenheit los geht. 

Es ist ja auch nicht so, dass diese Vorgeschichte typisch oder exemplarisch ist. Sie ist ein Extrembeispiel dafür, wie nah im Musik- und Medienbiz Hype und Stagnation auseinander liegen können.

Trotzdem, hilft ja nix, ich kann mich ja doch nicht bremsen. Also: Zeitreise. Zurück ins Jahr 2012. Da bejubelt im Guardian ein großer Artikel die taufrische Band Night Engine, die in London bereits alle Szenekenner orgasmisch zucken lässt. Dabei existiert das Quartett erst seit wenigen Monaten. Die Newcomer erstaunen mit einer Kombi aus zickzackigen Synthriffs und britischem Funk. Ein 80s-Revival der unerwarteten Art, das Robert Palmer und INXS eine lange nicht mehr wahrgenommene Coolness zurück gibt. Night Engine fangen die New Wave-Rhythmik der Talking Heads ein und ihr Sänger hat eine Stimme, die nicht wenige an Bowie himself erinnert. Dieser Phil MacDonnell ist ein faszinierender, intensiver Typ, der nicht nur mit seinem knallroten Haar Aufmerksamkeit magnetisch auf sich zieht. Wow! Alle sind sich einig: Hier kommt das nächste große Ding! Review: Artificial Pleasure weiterlesen

Review: Jack Ladder & The Dreamlanders

Jack Ladder & The Dreamlanders – „Blue Poles“

Jack Ladder. Eine Type, da will man aufs Dach klettern und in die Stadt rufen: „Gibt euch diesen Kerl!“ Ein schlaksiger australischer Hüne mit grabestiefer Stimme und galligem Humor. Er hat ein paar Songs in seiner Diskographie, da fragt man sich: Wieso sind das nur down under Klassiker? Warum hat der Rest der Welt das noch nicht wirklich mitgekriegt? Zu Hause ist der Sydneysider so unumstritten, dass er seine Begleitband aus ein paar der szenigsten Typen überhaupt zusammenstellen konnte: Die zwei Gitarristen Kirin J Callinan und Ben Hauptmann,.Bassist Donny Benet, Drummer Laurence Pike (von PVT).

Stop mal eben: Australier, hagerer Grusel-Spaßvogel, literarischer Anspruch, irre Begleitband aus Ausnahmemusikern? Ja, der Vergleich zu Nick Cave drängt sich auf. Trotzdem: Jack Ladder bleibt ein Original, dem niemand vorwerfen wird, dass er Nick Cave nachahme. Gewollt oder konstruiert sind die Parallelen nicht, sie haben sich eher zufällig so ergeben.

Was hat den Mann im Rest der Welt dann zurück gehalten? Da, denke ich, gibt’s dann halt doch einen Grund. Jack Ladder kann ein irres Niveau erreichen, aber er hält es nicht konsistent über ein komplettes Album. Auch seine fünfte, „Blue Poles“, macht da keine Ausnahme.

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Pleasure Suit

2013 ging alles blitzschnell für die Londoner Band Night Engine. Sie hatten sich erst seit wenigen Wochen gegründet, da feierte sie der Guardian schon als DIE neue Top-Hoffnung der Stadt, für ihre Referenzen an Talking Heads und Bowie. Aber nach einer ersten EP und einer Single geriet ihr Weg irgendwie ins Stocken.

Erst 2016 tauchten sie wieder auf, jetzt unter dem Namen Artificial Pleasure. Am 11.05. wird es nun so weit sein, dass Sänger Phil McDonnell & Co endlich ihr so lange erwartetes Debütalbum „The Bitter End“ veröffentlichen werden. Vorab haben sie nun die Single  „On A Saturday Night“ mit einem Video ausgestattet.

State Of The Artificial

Manche Dinge brauchen etwas länger, bis sie in die Gänge kommen. Dabei sah’s für Night Engine erst super aus. Die Londoner hatten sich 2013 erst wenige Wochen gegründet, da hatten sie schon ihr erstes großes Feature im Guardian und wurden darin als kantig-schnittiges Nu-Bowie/Talking Heads-Dings gefeiert, dem zweifellos die Zukunft gehören werde. Eine starke 4-Track EP erschien. Aber dann passierte… wenig. 2015 kam noch mal eine Single namens „Wound Up Tight“ – und das war’s. Irgendwann waren sogar ihre Tracks von den Download- und Streamingplattformen verschwunden.

Ende 2016 wiederum tauchte eine Band namens Artificial Pleasure auf, von der ich erstmals im Mai 2017 was mitkriegte. Da fielen sie mir im Programm von Brightons Great Escape Festival auf, denn Sänger Phil McDonnell mit seinen knallroten Haaren war sofort zu erkennen. Ich weiss nicht, ob es taktische oder vertragliche Gründe waren, ob Mitglieder ausgetauscht wurden oder was sonst der Grund für den Namenswechsel war – jedenfalls sind Artificial Pleasure die Nachfolgeband von Night Engine.
Im September spielten sie auch erstmals in München und da zeigte sich auch, warum die Spuren von Night Engines Songs im Netz getilgt wurden: Artificial Pleasure haben noch was mit ihnen vor. So wurde „Wound Up Tight“ kürzlich ein zweites Mal veröffentlicht, diesmal als neue AP Single. Inzwischen haben Phil McDonnell & Co auch fürs neue Jahr ihr Debütalbum angekündigt und ein Video zu „Wound Up Tight“ online gestellt. Keins, das Phil unbedingt schmeichelt, aber okay, das muss die Band selbst wissen. Anyway – es sieht aus, als ob es fünf Jahre nach dem ersten Inner London-Hype jetzt doch endlich auch im Rest der Welt los gehen kann für Night Engine/Artificial Pleasure.

UPDATE von Artificial Pleasures facebook: „Phil would like to make it clear that he usually looks much better than this.“ Hihi.

Nach dem Break zwei frühere Videos von AP

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Series: The 80s – Classics and Curios, Pt. 1

vinterview-80sDas Frage, mit welchen Themen ich in den praktisch Release-freien Wochen um die Jahreswende Inhalte für meine Seite schaffen soll, die stelle nicht nur ich mir auf meinem kleinen Blog. Das Problem haben auch ganz andere, ungleich größere Musik-Medien. So hat Pitchfork vorgestern – a pro pos of nothing – eine Liste der 10 besten Songs der 80er zusammen gestellt. Aber warum auch nicht? Naturgemäß sind 10 Songs zu wenig, um eine ganze Dekade zusammen zu fassen und klar wird man drüber diskutieren. Sicher hat jeder der Pitchfork-Songs es verdient, auf der Liste zu landen – aber essentielle Namen fehlten trotzdem. Mich jedenfalls hat das Ganze dazu gebracht, 80s-Namen aufzuschreiben, die ich in meine persönlichen Top Ten packen würde. Natürlich ist das sofort ausgeartet und plötzlich hatte ich über 40 Namen auf dem Zettel stehen.

Weswegen ich mir sagte: Okay, da mach ich ne kleine Serie draus. Ich werde in unregelmäßigen Abständen eine kommentierte Selektion von 80s-Bands bzw Songs posten. Die 80s waren schließlich eine im Nachhinein herrlich alberne Dekade, in der viel ausprobiert wurde. Manches ging daneben, manches aber wurde zum Grundstein für spätere Entwicklungen. Manches, was damals noch als Mainstream-Pop galt, wäre heute fürs Indie-Fach zu schräg. Zumal: Seit youtube-Videos in Deutschland nicht mehr gesperrt sind, kann man alte Schätze neu entdecken.

Also gut, gehen wir in unsere erste Runde. Diese erste Rutsche habe ich unter einen Oberbegriff gestellt: Indie-Bands. Genauer: Bands, die als Pioniere das, was später zur eigenen Kategorie Indie werden sollte, vorbereiteten und noch lange prägten. All die nun folgenden Bands sind Gitarrenbands – was in den 80ern ja eher untypisch war.

Anmerkung: Die Liste ist alphabetisch geordnet, nicht nach irgendeiner Wertung. Sonst ginge es nicht ausgerechnet los mit…

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Review: Public Access TV

public-access-tv-never-enoughPublic Access TV – „Never Enough“

Sie sind rar geworden, die New Yorker Bands. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die Mieten auch in lange noch als Zentren der Boheme geltenden Gegenden wie Brooklyn heute so horrend sind, dass viele Musiker den Big Apple verlassen müssen und in ein Städtchen außerhalb ziehen oder sich gleich ganz in einem anderen US-Szene-Ort niederlassen.

Was natürlich extrem schade ist, denn die New York-Band hat eine ganz eigene Tradition im Rock’n’Roll. Die typische New York-Band, die schreibt peppige, schnodderige Songs, sie erfüllt dabei auch einen gewissen Art-Anspruch und sie trägt knallenge Jeans. Späte 60s: The Velvet Underground. Mitte der 70s: The New York Dolls, The Ramones, Television. Späte 70s/frühe 80s: Blondie, The Knack, Talking Heads. In den 2000ern: The Strokes, The Walkmen, Interpol, Yeah Yeah Yeahs, The Virgins, The Drums.

Public Access TV sind vermutlich nicht „die letzte New York-Band“. Aber hey, als Schlagzeile, um PATV interessanter zu machen, würde sich das doch gut anhören. Fakt ist, das Quartett um Sänger John Eatherley ist die Gruppe, die momentan die New Yorker Flagge am höchsten hält.

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Vinterview: The Preatures

Vinterview Preatures… vor einer Woche freute ich mich über die Comeback-Single von The Preatures – siehe Single-Review unten. Und weil wir trotz einer Handvoll toller Releases in den letzten Tagen (Blossoms, WHITE, Alex Lahey…) immer noch mitten im Sommerloch stecken, bietet diese Rückkehr sich doch an dafür, dass ich mal wieder ein „Vinterview“ (vintage Interview) poste. Denn ich sprach für meinen alten Blog schon Anfang 2014 mal mit Preatures-Frontfrau Isabel Manfredini. Das war, nachdem „Is This How You Feel“ zu sowas wie einem Underground-Welthit geworden war, aber die Release ihres Debütalbums „Blue Planet Eyes“ war noch mehrere Monate weg.

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Review: Screaming Peaches

Rough Music - EPScreaming Peaches – „Rough Music EP“

Bandnamen. Man muss heutzutage auf ein paar Dinge achten, wenn man seine Gruppe tauft, die in den Siebzigern egal waren. Zuallererst: Kann man deinen Namen googlen? Der Bandname „Movie“ zum Beispiel ist komplett ungeeignet. Googlet mal „Movie“! Alles mögliche erscheint, aber nicht die Website eines jungen Trios aus Tooting/London, das gerade loslegen will. Na gut, probieren wir’s mit „Movie Music“! Oder mit „Movie Band“? Ihr seht das Problem – Musikfilme bzw. Filme über Bands gibts auch in Millionen. Die Band Movie im Netz zu finden, war fast unmöglich.

Vielleicht lag’s also am Bandnamen, dass Movie bisher nicht so durchgestartet sind, wie es an sich denkbar gewesen wäre? Letztes Jahr haben die Newcomer insgesamt sechs Songs veröffentlicht, die verdamt vielversprechend klangen: Die AA-Single „Ads“ / „Mr. Fist“ sowie eine 4-Track-EP namens „Tusk Vegas“. Ich habe die Band hier auf dem Blog immer als eine Mischung aus Franz Ferdinand und Blur beschrieben, denn Movie hatten die Artiness und den satten Stampfbeat der Ersteren, aber auch die hochgezogene Augenbraue und die gerne mal angeschrägten Sounds der zweiten. (Eine bessere Beschreibung ist mir seitdem nicht eingefallen, deswegen belasse ich’s dabei.) Man hätte sich also vorstellen können, dass sie auf den Indie-Dancefloors des Planeten einen rasanten Kickstart hinlegen, dass der Name von Movie-Frontmann Theo Spark den Indiekids bereits ein Begriff ist und alle ungeduldig aufs Debütalbum warten.

Movie heißen jetzt Screaming Peaches.
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Review: Strange Names

strange names albumStrange Names – „Use Your Time Wisely“

Stichwort 80s-Revival. Welche 80s meint man denn, wenn man im Indie vom 80s-Revival spricht? Mein meint nichts aus der zweiten Hälfte der 80er. Man bezieht sich eigentlich immer nur auf die Ära ca 1979-1984, auf eine erste New Wave-Pionier-Phase (z.B. Gary Numan, DEVO, frühe OMD) sowie auf die Phase, in der daraus Synthpop für die damaligen Charts wurde (z.B. Howard Jones, Kajagoogoo, Nik Kershaw).

Das 80s-Revival wiederum kam für mich so richtig in die Gänge im Jahr 2002. In dem Jahr erschien Interpols „Turn On The Bright Lights“, auch The Faints „Danse Macabre“ (2001) startete nachträglich durch. In Schweden gab es Bands wie Melody Club und Paris, die behaupteten, von Nena beeinflusst zu sein und im Pop wieder mit Neonfarben malten.

Worauf will ich hinaus? Ich will sagen: Wenn das 80s-Revival in seinen diversen Spielarten seit 2002 läuft, dann sind das heute 13 Pop-Jahre! 13 Jahre, die sich auf nur 5 Pop-Jahre rückbeziehen.

Weswegen ich glaube, dass Strange Names, dieses neue Trio aus Minnesota, gar keine 80s-Revival-Band ist. Ich glaube, es ist eine 80s-Revival-Revival-Band. Review: Strange Names weiterlesen