Schlagwort-Archive: The Cure

I Taw The Light

TAWINGS verwirren mich. Neulich hat das Girl-Trio aus Tokio mit „Suisen“ eine ganz wunderbare melancholische New Wave-Pop-Single hingelegt. „Suisen“ ist bestimmt eins meiner Lieblingslieder von 2019, eine Nummer, die einen unorthodoxen Weg findet, sich zwischen The Cure, Krautrock und Shoegazing hindurch zu schlängeln.

TAWINGS neue Single „Poodles“ (feat. fLuffY anGeLs <3, wer auch immer das sein mag) ist zwar auch New Wave, aber auf ne komplett gegenteilige Weise. Minimalistisch-schräg, mehr DEVO oder Trio als The Cure. Dazu ein Text über fluffige Pudel (meistens braun) inklusive Gekläffe. Hä? Also, auch das ist auf seine Weise cool – aber so anders als „Suisen“!

Also gut. Noch vor Weihnachten soll das Debütalbum der TAWINGS kommen. Dann werden wir uns hoffentlich ein klareres Bild dieser Band machen können.

Re-remembering the Cars

Seit sechs Tagen kein neuer Post auf dem Blog. Sorry, ich bin einfach zuletzt auf kein Video gestoßen, das mir sagte: Ich MUSS geteilt werden!

Aber wir wissen auch: Immer wenn ich einen Beitrag schreibe, in dem ich mich über eine Flaute beschwere, passiert folgendes: In den nächsten Stunden prasseln drei bis fünf neue Videos auf einmal ein. Als ob die Welt mich widerlegen wollte.
Na gut, dann probieren wir doch mal aus, ob das heute auch klappt.

Posten wir also etwas aus dem Archiv. Es ist inzwischen fast einen Monat her, dass die The Cars-Frontmann Ric Ocasek gestorben ist. Damals wollte ich eigentlich schon was schreiben. Aber dann hatte ich viel um die Ohren und es war eh genug im Netz zu lesen, da habe ich’s nie fertig gestellt.

Jetzt denke ich mir: Eigentlich ist es sogar besser, so spät dran zu sein mit der eigenen kleinen Würdigung. Die erste Nachruf-Blase ist verpufft – aber The Cars waren schließlich eine Band, die in Sachen Postpunk, Synth- und Powerpop langfristig prägend war. Darauf darf man auch und erst recht nachträglich noch mal hinweisen.

Klar, am bekanntesten war Ric Ocaseks Band für Synthpop-Hits aus den Mitt-Achtzigern wie „You Might Think“, „Drive“ oder „Hello Again“ sowie für ihr ’77er Powerpop-Debüt mit Hits wie „Just What I Needed“ oder „My Best Friend’s Girl“.

Im Nachhinein finde ich aber die Platten dazwischen fast am interessantesten. Alben wie „Candy-O“ oder „Panorama“ hatten nicht die großen Profil gebenden Hits, aber sie waren musikalisch spannend. Hier waren The Cars in erster Linie new wavey, man konnte Verwandtschaft zu Talking Heads oder The Cure entdecken. Als Beweis poste ich hier den Titelsong von „Panorama“.

The Cars sind eine Band, die wir nicht vergessen wollen – und ihr Echo in Bands wie Public Access TV, Strange Names, Weezer oder The Strokes wird auch noch länger dafür sorgen, dass wir’s nicht tun.

Coffin To Worry About

Heute mal ein Abstecher nach Kopenhagen: Von hier stammt die Band The Love Coffin.

Das ist einer dieser Bandnamen, bei denen man gleich weiss, was einen erwartet: Gruftpop mit sehnsüchtig romantischer Note. 80s-Indierock zwischen The House Of Love und The Cure. Check.

The Love Coffin kündigen mit der Single „Nothing At All“ ihr zweites Album an, das im Frühjahr 2020 erscheinen soll. Interessant: Als Producer liest man den Namen Guy Fixsen. Hey, der stand in den frühen 90s auf vielen meiner Lieblingsplatten! Guy war Mitglied von Laika und er produzierte u.a. Musik von The Breeders, Stereolab, Slowdive, My Bloody Valentine, Pixies, Throwing Muses, The House Of Love, The Boo Radleys, Chapterhouse, Lush, Ultra Vivid Scene und und und… aber ich habe ihn lange schon nicht mehr gelesen. Interessante Wahl. Die wohl auch verdeutlicht, welchen Sound sich The Love Coffin vorstellen.

DIIV For Your Memory

Nicht jeder hat damit gerechnet, dass DIIV noch mal ein Album machen. Sänger Zachary Cole Smith war für seine Heroinprobleme schließlich fast bekannter als für seine Musik. Vieles fiel dem zum Opfer. Europatourneen beispielsweise.

Am 4.10. kommt es aber doch, das dritte Album. „Deceiver“ erscheint dreieinhalb Jahre nach „Is The Is Are“ und nimmt den Faden des Vorgängers wieder auf. Naja, die Wolle ist ein bisschen dunkler und rauer geworden. Zac ist nach längerer Reha clean, hoffentlich kann er das bleiben. Gutes Zeichen: Es gibt ein Video zum Song „Blankenship“. Zu Zeiten von „Is the Is Are“ wurde gar keins gedreht.

When We Was Drab

Das Schöne am ewigen 80s-Revival ist, dass die Achtziger ja eine Menge Spielraum hergeben. Eine Menge Klanggebiete, die man unendlich neu kombinieren kann. Deswegen dauert das 80s-Revival jetzt schon locker 3-4 mal so lange wie die Phase selbst, auf die die neuen Bands sich berufen.

Siehe Drab Majesty aus LA: Was sie machen, ist ein Mix aus Synth- und Gothpop und ein bisschen New Romantic. Man hört hier diverse Phasen Depeche Mode, Elemente von The Cure in ihrer „Pornography“-Ära, aber auch den Pop von Thompson Twins und Fiction Factory („Feels Like Heaven“) bilde ich mir ein, bei dieser Band wieder zu erkennen. Die Band aus den 80s aber, die wirklich 1:1 wie Drab Majesty klang, die gibt’s wohl gar nicht. Näher dran sind da schon zeitgenössische neo-80s-Bands wie The Ninth Wave oder The KVB.

Morgen erscheint Drab Majestys neues Album „Modern Mirror“, es ist bereits ihre Nummer drei. Kurz vorher lassen sie ein Video zum Song „Out of Sequence“ auf uns los.

Übrigens, im Herbst kommen Drab Majesty auf Deutschlandtour und dabei u.a. auch nach München. (02.10. Ampere)

Feels Like 30

Tja. Da kann man sich ja immer einreden, dass man schon irgendwie jung geblieben ist. Aber dann liest man, dass heute zwei absolute Indie-Klassiker das 30ste(!) Jubiläum ihrer Veröffentlichung feiern. Kann das wahr sein? Dreissig verdammte Jahre?

Erstens ist da The Cures „Disintegration“. Ich und meine Kumpels waren seit „The Head On The Door“ und „Kiss Me Kiss Me Kiss Me“ riesige Fans und übertrafen uns damit, Cure-Singles und 12″s wegen ihrer B-Seiten zu sammeln. Die nahende VÖ ihrer Neuen war folglich ein Großereignis für uns. Wir warteten nägelkauend und besorgten uns das gute Stück am Tag des Erscheinens im heimischen kleinen Plattenladen. Nun ist „Disintegration“, von den Hitsingles abgesehen, ein Album, das sich in seiner prunkvollen Dichte und elegischen Langsamkeit nicht sofort erschließt. Ich muss so ehrlich sein: Zuerst mal waren wir heimlich ein bisschen enttäuscht. Aber wir haben uns schnell reingesteigert. Heute bezweifelt niemand: Dies ist ein absolutes Highlight der an Glanzlichtern nicht eben armen Cure-Diskographie.

Am 2. Mai 1989 erschien aber noch ein weiteres Album für die Ewigkeit. Eins, das auf der Insel sogar noch größere Wellen machen sollte. Aber das Debüt von The Stone Roses entwickelte sich erst mit Monaten Verspätung zum Dauerbrenner. Bis das bei mir im Oberallgäu ankam (Youtube und sonstiges Internet gab’s ja nicht), war es Spätherbst geworden. Egal, „The Stone Roses“ wurde eine prägende Platte, die noch Jahrzehnte später Bands beeinflusste bzw. beeinflusst und die ich heute noch gerne höre. Da kommt es auf ein paar Monate nicht an.

REVIEW: FEWS

FEWS – „Into Red“

Ich habe das Debüt der FEWS einem Freund mal so beschrieben: „Die klingen, als hätten sie sich im Studio gefragt: Was will der Henning wohl gerne hören?“ Mann, habe ich dieses Album geliebt! 

Ich habe natürlich damals auch nen längeren Text zu jenem Album hier auf dem Blog geschrieben, aber an dieser Stelle eben die Kurzfassung: Auf „Means“ hat das damals aus drei Schweden und einem Ami bestehende Quartett (inzwischen ist ein Brite am Bass) so richtig alles, was ich an Indierock mag, in einen Energieriegel gepresst. Es gab Cure-artige Gitarren- und Bassläufe, es gab Noise-Eskapaden zwischen Pixies und Shoegazing, es gab Krautrock-Motorik-Gurgler und auch die Gesangsmelodien der Songs waren genau perfekt: Eingängig, aber nicht offensichtlich eingängig. 

Insofern sollte es mich traurig machen, das FEWS auf ihrer zweiten Platte so viel verändert haben. Denn auch wenn ich „Means“ extrem liebte, so war die Band, wie ich später hörte, selbst gar nicht damit zufrieden. Sie fanden die Aufnahmen zu glatt gebügelt, zu wenig gewaltig. Was nachvollziehbar ist, wenn man’s hinterher liest. Ich habe die FEWS auf ihrem Münchner Konzert vor zwei Jahren angeschaut (und gesprochen) und live haben die Junge ganz schon was vom Zaun gebrochen. Auf der Bühne waren sie definitiv noch mal ne Schippe intensiver und rauer als auf dem Album.

Diese Version der FEWS ist es, die wir auf dem zweiten Album zu hören kriegen. REVIEW: FEWS weiterlesen

I Predict A Record – 2019, Pt. 2

Das neue Jahr hat begonnen und mit dem neuen Jahr kommen auch die vagen Prognosen und die fundierten Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Hier gibt’s das Ganze für den Bereich Indie: Welche Alben stehen 2019 in den Startlöchern bzw. bei welchen Bands darf man mit einem aktiven Jahr rechnen?
Die ist der zweite Teil zu meinem Beitrag von gestern. Die Aufteilung wollte es, dass im gestrigen Post „kleinere“ Bands in der klaren Überzahl waren. Heute sind auch richtig große Namen dabei.

I Predict A Record – 2019, Pt. 2 weiterlesen