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When We Was Drab

Das Schöne am ewigen 80s-Revival ist, dass die Achtziger ja eine Menge Spielraum hergeben. Eine Menge Klanggebiete, die man unendlich neu kombinieren kann. Deswegen dauert das 80s-Revival jetzt schon locker 3-4 mal so lange wie die Phase selbst, auf die die neuen Bands sich berufen.

Siehe Drab Majesty aus LA: Was sie machen, ist ein Mix aus Synth- und Gothpop und ein bisschen New Romantic. Man hört hier diverse Phasen Depeche Mode, Elemente von The Cure in ihrer „Pornography“-Ära, aber auch den Pop von Thompson Twins und Fiction Factory („Feels Like Heaven“) bilde ich mir ein, bei dieser Band wieder zu erkennen. Die Band aus den 80s aber, die wirklich 1:1 wie Drab Majesty klang, die gibt’s wohl gar nicht. Näher dran sind da schon zeitgenössische neo-80s-Bands wie The Ninth Wave oder The KVB.

Morgen erscheint Drab Majestys neues Album „Modern Mirror“, es ist bereits ihre Nummer drei. Kurz vorher lassen sie ein Video zum Song „Out of Sequence“ auf uns los.

Übrigens, im Herbst kommen Drab Majesty auf Deutschlandtour und dabei u.a. auch nach München. (02.10. Ampere)

Feels Like 30

Tja. Da kann man sich ja immer einreden, dass man schon irgendwie jung geblieben ist. Aber dann liest man, dass heute zwei absolute Indie-Klassiker das 30ste(!) Jubiläum ihrer Veröffentlichung feiern. Kann das wahr sein? Dreissig verdammte Jahre?

Erstens ist da The Cures „Disintegration“. Ich und meine Kumpels waren seit „The Head On The Door“ und „Kiss Me Kiss Me Kiss Me“ riesige Fans und übertrafen uns damit, Cure-Singles und 12″s wegen ihrer B-Seiten zu sammeln. Die nahende VÖ ihrer Neuen war folglich ein Großereignis für uns. Wir warteten nägelkauend und besorgten uns das gute Stück am Tag des Erscheinens im heimischen kleinen Plattenladen. Nun ist „Disintegration“, von den Hitsingles abgesehen, ein Album, das sich in seiner prunkvollen Dichte und elegischen Langsamkeit nicht sofort erschließt. Ich muss so ehrlich sein: Zuerst mal waren wir heimlich ein bisschen enttäuscht. Aber wir haben uns schnell reingesteigert. Heute bezweifelt niemand: Dies ist ein absolutes Highlight der an Glanzlichtern nicht eben armen Cure-Diskographie.

Am 2. Mai 1989 erschien aber noch ein weiteres Album für die Ewigkeit. Eins, das auf der Insel sogar noch größere Wellen machen sollte. Aber das Debüt von The Stone Roses entwickelte sich erst mit Monaten Verspätung zum Dauerbrenner. Bis das bei mir im Oberallgäu ankam (Youtube und sonstiges Internet gab’s ja nicht), war es Spätherbst geworden. Egal, „The Stone Roses“ wurde eine prägende Platte, die noch Jahrzehnte später Bands beeinflusste bzw. beeinflusst und die ich heute noch gerne höre. Da kommt es auf ein paar Monate nicht an.

REVIEW: FEWS

FEWS – „Into Red“

Ich habe das Debüt der FEWS einem Freund mal so beschrieben: „Die klingen, als hätten sie sich im Studio gefragt: Was will der Henning wohl gerne hören?“ Mann, habe ich dieses Album geliebt! 

Ich habe natürlich damals auch nen längeren Text zu jenem Album hier auf dem Blog geschrieben, aber an dieser Stelle eben die Kurzfassung: Auf „Means“ hat das damals aus drei Schweden und einem Ami bestehende Quartett (inzwischen ist ein Brite am Bass) so richtig alles, was ich an Indierock mag, in einen Energieriegel gepresst. Es gab Cure-artige Gitarren- und Bassläufe, es gab Noise-Eskapaden zwischen Pixies und Shoegazing, es gab Krautrock-Motorik-Gurgler und auch die Gesangsmelodien der Songs waren genau perfekt: Eingängig, aber nicht offensichtlich eingängig. 

Insofern sollte es mich traurig machen, das FEWS auf ihrer zweiten Platte so viel verändert haben. Denn auch wenn ich „Means“ extrem liebte, so war die Band, wie ich später hörte, selbst gar nicht damit zufrieden. Sie fanden die Aufnahmen zu glatt gebügelt, zu wenig gewaltig. Was nachvollziehbar ist, wenn man’s hinterher liest. Ich habe die FEWS auf ihrem Münchner Konzert vor zwei Jahren angeschaut (und gesprochen) und live haben die Junge ganz schon was vom Zaun gebrochen. Auf der Bühne waren sie definitiv noch mal ne Schippe intensiver und rauer als auf dem Album.

Diese Version der FEWS ist es, die wir auf dem zweiten Album zu hören kriegen. REVIEW: FEWS weiterlesen

I Predict A Record – 2019, Pt. 2

Das neue Jahr hat begonnen und mit dem neuen Jahr kommen auch die vagen Prognosen und die fundierten Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Hier gibt’s das Ganze für den Bereich Indie: Welche Alben stehen 2019 in den Startlöchern bzw. bei welchen Bands darf man mit einem aktiven Jahr rechnen?
Die ist der zweite Teil zu meinem Beitrag von gestern. Die Aufteilung wollte es, dass im gestrigen Post „kleinere“ Bands in der klaren Überzahl waren. Heute sind auch richtig große Namen dabei.

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Review: Lusts

Lusts – „Call Of The Void“

„Illuminations“, das Debüt von Sänger Andy und Drummer James Stone aus Leicester, die man als Lusts kennt, erschien vor drei Jahren beim Label 1965 Records. Diese Firma ist eine echte Hausnummer. Von der Arbeitsweise her ist 1965 ein Indie, aber die Connections sind stark: Die Finanzierung kommt von der Sony, in Deutschland werden die VÖs über PIAS bearbeitet. So ein Backing zu haben, ist hilfreich. Letztes Mal hat die PIAS in Deutschland auch durchaus versucht, was für die Lusts zu erreichen. So wurde mir zum Beispiel auch ein Interview mit Andy fürs piranha organisiert.

Warum dieses langweilige Labelgeschwafel? Weil die Neue auf der mir unbekannten Plattenfirma „Blinky Watts“ erscheint. Googlen ergibt: Es ist die erste VÖ dieser Company. Der Verdacht bstätigt sich: Die Stone-Brüder haben das Label selbst gegründet und das neue Album auch selbst aufgenommen.

Es ist ja so: Ich bin nun schon recht lange irgendwie in der Musikindustrie unterwegs. Zwar war ich nie bei einem Label, sondern arbeitete nur mal ne Zeitlang bei einem Veranstalter und jetzt halt seit gefühlten Ewigkeiten als Musikjournalist. Jedenfalls, man kommt dann nicht drumrum, sich einen gewissen Blick auf das Kommerzielle anzugewöhnen. Auch wenn man nicht will, stellt man sich doch Fragen wie: Warum haben die jetzt wohl ihren Plattenvertrag verloren? Warum wohl keinen neuen unterschrieben? Dass sie jetzt alles selbst gemacht haben, war das eine aktive Entscheidung? Oder eine aus der Not geboren? Wenn ich selbst ein Label hätte – würde ich sie unter Vertrag nehmen? Review: Lusts weiterlesen

Review: The KVB

The KVB – „Only Now Forever“

Ich frage mich, was Langzeitfans wohl zum neuen Album von The KVB sagen. Ob da wohl welche „Sellout“ schreien? Auf ihrem inzwischen sechsten Longplayer sind Nicholas Wood und Kat Day nämlich so zugänglich wie noch auf keiner Platte zuvor. Man könnte es beinahe poppig nennen. Ein Schlauberger würde ihnen folglich möglicherweise unterstellen, dass die zwei Londoner es nach acht Jahren, in denen sie in der Schublade „respektierte, aber letztlich halt auch nicht vorwärts kommende Art-Indie-Band“ rumkrebsten, es jetzt endlich mal wissen wollen. Diesen Schritt könnte der Schlauberger dann verwerflich finden und verächtlich die Nase rümpfen. 

Ich altes Popkid stehe natürlich mal wieder auf der anderen Seite. Ich finde die neuen The KVB prima. Let me explain.

Also: The KVB machen hier eigentlich ja immer noch das, was sie vorher auch gemacht haben. Sie bewegen sich im statisch aufgeladenen Feld zwischen Synthpop der 80er, Krautrock-Motorik und Shoegaze-Schummrigkeit. Es hat immer schon aus den Boxen geknistert und geblitzt bei dieser Band. 

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KVB Dwelling

Eigentlich will ich gar nicht wissen, wofür die Abkürzung The KVB steht. Das kann man bestimmt googlen, aber viel lustiger ist doch, sich selbst was auszudenken: Königin von Belutschistan! Koffer voller Bandwürmer! Kamele verkaufen Butter! AUA!

Wofür The KVB aber garantiert steht, das ist schummriger Dunkelpop-Indie mit Shoegaze, Cure- und New Order-Anleihen. Am 12.10 kommt das neue Album des Londoner Duos, es heisst „Only Now Forever“ und ist ihr bisher poppigstes und zugänglichstes geworden. Case in point: Die Vorabsingle „On My Skin“

Review: Henric de la Cour

Henric de la Cour – „Gimme Daggers“

Ich habe drei Lieblingsgoths. Einer davon ist Robert Smith, eh klar. Der zweite ist Richmond aus The IT Crowd (Noel Fielding, yay!). Der dritte in der Runde ist Henric de la Cour.

Henric macht jetzt auch schon seit 23 Jahren Platten. Trotzdem nimmt sein jüngstes Album eine Sonderstellung ein. Es ist das erste Album nach der Rettung. Oder: Das erste in der Normalität. 

Aber von Anfang an. 

Henric kennt man in Schweden schon seit 1995. Damals veröffentlichte seine erste Band, sie hieß Yvonne, ihr Debütalbum. Die Platte kriegte in der Heimat viel Aufsehen, obwohl sie komplett gegen alle Trends lief. Denn 1995, da war Grunge noch relativ groß, vor allem aber war der Britpop in vollem Schwung. Kein Mensch setzte auf Synthies, schwarze Klamotten, Kajal und Klänge aus der Mitte der 80er. Goths, Grufties, schienen ein absolutes Nischendasein in der Indieszene zu führen. Aber Henric und seine dunklen Boys aus Eskilstuna (ja, die gleiche Heimatstadt wie Kent) überzeugten ihre Mitschweden, weil sie’s so konsequent durchzogen – und weil sie enorme Songs auf ihrer Seite hatten. Review: Henric de la Cour weiterlesen