Schlagwort-Archive: Best Coast

Good Lucie Charm

Utsonomiya, die Hauptstadt der Präfektur Tochigi, hat ca 500.000 Einwohner und drei davon sind die Indie-Girlband Lucie, Too. Sängerin Chisa und ihre zwei Mitstreiterinnen erinnern mich an Surf Pop a la Best Coast und 90s Girl Grunge a la Belly, nur halt eben mit japanischen Texten. Die Vocals auf der neuen Single „EGOIST“ sind vielleicht ein bisschen saccharinsüß ausgefallen, aber grundsätzlich macht mir der Energieboost-Pop der drei  richtig gute Laune.

Take The Longlist and walk it Pt 2

Stichwort: Longlist.
Schon ein kleines Ritual hier: Ein mal im Jahr pickt die BBC ihre Favoriten fürs neue Popjahr und sagt: „Die werden berühmt! Das ist ‚The Sound of 2018!‘
Ich höre mir den Kram dann an und gebe auf dem Blog meinen Senf dazu ab.

Der nächste Schritt folgt jetzt: Ich kontere ich mit meiner eigenen Longlist. Das sind dann aber immer Acts aus meinem Indie-Geschmacksbereich. Ich prognostiziere auch nicht den großen Durchbruch. Ich sage nur: „Ich traue denen nächstes Jahr ein ordentliches Debütalbum zu.“

Aber ganz ehrlich: Dieses Jahr war’s schwerer als je zuvor, diese Liste zusammen zu kriegen.
Dafür gibt’s bestimmt mehrere Gründe und ich habe auch eine halbe Abhandlung darüber begonnen. Ich hab’ sie aber wieder gelöscht. Wer will denn schon so Krisengerede lesen?
Zumal ich ja eh ewiger Optimist bin und glaube, dass sich das wieder einrenkt. Und ausrenkt. Und wieder einrenkt. Weil das alles zyklisch kommt und geht.

Anyway. 16 Bands und Solist(inn)en, denen ich 2018 was zutraue, findet ihr nach dem Break. Besser als die Grütze von der BBC sind sie allemal.

Take The Longlist and walk it Pt 2 weiterlesen

Review: Day Wave / Hazel English

Day Wave – „The Days We Had“

Hazel English – „Just Give In / Never Going Home“

Tja. Da läuft man durch die Welt und versucht, den Leuten zu erzählen, man sei offen für Neues. Man redet sich ein, das Originelle zu suchen, das Eigenständige, das Individuelle. Aber ab und zu stößt man an seine Grenzen. Da liebt man, liebt liebt liebt man genau das, was man längst kennt. Mein Kryptonit ist melancholisch-freundlicher Janglepop. Bringt mich in die Nähe dieses Kryptonits und ich werde in die Knie gehen. Für immer.

Originalitätspreise gibt’s wirklich nicht zu vergeben für die zwei Alben von Day Wave und Hazel English. Hölle, die bleiben der Janglepop-Schablone so treu, dass man die zwei Alben in eine gemeinsame Shuffle-Playlist packen könnte und immer erst, wenn der Gesang einsetzt, erkennt, wer von beiden den laufenden Song lieferte. Flötende Damenstimme? Aha, Hazel Englisch. Flötende Jungsstimme? Okay, Day Wave.

Beide kommen auch noch aus der gleichen Stadt! Oakland, California!

Beide halten sich strikt an die Regeln, die das Genre aufgestellt hat: Ganz bestimmte Akkorde in ganz bestimmten Reihenfolgen. Gitarren, die sanft in Richtung Shoegazing schnurren. Schüchterne Synthies, die sich aber ab und zu mit geradezu euphorische Hooklines erlauben. Drummachines. Basslines, die bei Simon Gallup in die Schule gegangen sind. Texte, in denen es um den/die Liebste geht, den/die man wirklich sehr anhimmelt, weswegen man so happy ist, wenn’s gerade gut läuft und so unglücklich, wenn er/sie zickt.

Review: Day Wave / Hazel English weiterlesen

Hazel, good looking!

Die 25-jährige Hazel English stammt eigentlich aus Australien, hat sich aber in Oakland/Kalifornien nieder gelassen. Wenn man so will, kann man das ihrem Sound anhören. Man erkennt in ihrem Janglepop nämlich das Echo von Melbourne’schem Dolewave, aber auch kalifornische Melodien. Das, was sie macht, liegt quasi auf halbem Wege zwischen Twerps und Beat Coast. So zu sehen im neuen Clip „More Like You“.

Beach better have my money

Selten hat ein Bandname bzw. Pseudonym die Sache gleich so auf den Punkt gebracht wie Moody Beach.
Beim Wörtchen Beach denken wir an Bandnamen wie Beach Boys, Beach Day, Beach Slang, Beach Baby – Sixties Melodien, Surf-Romantik.
Bei „Moody“ denkt man an Leute, die schwarz tragen und The Cure hören.
Und natürlich ist da noch das Wortspiel Beach/bitch, das dem Namen noch zugrunde liegt.

Wenn man all das kombiniert, dann darf man nicht überrascht sein, wenn man einen Song hört, der einerseits Best Coast – Sounds und andererseits New Wave-Melancholia verknüpft. Und in der Tat, genau das tut die Sydneysiderin, die sich Moody Beach nennt, auf ihrer Debütsingle „Vanilla“. Ein Stück, das mit den besten Momenten der Raveonettes mithalten kann. Wow! Ich bin schwer beeindruckt.

Review: Best Coast

California Nights - CMS SourceBest Coast – „California Nights“

Ja, es gibt ein drittes Best Coast-Album, (genauer sind es dreieinhalb, wenn wir die „Fade Away“ EP von 2013 mitrechnen), obwohl man sich lange schon darüber wundern darf, wie zur Hölle Beth Consentino und Bobb Bruno ihren engen Spielraum noch nicht ausgereizt haben. Wenn man immer auf dem gleichen Kaugummi kaut, verliert er doch schließlich irgendwann den Geschmack? Wie viele melancholische, aber aufbauende Drei-Akkord-Girlpop-Garagenrock-Lieder übers unglücklich-Verliebtsein-in-Kalifornien kann man schreiben, ohne dass der Zuhörer das Interesse verliert? Erstaunlich viele, wie auch „California Nights“ wieder zeigt, obwohl schon der Albumtitel uns unmissverständlich mitteilt, dass Best Coast nullnicht vorhaben, etwas an ihrem Grundrezept zu ändern.

Aber wenn sie am Grundrezept schon nichts ändern, dann variieren sie eben die Nuancen. Das reicht bei Best Coast, weil das Grundrezept gut ist. Genau so wie es bei den Raveonettes auch immer reicht (und bei den Dum Dum Girls knapp nicht).  Review: Best Coast weiterlesen