Review: Drowners

On DesireDrowners – „On Desire“

Wenn man zum Bäcker geht, dann kann man heute die Dinkel-Vollkorn-Fitness-Seele kriegen, den Kirsch-Kokos-Muffin oder das glutenfreie Chia-Ciabatta. Was alles schön und gut ist. Aber an der reschen Breze, bissfest im Knoten, fluffig im Körper, mit Laugenknusper drum rum, führt trotzdem einfach meistens kein Weg vorbei. Die Breze ist das, weswegen Bäckereien erst so populär wurden, dass huete an jeder Ecke eine steht. Und wenn in fünf Jahren kein Mensch mehr Chiasamen mehr will und statt dessen der Mispelkerncreme-Zwinkel in der Hipster-Auslage liegt, wird die Breze immer noch der Renner sein, der die Leute in die Läden holt.

Natürlich könnt ihr euch denken, was das mit New Yorks Drowners zu tun hat.

Wenn ihr auf diesem Blog gelandet seid, weil ihr Indie-Fans seid und nicht weil euch Google auf eine falsche Fährte schickte, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ihr zum Fan dieser Musik wurdet, weil drei bis fünf dürre schlaue Menschen mit engen Hosen, asymmetrischen Frisuren und trotzigem Auftreten euch dereinst den Weg gewiesen haben. Es gab eine Band, die Euch geprägt hat, und sie hatte die Besetzung Gitarre (ggf zwei davon), Bass, Drums und Stimme. Vielleicht waren’s die Strokes. Vielleicht waren’s The Smiths. Vielleicht Oasis, vielleicht die Kooks, die Arctic Monkeys, die Libertines, vielleicht die Beatles. Oder The Cure. Vielleicht die Stone Roses. Vielleicht ja Two Door Cinema Club, wenn ihr jünger seid. Oder gar die Blossoms, für die noch jüngeren.

Aber wenn eine Band einfach nur genau das macht, peppigen Indierock nämlich, dann sind die Scenester heute schnell dabei, ihr Irrelevanz zu unterstellen. Die Drowners machen schließlich nichts Neues. Sie machen nur sehr genau das, was wir schon von all den oben genannten Bands kennen. Lieder, die dreieinhalb Minuten dauern und in denen Sänger Matthew Hitt zerknirscht seine Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation und den Girls ausdrückt, während die Band fröhlich in ihre Saiten und Felle bazongt.

downers bandAuch ich bin jemand, der sich gerne mal beschwert, wenn er findet, dass eine Band unoriginell sei. Bei den Drowners aber kann ich das einfach nicht beanstanden. Nicht, weil es nicht stimmen würde. Sondern, weil das Verkörpern einer klassischen struwweligen Indie-Band doch überhaupt erst Rai­son d’être dieses Quartetts ist.

Und diese Rolle ist ihnen nun wirklich auf den Leib geschneidert wie ein skinny T-Shirt. Man kann das auf ihren Hintergrund zurückführen, wenn man es sich leicht machen will: Sänger Matthew stammt aus Wales. Für eine Modelkarriere ging er nach New York, fühlte sich aber einsam und begann darüber das Songschreiben. Wir haben hier also: Den schicken unglücklichen Typen, auf britischen Gitarrenpop geprägt, und die Band, auf NYC-Rock geprägt. Kein Wunder, dass Drowners mal typisch New Yorkerisch nach The Strokes („Troublemaker“) oder The Cars („Pick Up The Pace“) klingen, an anderen Stellen dafür die britische Seite in den Vordergrund tritt: „Another Go“ ist praktisch eine 3:13 Minuten dauernde Verbeugung von Gitarrist Jack Ridley III vor Johnny Marr.  Auch The Drums und The Cribs sind Bands, die mir in den Sinn kommen, wenn ich„On Desire“ höre, das übrigens das zweite Album der vier ist. Ihr Debüt „Drowners“ (2014) klingt kaum anders. Ein winziges bisschen rauer vielleicht. Ein winziges pinziges.

Fazit also: Okay, Drowners erzählen uns nix, das wir nicht schon kennen. Wenn man schimpfen will, wie unoriginell sie sind, kann man sogar folgende Tatsache hervor holen: Selbst ihr Name ist schon seit Mitte der 90s von „The Drowners“ aus Schweden besetzt. Und nun machen sie genau das, was wir uns unter Indie vorstellen, so konkret, dass sie die Band sind, die man jemandem vorspielen sollte, der immer noch fragt: „Was ist Indie eigentlich?“ Stylisch und schick, mit Gitarre, Bass, Drums und Stimme würden sie ihm in einem Song alles klar machen.
Denn hey! Sie sind’s: Die Breze! Sie machen nichts Neues, aber sie machen das, was wir lieben, und zwar genau so, wie wir’s lieben. Es muss Bands wie Drowners geben, immer. Stellt euch vor, beim Bäcker gibt es keine Brezen mehr! Sondern nur noch Kürbiskerngewichs! In so einer Welt will ich nicht leben.

Ranking Drowners

Das Video zur Single „Cruel Ways“: HIER

vom Debütalbum:

Drowners – Long Hair from Alan Del Rio Ortiz on Vimeo.

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