Schlagwort-Archive: The Libertines

Review: 485C

485C – „485C“

Was ist die Farbe von London? Es gibt nämlich eine. Allerdings repräsentiert sie nicht das London von heute, das der Banker und der Oligarchen. Das historische popkulturelle Swinging London, das hat eine Farbe, und die ist knallrot. Es ist das satte Rot der Doppeldeckerbusse, der Postbriefkästen und der berühmten, einst für London so typischen Telefonzellen. Grafiker, die genau diesen Rotton suchen, finden ihn im Pantone-Farbsystem. Da hat er die Kodierung 485C. Und wer jetzt errät, aus welcher Stadt die Band 485C kommt, kriegt keine 100 Punkte.

Klar kommen die fünf aus London! Adam Hume (Gesang), Dom Watson (Gitarre / Gesang), Lucas Hunt (Drums), Rory McGowan (Gitarre) and Sam Watkins (Bass) wohnen im Südosten der Stadt, wo die Central Line des Londoner UBahn-Systems ausläuft. Deren Farbe im Underground-Plan? Ebenfalls 485C, eh klar.

Aber die Herren verraten uns mit diesem Bandnamen natürlich mehr über sich als nur ihre Herkunft. Die klassischen Londoner Telefonzellen, sie sind fast aus dem Stadtbild verschwunden. Wer braucht sie noch im Zeitalter der Smartphones? Wer steckt noch Briefe in die roten Kästen in der Ära der email? Dieses Rot steht für etwas, das verloren geht, weil es von der Zeit überholt wird.

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Review: QTY

QTY – „QTY“

Immer mal wieder kommt’s vor, dass eine US-Band ihren Hype zuerst in Großbritannien kriegt, lange bevor die USA selbst bemerken, was sich zuhause tut. Manchmal dauert’s Jahre, bis sich der Erfolg der Band auch in den Staaten einstellt, oft erreicht er nicht annähernd den Level wie auf der Insel. Dafür zeigen die Briten oft eine echte Trüffelnase: Namen wie REM, Pixies, The Strokes, Black Rebel Motorcycle Club und Kings of Leon sind Beispiele für Karrieren, die über den Umweg London in die Gänge kamen.

Insofern sind QTY natürlich in bester Gesellschaft. Zuhause in New York sind Gitarristin Alex Niemitz und Sänger Dan Lardner lange nicht in die Gänge gekommen. Mehrere Jahre waren sie Mitglieder eines Quartetts namens Grand Rapids, das ein paar EPs machte und mehrere gefragte Bands als Vorband begleiten durfte. Weil die Grand Rapids aber irgendwie nie den nächsten Schritt schafften, trennten sie sich und Dan und Alex fingen als Duo neu an. Ihre Demos landeten in England, dort jubelte man auf. Sofort konnten die zwei einen Vertrag beim Label Dirty Hit (der Heimat u.a. von Wolf Alice und The 1975) unterschreiben, man flog sie nach London und hier durften die New Yorker ihr erstes Album mit Ex-Suede-Gitarrist und Libertines-Producer Bernard Butler aufnehmen. Review: QTY weiterlesen

Vinterview: Kings Of Leon

vinterview-kings-of-leon

Ihr habt’s vermutlich schon mitgekriegt – am 14.10. melden sich die Kings Of Leon mit ihrem siebten Album zurück. Das wird den Namen „WALLS“ tragen, was wiederum für „We Are Like Love Songs“ steht. Ich nehme das als Anlass, mal wieder ein „Vinterview“ aus dem Archiv meines alten Blogs zu kramen, denn zum letzten KoL-Album (2013) habe ich doch tatsächlich auch einen Termin abbekommen.  Mein Gespräch mit Nathan Followill fand am Tag nach ihrer Show in der Festhalle Frankfurt statt, noch ca zwei Monate vor der VÖ von „Mechanical Bull“.

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Review: Drowners

On DesireDrowners – „On Desire“

Wenn man zum Bäcker geht, dann kann man heute die Dinkel-Vollkorn-Fitness-Seele kriegen, den Kirsch-Kokos-Muffin oder das glutenfreie Chia-Ciabatta. Was alles schön und gut ist. Aber an der reschen Breze, bissfest im Knoten, fluffig im Körper, mit Laugenknusper drum rum, führt trotzdem einfach meistens kein Weg vorbei. Die Breze ist das, weswegen Bäckereien erst so populär wurden, dass huete an jeder Ecke eine steht. Und wenn in fünf Jahren kein Mensch mehr Chiasamen mehr will und statt dessen der Mispelkerncreme-Zwinkel in der Hipster-Auslage liegt, wird die Breze immer noch der Renner sein, der die Leute in die Läden holt.

Natürlich könnt ihr euch denken, was das mit New Yorks Drowners zu tun hat.

Wenn ihr auf diesem Blog gelandet seid, weil ihr Indie-Fans seid und nicht weil euch Google auf eine falsche Fährte schickte, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ihr zum Fan dieser Musik wurdet, weil drei bis fünf dürre schlaue Menschen mit engen Hosen, asymmetrischen Frisuren und trotzigem Auftreten euch dereinst den Weg gewiesen haben. Es gab eine Band, die Euch geprägt hat, und sie hatte die Besetzung Gitarre (ggf zwei davon), Bass, Drums und Stimme. Vielleicht waren’s die Strokes. Vielleicht waren’s The Smiths. Vielleicht Oasis, vielleicht die Kooks, die Arctic Monkeys, die Libertines, vielleicht die Beatles. Oder The Cure. Vielleicht die Stone Roses. Vielleicht ja Two Door Cinema Club, wenn ihr jünger seid. Oder gar die Blossoms, für die noch jüngeren.

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Review: The View

The-View-Ropewalk-COOKCD615The View – Ropewalk

Dass man „Reeperbahn“ mit „Ropewalk“ übersetzen kann, daran habe ich noch nie gedacht. Klar, Reep = Seil. Klar, jeder Norddeutsche weiss wahrscheinlich, was ich mir eben erst ergooglen musste: Um lange Seile zu produzieren, baute man früher ewig lange Hallen. Die standen im Hamburg früher dort, wo sich heute die sündige Meile befindet, die daher immer noch Reeperbahn heisst. In einem Studio auf der Reeperbahn haben die Schotten von The View letztes Jahr ihr fünftes Album aufgenommen, produziert hat Albert Hammond Jr. Ergo: „Ropewalk“.

„Ropewalk“ wiederum kann man auch mit „Drahtseilakt“ übersetzen. Ich hätte den Titel des fünften Albums von The View ja in diese Richtung gedeutet, bevor ich den tatsächlichen Grund der Namensgebung las. Denn es ist ja nicht so, dass die Karriere von Frontmann Kyle Falconer und seiner Band bisher ohne Schwankungen und Fehltritte verlaufen wäre.

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It’s A Glast!

Sommerloch, Sommerloch, Popommerloch. Sorry, in diesen Tagen gibt’s hier nur wenige Updates – aber es erscheint halt auch verdammt wenig. Umso mehr ist los auf den Festivals der Welt, und dieses Wochenende steht auf der Insel natürlich komplett im Zeichen von Glastonbury. Die BBC hat schon einige sehenswerte Clips onlne gestellt.

Wolf Alice zum Beispiel, auf einer Nebenbühne, Freitag Nachmittag. Es regnet, aber noch ist Glasto zu diesem Zeitpunkt nicht zur Schlammschlacht verkommen.

Florence + the Machine hatten die Aufgabe, den Headline-Slot der Foo Fighters zu übernehmen, die wegen Dave Grohls Beinbruch absagen mussten. Kein Job, um den man sie beneidet – da kann man auch zur Zielscheibe der Enttäuschung der Foo-Fans werden. Aber den Berichten nach haben Flo & Co die Gelegenheit beim Schopf gepackt, eine starke Performance hingelegt und die Leute auf ihre Seite gezogen.

Als Überraschungsgast für die abwesenden Foos gab’s The Libertines. Es heisst, sie hätten ein eher halbgares Set hingelegt und die Chance, sich vor ihrem Comeback-Album bei allen mit Vollgas zurück zu melden, verpasst.

Im Zelt: Circa Waves.. Ich bin nicht unbedingt ein Fan ihres Standard-Indiepops, sie spielen den Sound ziemlich safe – andererseits, es funktioniert ja und es kann durchaus seine Wirkung entfalten. Siehe:

Review: Palma Violets

Palma-Violets-AlbumPalma Violets – „Danger In The Club“

Mir ist gerade klar geworden, dass meine Geschichte mit den Palma Violets die eines großen Missverständnisses ist. Und schuld ist ihre Debütsingle.

Denn es ging so prima los mit „Best Of Friends“! Dieser Einstand der vier Londoner klang im Spätsommer 2012 wie ein strubbeliger, idealer Crash aus Vaccines, Libertines und Stone Roses – sensationell! Dies schien eine UK-Band zu sein, die all das verkörperte, was UK-Bands verkörpern sollen: Im Video zur B-Seite „Last Of The Summer Wine“ stolperten die vier dann auch noch in Gentleman-Anzügen und Regenschirmen durch einen typisch englischen Park, und sie sahen damit so aus, als wollten sie das Erbe der Kinks und von Supergrass weiterführen. Kein Wunder, dass die UK-Magazine Purzelbäume schlugen vor Freude. Der NME erklärte „Best Of Friends“ zur Single des Jahres!

Was die Palma Violets auf ihrem Album „180“ (2013) dann aber ablieferten, war etwas anderes. Review: Palma Violets weiterlesen