Schlagwort-Archive: Johnny Marr

Sturm und Drangsal

Die Drangsal stellt mich vor ein Problem. Der Gruber Maxe, wie wir Bayern sagen, hat kürzlich doch tatsächlich hier im piranha Büro vorbei geschaut. Klar, wenn zwei Indie-Nerds aufeinander treffen, dann entspinnt sich statt einem Interview ein von hier nach da wie eine Flipperkugel spickendes Gespräch über Morrissey und die Welt. Über eine Stunde ist die Audiodatei lang und für ein Transkript, wie ich es hier normal platziere, nicht wirklich geeignet. Bis am 27.04. das neue Album „Zores“ erscheint, werde ich mir überlegen müssen, wie ich das Ganze hier verarbeite. Bis dahin erfreuen wir uns an den Johnny-Marr-Gitarren der neuen Vorab-Single „Magst Du Mich (Oder Magst Du Bloss Noch Dein Altes Bild Von Mir)“

Meine Alben 2017, Pt.6 (5-1)

Finaaaaale! Der Countdown geht zu Ende. Hier jetzt also die Top 5 meiner persönlichen Lieblingsalben des Jahres 2017. Wie immer inklusive ein paar Zeilen zu den jeweiligen Platten. Also gut, have fun!

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Review: The Charlatans

The Charlatans – „Different Days“

In diesen Wochen gab’s/gibt es neue Alben von Ride, Slowdive, The Jesus and Mary Chain, alle mit großem Medienecho. Auch ihre Zeitgenossen The Charlatans haben ’ne Neue, doch der Hype fällt gering aus. Wenn man so will, haben die Madchester-Veteranen, die den ewigen Klassiker „The Only One I Know“ geschaffen haben, also einen Fehler gemacht: Sie haben sich nämlich nie getrennt. So können sie jetzt mit keinem Comeback -Brimborium um die Ecke kommen.

Aber selbstverständlich war es KEIN Fehler der „Charlies“, all die Jahre durchzuhalten. Die Band hat die Jahre, die andere Combos liegen ließen, genutzt, um ein beeindruckendes Gesamtwerk zu schaffen. Und im Verlauf des Ganzen ist den Baggy- und Britpop-Überlebenden etwas gelungen, was andere Bands sich nur wünschen: In Würde zu altern und in einem angemessenen Rahmen relevant zu bleiben, ohne sich Trends anzubiedern.

Ein Abstecher: Charlatans-Sänger Tim Burgess hat vor ein paar Jahren seine Autobiographie geschrieben. So ein Teil besorgt man sich, weil man halt Fan und Nerd ist – aber nicht, weil man glaubt, ein tolles Buch zu lesen. Es war dann aber so, dass ich das Ding kaum weglegen konnte. Tim kommt in seinen Memoiren extrem nachvollziehbar rüber. Als ein Mensch erstens mit Hummeln im Hintern und zweitens mit unbeirrbarem und ansteckendem Optimismus. Review: The Charlatans weiterlesen

Because Of The Timo

Es gab eine Zeit, da hat Timo Räisänen jedes Jahr ein Album gemacht. Eine absolute Kreativphase hatte der Ex-Gitarrist von Håkan Hellström zwischen 2005 und 2010. Mehrere seiner Songs waren kleinere oder größere Hits im Britwoch-Programm –  „Let’s Kill Ourselves A Son“ zum Beispiel, „Sweet Marie“  natürlich, aber auch „Outcast“ oder seine Coverversion von „About You Now“.

Heutzutage müssen wir etwas länger auf neue Musik des Göteborgers warten, den man auch schon „Schwedens Johnny Marr“ genannt hat – sein letztes Album mit eigenen Songs („Endeavour“) erschien 2012. Seit einiger Zeit hat Timo zur schwedischen Sprache über gewechselt, 2016 erschien immerhin ein Coveralbum „Timo Sjunger Ted“. Jetzt gibt’s ne neue Single: „Hemliga Polisen“ (zu deutsch: Geheimpolizei), der erste Vorbote eines kommenden Albums. Was heisst „Hurra!“ auf schwedisch?

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Different Days, same bands!

Slowdive, JAMC, Ride, The Stone Roses, Swervedriver, Blur … überall wiedervereinigte Lieblingsbands von 1990/91!  Nur The Charlatans nicht – weil die sich nie getrennt haben!

Am 26. Mai kommt ihr neues Album „Different Days“, es ist Nummer Dreizehn, und es wartet mit lauter Gästen auf: Paul Weller zum Beispiel, Gilian und Stephen von New Order und sogar Johnny Marr, der gleich auf mehreren Songs seine unverkennbare Gitarre jubeln lässt – nicht zuletzt auf der Vorabsingle „Plastic Machinery“.

Ach ja, und Tim Burgess ist immer noch blondiert. Ich dachte, das ist eine Geschmacksverirrung, die man ihm mal zugestehen darf, zum zweiten Soloalbum. Aber „Oh No I Love You“ erschien 2012! Und seitdem ist der Gute an keinem Spiegel vorbei gekommen? Oh well.

Interview: Ryan Adams

ryan-adams-opener

So. Hier ist es. 50 Minuten Ryan Adams am Telefon. Das komplette Transkript. Anfang Dezember hatte ich den Meister an der Strippe.

Seit gestern ist Ryans neues Album „Prisoner“ draußen – und es ist ja kein Geheimnis, dass er die Lieder für diese Platte in den Monaten nach der Trennung bzw. während seiner Scheidung von seiner Ehefrau Mandy Moore schrieb und aufnahm. Trotzdem ist es nicht „das Scheidungsalbum“, das wird uns Ryan im kommenden Text ausführlich erklären.

Wie er übrigens sehr viel sehr ausführlich erklärt. Ryan redet in diesem Gespräch oft wie ein Wasserfall – und ich bin nicht derjenige, der seinen Interviewpartner unterbricht.

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Series: The 80s – Classics and Curios, Pt. 1

vinterview-80sDas Frage, mit welchen Themen ich in den praktisch Release-freien Wochen um die Jahreswende Inhalte für meine Seite schaffen soll, die stelle nicht nur ich mir auf meinem kleinen Blog. Das Problem haben auch ganz andere, ungleich größere Musik-Medien. So hat Pitchfork vorgestern – a pro pos of nothing – eine Liste der 10 besten Songs der 80er zusammen gestellt. Aber warum auch nicht? Naturgemäß sind 10 Songs zu wenig, um eine ganze Dekade zusammen zu fassen und klar wird man drüber diskutieren. Sicher hat jeder der Pitchfork-Songs es verdient, auf der Liste zu landen – aber essentielle Namen fehlten trotzdem. Mich jedenfalls hat das Ganze dazu gebracht, 80s-Namen aufzuschreiben, die ich in meine persönlichen Top Ten packen würde. Natürlich ist das sofort ausgeartet und plötzlich hatte ich über 40 Namen auf dem Zettel stehen.

Weswegen ich mir sagte: Okay, da mach ich ne kleine Serie draus. Ich werde in unregelmäßigen Abständen eine kommentierte Selektion von 80s-Bands bzw Songs posten. Die 80s waren schließlich eine im Nachhinein herrlich alberne Dekade, in der viel ausprobiert wurde. Manches ging daneben, manches aber wurde zum Grundstein für spätere Entwicklungen. Manches, was damals noch als Mainstream-Pop galt, wäre heute fürs Indie-Fach zu schräg. Zumal: Seit youtube-Videos in Deutschland nicht mehr gesperrt sind, kann man alte Schätze neu entdecken.

Also gut, gehen wir in unsere erste Runde. Diese erste Rutsche habe ich unter einen Oberbegriff gestellt: Indie-Bands. Genauer: Bands, die als Pioniere das, was später zur eigenen Kategorie Indie werden sollte, vorbereiteten und noch lange prägten. All die nun folgenden Bands sind Gitarrenbands – was in den 80ern ja eher untypisch war.

Anmerkung: Die Liste ist alphabetisch geordnet, nicht nach irgendeiner Wertung. Sonst ginge es nicht ausgerechnet los mit…

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Review: Drowners

On DesireDrowners – „On Desire“

Wenn man zum Bäcker geht, dann kann man heute die Dinkel-Vollkorn-Fitness-Seele kriegen, den Kirsch-Kokos-Muffin oder das glutenfreie Chia-Ciabatta. Was alles schön und gut ist. Aber an der reschen Breze, bissfest im Knoten, fluffig im Körper, mit Laugenknusper drum rum, führt trotzdem einfach meistens kein Weg vorbei. Die Breze ist das, weswegen Bäckereien erst so populär wurden, dass huete an jeder Ecke eine steht. Und wenn in fünf Jahren kein Mensch mehr Chiasamen mehr will und statt dessen der Mispelkerncreme-Zwinkel in der Hipster-Auslage liegt, wird die Breze immer noch der Renner sein, der die Leute in die Läden holt.

Natürlich könnt ihr euch denken, was das mit New Yorks Drowners zu tun hat.

Wenn ihr auf diesem Blog gelandet seid, weil ihr Indie-Fans seid und nicht weil euch Google auf eine falsche Fährte schickte, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ihr zum Fan dieser Musik wurdet, weil drei bis fünf dürre schlaue Menschen mit engen Hosen, asymmetrischen Frisuren und trotzigem Auftreten euch dereinst den Weg gewiesen haben. Es gab eine Band, die Euch geprägt hat, und sie hatte die Besetzung Gitarre (ggf zwei davon), Bass, Drums und Stimme. Vielleicht waren’s die Strokes. Vielleicht waren’s The Smiths. Vielleicht Oasis, vielleicht die Kooks, die Arctic Monkeys, die Libertines, vielleicht die Beatles. Oder The Cure. Vielleicht die Stone Roses. Vielleicht ja Two Door Cinema Club, wenn ihr jünger seid. Oder gar die Blossoms, für die noch jüngeren.

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Review: Strange Names

strange names albumStrange Names – „Use Your Time Wisely“

Stichwort 80s-Revival. Welche 80s meint man denn, wenn man im Indie vom 80s-Revival spricht? Mein meint nichts aus der zweiten Hälfte der 80er. Man bezieht sich eigentlich immer nur auf die Ära ca 1979-1984, auf eine erste New Wave-Pionier-Phase (z.B. Gary Numan, DEVO, frühe OMD) sowie auf die Phase, in der daraus Synthpop für die damaligen Charts wurde (z.B. Howard Jones, Kajagoogoo, Nik Kershaw).

Das 80s-Revival wiederum kam für mich so richtig in die Gänge im Jahr 2002. In dem Jahr erschien Interpols „Turn On The Bright Lights“, auch The Faints „Danse Macabre“ (2001) startete nachträglich durch. In Schweden gab es Bands wie Melody Club und Paris, die behaupteten, von Nena beeinflusst zu sein und im Pop wieder mit Neonfarben malten.

Worauf will ich hinaus? Ich will sagen: Wenn das 80s-Revival in seinen diversen Spielarten seit 2002 läuft, dann sind das heute 13 Pop-Jahre! 13 Jahre, die sich auf nur 5 Pop-Jahre rückbeziehen.

Weswegen ich glaube, dass Strange Names, dieses neue Trio aus Minnesota, gar keine 80s-Revival-Band ist. Ich glaube, es ist eine 80s-Revival-Revival-Band. Review: Strange Names weiterlesen

Review: Modest Mouse

modestmouse-strangerstoourselvesModest Mouse – Strangers To Ourselves

Ich bin – da bin ich allerdings Teil einer Mehrheit – bei Modest Mouse erst recht spät dazu gestoßen. Als sie sich in den späten 90s erstmals einen Namen unter Fans von Built To Spill und Pavement machten, da waren meine Ohren noch total inselfixiert. Da favorisierte ich Bands der großen Gesten wie Mansun, The Verve und Radiohead, da hatte ich keine Zeit für Lo-Fi-Amis. Als Isaac Brock und seine Mitstreiter im Jahr 2000 mit „The Moon And Antarctica“ dann offenbar ein Majorlabel-Debüt hinlegten, auf dem sie ihren Horizont sprengten, ein Album, das in den USA als ihr bahnbrechendes, definitives, essentielles Werk gilt, lief auch dies – Schande über mich – noch komplett an mir vorbei.

Erst, als 2004 „Float On“ zum Hit wurde, konnte auch ich die Band nicht länger ignorieren. Ich leistete mir „Good News For People Who Like Bad News“ und fand Gefallen an ihrem Style: Isaac Brocks Texte waren sowohl obskur als auch aussagekräftig in ihrer Bildhaftigkeit (Johnny Marr hat ihn später nicht unabsichtlich wiederholt als den besten Texter bezeichnet, mit dem er je arbeitete) und auch rhythmisch hatten sie echt individuelle Eigenheiten: Sie hatten den Indie-Stampfer im Programm, den Indie-Marsch und den Indie-Schunkler. „Float On“ war z.B. ein Indie-Marsch. Das war ein Song, der mit Bestimmung voran schritt. Ein Song, der super funktionierte auf dem Atomic-Dancefloor. Review: Modest Mouse weiterlesen