Schlagwort-Archive: The Cribs

Kleine Kollektion 2020/20

So, was ist mit zuletzt an sehenswerten Clips aufgefallen? Fangen wir an mit Glasgows Neo-New Wave-Gothpop-Duo THE NINTH WAVE. Haydn Park-Patterson und Millie Kid veröffentlichen weiter fleißig Videos aus ihrer aktuellen EP „Happy Days“. Jetzt kam der Song „Come Down Forever“ an die Reihe.

Eine meiner bisherigen Lieblingsplatten des Jahres 2020 kommt von Spacey Jane. Das Quartett aus Fremantle bei Perth hat mit seinem Debüt „Sunlight“ einen sweet spot getroffen. Ich höre darin ein bisschen Teenage Fanclub, ein bisschen Melbourne-Jangle, ein bisschen Britpop. Die Band selbst sieht ihr Vorbilder in Aussie-90s-Bands wie You Am I, Jebediah oder Grinspoon – so ehrlich muss ich sein, das sind Namen, die ich kenne, in deren Musik ich mich aber nie vertiefte. Muss ich wohl mal nachholen. Aber es gibt so viel Musik, wer soll das alles hören?! Anyway, Spacey Jane haben eine Livesession eingespielt, für den AUS-Kanal „Pile TV“. Die Songs sind: „Wasted On Me“, „Love Me Like I Haven’t Changed“ sowie das Car Seat Headrest-Cover „Fill In The Blank“

Drittens: Oha! The Cribs sind wieder da! Große Freude! Neulich erst dachte ich mir: „Mei, von denen hat man ja lange nix mehr gehör!.Ob die wohl noch Musik machen? Gut, trennen werden sie sich nie, weil’s nun mal Brüder sind. Aber wann und ob da wohl was Neues kommt?“ Die Antwort: Ja! „Running Into You“ ab jetzt, das Album „Night Network“ ab dem 13.11.!

Die Zeiten, in denen man Phoebe und Joe von Two People als „Ex-Snakadaktal“ ankündigt, sollten vorbei sein. Schließlich stehen die zwei vor ihrem zweiten Album „Second Body“ (VÖ: 28.08.), damit ist die Discographie ihrer zweiten Band offiziell länger als die ihrer ersten. So oder so – die Athmosphären-Synth-Australier schicken der Platte einen weiteren träumerischen Vorab-Track voraus: „Been A Little While“

… und noch mal Australien: King Gizzard! Yupidu! Na, was kredenzen Stu & Co uns heute? „Honey“ war ein erstaunlich nettes  akustisches Liebeslied,  geht’s so weiter? Nein, „Some Of Us“ thematisiert den Weltuntergang und die Leute, die uns dort hinein treiben. Recht hat er ja, der Stu.

That’s Alright, Marr

Johnny Marr. Eine verdammte Legende, der Typ. Ich muss nicht dazu sagen, warum. Dafür ist hier eh nicht genug Platz.

Having said that, Johnnys neue Single „The Bright Parade“ ist in Ordnung. Eine flotte New Wave-Pop Nummer, in der Johnny seine Slide Guitar-Skills einsetzt, ohne gleich flashy damit anzugeben.

Das ist voll okay. Aber, sagen wir’s so: Wenn man dereinst mal Johnnys Lebenswerk zusammenfasst, wird „The Bright Parade“ eine untergeordnete Rolle spielen. Da hat der Mann dann doch schon spektakuläreres geschaffen.

Coming Back For Marr

Ich weiss, was eine Utopie ist und was eine Distopie ist – aber was ist eine Armatopie? Hat das was mit Armageddon zu tun? Eine Zukunftsvision des Weltuntergangs? So deute ich’s mal.

„Armatopia“ ist jedenfalls der Titel der Single, die uns ex-The The- bzw ex-The Cribs / ex-Electronic / Ex-Modest Mouse-Gitarrist Johnny Marr heute überraschenderweise präsentiert hat. Überraschend, weil sein letztes Album doch kaum ein halbes Jahr alt ist.

Ich weiss, Johnny war auch Gründer und Gitarrist einer weiteren wichtigen Band. Aber die sage ich heute mal nicht dazu, denn der Meister hat so viel geleistet, musikalisch gesehen, dass man ihn nicht immer auf dieses eine Frühwerk runter reduzieren muss.

Vinterview: Johnny Marr

Letzte Woche erschien „Call The Comet“, das dritte Soloalbum von Johnny Marr. Ein Grund, mal wieder im Archiv zu kramen. 2013, als „The Messenger“ erschien, die erste Soloplatte des Ex-Gittaristn von Modest Mouse, The The, Electronic, The Cribs und (jaja) The Smiths, da konnte ich nämlich ein Interview mit dem Meister führen. Das Transkript gab’s auch auf meinem alten Blog zu lesen, der nicht mehr online steht. Ich habe das Ganze mal wieder hervor gekramt. 

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Review: Johnny Marr

Johnny Marr – „Call The Comet“

Also, zuerst mal: Johnny Marr ist ein Heiliger. Was der Mann in seinem Leben schon geschaffen hat, das würde reichen, um fünf verschiedene Musiker zu Kultfiguren zu machen. Ich muss es hier nicht aufzählen, oder? Nein, muss ich nicht. Aber, andererseits – bremsen kann ich mich ja auch nicht.

Also: Zuerst mal hat Johnny Marr als Teenager n Manchester The Smiths gegründet und lässig, sich souverän zurückhaltend den perfekten kreativen Partner für den (damals noch) genialischen Selbstdarsteller Morrissey gegeben. Mit seinem unbemühten, nie angeberischen, aber zielsicheren und, wenn nötig, filigran-präzisen Spiel hat er ganzen Generationen späterer Indie-Gitarristen quasi die Schablone für ihren Sound abgeliefert. (Dass er, nebenbei bemerkt, die Smiths zwischenzeitlich auch managte, weil Morrissey diese Tendenz hatte, alle Businesspartner zu vergraulen, ist da nur eine Fußnote.)

Marr war der, der trotz seines Images als treuer Sidekick die Traute hatte, die Smiths schließlich zu verlassen und damit aufzulösen. Gleich darauf hatte er auch schon zwei neue Jobs: Als Co von Bernard Sumner (New Order) in Electronic und als Gitarrist von Matt Johnsons The The – auch hier war sein Spiel natürlich prägend und ideal auf seine Nebenmänner zugeschnitten. Review: Johnny Marr weiterlesen

Give give give me Marr Marr Marr

Das dritte Johnny Marr-Soloalbum steht vor der Tür.

Zu Johnny Marr muss man nichts sagen, oder? Erstens mal hat er als Gitarrist von The Smiths den sound of Indie überhaupt erst ERFUNDEN und geprägt wie niemand sonst. Er spielte seitdem auch Gitarre bei Electronic, The The, Modest Mouse und war zwischendurch vierter Jarman bei The Cribs. Berühmt ist auch die Story, dass er Noel Gallagher in Oasis-Anfangstagen mal eine seiner Gitarren schenkte, einfach nur um die Band zu fördern. Hollywood-Arbeit hat er auch abgeliefert und mit Hans Zimmer den Soundtrack zu „Inception“ komponiert. Und und und…
Außerdem – das ist angesichts dieser Historie ja anzunehmen – ist er ein schlauer, offener, kulturell enorm gebildeter Mann und einfach ein guter Typ.

Das Album „Call The Comets“ erscheint am 15.06. und mit „Walk Into The Sea“ gibt’s nun die dritte Vorabsingle daraus.

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Review: The Cribs

The Cribs – „24-7 Rockstar Shit“

Das letzte Mal, dass ich einen der Cribs interviewte, war zur „In The Belly Of The Brazen Bull“, denn zu dem Zeitpunkt hatten die drei in Deutschland noch ein Label, dass sich auch ein bisschen um sie kümmerte. Ryan Jarman erzählte happy von der USA-Tour seiner Band. Die drei Brüder waren wieder im Kleinbus unterwegs, lösten sich als Fahrer ab – genau so, wie es sich seiner Meinung nach gehörte. Die riesigen Hallen in England, in denen sie gelandet waren nach ihren Hitalben, der Majorlabel-Deal – mit diesen Dingen fremdelte er. Auch wenn Ryan jahrelang mit blutiger Lippe für NME-Schlagzeilen sorgte, wusste er doch, dass seine Band da eigentlich nicht hin gehörte. Seine Lieblingsbands, das waren die, die mit Punk-Ethos für eine Handvoll eingeweihter Fans durch die Undergroundclubs tourten. Idealisten, für die Verkaufszahlen und Chartpositionen keine Rolle spielten.

Ich will nicht sagen, dass The Cribs jetzt absichtlich ihre Karriere sabotieren, um sich zu einer solchen Fans-only-Band runter zu schrumpfen. Aber es ist ein Prozess, der stattfindet und gegen den sie offensichtlich nicht ankämpfen. Wer auf ihrem neuen Album jedenfalls ein neues „Man’s Needs“ sucht, wird’s nicht finden.

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2017 – a few Reasons to Cheer

2017-header-temples

Erst mal ein Gutes Neues! Wir schreiben also das Jahr 2017 – und ehrlich gesagt, mir ist dieses Jahr nicht wohl zumute. Der Typ, der US-Präsident wird, hat offensichtlich einen an der Klatsche und wird die meines Erachtens nach akutesten Probleme der weltweiten Gesellschaft nicht angreifen, sondern nur verschlimmern. Aber auf diesem Blog halte ich mich in Sachen Politik normal zurück und schreibe über das, was uns happy macht: Indiepop.

Da stehen im neuen Jahr dann doch ein paar Dinge an, auf die man sich freuen darf. Ich mache mal eine kleine Liste. 2017 – a few Reasons to Cheer weiterlesen

Review: Drowners

On DesireDrowners – „On Desire“

Wenn man zum Bäcker geht, dann kann man heute die Dinkel-Vollkorn-Fitness-Seele kriegen, den Kirsch-Kokos-Muffin oder das glutenfreie Chia-Ciabatta. Was alles schön und gut ist. Aber an der reschen Breze, bissfest im Knoten, fluffig im Körper, mit Laugenknusper drum rum, führt trotzdem einfach meistens kein Weg vorbei. Die Breze ist das, weswegen Bäckereien erst so populär wurden, dass huete an jeder Ecke eine steht. Und wenn in fünf Jahren kein Mensch mehr Chiasamen mehr will und statt dessen der Mispelkerncreme-Zwinkel in der Hipster-Auslage liegt, wird die Breze immer noch der Renner sein, der die Leute in die Läden holt.

Natürlich könnt ihr euch denken, was das mit New Yorks Drowners zu tun hat.

Wenn ihr auf diesem Blog gelandet seid, weil ihr Indie-Fans seid und nicht weil euch Google auf eine falsche Fährte schickte, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ihr zum Fan dieser Musik wurdet, weil drei bis fünf dürre schlaue Menschen mit engen Hosen, asymmetrischen Frisuren und trotzigem Auftreten euch dereinst den Weg gewiesen haben. Es gab eine Band, die Euch geprägt hat, und sie hatte die Besetzung Gitarre (ggf zwei davon), Bass, Drums und Stimme. Vielleicht waren’s die Strokes. Vielleicht waren’s The Smiths. Vielleicht Oasis, vielleicht die Kooks, die Arctic Monkeys, die Libertines, vielleicht die Beatles. Oder The Cure. Vielleicht die Stone Roses. Vielleicht ja Two Door Cinema Club, wenn ihr jünger seid. Oder gar die Blossoms, für die noch jüngeren.

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Review: The Cribs

cribs sistersThe Cribs – For All My Sisters

Es trifft sich ganz gut, dass parallel zu den Circa Waves, die ich hier neulich ein bisschen einbremste, auch The Cribs eine neue Platte rausbringen. Denn auch The Cribs sind eine Band, die einer althergebrachten Indie-Ästhetik entsprechen, insofern könnte man da ein paar Vergleiche ziehen. Auch sie erfinden das Rad nie neu, sondern sind halt eine Indiegitarrenband, nicht mehr und nicht weniger.

Warum stehe ich trotzdem hundertpro hinter den Jarman-Brüdern? Weil die drei grimmigen Nordbriten aus Wakefield mehr noch als eine Ästhetik einen Indie-ETHOS verkörpern: Drei Rebellen gegen den Rest der Welt.

Erst mal: Wer könnte eine eingeschworene Clique sein als drei Brüder? Die zu Beginn eine Zeitlang bettelarm mehr oder weniger in ihrem Proberaum lebten? The Cribs sind auch die Band, die sich wohler fühlt, wenn sie zu dritt im schratteligen Van durch die USA tuckern kann, wobei man sich beim Fahren ablöst, als sich im Luxus-Nightliner auf der Insel von einer Halle kreischender Teenies zur nächsten chauffieren zu lassen. The Cribs sind unsauber und agieren ohne Rücksicht auf Verluste – Es gab eine Zeit, da war auf Livebildern von Ryan Jarman grundsätzlich Blut zu sehen (er hatte sich so oft den Mund am Mikro angeschlagen, dass es quasi schon chronisch war und bei jeden Gig gleich neu aufplatzte). Berühmt sein Absturz bei den NME Awards 2006, als er sich auf einem Tisch voller Gläser warf und die Scherben ihm ernsthafte innere Verletzungen zufügten. Auch schon neun Jahre her, das. Was ein Reminder ist, wie lange wir die Cribs schon haben und wie treu sie sich geblieben sind.

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